Die Leipziger leiden in Sachsen am häufigsten unter psychischen Problemen

Für alle LeserDass Leipzig nicht unbedingt die bequemsten und ruhigsten Jobs abbekommen hat, als der Wirtschaftsaufschwung 2010 begann, das macht sich sogar in der Krankenstatistik bemerkbar. Augenscheinlich hat Leipzig sehr viele neue Arbeitsplätze bekommen, die besonders viel Stress und psychische Belastungen mit sich bringen. Der Aufschwung hat seinen Preis.
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Das Ergebnis: Die Leipziger sind häufiger und auch länger krankgeschrieben als der durchschnittliche Bundesbürger. Sie weisen mit rund 5,1 Prozent einen hohen Krankenstand und mit 19 Krankheitstagen viele Fehltage pro Kopf auf. Waren bundesweit an einem durchschnittlichen Kalendertag von 1.000 Beschäftigten 48 arbeitsunfähig, so waren es in Leipzig 51.

Im Jahresdurchschnitt war jeder Erwerbstätige im vergangenen Jahr 1,4 Mal krankgeschrieben. Bei den psychischen Erkrankungen führen die Leipziger mit 3,7 Fehltagen pro Kopf die sachsenweite Statistik an und liegen damit auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Psyche macht Leipzigern zu schaffen

Für die meisten Krankschreibungen der Leipziger sorgten Rückenprobleme mit durchschnittlich 3,8 Fehltagen je Versicherten, sehr dicht gefolgt von psychischen Leiden mit 3,7 Fehltagen, Atemwegserkrankungen mit 3,1 Fehltagen sowie Verletzungen mit 2,8 Fehltagen je Versicherten.

Und selbst bei der BARMER macht der Trend besorgt. Augenscheinlich haben gerade die Leipziger die höchsten psychischen Belastungen im Job zu verkraften. Gefolgt übrigens vom Landkreis Leipzig und der Sächsischen Schweiz. Es ist also nicht nur ein Problem der Stadt, die Arbeit gibt. Es betrifft augenscheinlich auch viele Pendler.

„Die Leipziger haben mit Abstand sachsenweit die meisten Probleme mit der Psyche. Das macht uns Sorgen. In keiner anderen Region des Freistaates zählten die Statistiker mehr Fehltage. Bundesweit wurden je Beschäftigten durchschnittlich 3,4 Fehltage, sachsenweit 3,2 Fehltage gezählt“, beschreibt Sirko Mielcarek, Regionalgeschäftsführer der BARMER in Leipzig, die aktuellsten Auswertungsergebnisse des kasseneigenen Gesundheitsreports 2018.

Menschen mit seelischen Leiden fallen oft lange aus

Es ist nicht die erste Erhebung, die sichtbar macht, dass gerade in der Stadt Leipzig sichtlich viele Menschen unter hohen psychischen Belastungen arbeiten oder leben. Was sich so gar nicht mit den Gute-Klima-Umfragen der Stadt verträgt. Oder nehmen gerade die Menschen, die unter besonders starkem Druck stehen, an den Bürgerumfragen gar nicht erst teil?

Charakteristisch für diese Art der Arbeitsunfähigkeiten sind lange Ausfallzeiten. Rund 45 Tage waren Beschäftigte im Einzelfall krankgeschrieben.

„Ein Stoppen des Aufwärtstrends kann nur gelingen, wenn wir die Menschen dort erreichen, wo sie leben und arbeiten. Niedrigschwellige, digitale Präventions- und Hilfsangebote wie Onlinetrainings, Onlineforen können helfen, die Hemmschwelle zu senken, damit sich Betroffene frühzeitig Hilfe holen“, meint Mielcarek.

Mit 178.430 Euro unterstützt die Kasse in diesem Jahr das in Leipzig ansässige Diskussionsforum Depression (e.V.) im Rahmen der Selbsthilfeförderung. Die BARMER fördert damit den Ausbau des von Experten moderierten Diskussionsforums Depression als hochwertiges, unabhängiges Selbsthilfeangebot im Onlinebereich. Gleichzeitig wird auch das spezielle Onlineangebot für junge Menschen ab 14 Jahren, FIDEO, weiterentwickelt.

 

Leipziger Zeitung Nr. 60: Wer etwas erreichen will, braucht Geduld und den Atem eines Marathonläufers

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