Unsicheres Herkunftsland

Protestcamp gegen Abschiebungen nach Afghanistan in Leipzig geplant

Für alle Leser Während allein in dieser Woche bei Anschlägen in Afghanistan mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen sind, plant die Bundesregierung offenbar den nächsten Abschiebeflug. Dieser soll wohl am kommenden Dienstag vom Flughafen Leipzig-Halle starten. Die Anti-Abschiebungskampagne „Zendegi“ ruft nun ab Samstag, 21. Oktober 14 Uhr, zu einem mehrtägigen Protestcamp auf dem Augustusplatz auf.

Anlass für die heutige Bekanntgabe des Bündnisses ist eine laut DPA offenbar für den kommenden Dienstag geplante Sammelabschiebung vom Flughafen Leipzig-Halle nach Afghanistan. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf den Bayerischen Flüchtlingsrat, afghanische Aktivisten und die Anwältin eines Betroffenen. In Bayern wurden laut DPA bereits drei Afghanen in Abschiebehaft genommen.

Die Initiative „Zendegi“ schreibt in ihrer Pressemitteilung: „Abschiebungen in Kriegsgebiete von Menschen, die eigentlich Asyl und Zuflucht suchen, zu vollziehen, ist nichts anderes als diese Menschen in Lebensgefahr zu bringen und dem Tod zu überlassen. Bewusst werden die Augen vor dem Massensterben verschlossen, vor den Anschlägen, die auf ganze Dörfer verübt werden, vor den Toten, die dort zurückbleiben, vor den Attentaten, die Kabul immer wieder heimsuchen.“

Erst vor wenigen Tagen waren in Afghanistan bei bei mehreren Anschlägen mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Abschiebungen nach Afghanistan sind besonders umstritten. Die Bundesregierung behauptet, dass es in dem Land sichere Gebiete gebe. Dem widersprechen Menschenrechtsorganisationen wie Pro Aysl und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Im ersten Halbjahr 2017 kamen laut UN mindestens 1.662 Zivilisten ums Leben – ungefähr so viele wie in den Jahren zuvor. Die Dunkelziffer liege jedoch vermutlich höher.

Anfang Juni hatte die Bundesregierung nach einem Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul Abschiebungen nach Afghanistan weitgehend ausgesetzt – eine Ausnahme sind Straftäter und sogenannte Gefährder. Bereits im September waren acht Personen nach Afghanistan abgeschoben worden. Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatten alle Betroffenen „schwere Straftaten“ begangen.

Das Protestcamp auf dem Augustusplatz soll Kundgebungen, Workshops, Beratungsangebote und Gesprächsrunden beinhalten. Bereits im Juni hatten mehrere hundert Menschen in Leipzig gegen Abschiebungen protestiert. Geflüchtete und andere Aktivisten organisierten Demonstrationen in der Innenstadt und am Flughafen.

Die neue LZ Nr. 48 ist da: Zwischen Weiterso, Mut zum Wolf und der Frage nach der Zukunft der Demokratie

AfghanistanAbschiebungProtestcamp
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 

