Wer verteufelt denn die ganzen Verbrenner?

Für alle LeserWir leben ja in seltsamen Zeiten und bekommen auch seltsamste Postsendungen. Eine der seltsamsten bekamen wir gerade von Dipl.-Ing. Günter Weber, der sich als Herausgeber bei der kapital-markt intern Verlag GmbH angibt, uns aber eigentlich mit einem sehr seltsamen Anliegen behelligt: „Jetzt ist Schluss mit der Verteufelung von Deutschlands wichtigstem Konsumgut – unseren Verbrennern!“ Gottchen, wer verteufelt denn die Verbrenner? Und welche Probleme hat der Mann eigentlich?

Wahrscheinlich liest er die falschen Zeitungen. Die Sache mit der Wirkung des klimawirksamen Gases CO2 hat er eh nicht begriffen, wenn er uns so einen Blödsinn serviert: „Nur 0,038 % der uns umgebenden Luft bestehen aus diesem angeblich so gefährlichen, tatsächlich aber das Leben auf dieser Erde erst ermöglichenden, CO2 (aber 78 %, mithin das Zweitausendfache, aus Stickstoff). Und von diesen minimalen 0,038 % wiederum entfallen selbst nach Angaben des klimawandelsüchtigen Umweltbundesamtes 1,2 % auf die vom Menschen verursachten Emissionen; also nach Adam Riese 0,000456 Hundertstel – weniger als ein halbes Tausendstel der Luft.“

Es geht beim CO2 nicht ums Einatmen, sondern um den Treibhauseffekt. Hier schön nachzulesen in einem Wikipedia-Artikel.

Prozentrechnung ersetzt nun einmal nicht profunde Kenntnisse in Chemie und Physik. Aber ich sag hier mal nichts über unser Bildungssystem. Oder das in NRW, denn der Mann kommt ja aus Düsseldorf.

Und wie ist das mit den hübschen Zahlen, die er gleich zu Anfang mit dickem Ausrufezeichen serviert?

„Denn sie (nach Webers Satzlogik „die Verbrenner“, aber wahrscheinlich meint er doch eher die Autobesitzer, d. Red.) bescheren den (sic!) Staat per anno mit 21 Milliarden Euro Diesel- und 17 Milliarden Benzin-Steuern; beschenken ihn mit weiteren 9 Milliarden Kraftfahrzeugsteuer; hinzu kommen durch die LKWs 4,6 Milliarden Toll-Collect-Maut (…) Fast vier Fünftel dieser Pfründe schleusen sie am Straßenbau vorbei in verschiedenste Kanäle, vor allem in fingierten Umweltschutz, um den Grünen nicht dieses Feld zu überlassen.“

Das hat er, wie im Juni die Faktencheck-Community-Redaktion von correctiv.org feststellte, wohl aus der „Welt“, so wie auch ein gewisser Wolfgang Bunzel, der auf Facebook behauptet, Autofahrer würden dem Staat 47 Milliarden an Steuereinnahmen einbringen und nur fünf Milliarden Euro aus diesen Einnahmen würden in den Straßenbau investiert.

correctiv-org versucht das zwar irgendwie zurechtzurücken, aber man kommt irgendwie doch nur auf rund 12 Milliarden Euro, die der Bund für Straßenbau ausgibt.

Aber das ist nicht annähernd in der Nähe der tatsächlichen Summen, die jedes Jahr für Straßenbau ausgegeben werden. Denn der Bund ist ja nicht der einzige Straßenbauer. Das hat sogar das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit 2017 mal genauer ausgerechnet. „Insgesamt hat die öffentliche Hand im Jahre 2013 über 38 Mrd. Euro für die hier erfassten Verkehrsträger ausgegeben. Davon entfiel der quantitativ größte Ausgabenblock mit 19 Mrd. Euro auf die Straßen, gefolgt von knapp 9 Mrd. Euro für die DB und 3,6 Mrd. Euro für den ÖSPV“, kann man da lesen.

Ausgaben für verschiedene Verkehrsträger. Grafik: BMU 2017

Ausgaben für verschiedene Verkehrsträger. Grafik: BMU 2017

Der Bund gab nach der Rechnung knapp 7,5 Milliarden Euro für Straßen aus, die Länder 3,2 Milliarden und die Gemeinden 8,6 Milliarden. Da vor allem der Bund die Steuern kassiert und dann unter anderen Posten oder auch als Fördermittel weitergibt, ist also nicht eindeutig festzulegen, wo jeder Kfz-Euro bleibt.

