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Es gibt keinen Grund, bei Aids-Aufklärung in Sachsen zu sparen

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    Am 1. Dezember war Welt-Aids-Tag. Auch mit Veranstaltungen in Leipzig. Ein Tag, der daran erinnerte, dass HIV und Aids nicht aus unserem Alltag verschwunden sind. Im Gegenteil. Jahr für Jahr werden neue Erkrankungen festgestellt. In Sachsen zumindest mit leicht rückläufiger Tendenz.

    Laut aktueller Schätzung des Robert-Koch-Instituts zur Entwicklung der HIV-Neudiagnosen und AIDS-Erkrankungen in 2016 bleibt zwar die Anzahl der im Freistaat mit HIV und AIDS lebenden Menschen konstant, aber es zeigte sich für Sachsen im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang an HIV-Erstdiagnosen (2015: 190, 2016: 144) und AIDS-Erkrankungen (2015: 13, 2016: 9). Eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Buddeberg und Schaper (Landtagsdrucksache 6/11122) ergab, dass besonders bei jungen Menschen im Alter von 20 bis 39 HIV neu diagnostiziert wird und dass ein Großteil der Neudiagnosen in den beiden Großstädten Leipzig (32 %) und Dresden (24 %) registriert werden.

    „Trotz des Rückgangs an Neuinfektionen und Erkrankungen darf sich die Staatsregierung nun nicht zurücklehnen. Es scheint zwar ein Bewusstsein für HIV und AIDS, zumindest in den Großstädten, vorhanden zu sein, was die steigende Zahl von HIV-Screening-Tests der Gesundheitsämter zeigt. Aber wenn nur jeder 14. HIV-Test außerhalb der drei großen Städte stattfindet, ist dem Problem mit unkonkreten Prüfaufträgen, wie sie im Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen steht, nicht beizukommen“, erklärt dazu Sarah Buddeberg, parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Gleichstellungs- und Queerpolitik der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Sie hat zusammen mit Susanne Schaper extra bei der Staatsregierung angefragt und sich die Zahlen geben lassen. Danach leben (geschätzt) zwischen 2.000 und 2.400 Menschen mit HIV/Aids-Erkrankung in Sachsen.

    Auch die Stadt Leipzig ging auf die Zahlen ein, die durchaus Handlungsbedarf aufzeigen: Nach aktuellen Schätzungen des Robert-Koch-Institutes leben in Deutschland 88.400 Menschen mit HIV, 3.100 Menschen haben sich im letzten Jahr neu mit dem Virus infiziert, davon 170 in Sachsen. Damit bleibt die Zahl der Neuinfektionen gegenüber 2015 konstant. Um das 2014 von UNAIDS formulierte „90-90-90 Ziel“ (mindestens 90 Prozent der HIV-infizierten weltweit sind diagnostiziert, mindestens 90 Prozent werden behandelt, mindestens 90 Prozent der Therapien sind erfolgreich), zu verwirklichen (Stand Deutschland: 86-86-93), müssen die geschätzt 12.700 Menschen, die mit HIV leben und ungetestet sind, also nichts von ihrer Infektion wissen, erreicht werden.

    Im ersten Halbjahr 2017 sind aus Sachsen bislang 71 HIV-Neudiagnosen gemeldet worden, davon 24 Infektionen aus Leipzig. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 46 HIV-Erstdiagnosen aus dem Leipziger Stadtgebiet gemeldet.

    Was eben auch bedeutet, dass noch immer einige Menschen zu leichtfertig mit dem Thema umgehen.

    „Stattdessen gilt es, in Aufklärung und Vorsorge zu investieren, insbesondere auch an Schulen und im Bereich der Jugendarbeit“, betont Sarah Buddeberg. „Dass die Zahl der Ansteckungen nicht weiter gestiegen ist, kann lediglich ein Etappenerfolg sein. Erklärtes Ziel der Staatsregierung muss es sein, die Neuinfektionen deutlich zu reduzieren. Dafür sind eine gute Ausstattung der Beratungsstellen und ein Ausbau der Schulaufklärungsprojekte unerlässlich.“

    Und Susanne Schaper, die Sprecherin für Gesundheitspolitik der Linksfraktion, fügt hinzu: „Besonders Personengruppen zwischen 20 und 49 Jahren waren besonders häufig betroffen, wobei die Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren die Statistik anführt. Das macht deutlich, dass nicht allein die jüngere Generation gefährdet ist, sondern im mittleren Alter das Ansteckungsrisiko genauso hoch ist. Prävention muss daher auch außerhalb des Schulkontextes erfolgen und es muss immer wieder daran erinnert werden, dass AIDS eine ernstzunehmende Krankheit ist. Wir brauchen weiterhin unbedingt mehr Präventionsangebote und auch die dazu entsprechenden finanziellen Mittel.“

    Aus medizinischer Sicht wurde inzwischen sehr viel erreicht, für die Behandlung der HIV-Infektion stehen sehr wirksame Medikamente zur Verfügung. Dadurch haben die meisten HIV-Infizierten eine normale Lebenserwartung. Voraussetzung ist allerdings, dass eine Infektion frühzeitig erkannt und behandelt wird, somit lässt sich auch die Weiterverbreitung des Virus eindämmen, betonte Leipzigs Gesundheitsamt aus diesem Anlass.

    Es wies aber auch darauf hin: Sind Infektionsrisiken nicht auszuschließen, so sollte zeitnah ein HIV-Test durchgeführt werden. Anonyme und kostenlose HIV-Tests sind in der Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten und AIDS im Gesundheitsamt Leipzig möglich.

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