Nutzungskonzepte für aktive oder bereits stillgelegte Kohle-Abbaugebiete zu planen, ist oft ein jahrelanger Prozess. Expertengutachten über die Bodenbeschaffenheit, Gefahrenstellen und Umweltbelange müssen erstellt werden, um die Planung von Infrastruktur in ehemaligen Abbaugebieten zu ermöglichen.

Hier setzt das Forschungsprojekt „SARDINE“ an – Smart Regional Development Infrastructure, das heute in Leipzig vorgestellt wurde. Die Universität Leipzig, die HTWK Leipzig und das Institut für Angewandte Informatik Leipzig (InfAI) bündeln ihre Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung. Bislang müssen sämtliche relevanten Daten aus Aktenbeständen und Dokumentationen von Kommunen oder Bergbauunternehmen aufwändig zusammengetragen werden.

Im Rahmen des mit 1,5 Millionen Euro geförderten Forschungsprojektes entsteht nun eine Datenplattform, in der die Archivdaten digitalisiert, vernetzt und leichter zugänglich gemacht werden. Softwaregestützt werden wichtige Informationen dabei markiert und für den Nutzer sofort erkennbar. Gutachterinnen und Gutachter bekommen so künftig viel schneller Zugriff auf alle benötigten und relevanten Daten, die z. B. für den Bau eines neuen Radweges oder die Renaturierung einer früheren Tagebaufläche unbedingt berücksichtigt werden müssen.

In das Projekt sind wichtige Partner von Vornherein eingebunden. Fachlich unterstützt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Auch die Kommunen in den Abbaugebieten ermöglichen den Zugang zu Archiven und stellen Dokumentationen zur Verfügung.

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: „Das Forschungsprojekt ist ein gutes Beispiel dafür, welchen Nutzen die Digitalisierung von Archivdaten in Verbindung mit automatisierter Vernetzung der Daten haben kann. Für Investoren, die den Strukturwandel aktiv gestalten wollen, ist Zeit ein entscheidender Faktor. Sie müssen schon in einer frühen Phase ihrer Projektplanung wissen, was in der Umsetzung alles zu beachten ist. Diese Informationen zu beschaffen, bedeutet in der Regel aber einen großen zeitlichen und personellen Aufwand. Die Datenplattform verkürzt diesen Zeitaufwand und ermöglicht letztlich, dass ein Investorenprojekt schneller realisiert werden kann.“

Projektleiter Prof. Dr. Scheuermann, Universität Leipzig, betont: „Das Projekt demonstriert, dass Digitalisierung und künstliche Intelligenz eine schnellere Planung der Nachnutzung früherer Braunkohletagebaue und Veredelungsbetriebe ermöglichen. Die digitale Aufbereitung vorhandener Archive zum Bergbau erlaubt zudem eine substantielle Erhöhung der Sicherheit durch automatisierte Überwachung von Nutzungseinschränkungen, die durch den Computer in den Akten erkannt werden. Wir freuen uns auf diese Weise dem Freistaat und den Bergbauunternehmen bei einer zentralen Herausforderung des Strukturwandels helfen zu können.“

Hintergrund:

Das gemeinsam von der Universität Leipzig, der Hochschule für Technik und Kultur Leipzig und dem Institut für Angewandte Informatik (InfAI) e. V. getragene Projekt Smart Regional Development Infrastructure (SARDINE) beschäftigt sich mit der Entwicklung einer neuen Datenplattform, um die Planung und Verwaltung für die Nachnutzung von ehemaligen Braunkohletagebauten zu verbessern.

Für die verschiedenen Nachnutzungskonzepte von Flächen für Industrie, Gewerbe-und Wohngebiete, Land-und Forstwirtschaft sowie für die touristische Nutzung werden unterschiedlichste Verfahren angewandt, wobei auch eine Vielzahl an verschiedenen Dokumenten und Daten angelegt wird. Aufgrund dieser Vielfältigkeit sind an
den Projekten zur Nachnutzung von Tagebau-Gebieten verschiedene Akteure beteiligt, so z. B. Kommunen, Unternehmen und Einzelpersonen, die Informationen über diese Vorhaben abfragen.

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