Artikel zum Schlagwort Kolumne

Rodig reflektiert: Unsere Kreise – Gedanken, die einem Kolumnisten im Urlaub kommen

© privat

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 82, seit 28. August im HandelEin Kolumnist im Urlaub ist immer noch ein Kolumnist. Ich sitze auf einer Veranda in der Oberpfalz und lausche dem mittäglichen Glockengeläutscrescendo. Das Tal ist voll davon, schließlich sind die Bajuwaren noch durch und durch christlich gesinnt, und damit sie das auch nicht vergessen, hämmern ihnen gleich drei Glockentürme stündlich die Erinnerung daran ins Gedächtnis. Ich für meinethalben verzichte auf den Kirchgang, schließlich müssen Reflektionen zu Papier gebracht werden. Weiterlesen

Haltungsnote: „Jump, you Fuckers“ – Eine Kolumne über Börsencrash und Steuergerechtigkeit

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelAls 2008 die Finanzkrise begann, forderten Demonstranten, dass die Banker, die die Krise verursacht hatten, gefälligst aus ihren Bürotürmen springen sollten. So, wie das einige der Bankrotteure am Schwarzen Freitag 1929 getan hatten. Es sagt viel über den Fortschritt der Zivilisation aus, dass beim Bankencrash 2008 kein einziger Banker zerschmettert auf dem Büropalasthofpflaster landete. Stattdessen betonte die Bankerelite nur kurz nachdem der erste Staub sich gesetzt hatte, wie gefährlich es sei, jetzt etwa die Boni einzufrieren. Weiterlesen

Haltungsnote: Killernews über die Pandemie und rechte Regierungen

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im Handel„Gott schuf Menschen und die waren auch danach“, pflegte einer meiner Großväter gerne zu sagen. Bei ihm diente das als Welterklärung für fast alles, was im Zusammenleben mit seinen Mitmenschen irgendwie schieflief. Die waren für ihn eben fehlbar und das musste als Rechtfertigung und Erklärung ausreichen. Der Mann war ein südpreußischer Stoiker. Ich frage mich, ob ihm seine fatalistische Welterklärungsformel nicht verrutscht wäre angesichts der demokratisch gewählten Spitzenpolitiker der vier aktuell am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Staaten. Weiterlesen

Haltungsnote: Apocalypse next time – Eine Kolumne über die Corona-Dividende

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 78, seit 24. April im HandelNeulich hatte ich einen Traum. Darin begegnete mir eine seltsame Art von grauen Herren. Keiner von ihnen war unter 50 und sie alle ähnelten sich auf eine gespenstische Weise. Was mir in dem Traum auch begegnete, waren Covid-19, der Lockdown und eine Welt, die gleichermaßen abgefuckt war wie die reale. Sie war offenbar sogar auf exakt dieselbe Weise abgefuckt worden. Weiterlesen

Eine literarische Kolumne

Überm Schreibtisch links: Geprüfte Menschlichkeit

Quelle: Hoffmann und Campe

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 78, seit 24. April im Handel„Es ist wahr, ich setze meine Personen oft dem Druck einer besonderen Lage aus, bei der sie dann auf diese oder jene Weise reagieren müssen.“ Äußert der damals 40-jährige Siegfried Lenz 1966 gegenüber der Schriftstellerin Geno Hartlaub. Das passt gut zum Schreiben, meint man, damals und heute. Damals? Den im ostpreußischen Lyck geborenen Lenz zwingt man 17-jährig – wie so viele Unwissende und vom „nationalistischen Ressentiment“ (Lenz im Roman „Der Überläufer“) Angesteckte – in den Waffenrock des Soldaten und in den schlimmsten aller Völkerkriege. In das „grausam-lächerliche Weiterlesen

Bertolts Bruch und Friedrichs Fiasko

Eine leicht pädagogische Kolumne: Über sieben Brücken der Paradoxie

Foto. L-IZ.de

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 78, seit 24. April im HandelIn einem Sonett der Frührenaissance heißt es in den letzten drei Zeilen: „Von Wellen umgejagt nicht kann zu Rande finden. Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß, im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.“ Sie stammen vom italienischen Humanisten Francesco Petrarca (1304–1374), womöglich auch in einer Zeit des Umbruchs, im Wechsel von Wetter und Stimmung geschrieben, im Zustand des Verlorenen und in neuer Erwartung des Kommenden … Paradox klingen die Worte. Widersprüchlich. Weiterlesen

