Doppelte Herausforderung– die IG Metall hat heute in der ersten Verhandlungsrunde für die ostdeutsche Stahlindustrie das Angebot der Arbeitgeber zurückgewiesen. „Das Volumen ist viel zu gering. Auch eine erneute Einmalzahlung ist für die Beschäftigten nicht akzeptabel“, sagte Birgit Dietze, IG Metall-Bezirksleiterin und Verhandlungsführerin für Stahl Ost.

Das Angebot der Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde sieht eine Einmalzahlung von 2100 Euro für zwölf Monate vor. „Das ist weder mit der guten Lage der Stahlindustrie noch mit der Stimmung in den Betrieben vereinbar“, stellte Dietze, Leiterin des IG Metall-Bezirks Berlin Brandenburg Sachsen, klar. „Die Kolleginnen und Kollegen fordern nachdrücklich eine tabellenwirksame Erhöhung der Monatsentgelte. Aber nicht nur die Struktur steht im Widerspruch zur aktuellen Situation. Auch das Volumen ist angesichts der außergewöhnlich guten Geschäftslage der Stahlunternehmen zu gering.“

Die IG Metall fordert eine 8,2 prozentige Erhöhung der Monatsentgelte.  Dietze betonte: „Die Stahlbranche profitiert von einer Sonderkonjunktur mit vollen Auftragsbüchern und üppigen Gewinnen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass sie angemessen an der guten Geschäftsentwicklung beteiligt werden.“

Dietze erinnerte an die beiden „Vernunft-Abschlüsse in der Stahlindustrie“, mit denen die IG Metall auf die instabile wirtschaftliche Lage in der Corona-Pandemie reagiert habe. „Beide Male haben die Beschäftigten in den Stahlbetrieben erlebt, dass die Gewinne anschließend in die Höhe schossen. Ein drittes Mal darf sich dies nicht wiederholen“, so Dietze. „Niemand bestreitet, dass die wirtschaftliche Lage erneut extrem unsicher ist. Aber es kann nicht sein, dass jedes Mal die Beschäftigten die Kosten der Unsicherheit alleine tragen und die Unternehmen noch davon profitieren.“

In der Stahlindustrie ist laut Dietze im Unterschied zu anderen Branchen von Krise nichts zu spüren. „Durch den Krieg entfallen mit Russland und der Ukraine zwei große Produzentenländer auf den Weltmärkten. Die Unternehmen schaffen es kaum noch, die Aufträge abzuarbeiten. Die Kolleginnen und Kollegen in den Stahlwerken fahren Extraschichten und legen sich ins Zeug, damit ihre Betriebe liefern können. Sie fordern, dass die Arbeitgeber dies jetzt auch in der Tarifrunde anerkennen.“

Hinzu kommt die hohe Inflation, die allen Beschäftigten zu schaffen macht. „Die Stahlkonzerne geben die höheren Kosten für Energie und andere Rohstoffe durch Preisaufschläge an ihre Kunden weiter. Die Stahlarbeiter und -Arbeiterinnen können das nicht“, so Dietze. „Es geht jetzt auch darum, die Kaufkraft der Kolleginnen und Kollegen zu schützen und zu stärken.“

Die IG Metall-Verhandlungsführerin für das Tarifgebiet Stahl Ost rief die Arbeitgeber auf, in der zweiten Verhandlungsrunde ein neues Angebot vorzulegen, das die Erwartungen der Beschäftigten und die Sonderkonjunktur der Branche widerspiegelt. Die Friedenspflicht endet am 31. Mai. Dietze betonte: „Die Beschäftigten sind sehr entschlossen, ihre Forderungen durchzusetzen, und bereiten die ersten Aktionen bereits intensiv vor.“

Die nächsten Termine

24.05.2022: Zweite Verhandlung

31.05.2022: Ende der Friedenspflicht

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