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Chronistin und Zeitzeugin vom Frauengefängnis Hoheneck Ellen Thiemann ist verstorben

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    Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. trauert um Ellen Thiemann. Die Journalistin und Chronistin von Hoheneck ist nach schwerer Krankheit am 6. Mai 2018 im Alter von 80 Jahren in Köln verstorben.

    Ellen Thiemann wurde am 23. Mai 1937 in Dresden geboren. 1960 heiratete sie den Fußballer und Sportjournalisten Klaus Thiemann. Mit ihm fasste sie den Entschluss, in den Westen zu fliehen. Am 29. Dezember 1972 sollte zunächst ihr elfjähriger Sohn Carsten flüchten. Die Eltern wollten folgen. Doch der Fluchtversuch misslang. Das Auto mit dem Kind wurde am Grenzübergang Chausseestraße/Invalidenstraße in Berlin von Grenzsoldaten angehalten, der Sohn festgenommen.

    Ellen Thiemann nahm nach ihrer Verhaftung alle Schuld auf sich und wurde am 22. Mai 1973 von der DDR-Justiz wegen geplanter Republikflucht verurteilt. Sie verbrachte zweieinhalb Jahre im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck. Nach ihrer Entlassung ließ sie sich scheiden und wurde mit Hilfe des DDR-Anwalts Wolfgang Vogel freigekauft. Am 19. Dezember 1975 konnte sie schließlich mit ihrem Sohn die DDR verlassen.

    Ab 1978 bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie als Redakteurin und Ressortleiterin beim Kölner „Express“. Die Erlebnisse ihrer Gefängniszeit machte sie 1984 in ihrem Buch „Stell dich mit den Schergen gut“ öffentlich. Nach der Wiedervereinigung erfuhr sie, dass ihr Mann, der Sportjournalist Klaus Thiemann, als IM „Mathias“ über viele Jahre für das Ministerium für Staatssicherheit Spitzeldienste geleistet hatte.

    Daraufhin intensivierte sich ihre individuelle Auseinandersetzung mit der Arbeit und dem Selbstverständnis von Stasi und SED, ihre Suche nach den Verantwortlichen. Mit ihren zahlreichen Veröffentlichungen und Zeitzeugenauftritten in Funk, Fernsehen und Presse sowie ihrer Arbeit als Referentin an Schulen thematisierte sie eindrucksvoll die unmenschlichen Zustände im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck. Sie gab damit den Opfern der DDR-Diktatur eine Stimme.

    Der Tod von Ellen Thiemann ist ein großer Verlust. Als bedeutsame Zeitzeugin wird sie uns bei der Aufarbeitung der Kommunistischen Diktatur und deren Verbrechen, aber auch im Kampf gegen die Verharmlosung und Verklärung der DDR-Geschichte sehr fehlen.

    Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. wird mit der Übernahme ihres Nachlasses und umfangreichen Forschungsarchives das Vermächtnis von Frau Thiemann, ihre Bemühungen für Aufklärung und gegen das Vergessen, fortführen und den Bestand nach der Erschließung für die künftige wissenschaftliche Forschung zur Verfügung stellen.

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