Die Coronakrise ist ganz anders als erwartet: Laaangweilig

Rodig reflektiert: Coronakrise? Alles eine große Verschwörung

© L-IZ.de

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/ Auszug Ausgabe 78, seit 24. April im HandelEine meiner heimlichen Leidenschaften ist es, den Menschen beim Sich-die-Welt-Erklären zuzuschauen. Zum Zwecke der Recherche beobachte ich gern und mit Erheiterung die Beiträge in einer Prepper-Gruppe im Internet, die sich bis dato „Apokalypse Deutschland“ nannte. Doch mit Corona scheint auch bei den Preppern, jener obskur-diffuse Menschenschlag, der sich auf den drohenden Zusammenbruch aller Gesellschaft vorbereitet, die Alarmglocke zu läuten. Jene, die mit Leidenschaft die Endzeit herbeisehnen, stellen fest: Sie ist endlich da! Dass nun „endlich“ die Apokalypse gekommen ist, wird deutlich an dem neuen Facebook-Gruppentitel, den Weiterlesen

Satirische Gedanken zur bevorstehenden OBM-Wahl

Rodig reflektiert: Alle wollen Jung bleiben

© privat

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 75, seit 24. Januar im HandelEtwas Einmaliges, etwas Unerhörtes, etwas in dieser Republik lang nicht mehr Dagewesenes passiert in diesem OBM-Wahlkampf in Leipzig: Der aussichtsreichste Kandidat ist bei der SPD. Burkhard Jung ist in diesen Tagen dabei, sein Amt zu verteidigen und alle Zeichen deuten auf einen Wahlsieg des Sozialdemokraten hin. Aber der Reihe nach. Weiterlesen

Eine Kolumne über einen very british Blues

Haltungsnote: Besuchen Sie Europa, solange es noch steht!

Archivfoto: Michael Freitag

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 74, seit 20. Dezember im HandelDemnächst ist Weihnachten. Doch der Autor, im Hauptberuf immerhin literarischer Profikiller, hatte in den letzten Tagen so seine Schwierigkeiten damit, sich der saisonbedingten Fröhlichkeit voll hinzugeben. Wahrscheinlich lag es daran, dass er zwischen seinen schriftlichen Morden und Mordversuchen zu oft Zeitungen liest. Was man da erfährt, gibt ja keinen echten Grund für ausgelassene Tänze um den Weihnachtsbaum. Weiterlesen

Bertolts Bruch und Friedrichs Fiasko

Eine leicht pädagogische Kolumne: Aller guten Dinge sind nicht nur drei … + Videos

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 74, seit 20. Dezember im HandelHabeck, Lindner, Kipping – drei Bundesvorsitzende von politischen Parteien unseres Landes, drei Politiker und Politikerinnen, die von Menschen gewählt etwas für Menschen bewegen wollen. Mit ihnen konnte ich in der „Schillerakademie“ meines Gymnasiums sprechen, den jugendlichen Schülerinnen und Schülern zeigen, dass die talkshowerfahrenen Profis auch auf Aulabühnen reden und (mehr oder weniger) überzeugen können. Wir diskutierten über schwächelnde Bildungssysteme, das Maß an benötigter Freiheit und reale Chancen sozialer Utopien. Weiterlesen

Wie eine Satiregruppe den Versuchungen von Macht und Geld erlag

Rodig reflektiert: Bekenntnisse eines PARTEI-Genossen

Foto: Privat

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 74, seit 20. Dezember 2019 im HandelWer dachte, dass Die PARTEI eine Gruppe von Format ist, eine Partei, die anders ist als die bürgerlichen Parteien, irrt gewaltig. Es ist noch viel schlimmer als Sie dachten. Interne Machtspiele, Korruption und Unterschlagung, persönliche Bereicherung, Sex, Drogen, Partys. Alles, was Sie nicht zu glauben gewagt haben, ist mehr als wahr. Es passiert tagtäglich bei gleichzeitiger Verschleuderung von Unmengen an Steuergeldern. Ihren Steuergeldern, liebe Leserin! Weiterlesen

„Mauer wieder hoch und Deckel drauf.“ Eine Kolumne über eine lächerliche Zukunftsvision

Haltungsnote: Der Antifaschistische Schutzwall 2.0

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 73, seit 29. November im Handel„Mauer wieder hoch und Deckel drauf.“ So kommentierten zum Erbrechen viele westdeutsche Kollegen die Ergebnisse der Landtagswahlen hier im Osten. Social-Media ist eine Erregungsmaschine. Darauf ausgerichtet, ihre Nutzer dazu zu bringen, spontan zu reagieren. Und spontan bedeutet eben auch aufrichtig. Bei Twitter, Instagram und Facebook werden an ereignisreichen Tagen Gefühle roh serviert. Schließlich ist man da ja unter Freunden in der sorgsam kuratierten Eigenechoblase. Weiterlesen

Bertolts Bruch und Friedrichs Fiasko

Eine leicht pädagogische Kolumne: Historisches Bewusstsein

Foto. L-IZ.de

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 73, ab Freitag, 29. November 2019 im HandelFür Freikäufer„Im traurigen Monat November war's, die Tage wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, da reist ich nach Deutschland hinüber …“ Der Beginn von Heinrich Heines (1797–1856) Lang-Gedicht aus „Deutschland. Ein Wintermärchen“ sei an dieser Stelle hervorgekramt, nicht, um die persönliche Stimmung zu drücken in den kürzer werdenden Tagen, sondern wohl mehr um die Sinne zu schärfen für eine entscheidende Lernetappe vor der Weihnachtspause. Lernen wir wirklich aus Geschichte? Weiterlesen

