Naturkundemuseum Leipzig: Grüne beantragen Neubau bis 2018, Sanierung bis 2020

Seit das Kulturdezernat die neue Kostenabschätzung für die zuletzt favorisierten Standorte für das Naturkundemuseum vorgelegt hat, ist Bewegung in die Sache gekommen. Am Freitag, 21. November, haben die Grünen Nägel mit Köpfen gemacht und einen Antrag vorgelegt: Bis 2020 soll das Naturkundemuseum baulich fit sein.
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Bislang konnten auch die Grünen sich nur auf die vagen Aussagen zu den Kostenprognosen im Masterplan verlassen, der für den ehemaligen Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner-Platz niedrigere Kosten versprach. Doch das jetzt vom Kulturdezernat vorgelegte Gutachten zeigt: Die Sanierung des alten Bowlingtreffs wird wesentlich teurer als gedacht. Eine Sanierung des alten Naturkundemuseums an der Lortzingstraße ist sogar kostengünstiger, wenn man sich nur auf die Sanierung des Bestandsgebäudes konzentriert. Auch wenn ein notwendiger Erweiterungsbau zumindest mit kalkuliert ist.

Aber die Grünen – gemeinsam mit Dieter Deißler von der Wählervereinigung Leipzig – sehen es noch ein wenig anders. Sie favorisieren eine Variante, bei der erst der Neubau bis 2018 entsteht und dann bis 2020 das Bestandsgebäude saniert wird.

„Als mittelgroßes Museum im mitteldeutschen Raum birgt das Museum noch sehr viel Potenzial, das es zu heben gilt“, stellen sie in ihrem Antrag fest. „Die derzeitige völlig inakzeptable Situation des Naturkundemuseums Leipzig ergibt sich aus der problematischen Gebäudesituation, der veralteten Dauerausstellung und einer untragbaren Depotsituation, die schon lange nicht mehr in der Lage ist, die Sammlungen fachgerecht aufzubewahren. Dieser Kreislauf kann nur mit einer Neukonzeption und einer Flächenerweiterung durchbrochen werden. Zeitgleich muss das Personal bis zur abgeschlossenen Realisierung in den Bereichen Museumspädagogik, wissenschaftliche Mitarbeiter, Dokumentation und Präparation und später das technische Personal, aufgestockt werden.“

Also kann man auch nicht unbedingt mit den Grundrissen des ehemaligen Schulgebäudes aus dem 19. Jahrhundert weiter arbeiten. „Um die prekäre Arbeits- und Gebäudesituation zu beenden, benötigt das Museum eine, den modernen Erfordernissen des Museums angepasste Gebäudestruktur. Das Naturkundemuseum Leipzig soll bis 2018 am jetzigen Standort Lortzingstraße 3 auf insgesamt mindestens 3.430 m² Nutzfläche (NF) erweitert werden. Nach Fertigstellung des Erweiterungsgebäudes wird der Altbau bis 2020 baulich ertüchtigt und so hergerichtet, dass Ausstellungen und Museumsbetrieb den gegenwärtigen Standards eines zeitgemäßen und konkurrenzfähigen Museumsbetriebes entsprechen. – Die dafür erforderliche Konzeption wird im MP beschrieben. Bereits vorliegende Machbarkeitsstudien und Planungen aus vergangenen Jahren, u.a. auch des Wissenschaftlichen Beirats des NKM, des Förderverein NKM und des Arbeitskreis NKM sowie der Universität Leipzig und weiterer wissenschaftlicher Institutionen, sollen in die Erarbeitung einfließen. Die Aufgabenstellung bildet die Grundlage für die anschließend zu erstellende Vorplanung.“

MP ist der Masterplan, der seit 2012 die Gemüter beschäftigt, NKM das Naturkundemuseum.

Und völlig unzufrieden sind die Grünen mit dem Umgang der Stadt mit dem Direktorposten. Jahrelang hat man eine Nachfolgeregelung für den in den Ruhestand gegangenen Direktor Dr. Rudolf Schlatter hinausgezögert. Und als man dann auf den letzten Drücker suchte, sprang der ausgewählte Kandidat ab. Aus verständlichen Gründen: Wie will ein Direktor konzeptionell arbeiten, wenn nicht einmal klar ist, ob die Gebäudesituation in den nächsten Jahren geklärt wird?

