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Gastmanns Kolumne: Ratlos durch die geistige Nacht

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    Ganz ehrlich: Manchmal treffe ich mich mit einem Mann. Es hilft nichts schönzufärben: Isso. Er ist immer heiter der Begleiter, macht Stimmen nach, schlüpft in drei Minuten in fünf verschiedene Rollen, imitiert Dialekte, macht schöne, unpeinliche Komplimente. Er hat schon allerlei erlebt im Leben, kommt viel herum und ist tatsächlich einer, der viel und gern liest, ohne intellektuell zu verfetten. Kurzum: Ich mag ihn sehr.

    Manchmal haben wir eigentlich überhaupt keine Zeit füreinander und jedwede Kontemplation, aber dann klatscht der Frühsommerregen gerade so schön in tausend kleinen Kreisen auf den Cospudener See, da kann man nicht anders, als dort bei einem Stück Zupfkuchen übereinzukommen, dass zwischen dem Stadium „Ich versteh’ die Welt noch nicht“ und dem des „Ich versteh’ die Welt nicht mehr“ erstaunlich wenig Lebenszeit liegt. Hie und da sinnen wir natürlich auch darüber nach, wie sich Deutschland wohl positiv verändern ließe. Der Begleiter, nennen wir ihn fortan der Einfachheit halber P., gebar diesbezüglich die charmante Idee, Deutschland müsse nur eine Nebeninsel Mallorcas käuflich erwerben und dort all jene als neue Einwohner hinlocken, denen der Slogan „FREE DRINKS, FREE FUCK, FREE TATTOOS“ etwas sagt. Vieles erledige sich dann von alleine. Ich finde, auch dieser Punkt ging an ihn.

    Leider geht die Art und Weise wie sich die Welt so in jüngster Vergangenheit zu präsentieren weiß, aber auch an uns nicht spurlos vorbei. Man ahnt schon, wovon die Rede ist: Pegida, Pack, besorgter Bürger-Schwachsinn, AfD, Seehofer, Trump-Garstigkeiten, alternativer Faktencheck… P. scheint das alles sogar noch etwas mehr mitzunehmen als es mich zu bekümmern imstande wäre.

    Dabei waren wir noch um die Weihnachtszeit herum fast ein wenig hoffnungsvoll. Ich erinnere mich: An einem Abend strichen wir ein wenig durch die Kälte der Innenstadt, einander ziemlich einig, und beguckten ein bisschen die angereisten Weihnachtsmarktbesucher beim Teilen des Wachkomas ihres Lebens mit dem Mitmenschen. Irgendwann landeten wir in einer Restauration, wärmten die Finger und scherzten ein bisschen über Melania Trump, aber es wirkte, wenn wir ehrlich waren, schon ein bisschen wie ein Pfeifen eines Kindes, das alleine in den Keller geschickt wird. Ein Pfeifen gegen die Angst.

    Draußen dann begannen wir dann ein populäres Spielchen: Wenn diese oder jene Tür einer Kneipe oder eines Hotels jetzt verschlossen sei (geschlossene Veranstaltungen hatten schließlich Hochkonjunktur), dann würde die Neuauszählung der Stimmen in den Staaten etwas nützen und die Geschichte werde noch einmal in andere Fahrwasser gelenkt.

    Als wir zum dritten Male vor verschlossener Tür standen, änderten wir die Regeln: Wenn wir nun dieses locker flatternde Baustellen-Absperrungs-Band in weiß-rot direkt vor uns überwinden, wird alles gut. Wir hoben es hoch und schritten ungehindert und sehr erleichtert unseres Weges.

    Heute, gefühlte 150 Erlasse, Dekrete und Vollmachten einer offenbar vollumnachteten Person später, wissen wir selbstverständlich: Es hilft nichts, den Lauf der Dinge durch kindische, kleine Tricks auszubremsen. Gestern sprach ich lange mit P. , der mittlerweile zu Recht einen ansehnlichen Zorn entwickelt. Sogar das Wort Baseball-Schläger fiel.

    Ich würde es nicht ganz so weit treiben wollen, aber ich bin ja auch kein Mann. Bleibe stoisch beim Prinzip „Hoffnung mit Geschmacksverstärkern“: Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung. Denn wir haben es schon noch ein bisschen in der Hand.

    Wir müssten sie natürlich erst einmal aus der Tasche nehmen und wissen, was man damit macht: Den Gegner umarmen? Oder ihm doch lieber erst mal den Twitter-Account wegnehmen? Oder ihm einfach den Mund zuhalten?

    Hat jemand vielleicht einen freundlichen Rat?

    In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/01/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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    1 KOMMENTAR

    1. Einen Stift und ein Blatt Papier nehmen und die Frage aufschreiben:
      Warum(eine Frage, die nicht an die anderen „Idioten“ gerichtet ist)?
      Was (habe ich getan, daß diese Politik ermöglicht hat)? Und zwar nicht die letzten 24 Monate, sondern 24 Jahre?
      Eine Frage, die sich mir schon lange stellt: Wo war die langandauernde, breite Unterstützung für (!) die Montagsdemonstranten, die sich gegen die Agenda 2010 gewehrt haben? Die sich dort jahrelang totgelaufen haben? (Habe ich da auch an einen Baseballschläger gedacht? Oder wenigstens Hoffnung gehabt und wenn ja, worauf?)
      Weshalb bin ich so erstaunt, daß, wenn ich in den Wald hinein rufe, ein Echo heraus kommt?
      Weshalb bin ich so erstaunt darüber, daß jemand das nach der Wahl tut, was er vorher angekündigt hat? Warum konnte er überhaupt das ankündigen, wofür er gewählt wurde und dann dafür auch tatsächlich gewählt wurde?
      Würde das „Maul zu halten“ dazu führen, daß sich etwas ändert? Oder würde das nicht vielmehr dazu führen, daß alles so bleibt, wie es ist? Also die Situation fortbesteht, die geradewegs hierher geführt hat?

      Also ich habe letztens eine Antwort auf einen Teil dieser Fragen gelesen (LVZ) , der mich erschauern ließ: Dulig hat sich kürzlich an seinem Küchentisch (Delitzsch?) als „Agenda 2010-Fan“ geoutet. Immer noch…. Aber das kann ja auch ein Fake sein. LVZ eben.

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