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Füttern verboten: Tafeln zum Fütterverbot werden in Leipzig ignoriert

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    Alle Jahre wieder gibt es diese Fragen im Leipziger Stadtrat, thematisiert es mal die eine, mal die andere Fraktion, was die Stadt denn nun unternimmt, um das Füttern von Wildtieren, insbesondere der Enten auf Teichen und Flüssen zu unterbinden. Aber gegen das Füttern hilft augenscheinlich nichts, auch keine Hinweistafel. Diesmal war es die Linksfraktion, die angefragt hat. Ein Anlass waren die verschwundenen Hinweistafeln am Silbersee in Lößnig, den man eigentlich Silberbrühe nennen müsste. Nur zu gern füttern hier Bewohner der nahen Wohnbebauung die Wasservögel.

    Warum sie das tun, versteht wahrscheinlich jeder nach diesen zehrenden Monaten des Lockdowns. Wer da auch noch allein in seiner Wohnung lebt, der hat möglicherweise beim Füttern der Tiere am See wenigstens noch ein bisschen das Gefühl, dass er nicht ganz und gar vereinsamt.Das Wildtierefüttern ist eigentlich auch ein psychologisches Thema. Wahrscheinlich kommt man ihm deshalb mit Verboten allein nicht bei. Jedenfalls klappt das mit den Verboten überhaupt nicht, wie die Linksfraktion nun vom Amt für Stadtgrün und Gewässer erfuhr.

    „Das Füttern von Wildtieren ist gemäß § 27 Abs. 4 Sächsisches Jagdgesetz verboten. Dies bezieht die wild lebenden Wasservögel an Leipziger Gewässern mit ein (§ 2 Bundesjagdgesetz)“, betont das für die Gewässer zuständige Amt und erklärt auch, wie man versucht, die Bürger aufzuklären: „Medieninformationen und Flyer dazu wurden und werden für die Bürgerinnen und Bürger allgemein zugänglich gemacht (Leipziger Amtsblatt, Internet Stadt Leipzig, Bürgerämter, UIZ).“

    Aber natürlich ist das Füttern wild lebender Wasservögel der Gewässerbeschaffenheit auch nicht zuträglich. „Durch die Fütterung der Wasservögel werden dem Gewässer in Form von unverbrauchtem Futter oder auch als Exkrement der Wasservögel Nährstoffe zugeführt und die Gewässergüte beeinträchtigt. Faulende Futterreste fördern die Entstehung gefährlicher Bakterien, welche zum Erkranken der Vögel bis hin zum Vogelsterben führen können“, betont das Amt.

    „Außerdem werden durch das Füttern zusätzlich Tiere an das Gewässer gelockt und so das Gleichgewicht von natürlichem Nahrungsangebot und -nachfrage gestört, dies ist ein Eingriff in das ökologische Gleichgewicht. Genau diese Aspekte hat der Gesetzgeber gesehen und abschließend im Jagdrecht geregelt.“

    Was freilich Überlegungen sind, die zumindest selbst verstören. Denn eine künstlich gestaltete Stadt wie Leipzig ist selbst eine massive Störung im ökologischen Gleichgewicht. Es gibt kaum wirklich unberührte Areale, in die nicht auch die alles pflegende Stadtverwaltung eingreift. Wie will man ausgerechnet von einsamen (älteren) Menschen erwarten, dass sie das mitbedenken, wenn auch die Grünanlagen am Silbersee regelmäßig kurzgeschoren und die Nischen für wildlebende Tiere denkbar klein gehalten werden?

    Das Handeln der Stadtverwaltung ist an der Stelle denkbar inkonsistent. Vielleicht ist es da sogar folgerichtig, wenn die aufgestellten Informationsschilder ignoriert werden, vielleicht sogar als Bevormundung gesehen werden. Die Antwort auf die Linke-Anfrage „Plant die Stadt Leipzig das Aufstellen von Informationsschildern zum Thema an Leipziger Gewässern?“ ist jedenfalls deutlich: „Nein, diese Maßnahme hat sich nicht bewährt. Die Schilder wurden ignoriert und waren nach wenigen Tagen verschwunden.“

    Und deshalb wird es auch am Silbersee keine neuen Schilder geben.

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    3 KOMMENTARE

    1. Na vielleicht sollte man es doch einmal mit Aufklärung versuchen.
      Verbote alleine erwecken kein Verständnis für die Komplexität.

      Aber, wenn die Oma oder der Opa weiß, dass der Elch kein Brot essen darf, weil er ansonsten an der Fäulnis des Brotes in seinem Darm zu Grunde geht,
      von krankmachenden Schimmelpilzen mal abgesehen,
      ist das wirkungsvoller als allgemeine Fütter-Verbots-Schilder.
      Und wird auch weitergegeben an die Enkel.. et vice versa.

      Was die Enten betrifft. Einfach mal ein Stück Brot in Wasser ein paar Tage stehen lassen.
      Da kann man dann sehen, wie die Fäulnis-Prozesse voran schreiten.
      Also dem Wasser Sauerstoff entzogen wird und das ganze zu einer unappetitlichen Suppe wird.
      Von dem entstehenden CO2, das Algen wachsen lässt, hier mal abgesehen.