Kommentar schreiben



Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Pegida am 21.10.: Sie sind immer noch da
Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserPegida feiert Geburtstag. Bereits zum vierten Mal werden an diesem Sonntag, den 21. Oktober, voraussichtlich tausende Anhänger mit den bekannten Rufen gegen Migranten, Journalisten und Politiker hetzen. Mehrere bürgerliche und antifaschistische Bündnisse, auch aus Leipzig, wollen lautstark dagegen protestieren. Die L-IZ wird live aus Dresden berichten.
Auch die CDU-Fraktion wünscht sich bürgerfreundliche Lösungen für die Abfallentsorgung
Abfallsammelfahrzeug bei der Arbeit. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicole Bärwald-Wohlfarth aus der SPD-Fraktion bekommt Unterstützung: Auch die CDU-Fraktion bringt jetzt einen Antrag ein, der die Verschlechterung der Abfallentsorgung für Bewohner schmaler Straßen verhindern soll. Denn im Rahmen der beabsichtigten Änderung der Abfallwirtschaftssatzung soll sich ja die Nutzerfreundlichkeit der Abfallentsorgung in schmalen Straßen in Leipzig deutlich verschlechtern.
Kann man im Elsterbecken nicht einen richtigen Flusslauf mit Mäandern schaffen?
Bagger 2012 im Elsterbecken. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMit dem Vorstoß zu möglichen Bauflächen am Sportforum hat die Grünen-Fraktion auch das Thema Alte Elster wieder auf den Tisch gebracht. Das dann umgehend die CDU-Fraktion aufgriff: Wenn die Alte Elster wieder geöffnet wird, ist kein Platz mehr für große Bebauung. Und nun springt ihrerseits die Linksfraktion an auf das Thema: Wollte Leipzig nicht auch das Elsterbecken mal ganz anders gestalten? Der Antrag geht jetzt ins Verfahren.
Der Leipziger Forstwirtschaftsplan ist in dieser Form nicht beschlussfähig
Femelloch im Waldgebiet Nonne. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWährend irgendwelche Wissenschaftler von UFZ und Uni Leipzig an irgendwen irgendwelche Offenen Briefe schicken, haben sich andere tatsächlich mit dem vom Leipziger Ordnungsdezernat vorgelegten Forstwirtschaftsplan der Stadt Leipzig beschäftigt – und können detailliert auflisten, was daran alles nicht stimmt. Das wird jetzt zumindest auf der Mitgliederversammlung der Leipziger Grünen am Montag, 22. Oktober, Thema. „Der Forstwirtschaftsplan ist nicht beschlussfähig.“
Nachtaktion soll aufmerksam machen auf den Verschleiß des wichtigen Pflegepersonals in unseren Krankenhäusern
Herzzentrum Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn Deutschland läuft etwas gewaltig schief. Branche um Branche wurde in den vergangenen Jahrzehnten zusammengespart. Das Personal wurde ausgedünnt, die Gehälter wurden gedrosselt. Und das Ergebnis sehen nicht nur Polizisten, die ihre Arbeit nicht mehr schaffen, oder Lehrer, denen die Kollegen fehlen. Noch krasser ist es im Gesundheitswesen, wo das „Kostendämpfen“ sich in Berge von Überstunden beim Pflegepersonal verwandelt hat. Ein Thema, auf das ver.di in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober aufmerksam macht.
Ein grünes Heft würdigt den Leipziger Dichter Peter Gosse zu seinem 80. Geburtstag
Poesiealbum neu: Peter Gosse zum Achtzigsten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist die erste „besondere Edition“, die die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik hier als „Poesiealbum neu“ herausgebracht hat. Und auch die Normalausgabe ist limitiert. Also etwas für echte Liebhaber von Lyrik und Verehrer von Lyrikern, die für ganze Dichtergenerationen prägend wurden. Und so eine Rolle spielt der Leipziger Peter Gosse, der jüngst seinen 80. Geburtstag feiert.
Wem gehören die Betongoldminen? Paradoxien des Kapitalismus
Wem gehört die Stadt Leipzig? Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserLZ/Auszug aus Ausgabe 60Nach fünf Folgen des „Einmaleins“ gibt es schon einiges zu rekapitulieren. Erstens: Die „Kostenmiete“ für eine Wohnung ergibt sich – vor allem durch Rückzahlung und Verzinsung des eingesetzten Kapitals – aus den Grundstücks- und Bau- oder Sanierungskosten. Wenn, wie momentan in Leipzig, die Grundstückspreise steigen, steigen folglich auch die Mieten.
Interview: „Das Landtags-Mandat in Grünau gehört der Linken“
Seit 2017 für die Linke im Bundestag. Sören Pellmann im Gespräch mit der LZ über Grünau und die Sachsenwahl. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserLZ/Auszug aus Ausgabe 60Ein Platz in der neueren sächsischen Geschichte ist ihm wohl schon sicher. Er war der erste und einzige, dem es 2017 extrem knapp gelang, der CDU bei der Bundestagswahl ein Direktmandat in einem der beiden Wahlkreise Leipzigs abzujagen. Ein Vorgang, der deutschlandweit für Furore sorgte, Direktmandate über die Erststimmen für das höchste Parlament kannte man in seiner Partei sonst nur aus Berlin.
Grüne und Linke fordern Sachsens Regierung auf: Regiert endlich!
Der Mibrag-Tagebau in Deutzen. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserEs war die ganze Zeit Theaterpolitik. Statt gemeinsam den absehbaren Strukturwandel in den Braunkohlegebieten anzugehen und die Zukunft vorzubereiten, haben sich die Regierungen aller Braunkohleländer seit Jahren im gemeinsamen Gejammer geübt und mit großen Reden suggeriert, man könne die Kohlekraftwerke auch noch weit nach 2040 laufen lassen. Jetzt versuchen diese Landesregierungen mit demselben Tenor, die Kohleausstiegskommission auf ihren Kurs zu bringen.
Leipziger sind eingeladen mitzuwandern nach Groitzsch, Pödelwitz und Deutzen
Die Klimapilger unterwegs. Foto: 3. Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit

