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Neue Stolpersteine erinnern an das Schicksal von jüdischen Mitbürgern aus Leipzig im Nationalsozialismus

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    Am morgigen Donnerstag, den 11. Juni 2020, verlegt die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine in Leipzig 5 neue Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus. Aufgrund der aktuellen Lage wird der leitende Künstler Gunter Demnig nicht selbst vor Ort sein können, ebenso die Angehörigen.

    Das Projekt Stolpersteine erinnert und vergegenwärtigt das Leid von jüdischen Mitmenschen, aber auch von Kindern und Erwachsenen, die den nationalsozialistischen „Normen“ nicht entsprachen, darunter Menschen mit Behinderungen, Sinti und Roma, Homosexuellen sowie politisch Andersdenkenden und allen anderen von der Ideologie des Nationalsozialismus Verfolgten und Ermordeten.

    Seit mehr als zehn Jahren werden diese Erinnerungsmale in Leipzig verlegt. Am 11. Juni 2020 folgen weitere 5 Steine, die in der Nähe der einstigen Wohnhäuser der Opfer in den Gehweg eingelassen werden. Der Initiator des Projekts, der Bildhauer Gunter Demnig, wird aufgrund seines hohen Alters und der aktuell gefährdeten Corona-Lage nicht persönlich vor Ort sein können, sendet jedoch eine Videogrußbotschaft (auf der Homepage www.stolpersteine.de).

    Die Verlegung neuer Stolpersteine beginnt um 14.00 Uhr in der Endersstraße 9. Dort lebte der jüdische Kommunist Sally Wittelson. Er musste 1933 in die Illegalität gehen. 1937 trat er den Internationalen Brigaden bei, um die spanische Republik zu verteidigen. Ab 1940 wurde er im von Deutschland besetzten Frankreich als Jude verfolgt. Zwei Jahre später ermordete man ihn in Auschwitz.

    Um 14.45 Uhr wird in der Harkortstraße 17/19 dem Schicksal des jüdischen Rechtsanwalts Max Hellmann gedacht. Er wurde vor Gericht gestellt, weil er gegen das sog. „Blutschutzgesetz“ von 1935 verstoßen hatte, denn eine nichtjüdische Frau half dem Witwer im Haushalt. Für seine Verteidigung wollte er Adolf Hitler höchstpersönlich in den Zeugenstand rufen lassen. Die nationalsozialistische Presse nahm dies zum Anlass, ihr Feindbild propagandistisch zu bestätigen. Max Hellmann kam 1939 im KZ Buchenwald ums Leben.

    Schülerprojekte haben Schicksale jüdischer Mitbürger recherchiert

    Ein Projekt der AG Geschichte der Apollonia-von-Wiedebach-Schule beschäftigt sich mit dem Schicksal von Erna Kugelmann aus der Richard-Lehmann-Str. 33, welches um 15.30 Uhr vorgestellt wird. Die AG suchte nach Menschen, die in der Umgebung ihrer Schule dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Wöchentlich trafen sich die jungen Leute und verfolgten Stück für Stück das Schicksal der jungen Frau. Es ist bereits das zweite Projekt der Gruppe.

    Im letzten Jahr konnten durch sie vier Stolpersteine für die Familie Sonder in der Fockestraße verlegt werden. Daraus entstand ein Feature von Studentinnen mit dem Uni-Radio mephisto 97.6. Für das aktuelle Projekt reisten die Jugendlichen bis nach Oświęcim und suchten im Archiv des Museums Auschwitz-Birkenau nach Spuren von Erna, die dort im Alter von 22 Jahren ermordet wurde. Mit der Verlegung der Stolpersteine in der Südvorstadt findet das Projekt seinen Abschluss. Doch die Schülerinnen und Schüler wollen weitermachen. Und es gibt auch schon neue Ideen.

    Bei der letzten Verlegung um 16.30 Uhr in der Karl–Liebknecht–Str. 103 erinnern die Schüler der der Louise-Otto-Peters-Schule an Marie Hamel, die viele Jahre mit ihrem Mann eine Gastwirtschaft in der Johannisgasse führte. Zuletzt wohnte sie verwitwet in der Südvorstadt. Im Jahr 1944 kam Marie Hamel im Ghetto Theresienstadt ums Leben.

    Seit 2006 erinnern insgesamt 549 Stolpersteine in Leipzig an Opfer der NS-Diktatur

    In Leipzig begann das Projekt am 3. April 2006 mit der Verlegung von 11 Steinen durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Koordiniert werden seitdem sämtliche Verlegungen durch die Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine in Leipzig“, die von der Stadt Leipzig beauftragt ganz bewusst parteiübergreifend arbeitet. Die Arbeitsgruppe koordiniert nicht nur die Steinverlegungen, sondern steht für die Betreuung interessierter Gruppen und deren Recherchen zur Verfügung, plant Termine rund um die Stolpersteine , kümmert sich um den medialen Auftritt der Projekte und hält Kontakt zu Hinterbliebenen und Angehörigen.

    Zur Arbeitsgruppe gehören das Archiv Bürgerbewegung Leipzig, die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig, der Ev.-Luth. Kirchbezirk Leipzig und das Bürgerkomitee Leipzig e.V., Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“. Durch das Engagement und die investierte Arbeit dieser Einrichtungen konnten die Stolpersteine Erinnerungen an die Schicksale der vielen Opfer im Nationalsozialismus schaffen und so einen wichtigen Teil zum kollektiven und auch individuellen Bewusstsein der Stadt beitragen.
    Das Projekt Stolpersteine braucht Paten

    Um die Geschichte weiterer individueller Schicksale aus Leipzig in Erinnerung zu rufen, braucht das Projekt Stolpersteine auch künftig die Unterstützung vieler Menschen. Für jeden Stolperstein werden Paten gesucht: Privatpersonen oder Vereine, Stiftungen, Parteien etc. können das für die Herstellung und Verlegung nötige Geld (120 € pro Stein) spenden (Konto der Stadt Leipzig: Ktnr. 1010001350, BLZ 86055592, Sparkasse Leipzig, Verwendungszweck/Zahlungsgrund – unbedingt angeben VG 5.0451.000007.0).

    Anliegen des Projekts ist es, im öffentlichen Stadtraum, unmittelbar vor den früheren Wohnstätten von Opfern des Nationalsozialismus, auf deren Schicksal aufmerksam zu machen. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig, der ähnliche Projekte in zahlreichen anderen Städten betreut, fertigt dazu Betonsteine mit verankerter Messingplatte in einer Größe von 10x10x10 Zentimetern und lässt diese in die Gehwege vor den ehemaligen Wohnhäusern der Deportierten ein. In die Messingtafel des Steins sind die Worte „Hier wohnte“ und darunter Name, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person eingestanzt.

    Die neue Leipziger Zeitung Nr. 79: Von Gier, Maßlosigkeit, Liebe und Homeschooling in Corona-Zeiten

     

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