„Die Ausschreibung der Direktorenstelle wurde Ende 2013 ergebnislos abgebrochen“, heißt es im Grünen-Antrag. „Allerdings unter der Maßgabe, noch im ersten Halbjahr 2014 zu einem Beschluss zur Zukunft des Museums in der Ratsversammlung zu gelangen. Deshalb ist diese unverzüglich mit Beschluss der Vorlage neu auszuschreiben. Erst mit dem Planungs- sowie Bau- und Finanzierungsbeschluss gibt es die verbindliche Sicherheit für die dauerhafte Existenz des Museums. Nur mit dieser Verbindlichkeit können danach dringend notwendige Kooperationsmöglichkeiten mit Forschungseinrichtungen aus der Region sowie Drittmittelgebern ausgelotet werden.“

Und so ist denn der Antrag der Grünen-Fraktion sehr eindeutig und zwingt eigentlich die Stadtverwaltung, aber auch die anderen Fraktionen, jetzt Farbe zu bekennen.

Hier die beantragten Beschlusspunkte:

1. Der Masterplan (MP) Naturkundemuseum Leipzig 2012, der Standortvergleich und die Studie zum Kostenrahmen der Standorte Bowlingtreff und Lortzingstraße werden zur Kenntnis genommen. Die grundsätzlichen Aussagen des MP zu den Zielen, Aufgaben und Potenzialen eines Naturkundemuseums Leipzig sind Grundlage für die Neuausrichtung.

2. Der Bowlingtreff als möglicher Standort für das Naturkundemuseum wird verworfen.

3. Die Verwaltung legt unverzüglich einen Zeitplan vor, wie der Standort Lortzingstr. 3 bis zum Jahr 2020 baulich so hergerichtet wird, dass Ausstellungen und Museumsbetrieb den gegenwärtigen Standards eines zeitgemäßen und konkurrenzfähigen Museumsbetriebes hinsichtlich Präsentation der Sammlung, museumspädagogischer Konzeption, Betreuung und Inventarisierung der Sammlungsbestände sowie eines attraktiven Angebots an Sonderausstellungen entsprechen (vgl. MP, S.142 ff.). Dazu gehören das Museumsfoyer, Café, Museumsshop und mindestens ein Veranstaltungsraum. Diese Konzeption ist bis Ende 2. Quartal 2015 mit einer Investitionsplanung zu untersetzen, der ein Planungs-, Bau- und Finanzierungsbeschluss folgt.

4. Der jetzige Standort Lortzingstraße 3 wird durch einen Neubau erweitert. Nur mit einem Neubau kann die derzeitige „unerträgliche Gebäude- und Arbeitssituation“ beendet werden (vgl. MP, S. 5). Mit einem Architekturwettbewerb soll eine gestalterisch ästhetische und funktionale Lösung gefunden werden, die den Ansprüchen eines modernen Museums gerecht wird. Grundlage ist die Mindest-Nutzfläche (NF) von 3.430 m².

5. Für die Erarbeitung der Aufgabenstellung und für die Vorplanung zur Sanierung des Gebäudes werden im Doppelhaushalt 2015/2016 im Jahr 2015 100.000,00 ? und im Jahr 2016 300.000,00 ? im PSP-Element 7.0000736.700 (Baumaßnahme Naturkundemuseum) bereitgestellt. 2017/2018 sind im Doppelhaushalt die erforderlichen finanziellen Mittel für den Erweiterungsbau und zur baulichen Ertüchtigung und Sanierung festgestellt, einzustellen.

6. Nach Beschluss der Vorlage, wird innerhalb von 8 Wochen die Stelle des Museumsdirektors neu ausgeschrieben. Schrittweise wird weiteres Personal bis 2016 eingestellt, wie im MP (S. 103 ff.) gefordert.

Als PDF zum Download:

Standortvergleich im Masterplan.

Die aktuelle Studie zum Kostenrahmen

Naturkundemuseum
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