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Nadelöhr Tröndlinring: Ab 21. Juli bauen die LVB – Verkehrsengpässe sind absehbar

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    Wer noch keinen Urlaub geplant haben sollte ab 20./21. Juli, dem kann man an dieser Stelle nur raten: Holen Sie es nach! Buchen Sie den Thüringer Wald, die Masuren oder das Nordkap. Nur nutzen Sie die letzte Chance, dem größten Verkehrschaos zu entgehen, das Leipzig in den letzten sechs Jahren erlebt hat. Ab Samstag, 21. Juli, bauen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) an einem der neuralgischen Knotenpunkte im Verkehrsnetz: der Kreuzung Tröndlinring/Gerberstraße.

    Hier fahren täglich um die 22.500 Kraftfahrzeuge durch. Hinzu kommen 1.500 Straßenbahnen mit rund 65.000 Fahrgästen. Täglich. Und ab dem 21. Juli ist die Kreuzung dicht. Für Straßenbahnen komplett. Beim Autoverkehr aus der Gerberstraße gibt es kein Geradeaus mehr, alles muss rechts auf den Ring abbiegen.

    Grund dafür: Die Gleise zwischen Löhrstraße und dem kompletten Kreuzungsbereich der Gerberstraße sind nach 15 Jahren verschlissen. „Der ganze Abschnitt muss grundhaft ausgebaut werden“, sagt Bernd Sikora, der bei den LVB für die Bauplanungen zuständig ist. Der kurze Abstand zum letzten Generalneubau ist nicht ungewöhnlich. „Das ist“, so Sikora, „für einen so stark frequentierten Gleisabschnitt normal.“

    Da aber die Gleise komplett erneuert werden müssen, heißt das: Für die Straßenbahnen wird dieser Abschnitt zwei Wochen lang komplett gesperrt. Und zwar pünktlich ab Ferienbeginn.

    Nächste Chance: Jetzt schnell noch einen Ferienplatz buchen oder ein Plätzchen fürs Familienzelt. Denn das Zwei-Wochen-Abenteuer wird spannend für Autofahrer und Straßenbahnbenutzer.

    Normalerweise müssten acht Straßenbahnlinien am Hauptbahnhof auf Gleis 1 gebündelt werden, denn das Gleis 3, auf dem die Bahnen sonst Richtung Goerdelerring fahren, ist nicht benutzbar. An der Kreuzung Gerberstraße endet es im Nichts. Alle Bahnen, die Richtung Westen und Nordwesten über Hauptbahnhof fahren, müssen über Gleis 1 und an der Hauptbahnhof-Westseite nach Norden abbiegen. 10 und 11 tun das sowieso.

    Die Linie 9, die auch nicht mehr über den Tröndlinring fahren kann, fährt zwei Wochen lang östlich um den Ring und muss am Hauptbahnhof mit in Gleis 1 sortiert werden.

    Matthias Lietze, der bei den LVB für die Verkehrsorganisation zuständig ist: „Das würde bedeuten, wir würden auf Gleis 1 60 Bahnen in der Stunde fahren lassen. Das ist beim besten Willen nicht drin.“ Auch nicht, wenn die Ampelschaltung so knapp wie möglich gehalten wird.

    „Die Ampel dort am Hauptbahnhof reagiert sowieso schon auf den Verkehrsfluss“, sagt Michael Jana, der zuständige Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde der Stadt. „Und da wir auch Baustellenampeln aufstellen, müssen wir uns die Ampelschaltung sowieso mit anschauen.“

    Trotzdem wäre ein Takt von einer Bahn pro Minute utopisch. „Wenn wir das machen würden, würden wir bald alle unsere Bahnen am Hauptbahnhof gestaut haben“, sagt Lietzel.Also versuchen die LVB, durch Zusammenlegung von Linien den Druck in den zwei Wochen etwas zu mindern. Die Linie 12 fährt für die Zeit im Verbund mit Linie 15 von Gohlis-Nord bis Meusdorf. Am Hauptbahnhof wird einfach die Liniennummer gewechselt. Für Reisende nach Grünau zu beachten: Die Linie 15 hat in dieser Zeit keinen Anschluss an den Schienenersatzverkehr, der ab Angerbrücke Richtung Grünau fährt. Das hängt aber nicht mit der Baustelle am Tröndlinring zusammen, sondern mit der in der Lützner Straße, die parallel in eine heiße Bauphase kommt. Dazu mehr in einer eigenen Geschichte etwas später an dieser Stelle.