Aber auch für die Energiesteuer, die bundesweit 42 Milliarden Euro einspielt und hier den Hauptposten ausmacht, gilt: Sie ist eine Verbrauchssteuer. Übrigens genauso wie die Stromsteuer. Sie ist also nicht zweckgebunden, sondern besteuert direkt den Verbrauch von Diesel, Benzin, aber auch Kohle und Gas. Sie soll also auch und vor allem den Verbrauch steuern.

Wer also ein Autochen fährt, das weniger Sprit säuft, zahlt weniger Energiesteuer als ein stolzer Kapitän in einem SUV-Tanker.

Ich verstehe also das ganze Beleidigte-Leberwurst-Spielen nicht.

Kauft euch sparsamere Autos, kann ich da nur sagen. Oder mal so formuliert aus Fußgänger-Sicht: Mit welchem Recht machen diese Leute ihr Luxusproblem zu unserem?

Klar: Viele Menschen brauchen ein Auto, um zur Arbeit zu kommen. Wenn sie nicht mit dem Auto führen, müssten wahrscheinlich einige Betriebe ihren Laden zusammenpacken und dahin ziehen, wo die Leute wohnen. Oder sie müssten Werkswohnungen in Werksnähe bauen. Oder ihren Laden an eine gut erreichbare S-Bahn-Station verlegen. Nur so als ein Gedanke, der mir da kommt.

Und der mich daran erinnert, wie ich vor vielen, vielen Jahren kurz darüber nachgedacht habe, mir vielleicht – der Not gehorchend – auch ein Auto kaufen zu müssen. Ein kleines. Da war ich mir sicher. Eins, das in jede Parklücke passt, das ganz wenig Sprit frisst und vielleicht auch ein paar elektronische Systeme hat, die meine permanente Unkonzentriertheit im Verkehr kompensieren. Das gab es in dieser Zusammenstellung damals noch nicht.

Was für mich selbst hieß: Ich verzichte. Ich plane in meinem Leben keinen Spritfresser ein, beteilige mich also auch nicht am kollektiven Verbrennen wertvollen Erdöls, das unseren Kindern und Enkeln fehlen wird, weil es unsere Generation einfach in einem wilden Tanz der Egoismen auf Straßen und Autobahnen verheizt hat.

Schöne Grüße an Hubraum for Future

Ihr gehört ja in denselben Topf. Aber Erdöl wird noch zu unseren Lebzeiten zu einem wertvollen Tröpfchen, so wertvoll, dass ihr alle noch einmal froh sein werdet, wenn ihr eure Tankrechnung noch bezahlen könnt. Und daran sind nicht die „EU-Bürokratie-Hengste“ schuld, wie Herr Weber meint, sondern eure Verschwendungssucht ist es: Ihr blast das Zeug zum Auspuff raus ohne daran zu denken, dass die wirtschaftlich überhaupt noch sinnvoll erschließbaren Ölfelder zur Neige gehen. Endgültig.

Und kommt mir jetzt nicht mit dem FDP-Wunderglauben, da könnte man ja noch zufällig ein paar noch unentdeckte Felder finden oder die Ölsande oder das Fracking … all das ist schon das Pfeifen auf dem vorletzten Loch, ein riesiges Ausquetschprogramm, das die noch bezahlbaren Erdölvorräte jetzt noch möglichst billig verramscht.

Euer Sprit wird ziemlich bald richtig Gold wert sein. Der „Diesel, das Paradestück und Rückgrat der deutschen Automobil-Industrie“, wie Herr Weber meint, ist ganz schlicht ein Auslaufmodell. Und ob es durch E-Autos ersetzt wird, wie auch Herr Weber meint, bezweifle ich.

Denn dass die E-Autos heute auf jeden Fall noch eine schlechtere Umweltbilanz haben, ist Fakt. Da hat er recht. Aber nur in der Feststellung. Nicht in der Folgerung.

Es könnte sich nämlich schon bald herausstellen, dass das ach so erfolgreiche Deutschland mit dem Auto mittlerweile aufs falsche Exportprodukt gesetzt hat. Dass sich die Zeiten ändern, die Gewohnheiten und die Wünsche der Menschen. Und dass sich auch herumspricht, dass Autofahren nun einmal ein Luxusvergnügen ist. Eines, das nur ein bisschen Exoskelett für gedemütigte Männerseelen ist. Männerseelen, die unbedingt ordentlich Wumms und Power unter der Haube brauchen, um irgendwie das Gefühl zu haben, dass sie noch Männer sind.

Ich könnte mir ja sagen: Wer’s braucht …

Aber das sag ich mir nicht, weil ich so eine Ahnung habe, wo es bei ihnen klemmt und fehlt.

Denn wer unbedingt ein Ego-Mobil braucht, um sich noch wie ein Mann zu fühlen, der unterscheidet sich ja nicht wirklich mehr von einem armen Würstchen, dem jemand das Lieblingsspielzeug weggenommen hat.

