Der Limburger Steg, auch Entenbrücke genannt, der die Limburger Straße in Plagwitz mit der Holbeinstraße in Schleußig verbindet, ist eine der "Hochburgen" der Nutriaansiedlungen an der Weißen Elster und liegt im Gebiet Südwest. Daher hat sich der dortige Stadtbezirksbeirat das Thema Nutriapopulation in der Sitzung am Mittwoch, 8. Oktober, auf die Tagesordnung gesetzt und dazu den Stadtförster Andreas Sickert vom Amt für Stadtgrün und Gewässer eingeladen. Zahlreiche Gäste waren gekommen und beteiligten sich intensiv an der Diskussion.

Allein entlang des Gartenvereins “Elsteridyll” waren im Sommer auf einmal über 200 Tiere auf einem Deich gezählt worden. Der milde Winter 2013/14 und die regelmäßige und unverantwortliche Fütterung der Tiere durch Mitmenschen bedingen diese explosionsartige Zunahme der Bestände, musste der Stadtbezirksbeirat in seiner Sitzung konstatieren. Inzwischen werden weitere, wesentlich unangenehmere Tiere angelockt – Ratten. Andreas Sickert wies auf die rechtlichen Rahmenbedingungen hin: Nutrias seien Wildtiere und die Stadt im Grunde nicht zuständig. Auch könne ein Jagdrecht in befriedeten Gebieten wie diesem nicht erteilt werden.

Aber Nutrias und Ratten verursachen inzwischen massive Fraßschäden in den anliegenden Gärten. Wenn alle Erdbeerpflanzen oder die gesamte Sellerieernte dem hungrigen Nutrianachwuchs zum Opfer gefallen sind, ist von Kleingartenidylle nichts mehr übrig und im Gegenteil der Ärger sehr groß. Dass Nutrias durch die Nachnutzung von Ufergängen auch die Deiche zerstören und damit den Hochwasserschutz gefährden, hätte sich bei Befahrungen der Elster noch nicht bestätigt, könne aber bei diesen großen Beständen zukünftig nicht ausgeschlossen werden, sagte Andreas Sickert zu diesem Thema.Andreas Sickert erklärte in der Sitzung auch, das Füttern wildlebender Tiere insbesondere im Herbst sei die Hauptursache, dass die natürliche Dezimierung der Population im Winter verhindert würde. Das Füttern von wildlebenden Tieren gelte grundsätzlich als Verunreinigung von Gewässern und sei damit verboten. Bei Zuwiderhandlungen kann das Ordnungsamt ein Bußgeld in empfindlicher Höhe verhängen.

Der Stadtbezirksbeirat Südwest fordert die Stadt nun zum Schutz der Gewässer zum Handeln auf. Da die meisten der fütternden “Tierfreunde” nichts von dem Fütterungsverbot wissen, mahnte der Stadtbezirksbeirat zunächst eine deutliche Beschilderung an der Entenbrücke an, die auf das Verbot und das mögliche Bußgeld hinweist. Zur Beiratssitzung im November sind dann Ordnungsamt und Umweltamt eingeladen. Dann will der Stadtbezirksbeirat über notwendige Maßnahmen, die nur ämterübergreifend sinnvoll und wirksam werden, mit der Stadtverwaltung weiter beraten.

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