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Nicht nur an der Weißen Elster fehlen Schilder zum Fütterungsverbot für Wildtiere

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    Da fühlte sich L-IZ-Autor Marko Hofmann beim vorweihnachtlichen Familienspaziergang am Karl-Heine-Kanal doch irgendwie an ein paar Geschichten aus der L-IZ erinnert, die im Frühling die Leser erregten: Da ging es um die Fütterung von wilden Tieren an der Weißen Elster in Schleußig. Aber solche Geschichten verhallen. Und da fiel ihm zu den mampfenden Nutrias am Aurelienbogen nur noch der spöttische Spruch ein: "Das große Fressen hat begonnen."

    Es war zwar der Stadtbezirksbeirat Leipzig-Südwest, der den Antrag „Wildtiere auf städtischem Gebiet – Zunahme der Populationen u. a. von Nutrias, Waschbären und Wildschweinen“ eingereicht hatte, weil gerade in Schleußig und in den dort an die Elster grenzenden Gärten die Schäden durch wachsende Wildtierpopulationen drastisch zugenommen hatten. Aber die Probleme gibt es in den innerstädtischen Bereichen, wo die Flussufer leicht erreichbar sind, immer wieder. Es muss eine Art Reflex sein, der ältere und jüngere Menschen dazu animiert, die niedlichen Tiere am und auf dem Wasser unbedingt füttern zu müssen.

    Denn notwendig ist es nicht. Wildtiere leben ja nicht aus Nahrungsmangel in der Großstadt, sondern weil sie hier sowieso schon einen Überfluss an Nahrung vorfinden. Allein die mit Essensresten vollgestopften Papierkörbe sorgen dafür, dass sich darauf spezialisierte Tierpopulationen vermehren. Aber selbst die Flüsse, die durch Leipzig fließen, bieten den dort schwimmende Enten, Schwänen und Gänsen, Möwen, Waschbären und Nutrias jede Menge Nahrung.

    Alles Dinge, die Kinder früher einmal im Biologieunterricht gelernt haben. Und dennoch wird das vom Amt für Umweltschutz immer wieder neu veröffentlichte Fütterungsverbot für Wasservögel immer wieder missachtet. Ganz zu schweigen davon, dass immer nur auf die Wasservögel abgezielt wird – die mitfressenden Uferbewohner aber in der Regel ausgeblendet werden.

    Die per Presse veröffentlichten Mahnungen seien eh nicht hilfreich, hatte der Stadtbezirksbeirat im Leipziger Südwesten angemerkt. Im Grunde sei die Stadt verpflichtet, an den bekannten Fütterungsorten gezielt darauf hinzuweisen, dass das Füttern der Wildtiere verboten sei – und möglichst auch noch so, dass gleich noch erklärt würde, warum das so ist. Denn es gibt nun einmal eine Menge Zeitgenossen, die lesen keine Zeitung mehr, die beschäftigen sich auch nicht mehr mit den Gründen für Verbote – und bringen ihre Gleichgültigkeit auch noch den Kindern bei.

    Dass man nicht genug täte, sah das verantwortliche Umweltdezernat seinerzeit gar nicht so ein und formulierte einen Verwaltungsstandpunkt, der unterschwellig mitklingen ließ, warum man sich mit so einem banalen Thema nun noch extra beschäftigen müsse.

    Aber der Antrag wurde auch in sämtlichen anderen Ortschaftsräten und Stadtbezirksbeiräten besprochen – und dort sah man es genauso. Die Wildtiere sind sowieso längst schon dabei, sich in der Großstadt heimisch zu fühlen, weil hier das Nahrungsangebot mehr als reichlich ist und damit natürlich die Grundlage für eine eifrige Vermehrung der Tiere bietet. Der Mensch lockt die eigentlich sonst scheuen Wildnisbewohner regelrecht an. Mit der permanenten Fütterung von „mitleidigen“ Zeitgenossen werden die Tiere aber nicht nur auch in die dicht besiedelten Stadtteile gelockt – sie verlieren auch ihre Scheu. Das kann auch zu unverhofft bissigen Begegnungen führen.

    „Die Tiere haben teilweise bereits arttypisches Verhalten wie Menschenscheu und Fluchtreflex verloren“, formulierte der Stadtbezirksbeirat Südwest seinerzeit. „Durch das Überhandnehmen der Populationen werden die Tiere zur Plage, Klagen der Anwohner und Anwohnerinnen sowie aus der Land- und Forstwirtschaft über Ernteausfälle und Beschädigungen häufen sich. Exzessive Fütterungen durch die Bevölkerung verhindern die natürliche Reduzierung der Populationen im Winter.“

    Und seine Forderung an die Stadtverwaltung war entsprechend deutlich: „Der Stadtrat Leipzig bestätigt die Notwendigkeit, dass seitens der Verwaltung präventiv mittels konzentrierter Informationskampagne zum Fütterungsverbot von Wildtieren und auch durch Kontrollen und Sanktionen von Fehlverhalten in Leipzig vorgegangen werden soll.“ Und wo das zuständige Umweltdezernat sich die neue Aufgabe lieber vom Hals gehalten hätte, sah das selbst die Stadtratsmehrheit anders: Sie stimmte dem Antrag aus dem Stadtbezirk zu.

    Nutrias und Enten beim Brötchenfuttern am Aurelienbogen. Foto: Marko Hofmann
    Nutrias und Enten beim Brötchenfuttern am Aurelienbogen. Foto: Marko Hofmann

    Was dabei nun herauskommt, ist noch völlig offen. Selbst auf der Website der Stadt wird nach wie vor nur das „Fütterungsverbot für wild lebende Wasservögel“ direkt benannt, weil es sich direkt auf die Gewässerunterhaltung auswirkt. Die Nutrias haben eine eigene Website. Da wird dann zumindest betont: „Fütterung ist falsch verstandene Tierliebe“.

    Wie das Foto zeigt: Auch Nutrias fressen gern Brötchen, wenn man sie ihnen hinschmeißt. Schwimmen können sie genauso gut wie die Enten. Und gebalgt wird sich um das Fressen auch nicht, denn es kommt ja immer neuer Nachschub geflogen.

    Die kleine, weihnachtliche Erkenntnis: Nicht nur am Limburger Steg in Schleußig müssen endlich ein paar Aufklärungstafeln aufgestellt werden, am Aurelienbogen am Karl-Heine-Kanal ist das ebenso fällig. Und „Tierfreunde“ werden bestimmt noch einige Dutzend weiterer Plätze nennen können, wo sie glauben, mit der Fütterung der putzigen Tiere eine gute Tat zu tun.

    Berliner Info-Blatt zum Fütterungsverbot für Wildtiere.

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