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„Man kann die Welt durch Journalismus besser machen“

Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien 2020 an Khadija Ismayilova und Benjamin Best verliehen

Am Abend des 8. Oktober 2020 wurde der Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien 2020 der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig an die aserbaidschanische Investigativ-Journalistin Khadija Ismayilova und den deutschen Autoren und Journalisten Benjamin Best verliehen. Die Preisträger erhalten ein Preisgeld von je 10.000 Euro. Die 20. Verleihung des Preises fand angesichts der aktuellen Pandemie-Lage in kleinerem Rahmen statt als in den Vorjahren.

Burkhard Jung, Vorsitzender des Stiftungsrats der Medienstiftung und Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, erklärte im Rahmen der Preisverleihung angesichts von Angriffen auf die Presse- und Medienfreiheit: „Wir sind gut beraten, kritikwürdige Dinge deutlich und klar zu benennen und uns zugleich zu den Werten Freiheit und Demokratie und zu den Menschenrechten zu bekennen.“

Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung sowie der Sparkasse Leipzig, erinnerte anlässlich der 20. Verleihung des Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien an die Preisträger der vergangenen zwei Jahrzehnte: „Wenn man unter Inkaufnahme von persönlichen Nachteilen, physischer Bedrohung oder Bedrohung von Leib und Leben seinem journalistischen Auftrag, seinem Grundauftrag, für Presse- und Medienfreiheit einzustehen, nachkommt, dann braucht es dafür eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Zugleich sind die Umstände, unter denen unsere Preisträger arbeiten müssen, zum Teil sehr erschütternd.“

Preisträger Benjamin Best nahm die Ehrung persönlich entgegen. Er bedankte sich beim Westdeutschen Rundfunk und der Redaktion „Sport Inside“, die kostenintensiven investigativen Journalismus möglich machten: „Es ist alarmierend, wenn Journalismus am Geld scheitert“, mahnte er. Zugleich betonte Best: „Man kann die Welt besser machen, indem man Aufmerksamkeit erzeugt, zum Beispiel für die menschlichen Schicksale rund um sportliche Großereignisse. Man kann die Welt besser machen durch Journalismus.“

Die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova, die zur Preisverleihung nicht aus ihrem Heimatland ausreisen durfte, übermittelte ihren Dank per Videobotschaft: „Es ist sehr erfreulich, wenn Journalisten und die Verteidiger der Freiheit des Wortes wegen ihrer Arbeit nicht nur in Schwierigkeiten geraten, sondern auch ausgezeichnet werden.“

Sie erinnerte an die kriegerischen Auseinandersetzungen, die derzeit zwischen Aserbaidschan und Armenien um das Gebiet Bergkarabach geführt werden: „In diesen tragischen Momenten, wo Zivilisten auf beiden Seiten sterben, gibt es auch eine Hoffnung, dass Rechtstaatlichkeit und Frieden in die Region kommen mögen und Flüchtlinge nach Hause zurückgehen können.“ Sie kündigte an, ihr Preisgeld an die erste unabhängige Medienorganisation stiften zu wollen, die sich in der Krisenregion bilden werde.

Eine Aufzeichnung der Preisverleihung ist auf der Internetseite der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig unter www.leipziger-medienstiftung.de abrufbar.

Über die Preisträger

Khadija Ismayilova (Jahrgang 1976) ist studierte Philologin und arbeitete zunächst für eine Reihe lokaler und ausländischer Medien in Aserbaidschan. Bis 2017 war sie als Radio-Moderatorin für den aserbaidschanischen Dienst von Radio Free Europe (RFE), dessen Büro in Baku 2015 geschlossen wurde, tätig. Seit 2017 arbeitet sie als regionale Redakteurin für das Journalistennetzwerk „Organized Crime and Corruption Reporting Project“.

Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet Ismayilova vor allem zu Korruption und Vetternwirtschaft des in Aserbaidschan herrschenden Alijew-Clans, beispielsweise die Eigentümerschaft der minderjährigen Präsidententochter an der Fluglinie Azerbaijan Airlines. Mindestens seit 2012 versucht das Regime mit unterschiedlichen Methoden, Ismayilova zum Schweigen zu bringen: neue Gesetze, Schmutzkampagnen, Verhaftungen und Gerichtsprozesse. 2017 wurde eine Ausreisesperre gegen sie erlassen, die noch immer gültig ist.

Benjamin Best (Jahrgang 1976) ist ein deutscher Journalist, Filmregisseur und Buchautor. Er studierte bis 2003 an der Humboldt-Universität Berlin Jura, Englisch und Sportwissenschaft sowie im Anschluss Sportpublizistik an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2005 arbeitet er überwiegend für den WDR als freier Journalist, insbesondere für die Fernsehsendung „WDR Sport inside“ und die Sportschau (ARD).

Seit 2007 beschäftigt er sich mit Wettmanipulation im Sport, 2011 wurde er für die Reportage „Tor, Sieg, Betrug – Wettmanipulationen im Sport“ als „CNN Journalist of the Year“ ausgezeichnet. 2013 erschien sein Sachbuch „Der gekaufte Fussball – Manipulierte Spiele und betrogene Fans“.

Mit „Dirty Games“ legte Benjamin Best 2016 einen Kino-Dokumentarfilm zu Menschenrechtsverletzungen im Umfeld großer Sportereignisse, insbesondere den Fußball-Weltmeisterschaften 2014 in Brasilien und 2022 in Katar vor. „Dirty Games“ wurde u. a. in den Kategorien „beste Regie“ und „bester ausländischer Film“ bei den „Hollywood International Independent Documentary Awards“ ausgezeichnet.

Über den Leipziger Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien:

Mit dem Preis ehrt die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig seit 2001 jährlich Journalisten, Verleger und Institutionen, die sich mit hohem persönlichem Einsatz für die Freiheit und Zukunft der Medien engagieren. Der Preis soll auch die Erinnerung an die friedliche Revolution in Leipzig am 9. Oktober 1989 wachhalten: Damals forderten die Demonstranten „eine freie Presse für ein freies Land“.

Freitag, der 9. Oktober 2020: Kemmerich hat nichts gelernt, Erinnern an Halle-Anschlag und ein Mini-Lichtfest

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Foto: L-IZ

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© gemeinfrei

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