Das große Interesse an den Angeboten der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ am Tag des offenen Denkmals zeigt einmal mehr welch unverzichtbare Bedeutung die originalen Objekte und Gebäude für die Vermittlung der Gefahren einer Diktatur haben. Die authentischen Zeugnisse stellen eine Verbindung zu dem damals gewesenen her und ermöglichen so eine Auseinandersetzung in Gegenwart und Zukunft.

Der bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, den 11. September 2022, stand in diesem Jahr unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“. Geöffnet waren an diesem Tag auch wieder die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig (10.00−18.00 Uhr), das Museum im Stasi-Bunker in Machern (10.00−16.00 Uhr) sowie die ehemalige Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR in Leipzig (11.00−15.30 Uhr).

Zudem wurde stündlich der Rundgang „Stasi intern“ angeboten, bei dem die Besucherinnen und Besucher eine Vielzahl noch erhaltener Räumlichkeiten und Gebäude erleben konnten, die sonst nicht zugänglich sind. Ab 17.00 Uhr folgte im ehemaligen Stasi-Kinosaal eine Debatte zur Frage „Stasi-Zentrale – Erhalt oder Abriss? – Zum Umgang mit einem schwierigen Ort“.

Vorher wurde ein Film zur Geschichte des Areals gezeigt. Insgesamt nahmen über 1.200 Besucherinnen und Besucher am Tag des offenen Denkmals die Angebote der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ wahr, allein mehr als 300 besuchten den ehemaligen Stasi-Bunker in Machern.

An den Führungen durch die ehemalige Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR in der Leipziger Südvorstadt nahmen in den fünf Stunden weit über 4.00 teil. Das Interesse an dem Ort, an dem alle in der DDR ausgesprochenen Todesurteile unter absoluter Geheimhaltung vollstreckt wurden, war überaus groß. Leider kann dieser Ort nach wie vor nur zur Museumsnacht und zum Tag des offenen Denkmals besucht werden.

Obwohl seit Jahren ein bestätigtes Konzept vorliegt, hat das zuständige sächsische Justizministerium bisher noch nicht einmal die notwendigen finanziellen Mittel für die weiteren Planungen zugewendet, obwohl diese seit Jahren im Haushaltsplan des Freistaates veranschlagt sind. So bildeten sich auch in diesem Jahr vor dem Eingangstor der Hinrichtungsstätte wieder lange Schlangen.

Eine Vielzahl erkundete das Areal der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig am früheren Matthäikirchhof und nahm an den stündlich angebotenen Geländerundgängen „Stasi intern“ teil. Welche unterschiedlichen Positionen zu dem Gebäudekomplex existieren und wie zukünftig mit diesem unangenehmen Ort der SED-Diktatur umgegangen werden sollte, thematisierte die Abendveranstaltung „Stasi-Zentrale – Erhalt oder Abriss? – Zum Umgang mit einem schwierigen Ort“.

Der zu Beginn gezeigte Film von Christian Schulz über die ehemalige Leipziger Stasi-Zentrale verdeutlichte den über 30 anwesenden internationalen Gästen noch einmal die Geschichte sowie die Bedeutung dieses Ortes.

Anschließend diskutierten der Kunsthistoriker Prof. Arnold Bartetzky, der Architekt Prof. Ronald Scherzer-Heidenberger sowie der Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer vor und mit dem interessierten Publikum über das Für und Wider des Erhalts des Gebäudekomplexes und stellten den historischen Wert dieses Areals heraus, das heute sowohl ein authentischer Ort der Geschichte von Repression und Unterdrückung in der DDR als auch der Selbstbefreiung von der SED-Diktatur ist.

Schlussendlich plädierten alle für einen differenzierten Umgang mit dem Bestand der vom Kompletterhalt bis zur Einbindung wichtiger Teile des Gebäudeensembles in die künftige Bebauung reichte. Einen kompletten Abriss befürwortete in dieser Runde keiner.

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