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Der Lebensraum für Tiere in der Stadt Leipzig wird noch knapper

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    2016 war ein hartes Jahr für Vögel, kleine Säuger, Amphibien und Insekten in Leipzig. Es wurde gesägt, geholzt, gerodet, Platz gemacht für neue Gebäude oder einfach nur für einen kurzgeschorenen Rasen. Zu den Zwängen einer vom Neubau geprägten Stadt kommen ja auch immer noch die Dummheiten starker Männer mit lärmenden Maschinen, die nur deshalb Habitate kahl rasieren, weil sie die Maschine dafür haben.

    Eine Entwicklung, die der Naturschutzbund (NABU) Leipzig mit Besorgnis betrachtet. Denn was passiert, wenn die Stadt demnächst mehr als 580.000 Einwohner hat, bis 2030 werden gar 720.000 erwartet?

    „An den vielen Baustellen ist gerade zu sehen, wie sich ein solches Wachstum auswirkt. Neue Wohnungen, Einkaufsmärkte und Gewerbegebiete werden gebaut“, resümiert der NABU nun zum Jahresende. „Aber Leipzig schrumpft für die Wildtiere! Während die Stadt wächst, haben diese Stadtbewohner immer weniger Platz. Viele Brachflächen und Grünanlagen gibt es nicht mehr, Sträucher und Bäume wurden gerodet. Damit einher geht der Verlust von potenziellen Lebensräumen der Tiere. Immer mehr Menschen fällt auf, dass es beispielsweise weniger Sperlinge und Amseln gibt. Igel, Fledermaus, Schmetterling und Nachtigall, die zum lebendigen Stadtbild von Leipzig gehörten, werden immer seltener.“

    Was auch daran liegt, dass augenscheinlich kaum noch ein Stadtbewohner weiß, dass Städte eigentlich auch Lebensraum für Tiere sind. Tiere, die sich an die verbliebenen Nischen im Stadtraum angepasst haben. Nischen, die so seit Jahrhunderten auch zum Stadtbild gehören, egal, ob das der große Baum im Hof war, die große Streuobstwiese, die Alleebäume oder der naturnah belassene Park. Moderne Zeiten zeichnen sich auch dadurch aus, dass Hausbesitzer und Hausmeister aufgerüstet haben mit schwerem Trimm- und Putzgerät. Das sächsische „Baum-ab-Gesetz“ hat zusätzlich tausenden Bäumen auf Leipziger Privatgrundstücken die Existenz gekostet.

    Und die neue Nutzung alter Brachflächen sorgt jetzt erst recht für einen großen Verlust natürlicher Rückzugsräume. Allein im Jahr 2016 hat der NABU einen Flächenverlust von über 50 Hektar erfasst. Das sind Flächen, die lange von unseren tierischen Mitbewohnern genutzt wurden und die nun nicht mehr existieren. Eine Karte im Internet gibt einen entsprechenden Überblick über diese vom NABU registrierten Flächen – viele weitere sind in dieser Übersicht noch gar nicht enthalten.

    Platz für Wildnis in der Stadt

    „Dass neu gebaut und dass saniert wird, soll gar nicht verhindert werden“, betont der NABU. Das Problem ist eher, dass die Stadtgesellschaft vergessen zu haben scheint, dass nicht nur der Mensch, sondern auch das Tier Rückzugsräume braucht in der Stadt. Denn Stadtnatur ist nicht nur Teil einer gesunden Umwelt, sondern gehört auch zur Lebensqualität der Menschen – gerade in einer wachsenden Stadt, so der NABU. „Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Flächen ist nötig. Sie müssen so gestaltet und genutzt werden, dass auch Platz für die Natur bleibt. Naturnahe Bereiche sollten bei der Bebauung eingeplant werden, in Randbereichen von Bauflächen könnte sogar wertvoller Lebensraum neu geschaffen werden.“

    Besonders verstörend finden die Naturschützer, dass Planern und Architekten im Freibereich ihrer Neubauten immer nur kahler Rasen einfällt, wo Blumenwiesen Insekten und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum geben könnten. Auch Sträucher, die Rückzugsmöglichkeiten, Nahrung und Nistplätze bieten, werden kaum gepflanzt, vielfach sogar ersatzlos beseitigt. Einzelne nachgepflanzte kleine Bäume können die schwindenden Lebensräume nicht ersetzen.

    Tödliche Gefahren

    Hinzu kommen weitere menschgemachte Gefahrenquellen in der Stadt, stellt der NABU fest: „Viele Tiere fallen dem Straßenverkehr zum Opfer, da der Verkehr zunimmt und es kaum noch unzerschnittene größere Lebensräume gibt. Überall gibt es moderne Glasfassaden, die für Vögel tödliche Fallen sind. Sie nehmen die spiegelnden, durchsichtigen Flächen nicht als Hindernis wahr und kollidieren im Flug mit den Scheiben. Jungtiere verhungern, da auch der Lebensraum von Futtertieren mehr und mehr schwindet. So gibt es zum Beispiel immer weniger Insekten. Dazu trägt auch der Einsatz von Insektengiften bei, die in Gärten eingesetzt werden. Für viele Tiere bedeutet das den Hungertod, andere sterben direkt an den Folgen des Giftes. Der Insektenmangel lässt auch die Zahl der Fledermäuse weiter sinken, außerdem werden ihre Unterschlupfmöglichkeiten in Gebäuden wegsaniert und Höhlenbäume der Verkehrssicherung geopfert.“

    All das eigentlich Zeichen dafür, wie wenig Verständnis viele Stadtbewohner heute noch für die Zusammenhänge in der Natur haben.

    Der NABU Leipzig registrierte im Jahr 2016 rund 3.000 tote Wildtiere in der Stadt. Etwa 2.000 Frösche, Kröten und Molche, 1.000 Vögel und 200 Igel.

    „Diese Zahlen beziehen sich nicht auf Tiere, die eines natürlichen Todes starben, sondern die durch menschliches Handeln ums Leben kamen“, betont der Naturschutzbund. „Langfristig werden wir den Artenschwund noch deutlicher wahrnehmen als bisher, denn die negative Entwicklung geht still und leise weiter, bis irgendwann der Punkt erreicht ist, wo ganze Populationen keine Lebensgrundlage mehr haben und die Leipziger sich fragen, wo eigentlich die Tiere geblieben sind. Deshalb sind alle aufgerufen, am Schutz naturnaher Flächen mitzuwirken. Der NABU gibt gerne Tipps zur naturnahen Gestaltung von Gärten, Innenhöfen oder Brachflächen.“

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    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2016/11/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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