    Im Verbund fahren auch die Linien 14 und 8 zwischen Paunsdorf-Nord über Wilhelm-Leuschner-Platz nach Plagwitz. In der Karl-Heine-Straße hat diese Linie Anschluss an den Schienenersatzverkehr nach Grünau. Anschluss an den Schienenersatzverkehr hat man auch weiter mit den Linien 3 (die in den zwei Wochen aber nicht über Hauptbahnhof, sondern über Wilhelm-Leuschner-Platz verkehrt) und 7. Die 7 ist eine von den Linien, die hinterm Hauptbahnhof (Westseite) in die Umleitungsstrecke über Nordplatz, Zoo und Pfaffendorfer Straße einbiegen.

    Das betrifft auch die Linien 1 und 4. Und die Linie 12 bis Nordplatz. Was alles zumindest ein arges Gedränge von Straßenbahnen in der Pfaffendorfer Straße ergeben wird. „Das könnte mit dem Kfz-Verkehr dazu ganz schön eng werden“, sagt Ronald Juhrs, der technische Geschäftsführer der LVB. Und bittet die Straßenbahnbenutzer schon vorab um Verständnis, denn die Umleitungs-Organisation um so einen neuralgischen Verkehrsknoten könnte schon zu einigen Minuten Extra-Zeitaufwand auf den meisten Linien führen.Denn auch wenn die Linien 12/15 und 14/8 im Verbund fahren, bedeutet das trotzdem noch 48 Bahnen pro Stunde, die am Hauptbahnhof durch Gleis 1 flutschen müssen. Die LVB wollen alle Medien-Kanäle nutzen, um diese Baustelle und ihre verkehrlichen Folgen zu begleiten. „Für die Kfz-Fahrer“, so Jana, „werden wir schon ganz frühzeitig Hinweisschilder anbringen, damit die Baustelle weiträumig umfahren werden kann.“

    Was nicht ganz einfach sein wird. Denn einige Ausweichstrecken – wie die über die Brandenburger Brücke – sind ebenfalls von Baustellen betroffen.

    „Wir haben für unsere Bauvorhaben ganz bewusst die Ferienzeit genommen, weil wir wissen, dass dann das Verkehrsaufkommen im Schnitt 30 bis 40 Prozent niedriger ist als sonst“, sagt Juhrs. „Alle, die trotzdem in dieser Zeit unterwegs sind, können wir wirklich nur um Geduld bitten.“

    Das sich einige LVB-Großbaustellen derzeit ballen, hat auch mit der Fördergeldvergabe in den letzten Jahren zu tun. Richtig viel Geld für solche Investitionen gab es zuletzt 2006, im Jahr der Fußballweltmeisterschaft. Seitdem stehen die LVB jedes Jahr vor der Entscheidung, wofür sie die begrenzten Investitionsgelder ausgeben. „Im letzten Jahr stand eindeutig die Entscheidung für den Kauf neuer Fahrzeuge – neuer XXL und Leoliner“, sagt Juhrs. „Natürlich ist es unser Wunsch, die Investitionen künftig zu verstetigen und so einen Investitionsstau gar nicht erst auflaufen zu lassen.“

    Was nur funktioniert, wenn die Fördergelder verlässlich fließen.

    Der 900 Meter lange Gleisabschnitt zwischen dem Tröndlinring/Höhe Löhrstraße bis zur Ostseite der Kreuzung Tröndlinring/Gerberstraße kostet rund 1,7 Millionen Euro. Gleich am 21. Juli werden die Gleise komplett rausgenommen. „Zwei Wochen lang werden wir richtig ranklotzen“, sagt Juhrs. „Es wird im Dreischichtsystem gearbeitet, damit die Bahnen am 6. August wieder fahren können.“

    So lange haben auf jeden Fall die LVB-Gäste ein Abenteuer, sollten wohl auch, wo sie können, auf alternative Fahrzeuge wie das Fahrrad ausweichen. Und sich rechtzeitig, wenn sie schon die Tram nehmen, über Umleitungen und Zusammenlegungen informieren.

    Was am 6. August noch nicht fertig sein wird, sind Gleis- und Straßendecke. „Das ist beim besten Willen nicht zu schaffen“, sagt Sikora. „Das können wir dann aber auch nicht bei vollem Fahrbetrieb mit 1.500 Bahnen am Tag machen.“ Also werden diese Arbeiten in die Zeit verlegt, in der sowieso nur schwacher Fahrbetrieb ist – und in die Nacht. Diese Arbeiten ziehen sich dann noch bis zum 9. September hin.

    Da der Gleisraum keine Abstellmöglichkeiten für die Baufahrzeuge und die Materialien bietet, wird es in dieser Zeit noch Fahrbahnverengungen für den Kfz-Verkehr geben.

    Ein Abenteuer – das es in dieser Art dann wieder in 15 Jahren gibt.

    Das andere große Bauabenteuer der LVB ist derzeit die Lützner Straße. Auch da wird es am 21. Juli spannend.

    Dazu mehr bald an dieser Stelle.

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