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Kommentar: #notinmyname „Ich bin müde …“

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    Was geschieht da eigentlich warum schon wieder? Es tickert und rattert und dröhnt. Es ist Krieg – titeln nicht wenige Zeitungen bereits, ein uns aufgezwungener? Der erste Anschlag in Deutschland „muss“ doch nun bald folgen? Wann ist es soweit, wer ist als Nächstes dran? Müssen wir Angst um unsere Kinder haben? Und die Hetzer sind auch längst wieder in ihrem Geschäft unterwegs, nun die Themen Flucht und Vertreibung umzudeuten, die Panik weiter anzuheizen. Und die Angst vor den Flüchtlingen zu schüren, die vor eben jenem Krieg zu fliehen suchen. Der ihnen nach Europa längst vorausgeeilt ist, nach London, Paris, Madrid. Ja, es ist unser Krieg. Und er tobt nun seit fast 15 Jahren. Mindestens.

    Ist es wirklich so wichtig, sich mit Assad, dem IS, der Boko Haram oder anderen weiter zu bekriegen? Weil sie Leid verbreiten, müssen wir auch Leid verbreiten? Weil wir uns umgehend umgebracht haben, als es der Nachbar tat? Oder sollte man diesem Krieg nicht einfach noch mehr Menschen entziehen, sie in Sicherheit bringen, bis alle, die da herrschen wollen, Herrscher ohne Menschen sind? Warum bieten wir nicht konsequent allen Nachbarländern von Staaten, die längst im Krieg versunken sind, weit mehr Hilfe an, als bislang? Warum orientieren wir uns an Territorien und nicht an den Menschen, die da leben? Weil es eigentlich um Land und Boden geht?

    Wer sind wir, die wir uns moralisch höherstellen?

    Spielt es wirklich eine Rolle, ob Putin eine Meise hat oder nicht? Hat er uns angegriffen? Und ist diese Frage wichtig, wenn ich auf einen Russen treffe, womöglich mit ihm Handel treiben möchte oder wir uns einfach nur gut verstehen? Müssen wir wirklich ganz dringend die Ukraine in die EU holen? In eben jenen Wirtschaftsraum, der auch nur durch die Wirtschaft, weniger durch wirklich gemeinsame Werte begründet wurde. Und wenn ja, mit welchen Mitteln?

    Müssen wir den IS bekämpfen und damit ihn selbst, den Krieg und die Vertreibung immer weiter nähren und ihm bei der Rekrutierung neuer Kämpfer helfen? Können wir diese schneller töten, als sie sich an einem Krieg beteiligen wollen, der weit mehr ist, als ein paar Irre gegen „die Guten“? Ist der IS nicht vielmehr eine pseudoreligiös aufgeladene Scheinbefreiung von uns, dem „friedlichen“ Westen und in den Augen dieser Kriegsverbrecher nicht ein Befreiungskrieg? Könnten nicht wir uns ändern und zum Beispiel den Deutschen die Hand reichen, die gerade überlegen, auch für den IS in den Krieg zu ziehen?

    Waffen haben wir längst mehr als genug, um uns zu schützen

    Nur nützen sie noch etwas in einer dezentralen Lage? Darauf gibt es keine Antwort, eher nein. Doch sind wir selbst wirklich so schwach, Krieg zu benötigen, um unsere Lebensweise zu rechtfertigen? Und ist diese Lebensweise zu rechtfertigen, angesichts der Ungerechtigkeiten auch in Europa und den vorgeblich entwickelten Ländern? Haben wir die Armut schon besiegt? Auch und gerade gegenüber den „Anderen“, Schwachen und Müden – haben wir ihnen ein Heim gegeben? Oder ist es eher so, dass wir Verelendung, Not und Kriege durchaus richtig finden, solange der Blutzoll immer auf der vermeintlich anderen Seite bleibt?

    Krieg benötigt immer zwei Parteien – mindestens

    Bekommen wir, die scheinbar Starken, nun, im Jahr 15 des aktuellen Krieges nicht nur einfach Angst, dass wir schlicht Kriegspartei sind – mit allen Konsequenzen. Und dass der Gegner im „war against terror“ eine durchaus abscheuliche Taktik gefunden hat, uns in Bedrängnis zu bringen? Indem er in unsere Städte zu kommen versucht, nachdem wir in seinen waren. Nachdem wir zuschauten, wie Drohnen ohne Besatzung töten und er nun Menschen schickt, die sich selbst in die Luft sprengen?

