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Gastmanns Kolumne: We are the world – Oder: Wann wird man je verstehen?

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    Wieder viel Wirbel um das als Präsident verkleidete Kleinkind drüben „in der USA“, wie ja gerne mal gesagt wird. Diesmal ging es nicht um irgendeine erneute Donaldsche Dekretabsonderung oder um Trumps fragwürdiges Frauenbild, was ohnehin längst vergessen ist, da Melania in konservativen Kreisen bereits – wenn auch überraschenderweise – öffentlich als „feministische Avantgarde“ angesehen wird. Nein, Donalds mangelnde Sorge ums Große und Ganze, ums Weltklima, geriet aufs Tapet.

    Diese Ignoranz ginge nun doch nicht mehr so richtig, nein, „das geht gar nicht“, haben nun auch ein paar Letzte erkannt. Es bleibt also weiterhin spannend auf der Wippe zwischen menschlicher Schwarmbeklopptheit und deren populärem Gegenteil. Manchmal möchte man fast händeringend gen Firmament blickend fragen: Wann wird man je verstehen? Tja, wann eigentlich?

    Vielleicht müssen wir aber gar nicht so weit nach vorn und alles verstehen. Vielleicht hälfe es ja schon ein bisschen, mehr zu zweifeln? Vielleicht besteht der Kardinalfehler ja darin – im fehlenden Zweifel? Im fehlenden Zweifel, der darin gipfelt, dass immer und immer wieder den Falschen Gehör geschenkt wird: Nicht denen, die was wissen, sondern denen, die meinen, auf historische Fragen nicht antworten zu müssen, mit der Begründung, das sei doch „vor ihrer Zeit“ gewesen. Es müsse jetzt auch mal Schluss sein mit Holocaust/Kaltem Krieg/Stasidebatte/Spanischer Grippe!

    Dass wir nicht denen zuhören, die was können, sondern denen, die so tun als ob. Nicht denen, die fragen, sondern immer nur denen, die pausenlos Antworten parat haben. Besonders letzteres lässt einen dann doch immer hellhörig werden.

    Falsche sollten aber auch über die Pausenbrot-Lebensspanne hinaus stehengelassen werden, auch dann, wenn sie später anfangen, mit viel Geld herumzukompensieren. Leider muss man aber auch andere Menschen für so etwas heranziehen. Nicht die, die mit denen dann ausgehen, nicht die, die die Vogelscheuchen später auch heiraten, nicht die, die ihnen Beifall klatschen, weil sie an deren Tropf hängen. Aber das muss erst einmal angegangen werden, so ein „Projekt“.

    Bis das aber jemals der Fall sein wird, können wir uns auf viele Jahre absurdes Theater mit der richtigen Fehlbesetzung oder auf Kurvendiskussionen freuen. Wenn es denn viele Jahre werden.

    2017 verlegt man sich besser wieder aufs Beten oder Hoffen und ans Nicht-an-Hemingway-Denken, weil dieser möglicherweise doch Recht hatte, wenn er am Ende eines seiner frühen Romane resümiert: „Die Welt zerbricht jeden. Die, die nicht zerbrechen wollen, die tötet sie.“

    Und dabei sind wir die Welt. Wir.

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