In ganz Europa rufen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Bevölkerung dazu auf, an einem groß angelegten Forschungsprojekt zur Echten Schlüsselblume teilzunehmen. Ziel ist es, mehr über den aktuellen Bestand und die Lebensbedingungen der geschützten Art zu erfahren.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger müssen nur die Pflanzen in ihrer naturnahen Umgebung suchen, bestimmte Merkmale der Blüten notieren und ihre Beobachtungen dann in eine digitale Datenbank eintragen. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) koordiniert den deutschsprachigen Bereich der Studie.

Das Prinzip ist einfach: Raus in die Natur gehen, die Echte Schlüsselblume (Primula veris) finden, in die Blüten schauen und einige Merkmale notieren. Anschließend können die Beobachtungen und optional ein paar Fotos auf der Projektwebsite hochgeladen werden. “Wenn die Blütezeit der Echten Schlüsselblume Ende Mai vorbei ist, werden die Daten aus ganz Europa ausgewertet. Anschließend erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Rückmeldung mit den Ergebnissen”, sagt die Biologin Dr. Sabrina Träger von der MLU.

Echte Schlüsselblumen wachsen auf Wiesen, an Waldrändern und am Straßenrand. Besonders interessiert sind die Forschenden an einem speziellen Blütenmerkmal: Etwa die Hälfte der Pflanzen hat kurze weibliche Blütenorgane, die andere Hälfte hat lange weibliche Blütenorgane. Schlüsselblumen können sich nur dann fortpflanzen, wenn Pollen zwischen den beiden Typen ausgetauscht wird.

Neue Studien haben Träger zufolge gezeigt, dass das Gleichgeweicht zwischen den beiden Typen jedoch durch verschiedene Einflüsse gestört werden kann. Das könnte auch Folgen für die Fortpflanzung der Art haben. „Anhand der Daten aus dem Bürgerprojekt können wir später Rückschlüsse über den Zustand der Schlüsselblumen sowie anderer Arten ziehen, deren Bestand in den letzten Jahrzehnten sehr stark zurückgegangen ist“, so Träger.

Spezielle Vorkenntnisse sind für die Teilnahme nicht nötig. Allerdings sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darauf achten, dass die Pflanzen nicht gepflückt oder ihre Habitate beschädigt werden dürfen, da die Echte Schlüsselblume in Deutschland unter Schutz steht, so die Biologin.

Der Vorläufer des europaweiten Projekts wurde 2019 in Estland gestartet. Seitdem sind über 400.000 Beobachtungen bei den Forschenden eingegangen. „Seit Beginn der Covid19-Pandemie haben besonders viele Familien an unserem Projekt teilgenommen. Es ist eine beliebte Aktivität, die so gut wie überall möglich ist“, berichtet die Projektkoordinatoren Dr. Tsipe Aavik von der Universität Tartu in Estland.

Für dieses Jahr sind die ersten Beobachtungen aus Süd- und Westeuropa bereits in vollem Gang. „Durch das unbeständige Wetter ist für Deutschland noch Luft nach oben, da die Art vielerorts gerade erst anfängt in voller Blüte zu stehen. Somit haben interessierte Naturliebhaber immer noch die Möglichkeit bei einem Frühlingsspaziergang uns Wissenschaftler bei einem wichtigen naturschutzrelevanten Thema zu unterstützen“, so Träger.

Weitere Informationen zum Projekt unter http://www.cowslip.science/

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