Foto: 3. Ökumenischer
Pilgerweg für Klimagerechtigkeit

Für alle LeserSeit dem 9. September laufen sie – für mehr Klimagerechtigkeit, für ein Ende der schmutzigen Energiewirtschaft. Über das Rheinland, Westfalen und Niedersachsen haben sie sich bis nach Mitteldeutschland vorgearbeitet. Der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit verläuft direkt durch Leipzig: Am Montag, 22. Oktober, wandern die Klimapilger/innen in ihrer 44. Tagesetappe von Schkeuditz aus nach Leipzig. Und jeder, der will, kann mitlaufen und ein Zeichen setzen.
Ticketverlosung: Leipzig-Lieder und -Gedichte im Mendelssohn-Haus
Auszug Cover Leipziger Liederbuch. Foto: Lyrikgesellschaft

Foto: Gerhard Weber, Grimma

Für alle LeserVerlosungDer Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. lädt am Samstag, dem 17. November 2018, 18 Uhr, zur musikalischen Lesung Leipzig-Lieder und -Gedichte im Mendelssohn-Haus ein. Leserclub-Mitglieder haben die Möglichkeit, hier 1x2 Tickets zu ergattern.
Sind Wähler wirklich zu blöd, Parteien zu durchschauen?
Angela Merkel beim Leipzigbesuch 2011. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Habt Ihr sie noch alle?“ Die Frage kommt mir immer öfter in den Kopf, wenn ich derzeit über die Portale der großen deutschen Zeitungen strolche, wo sich hochbezahlte Edelfedern Gedanken über den Zustand der heutigen Politik machen. Und dann solche Quatschsätze schreiben wie: „Doch die Grünen sind keine Engel.“ Diesmal in der „Frankfurter Rundschau“. Die hat sich bislang bei solchen Klopsereien eher zurückgehalten.
Ökolöwe bestärkt die Forderung nach einer Öffnung des Auenwaldes für die Gewässer
Baumfällungen an der Hans-Driesch-Straße 2017. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserEigentlich ist beim Leipziger Auenwald alles klar. Zumindest aus Sicht der Stadt Leipzig. Oder besser: des Dezernats Umwelt, Ordnung, Sport, dem wir wahrscheinlich das Wörtchen „Umwelt“ demnächst genauso fortnehmen werden wie dem Sächsischen Landwirtschaftministerium. Am 24. Oktober steht der Forstwirtschaftsplan zur Abstimmung auf der Tagesordnung des Stadtrats. Und die Ratsfraktionen haben die einmalige Chance, den Unwillen des Dezernats, sich mit Umweltschutz zu befassen, zu beenden. Indem sie den Plan ablehnen.
Zeitreise: Am Vorabend der Novemberrevolution 1918
Die Spanische Grippe 1918. Ein weltweites Sterben in drei Wellen. Foto: courtesy of the National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., United States

Foto: courtesy of the National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., United States

Für FreikäuferLZ/Auszug aus Ausgabe 60, seit 19. Oktober im HandelDer 19. Oktober 1918. In drei Wochen ist der Krieg vorbei. Im Osten ist er seit dem 3. März 1918 vorüber. Der Friede von Brest-Litwosk beendete die Kampfhandlungen zwischen Russland und dem Deutschen Reich. Für die Leipziger bleibt es ein seltsam ferner Krieg, denn im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg ist Deutschland nie selbst Schauplatz, auch in Prag, was damals noch zu Österreich/Ungarn gehört, wird nicht gekämpft. Es verwundert daher nicht, dass sich das Leipziger Gewandhausorchester auf den Weg in die heutige tschechische Hauptstadt gemacht hat, um bei den Verbündeten einen Beweis seines Könnens zu liefern.
Nico Semsrott präsentiert für alle, die das Ding mit dem Fehlermachen begriffen haben: Der Kalender des Scheiterns
Nico Semsrott: Der Kalender des Scheiterns. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Wir Menschen sind Trottel. Wir irren uns ständig. Jeden Tag. Dauernd“, stellt Nico Semsrott in der Einleitung zu seinem ganz besonderen Jahreskalender fest, der tatsächlich nichts anderes liefert, als lauter Beispiele des Scheiterns. Und das funktioniert natürlich auch, weil wir Menschen es lieben, anderen beim Scheitern zuzuschauen.