      Niemand würde wohl die Fische in seinem Aquarium auf diese Weise töten wollen.

      Wer zu viel Brot gekauft hat, muss lernen, dass das was er selber nicht mehr essen will(kann),
      auch keinem anderen Lebewesen zuzumuten ist.

      Im Wildpark gibt es so Futterautomaten.
      Was spricht dagegen, Enten mit Körnern von einsamen Menschen füttern zu lassen?
      Sicher die Enten könnten anstatt dessen Schnecken, Mückenlarven etc. fressen.

      Aber die aufmerksam sorgenden Menschen würden auch bemerken,
      wenn irgendjemand seinen Hund darauf abrichtet, angefütterte Enten als Jagdbeute zu apportieren.

      Hier mal ein Flyer aus der „Provinz-Stadt“ Berlin zum Thema „Füttern“:
      https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/verwaltung/aemter/umwelt-und-naturschutzamt/umweltschutz/umweltschutzprojekte/mdb-entenfuengsverbotstafel.pdf

      PS: Eine meiner schönen Kindheitserinnerungen ist, wie meine doch ansonsten sehr sparsame Oma, für unseren gemeinsamen Zoo-Besuch geschälte und ausgeschnittene Apfelscheiben den Elefanten darreicht.
      Und die haben meine Oma überlebt ^^

    2. Beim Verweis auf das Jagdgesetz darf nicht vergessen werden, dass es den Jägern selbst seltsamerweise gestattet ist, das „Wild“ in der kalten Jahreszeit anzufüttern, Stichwort „Hege“ (ja wozu wohl). Neben Wasservögeln und Tauben, die man nicht zuletzt aufgrund des expliziten Fütterungsverbots, das übrigens auch in der Polizeiverordnung geregelt ist, besser nicht füttern sollte, die Verunreinigung der Gewässer wurde im Artikel ja genannt, bei den Haustauben (nicht den Ringeltauben) ist das Hauptproblem der Zeckenbefall, gibt es im Stadtgebiet auch noch sehr viele deutlich intelligentere Vögel, übrigens auch auf der emotionalen Ebene, mit denen sich einsame Menschen „anfreunden“ können. Solange Futter nicht wahllos gestreut wird, Reste möglichst eingesammelt werden, im Optimalfall auf schalenloses Futter zurückgegriffen wird, das Futter geeignet ist (Brotreste sind leeres Füllmaterial), sich aus den Kernbereichen von ausgewiesenen Erholungs- und Spielflächen ferngehalten wird, wüsste ich nicht, was ernsthaft gegen die Fütterung spricht, zumal Futterhäuser oder ähnliche Einrichtungen auf privatem Grund oder in Gartenanlagen ja auch nicht verboten sind. Den Einwand, Vögel würden durch die Fütterung verlernen, sich selbst Futter zu suchen, halte ich für haltlos. Meine Beobachtung, insbesondere was Rabenvögel angeht, ist eine ganz andere. Wenn gesagt wird, die Fütterung sei nicht artgerecht, sollte auf die Rahmenbedingungen (z.B. Baumbestand, insbesondere die großen Altbäume als Rückzugs- und Brutmöglichkeiten und Insektenbestand (essentiell für die Aufzucht von Jungvögel) oder Versiegelung von immer mehr Flächen im Stadtgebiet) verwiesen werden, die den meisten Vögeln ohnehin und immer zunehmender die Möglichkeit nehmen, hier noch artgerecht leben zu können.

    3. >Was freilich Überlegungen sind, die zumindest selbst verstören.

      Danke, Herr Julke! Sie haben es sehr trefflich auf den Punkt gebracht.

      >Denn eine künstlich gestaltete Stadt wie Leipzig ist selbst eine massive Störung im ökologischen Gleichgewicht. Es gibt kaum wirklich unberührte Areale, in die nicht auch die alles pflegende Stadtverwaltung eingreift.

      Mir ist klar, dass es für die Gewässer nich‘ so dolle ist, wenn das Geflügel die Brotkrumen verteilt – verdaut oder unverdaut. Aber auch nach Jahrzehnten derartiger „Praxis“ sind die deutschen Stadtteiche nicht reihenweise umgekippt. Da gibt es drängendere Probleme:

      Z.B. die Müllverteilung in der Landschaft. Der Müll im Karl-Heine-Kanal oder die (ja, meine derzeitige idée fixe:) überquellenden Mülleimer im Lene-Voigt-Park stellen größere ökologische Schäden da.

      Die überall pflegende Stadtverwaltung zerstört lieber nachbarschaftlich gepflegte Baumscheiben und fürs große Ganze auch ganze Ökosysteme (Leuschnerplatz).

      Den Bürger Vorschriften zu machen mit Schildchen oder mit Informationen à la esistzuzumutendenMüllselbstwiedernachHausezutragen, ist natürlich billiger, als gutwilligen Bürgern mehr Hilfestellung zu leisten.

      Die Stadt Leipzig und sehr wohl auch der Stadtrat meinen immer, die Leute erziehen zu müssen.

      Richtige Großstädte machen das längst nicht mehr. Bei Leipzig ist man sich da wohl immer noch nicht sicher.

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