Kolumne

Haltungsnote: Sonntagsreden, die Leerstelle Volk und Vorsprung durch Technik

Foto: Erik Weiss Berlin

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 72, seit 25. Oktober 2019 im HandelIm Oktober bricht in Deutschland die Saison der Sonntagsreden an. Hin und wieder verschiebt sich ihr Beginn etwas in den September hinein. Weshalb ausgerechnet der Oktober zur Sonntagsredensaison wird, ist klar. Am 3. Oktober begeht die Berliner Republik ihren Nationalfeiertag. Dieses dreißigste Jahr nach der Wende fällt allerdings aus dem Regelrahmen. Die ersten feierlichen Reden zum Wendejubiläum waren bereits Ende August zu vernehmen. Jeder, der etwas zu sagen hat oder es wenigstens glaubt, drängte ans Pult um seiner Auffassung Gehör zu verschaffen. Weiterlesen

Eine literarische Kolumne

Überm Schreibtisch links: Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren sind Schlüssel aller Kreaturen …

Foto. L-IZ.de

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 71, seit 27. September im HandelNovalis – „der das Neuland Bebauende“. Ein frühromantischer Dichter, dem niedersächsischen Adelsgeschlecht der „von Hardenbergs“ entstammender poetisch-philosophischer „Imperator“ (Goethe), im thüringischen Oberwiederstedt 1772 geboren, in Weißenfels mit 29 Jahren bereits gestorben – und schon wieder fast vergessen. In den Tagen und Jahren der Goethes, Schillers, der Brüder Schlegel und solcher Geistesgiganten wie Fichte und Kant. Er gehörte zu den jungen Intellektuellen im „Flickenteppich-Deutschland“, die die Französische Revolution begeistert empfingen. Weiterlesen

Kolumne

Rodig reflektiert: Was für ein Wahlkrampf!

Foto: Privat

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 71, seit 27. September im HandelIhr MP in spe Tom Rodig ist dieser Tage vor allem und besonders: erschöpft. Nach neun Monaten Wahlkampf – der eigentlich drei Wahlkämpfe umfasste – zieht endlich wieder Ruhe ein. Ruhe in den Parteibüros und Pressestellen, Ruhe an den Laternenmasten, Ruhe in den Kehlen der Krakeeler. Während CDU, SPD und Grüne sich fragen, welche Prinzipien sie nun aufgeben müssen, um eine sogenannte stabile Regierung zu bilden, lehnt sich die AfD zurück und triggert mich mit Signalworten wie „Neuwahlen“. Bitte, bitte, aber nicht schon wieder Wahlen! Weiterlesen

Kolumne

Die blaue Wende 2.0: Warum die AfD im Osten gewählt wird

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 71, seit 27. September im HandelMit Nazis zu reden sei wie an Mülltonnen zu schnuppern, nämlich ziemlich eklig, sagte eine gute Freundin neulich zu mir. Ich gebe ihr ja vollumfänglich recht. Es liegt kein Mehrwert darin mit Kalbitz, Höcke, Jens Meier oder Frau Sayn-Wittgenstein zu reden. Auch wenn sie sich krampfhaft den Begriff bürgerlich überstreifen und in sämtliche Mikrophone hineinrufen. Also so viel Kreide fressen, dass man sich deswegen beinah schon um ihre Gesundheit sorgen sollte. Weiterlesen

30 Jahre Friedliche Revolution heißt auch 30 Jahre Gedankenlosigkeit

Der abgebrochene Aufbruch zur Demokratie

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSie bleibt ein großartiges Ereignis in der europäischen Geschichte: die Friedliche Revolution. Der 9. Oktober 1989 ist ein Tag, der nicht vergessen werden darf: 70.000 Menschen zogen in Leipzig um den Ring, um ein offenes Land mit freien Menschen einzufordern. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte stand die evangelische Kirche auf der richtigen Seite der Barrikaden. Sie erwies sich als das „Basislager der Friedlichen Revolution“ (Werner Schulz). Weiterlesen

Kolumne: A wie Aufklärung und Z wie Zeitlosigkeit

Überm Schreibtisch links: Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno

Foto. L-IZ.de

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 70, seit 23. August im Handel6. April 1967. An der Wiener Universität hält der neu-marxistische Philosoph und Soziologe Theodor Wiesengrund Adorno einen im besten Sinne populär-wissenschaftlichen Vortrag zu den „Aspekte[n] des neuen Rechtsradikalismus“. Der Sozialistische Studentenbund der Uni hatte ihn eingeladen. Weiterlesen