Über das Geld hab ich ja oben schon geredet. Wer sich so viel Auto kauft, wie er wirklich nur braucht, um den Alltag zu bewältigen, der spart jede Menge Schmonzes bei der Energiesteuer. Wer aber fetten Hubraum braucht, um das eigene Ego zu stützen, der zahlt fett drauf. Der bezahlt quasi an der Tanke für sein etwas luftleeres Ego.

Wohin kam ich dann mit meiner Entscheidung, es ein Leben lang mal ohne Auto zu versuchen?

Ich gewann jede Menge Zeit für mich selbst, war erstaunlicherweise zu sämtlichen Terminen pünktlicher als alle Autofahrer (vielleicht, weil ich nie einen Parkplatz suchen musste und nur in innerstädtischen Staus stand, die vorn vor der Straßenbahn von PS-starken Ego-Kämpfern verursacht wurden, oder weil ich keine Umleitungen nehmen musste), ich hatte keine Werkstatt- und TÜV-Termine, sah mehr von der Gegend (vor allem jede Menge schöne Frauen), konnte meine Gedanken schweifen lassen und war dann zur Sitzung sogar vorbereitet, wenn ich ohne Vorbereitung losgelaufen war.

Sie wissen gar nicht, welche Wohltaten das Gehen mit sich bringt (mal von den Leipziger Bettelampeln abgesehen) und wie herrlich es ist, einfach mitten im Schritt abzubiegen und in den nächsten Imbiss oder ins nächste Café abzuschwenken. Und dabei nicht mal einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, ob hier nun gerade Halt- oder Parkverbot ist.

Wer nicht selber merkt, dass ein Leben als Fußgänger wesentlich anregender und reicher ist als das geplagte Leben eines Verbrenner-Besitzers, dem kann ich auch nicht helfen. Hab ich noch einen Trost für Sie, Herr Weber? Nicht wirklich.

Sie haben nicht mal begriffen, dass ihr Gejammer unsere Hälfte der Bevölkerung nicht betrifft. Im Gegenteil. Wir fänden es schön, wenn sie ihre Nuckelpinne einfach verschrotten, endlich zu Fuß laufen und anfangen, sich ein bisschen fundierte Bildung zuzulegen. Das bringt mehr als dieses ganze Gezeter, irgendjemand würde ihre arme Blechkiste „verteufeln“. Oder sie vielleicht gar noch kujonieren, Sie armer Tropf.

Gottchen, das Scheißding steht nur immer im Weg, wenn ich über die Straße oder die Kreuzung will. Irgendwo wild geparkt, weil Leute wie Sie glauben, sie wären was Besseres als wir Fußgänger.

Sind Sie aber nicht.

Kleine Rechenübung für Leipzig: Unser CO2-Rucksack im Verkehr

Warum gibt es eigentlich keine neue Straßenbahnverbindung in der Zweinaundorfer Straße?

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 1. Oktober 2019): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider (!) nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 450 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“


Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.
Gastkommentar von Christian Wolff: Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche
Christian Wolff (beim Brückenfest 2018). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Traditionsbetrieb Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig-Plagwitz soll stillgelegt werden (dort werden spitzenlose Außenrundschleifmaschinen für die Autoindustrie hergestellt). Die 165 Beschäftigten legten am Donnerstag, 28. Mai 2020, die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Arbeitnehmer/innen anderer Unternehmen schlossen sich dem Protestzug durch den Stadtteil Plagwitz an.
Der Stadtrat tagte: Große Zustimmung für „RuDi“ und digitale Ratlosigkeit in der AfD-Fraktion + Video
Straßenbahn in Stötteritz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, entschied der Leipziger Stadtrat auch zu einem neuen Förderprojekt „Ruhenden Verkehr digitalisieren – RuDi“, das die LVB als Pilotprojekt in Stötteritz umsetzen sollen. Kurz vor Sieben kam es da zu einer kleinen Debatte, nachdem AfD-Stadtrat Christian Kriegel noch einmal dieselben falschen Bedenken vorgebracht hatte, die zuvor schon die LVZ veröffentlicht hatte. Er mutmaßte ein „Abkassieren von Autofahrern jetzt auch bis zum Stadtrand“.
Fridays for Future Leipzig ruft jetzt erstmals am Dienstag zum großen Protest gegen die Abwrackprämie auf
Fridays-for-Future-Demo im April 2019. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserEs ist tatsächlich so: Weil deutschlandweit die Corona-Berichterstattung dominiert, hat die Bundespolitik augenscheinlich den fatalen Eindruck bekommen, dass die Klimakrise vergessen ist und die Deutschen nur zu bereit sind, den Wirtschaftsaufschwung nach Corona mit dem Kauf von neuen Verbrennern zu erwirtschaften. Zumindest scheinen die Bosse der großen Autokonzerne mit dieser Botschaft durchzudringen, obwohl die Mehrheit der Deutschen ganz und gar nicht vergessen hat, wie drängend die Lösung der Klimakrise ist.
Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis
Seit 2016 firmiert die Leipziger Gruppe mit dem gelben L. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn normalen Jahren gab es immer im Mai eine große Pressekonferenz mit Oberbürgermeister und allen Managern der Leipziger Kommunalbetriebe, auf der stolz die Konzernergebnisse des Vorjahres bekannt gegeben wurden. Die fiel nun wegen Corona natürlich aus. Und die Zahlen wirken wie aus der Zeit gefallen, erzählen von einem regelrecht normalen Jahr, in dem sich der Leipziger Kommunalkonzern weiter stabilisierte und es auch schaffte, mehr Geld für die LVB zu erwirtschaften.
Leipziger Animal Rebellion-Gruppe protestiert mit „Schließung“ von Fastfood-Filialen gegen Billigfleischproduktion
Abgesperrte McDonald's-Filiale. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserEs wird ja jede Menge rebelliert in diesen Tagen. Die einen rebellieren gegen Corona-Maßnahmen, die nächsten gegen Atomkraftwerke, andere gegen eine neue Abwrackprämie oder gegen die fossile Klimapolitik. Alles Zeichen dafür, dass sich gerade grundlegend einige Dinge ändern. In der Nacht zum Freitag rebellierte auch eine Leipziger Gruppe von Animal Rebellion. In diesem Fall gegen das Geschäftsmodell von Fastfood-Ketten und damit auch gegen das viel zu billige Fleisch.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Panometer Leipzig: Veränderte Öffnungszeiten ab 1. Juni
CAROLAS GARTEN mit Insektenmodellen. Foto: Tom Schulze © Panometer

Foto: Tom Schulze © Panometer

Ab Pfingstmontag, den 1. Juni 2020, verändern sich die Öffnungszeiten des Panometer Leipzig temporär für die kommenden Monate. Das Panorama CAROLAS GARTEN ist ab nächster Woche montags bis freitags von 10 – 16 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 10 – 17 Uhr geöffnet.
Leipziger Forschungsergebnis: Frauen mit Neandertaler-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Svante Pääbo mit dem Schädel eines Neandertalers. Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Für alle LeserEs war nur eine kleine Meldung, die das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie am Dienstag, 26. Mai, herausgab. Aber sie macht doch nachdenklich. Denn dass die späte Vermischung von modernen Menschen und Neandertalern vor ungefähr 47.000 bis 65.000 Jahren in Europa Folgen bis in unser Erbgut hatte, das haben schon mehrere Untersuchungen aus dem Institut belegt. Aber selbst auf die Fruchtbarkeit von Frauen soll eine kleine genetische Veränderung aus dem Erbe der Neandertaler Auswirkungen haben.
Die neue Leipziger Zeitung Nr. 79: Von Gier, Maßlosigkeit, Liebe und Homeschooling in Corona-Zeiten
Leipziger Zeitung Nr. 79: Liebe in Zeiten von Corona. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserZeitungen leben davon, dass sie den Blick schärfen, dass sie uns aufmerksam machen – und zwar ohne Geschrei, ohne das bunte Flackern im Internet und das dortige Gebuhle um Aufmerksamkeit. Zeitungen könnten der Ruhepol in einer zunehmend irrelaufenden Welt sein. Wenn sie denn nicht selbst auch noch anfingen, die Welt irre zu machen und jedes Problemchen zum Skandal aufbliesen, wie es die LVZ jüngst mit dem Brief einer empörten Mutter eines Schulkindes tat.
Im Juni soll der Stadtrat zum Entwurf des Bebauungsplans für den Wilhelm-Leuschner-Platz entscheiden
Die große Brachfläche Wilhelm-Leuschner-Platz / Markthallenviertel im Modell des Stadtplanungsamtes. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLange hat der Stadtrat darauf gewartet. Am Dienstag, 26. Mai, gab das Dezernat Stadtentwicklung und Bau den Ratsfraktionen endlich den Entwurf des Bebauungsplanes Nr. 392 „Wilhelm-Leuschner-Platz“ in die Hände, nachdem Oberbürgermeister Burkhard Jung am 19. Mai schon seine Zustimmung gegeben hatte, dass der Entwurf endlich an die Öffentlichkeit darf. Jetzt bekommt man so eine Ahnung, wie sich die Stadt das künftige Quartier wirklich vorstellt.