    Niemals ist der IS an Anzahl, Schlagkraft und Tötungen uns überlegen – aber mit einer Kriegsführung erfolgreich, die, wie in den tiefsten Kellern psychologischer Kriegsführung erdacht, darauf setzt, mit wenigen Menschen maximalen Schrecken zu verbreiten. Unsere Welt, unser Denken, unsere Gefühle haben sie genauso am Wickel, wie alle anderen, die Waffengewalt als Normalität verkaufen wollen. Die Drohnen sogar ohne Einsatz von Menschen zur Verbreitung maximalen Schreckens entsenden.

    Warum geht es letztlich doch immer wieder um Ressourcen, angefangen bei Öl und Gas, bis hin zu Wasser oder „Lebensraum“, wenn es irgendwo auf der Welt mal wieder heißt – in den Krieg! im Namen von … Demokratie, Gott, der Menschenwürde, Freiheit oder irgendeinem anderen missbrauchten Begriff wie einst bis heute „Volk“ und „Nation“?

    Was zwingt uns eigentlich, anderen unsere Lebensart aufzwingen zu wollen, statt uns einfach im Falle eines Falles zu verteidigen? Und ist diese in ihrem Verbrauch an Erde wirklich so genial, wie wir in unserer technischen Überlegenheit glauben? Warum wird in den letzten Jahren aus Krieg immer noch mehr Krieg? Und warum interessiert uns die Verelendung derer, die darunter wirklich leiden, nur so marginal? Ist es nur, weil sie scheinbar weit weg sind oder ist es längst der Zustand zunehmender Verrohung und Gewöhnung an Krieg. Wenn er nur fern genug scheint natürlich.

    Niemand möchte sterben und alle müssen es

    Ich habe in den Jahren seit dem 11. September 2001 und vor allem im letzten Jahr vor allem gelernt: Gier frisst Hirn, Angst die Seelen und der Hass die Menschen. Und dass ich nicht in einer Welt leben möchte, die so ist. Ein Wunsch für alle Menschen, nicht nur die fernen Syrer, Iraker, Eriträer, Afghanen oder Ukrainer, aber auch und gerade für diese. Nun hat das große Fressen erneut Paris erreicht, wie es schon in London, New York und Madrid zu Gast war. Und überall auf der Welt tobt. Wo anderswo auf der Welt namenlos gestorben wird, werden alle Opfer von Paris zu Recht einen Namen haben und erhalten.

    Wir Deutschen sind unterdessen in der Disziplin der vorauseilenden Panik offenbar doch eine sichtbare Besonderheit. Wir haben schon jetzt ein Hysterielevel erreicht, welches in den letzten Stunden vielleicht den bereits das zweite Mal betroffenen Franzosen und genauer den Menschen von Paris zusteht. Oder den Menschen im Jemen, in Libanon, in Libyen, Afghanistan, Syrien, Irak und jedem weiteren Land, wo Menschen seit dem Sturz 1953 von Mossadegh im Iran gestorben sind. Oder eben Vietnam, Korea, Iran und Irak schon vor dem „War against terror“.

    Wir sollten uns schämen, wenn wir nach rechts driften, wo wir durch die Aufnahme von Flüchtlingen das erste Mal ein Teil der Lösung sein könnten. Und genau aus diesem Moment heraus weiterdenken sollten. Warum sie kommen, wovor sie davonlaufen und was es mit uns zu tun hat.

    Ein Anfang wäre vielleicht, dass alle nie wieder eine Partei, einen Politiker wählen oder einer Organisation zu Macht verhelfen, die nicht verbindlich erklären und zeigen, dass Krieg keine Option für sie ist. Und die uns andere, ja schwierigere, Lösungen, vorschlagen.

    Wir sollten endlich genauer zuhören. Und uns vielleicht ab und zu an einen Traum erinnern.

    Imagine von Lennon

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      4 KOMMENTARE

      1. Danke für diesen Text.
        Leider sieht man immer wieder nur die, die im Licht stehen. Die im Dunklen sieht man nicht oder so sinngemäß sagt es Brecht. Lassen wir uns von denen im Dunklen nicht durch UNSER Leben treiben. Gibt es irgendeinen Grund dafür?

      2. Ich schließe mich dem Dank an!

        Im Netz verfolge ich, wie die Hetze betrieben wird und auch Verschwörungstheorien verbreitet werden. Was ist nur aus den Menschen geworden! Wenn man dagegen argumentiert, wird man als „Gutmensch“ bezeichnet. Dann will ich lieber ein „Gutmensch“ sein, als jemand mit einer hässlichen Hetzfratze und vom Hass zerfressenen Hirn und Herz.

      3. Ich möchte mich dem herrlichen Dank anschließen und darüber hinaus anmerken, dass es nur eine Partei in Deutschland gibt, die verbindlich erklärt hat und zeigt, dass Krieg keine Option für sie ist.
        Es bräuchte also couragierte Menschen, die sich sichtbar bekennen.

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