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NABU stoppt Baumfällungen und Gehölzrodungen in der Leipziger Innenstadt

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    Um Baumfällungen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig zu stoppen, ist der NABU Sachsen aktiv geworden und hat einen Anwalt sowie die Polizei eingeschaltet. NABU-Mitglieder vor Ort waren am 21. Januar 2021 im Einsatz, um zu verhindern, dass gesetzlich geschützte Lebensstätten auf dem Areal zerstört werden.

    Die Gefahr ist noch nicht gebannt, während der NABU weitere juristische Schritte vorbereitet, prüft die Stadt Leipzig die rechtliche Lage, um die Rodungen auf dem Areal fortzusetzen. Um das dem Fällstopp zugrunde liegende Schreiben an die Arbeiter vor Ort zu überreichen, war die Hilfe der Polizei notwendig. Falls für die Arbeiten die notwendigen Ausnahmegenehmigungen tatsächlich erteilt wurden, ist die naturschutzfachliche und rechtliche Grundlage dafür fraglich.

    Zudem wurde hier offenbar versucht, mit einer „Hauruck-Aktion“ naturzerstörerische Fakten zu schaffen. Ein solches Vorgehen verhöhnt das Engagement des ehrenamtlichen Naturschutzes und die Beteiligungsrechte der Bürgerinnen und Bürger.

    Am 20. Januar 2020 hatte die Stadtverwaltung mit einer Pressemitteilung informiert, dass Gehölze auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz beseitigt werden. Begründet wurde das mit geplanten Baugrunduntersuchungen. Nahezu gleichzeitig mit der Veröffentlichung begannen auch die Rodungen. Aufmerksamen Anwohnern ist es zu verdanken, dass rasch der NABU informiert wurde.

    Der NABU Leipzig wirbt seit vielen Jahren öffentlichkeitswirksam für den Erhalt des Gehölzbestandes, auch wenn der Platz bebaut würde. Zudem verwies der NABU immer wieder darauf, dass für die Zerstörung von gesetzlich geschützten Lebensstätten, vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen, die die ökologische Funktion erhalten, notwendig und gesetzlich vorgeschrieben sind.

    Der Verweis der Stadtverwaltung auf geplante Dach- und Fassadenbegrünungen wird dem nicht gerecht, denn damit wäre die ökologische Funktion von großen Strauchgruppen und alten gesunden Bäumen nicht zu ersetzen, und es wäre auch kein vorgezogener Ausgleich.

    Keine Untersuchung der Gehölze vor Fällarbeiten

    Außerdem hatte der NABU darauf hingewiesen, dass bei Baumfällungen eine naturschutzfachliche Fällbegleitung nötig ist, um zu verhindern, dass Tiere in Baumhöhlen und in den Hecken verletzt oder getötet werden und dass gesetzlich geschützte, wiederkehrend genutzte Lebensstätten ohne Ausgleich verloren gehen. Der NABU konnte jedoch beobachten, dass vor den Fällarbeiten Stämme und Äste nicht untersucht wurden.

    Die für die Zerstörung von Lebensstätten notwendige artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung sowie die Genehmigung zur Fällung der Bäume wurden einer Pressemitteilung der Stadt zufolge erteilt – unklar ist jedoch, auf welcher sachlichen Grundlage.

    Über Monate hinweg hatte der NABU Leipzig deshalb mehrfach Akteneinsicht beantragt. Obwohl es nach dem Umweltinformationsgesetz ein Recht darauf gibt, wurden von den zuständigen Ämtern die erbetenen Informationen nicht an den NABU übermittelt, Antwortschreiben gab es nie oder mit erheblicher Verspätung. Auch dagegen prüft der NABU rechtliche Schritte.

    Für die geplante bauliche Umgestaltung des Platzes muss der Stadtrat einen Bebauungsplan beschließen. Das ist noch nicht erfolgt, dennoch beginnt die Stadtverwaltung mit den umfangreichen Rodungen bereits Fakten zu schaffen und die Lebensstätten unwiederbringlich zu vernichten.

    In Zeiten von Artensterben und Klimawandel ist dieses Vorgehen nach Auffassung des NABU Sachsen nicht nur rechtswidrig, sondern auch ignorant und unzeitgemäß. Mehrfach wurde dem NABU eine Zusammenarbeit und eine frühzeitige Information zugesagt, diese Zusage aber nicht eingehalten.

    Der Appell des NABU, frühzeitig Ausweichlebensräume im Umfeld des Platzes zu schaffen, wurde ignoriert. Ganz im Gegenteil wurden auch umliegende Brachflächen inzwischen bebaut und Parkanlagen und Grünflächen derart umgestaltet und „gepflegt“, dass sie als Ausweichlebensraum nicht in Frage kommen.

