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Schluss mit Fremdeln

Juniorprofessorin für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig startet Veranstaltungsreihe

In ihrer kurzen Amtszeit hat sie schon viel auf die Beine gestellt: Seit Dezember vergangenen Jahres ist Dr. Veronika Darian Inhaberin der Juniorprofessur für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig.

Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt für sie auf dem Themenfeld „Alter(n)“, ein anderer setzt sich mit „Fremdheit(en)“ und „Fremdheitserfahrungen“ auseinander. Dazu startet am kommenden Mittwoch eine Forschungsreihe.

„REIHEN WEISE FREMD|STRANGE IN SERIES“ heißt das neue Veranstaltungsformat, für das Darian mit Gästen aus wissenschaftlichen und künstlerischen Disziplinen inhaltlich, methodisch und formal bislang ungewohnte Wege einschlagen möchte. Erster Gast der Reihe ist die Berliner Performerin Bridge Markland, die am 4. Juli 2018 um 19 Uhr im Institut für Theaterwissenschaft ihre Performance „king-ing the drag – drag-ing the king“ zeigen wird.

Darian setzt auf unkonventionelle Lehr- und Forschungsformate sowie auf Vernetzung mit inner und außeruniversitären Kooperationspartnern. Damit hat sie bereits gute Erfahrungen gemacht. Bevor sie die Juniorprofessur antrat, war Darian bereits über zehn Jahre als Wissenschaftliche Assistentin beziehungsweise Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leipziger Institut für Theaterwissenschaft tätig – mit Zwischenstationen am Institut für Kultur- und Medienwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie an der Freien Universität Berlin, wo sie bereits zeitweise eine Vertretung für eine Juniorprofessur übernommen hatte.

Darian ist ein Freigeist. Sie hält wenig von Wissenschaft, die nur im Elfenbeinturm betrieben wird, und möchte, dass Forschung auch in die Gesellschaft hineinwirkt. Anfang Mai hat sie gemeinsam mit Studierenden und ihrem Institutskollegen Prof. Dr. Patrick Primavesi das Symposium „Echo Raum Büchner“ realisiert. Es war ein wichtiger Bestandteil des „Fragment Festival Büchner“ der Leipziger Schaubühne Lindenfels. Bei dem Symposium haben die Studierenden Gesprächsrunden, Performances, Führungen, Filme, Lectures und weitere experimentelle Veranstaltungsformate entwickelt und diese teils im Theater, teils im öffentlichen Raum vorgestellt.

Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, ist nicht nur ein zentrales Anliegen ihrer Forschung und Lehre, sondern spiegelt sich auch in ihrem persönlichen Werdegang wider. Schon vor ihrem Abitur und während ihres Musikwissenschafts- und Germanistikstudiums in Bonn hat die gebürtige Slowenin praktische Erfahrungen im Theaterbereich gesammelt – zunächst als Schauspielerin, später konzeptionierte und organisierte sie Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche in Italien, Griechenland, Frankreich und Österreich. Bei einigen führte sie Regie.

Neben dem Studium arbeitete Darian zudem auf Theaterfestivals und als Regieassistentin für öffentlich-rechtliche Fernsehdokumentationen. Durch die Verknüpfung der theaterpraktischen Arbeit auf der einen und der Medienarbeit auf der anderen Seite hat sich ihr Interesse an der Theaterwissenschaft herausgebildet. 1996 wechselte sie ihr Studienfach und kam nach Leipzig.

Dass hier auch Fragen nach der gesellschaftlichen Relevanz des Theaters eine große Rolle spielten, war ihr wichtig: „In Leipzig richtet die Theaterwissenschaft den Blick auf soziale Zusammenhänge und Fragestellungen, auf eine Gesellschaft, die massiven Veränderungen unterworfen ist. Die Geschichte wird durch die Brille und die Perspektive der Gegenwart angeschaut und umgekehrt gilt das genauso“, sagt die Wissenschaftlerin.

Für ihre Forschungsschwerpunkte „Alter(n)“ und „Fremdheiten“ waren das bedeutsame Grundlagen. Spannend findet es Darian auch, die beiden Themenfelder zu verbinden: „Der Prozess des Alterns ist ein Teil einer anderen Kultur in der eigenen. Dieser Teil unserer Gesellschaft wird lieber verdrängt oder ist mit Angst, Furcht und Misstrauen besetzt.“ Beim Themenschwerpunkt „Fremdheiten“ geht es Darian demnach nicht in erster Linie um Migration oder Flucht, sondern vor allem um die Frage, was als fremd deklariert wird und was als das Eigene gilt.

Mittlerweile haben Akteure in Kunst und Theater damit begonnen, diese Diskurse mitzubestimmen: Sie greifen Vorurteile auf, hinterfragen sie oder versuchen, diese aufzulösen. Für die Theaterwissenschaft interessant ist dabei, mit welchen Stereotypen Künstler bei ihren Inszenierungen arbeiten und welcher Sprache und Körpersprache sie sich bedienen.

Dabei schaut Darian immer wieder über den Tellerrand der Wissenschaft: „Theater und Inszenierungen finden nicht nur auf den Theaterbühnen statt, sondern sehr konkret in Alltagssituationen und im sozialen Rollenspiel miteinander. Und da muss man mit den Studierenden dann auch hin.“

Die Juniorprofessur Theaterwissenschaft wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

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Foto: Ralf Julke

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Foto: L-IZ.de

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