Vom 1. bis 3. Juni 2022 findet in Leipzig die Tagung „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ statt. Über 250 Professionelle, Betroffene und Angehörige aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz treffen sich in der Michaeliskirche am Nordplatz und diskutieren über Brüche und Entwicklungen im Umgang mit Schizophrenie.

„Die Pandemie war für uns alle ein Bruch, eine enorme Belastung und eine Herausforderung, Dinge zu verändern“, sagt Prof. Georg Schomerus, Leiter der Tagung und Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig. „Brüche sind oft unvermeidlich – sie können aber auch der Beginn einer Entwicklung sein.“

Auf der Tagung werden kontroverse Themen behandelt. Der Bedarf an Psychotherapie ist auch durch die Pandemie enorm gestiegen, bestimmte Bevölkerungsgruppen haben es dabei aber noch schwerer als andere, einen Platz zu bekommen. Wie kann man Menschen mit Schizophrenie mehr Psychotherapie ermöglichen? „Wenn über psychische Krankheiten gesprochen wird, dann häufig über Depressionen”, sagt Prof. Schomerus. „Das reicht aber nicht aus. Menschen mit Schizophrenie zum Beispiel sind mit besonders viel Unverständnis und Ablehnung konfrontiert, das wollen wir ändern.“

Auch die Frage, was eigentlich genau eine psychische Krankheit ist, wird auf der Tagung thematisiert. Und ob es einen Unterschied gibt zwischen den weit verbreiteten Verschwörungstheorien, etwa im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, und krankhaften Wahnvorstellungen. Eine Podiumsdiskussion wird sich der schwierigen Frage widmen, ob und in welchem Ausmaß Unfreiheit im Umgang mit psychischen Störungen notwendig sein kann. 

„Wir freuen uns sehr auf die Tagung“, so Schomerus. „Es wird sicher kontrovers, aber das ist notwendig, um neue Sichtweisen zu ermöglichen.“

„Psychiatry Slam“ und Workshops 


Ein Höhepunkt der Tagung ist der „Psychiatry Slam“ am 2. Juni. Eine Reihe von Teilnehmer:innen hat kurze Videos erstellt, die eine ganz persönliche Sichtweise auf Brüche und Entwicklungen bieten. Die Filme werden im Rahmen der Tagung am Donnerstagabend in der NATO gezeigt und am Freitag mit den Autoren diskutiert. Workshops bei Leipziger Initiativen wie dem „Durchblick“, dem „Wege e.V.“ oder dem Verein „Offener Dialog“ ergänzen das Programm und zeigen, dass Leipzig einer überaus lebendige und aktive Szene hat, die vielfältige Angebote für Menschen in psychischer Not bereithält. Hier sieht Schomerus eine besondere Stärke der Stadt: „Dafür ist Leipzig bekannt: Alle Akteure im Umfeld und außerhalb der Psychiatrie arbeiten eng und konstruktiv zusammen. Das ist wirklich vorbildlich.“


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