    Der NABU Leipzig hat in aufwendiger ehrenamtlicher Arbeit auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz Brutvogelarten erfasst und festgestellt, dass dieses Areal ein „Platz der Biologischen Vielfalt“ ist: Hier leben mehr Arten als auf vergleichbar großen Flächen in den umliegenden Parkanlagen. „Diese Vielfalt wird veralteten Bauprojekten achtlos geopfert“, kritisiert Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen.

    „Außerdem werden die Rechtslage und die engagierte Arbeit des ehrenamtlichen Naturschutzes ignoriert. So kann man mit den berechtigten Anliegen des Biotop- und Klimaschutzes nicht umgehen. Zumindest muss aber der gesetzliche Artenschutz beachtet werden“, betont Heinitz.

    Unter den nachgewiesenen Brutvogelarten ist auch der gesetzlich streng geschützte Grünspecht. Wiederholte Fragen des NABU, wie das Überleben dieser Art gesichert werden soll, blieben unbeantwortet. Zudem bezweifelt der NABU grundsätzlich, dass die Naturschutzbehörde für artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen überhaupt eine gesicherte Datengrundlage hat.

    Stadtverwaltung ignoriert Klimanotstand

    Überdies ignoriert die Stadtverwaltung mit ihren Bauplänen Selbstverpflichtungen der Stadt für den Schutz der biologischen Vielfalt sowie den vom Stadtrat ausgerufenen Klimanotstand: „Ein Klimanotstand erlaubt es nicht, einen grünen, lebendigen Ort mitten in der zunehmend überhitzten Innenstadt zuzubetonieren.

    Ein gesunder Gehölzbestand wird hier geopfert, während anderswo in der Stadt Bäume vertrocknen. Alternativen für die geplante Nutzung werden offenbar gar nicht in Erwägung gezogen. Es gibt hier genug versiegelte Flächen und leerstehende Gebäude“, erläutert René Sievert, Vorsitzender des NABU Leipzig.

    „Eine moderne, natur- und ressourcenschonende Bebauung des Platzes wäre möglich, vorhandene Gehölzstrukturen müssten erhalten bleiben. Sie dienen als Lebensraum, Klimaanlage und könnten ein attraktives Umfeld des neuen Standorts des Naturkundemuseums bilden. Wir brauchen mehr Grün in der Stadt, nicht weniger.“

    Der NABU Sachsen fordert die Leipziger Stadtverwaltung auf, die Fällungen und Rodungen sofort zu beenden, vor der weiteren Zerstörung von Lebensstätten vorgezogene artenschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen im räumlichen und ökologischen Zusammenhang zu realisieren, Einsicht in Akten zu geben und die Baupläne grundsätzlich im Sinne von Biotop- und Klimaschutz zu überarbeiten.

    Informationen zum Kampf um die Natur auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz:
    www.NABU-Leipzig.de/stellungnahmen/leuschnerplatz

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    2 KOMMENTARE

    1. In diesem Fall bin ich auch sehr erfreut, wie der NABU hier reagiert und publiziert hat. Das Verhalten der Stadt und ihrer offensichtlich nach eigenem Gutdünken regierter Ämter ist skandalös.

      Was mich allerdings wieder einmal negativ berührt: Können die Umwelt- und Naturschutzverbände nicht mal alle an einem Strang ziehen? Sind deren Weltanschauungen wirklich so verschieden?
      Warum schreit hier nur der NABU, und nicht auch alle anderen?

      @Michael: Korrekt, Irgendwie haben die Verbände nur ein „spezielles Ohr“, das andere ist jeweils taub für die übrigen Themengebiete. Bzw. scheint es persönliche Animositäten zu geben.
      (Interessiert habe ich übrigens das lange Auwald-Video vom NUKLA gesehen, welches zwar ganz schön reißerisch (wirkt der Glaubwürdigkeit entgegen), aber informativ war.)
      Dieser Naturschutz-Kleinkrieg unter den Verbänden – ich kann ihn nicht verstehen…

    2. Dem NABU sei Dank für diese Tat. Es ist immer gut sich für den Erhalt von Naturräumen einsetzen. Wichtig ist es aber auch innerstädtische Flächen weiter zu entwickeln, damit nicht noch mehr Flächen außerhalb der Stadt versiegelt werden.
      Die Vögel welche ihre Heimat (Bäume) hier verlieren können in den nahegelegen Auwald (Nonne) fliegen um in den dortigen wenig verblieben Bäumen zu nisten.
      Denn dort hat der NABU nichts gegen Baumfällungen einzuwenden gehabt. Im Gegenteil, öffentlich volle Zustimmung erteilt..

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