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Ab Montag werden die Bäume zwischen Thomasiusstraße und Lessingstraße gefällt

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    Es ist so ein richtiges Jahrzehnteprojekt, diese Öffnung des Elstermühlgrabens. Erst hat es über zehn Jahre gebraucht, um die Öffnung des in den 1960er Jahren verrohrten Mühlgrabens überhaupt zu beschließen. 2004 kam der Beschluss endlich zustande. Aber auch nur, weil der Neubau des Ranstädter Steinweges im Vorfeld der Fußball WM 2006 drängte. Mit bekannten Folgen.

    Es musste schnell gehen. Der Graben musste verlegt werden, denn in historischen Zeiten verlief er in der Mitte der Straße. Deswegen war er im Bereich des Ranstädter Steinweges sogar schon 1879 bis 1882 verrohrt worden. 2006 wurde er dann einfach auf der Südseite der Straße neu gebaut. Beschlossen worden war damals eigentlich auch, auch noch das 1961 verrohrte Stück von der Thomasiusstraße bis zum Schreberbad freizulegen. Aber die WM-Sondermittel reichten nur fürs erste Teilstück. Das nächste konnte erst 2013 freigelegt werden. Das ist das zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Schreberbrücke. 2015 folgte dann – mit heftigen Kostensteigerungen – das kurze Stück von der Friedrich-Ebert-Straße (Westbrücke) bis zur Elsterstraße.

    Da merkten dann auch die Planer, dass sie einige Befunde im Boden einfach nicht erwartet hatten. Denn der Graben war ja unter der Ägide von Carl Erdmann Heine, diesem unermüdlichen Erbauer des Leipziger Westens, zum richtigen Wirtschaftskanal ausgebaut worden. Hier verkehrten seine Dampfschiffe, die den berühmten Kanalaushub aus Plagwitz in die Westvorstadt brachten, wo aus ehemaligem Sumpfland erst bebaubares Gelände wurde. An diesem Kanal siedelten sich damals auch einige Fabriken an. Das hat dann einige heftige ölhaltige Belastungen im Untergrund zurückgelassen, die erst beseitig werden mussten.

    Die ganz normalen Kostensteigerungen der notwendigen Bauwerke kamen hinzu.

    Im April wurde dann der Baubeschluss für das jetzt angekündigte nächste Teilstück beschlossen, das auch deshalb so relativ zügig in Plan kam, weil Leipzigs Verwaltung den Neubau der Funkenburgbrücke im Verlauf der Thomasiusstaße kurzerhand für das sächsische Investitionsvorhaben „Brücken in die Zukunft“ anmeldete. Hier hat man das mit der Brücke also mal wörtlich genommen. Neu gebaut werden muss die Brücke im Zusammenhang mit der Freilegung des Elstermühlgrabens sowieso. Gebaut wurde die Brücke wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Anlage der Canalstraße im Jahr 1865, die ja sehr eindeutig Bezug nahm auf den von Carl Heine wirtschaftlich genutzten Kanal. 1895 wurde die Straße dann in Thomasiusstraße umbenannt.

    Die Funkenburgbrücke hat keinen amtlichen Namen, heißt es in Bettina Weils Schrift zu den Elster- und Elstermühlgrabenbrücken. Aber die Stadt verwendet auch in den jetzigen Planungen diesen Namen, der sich im Volksmund erhalten hat. Wahrscheinlich bezieht er sich direkt auf das östlich gelegene Gut Zur Kleinen Funkenburg, das hier schon 1619 entstand. 1832 entstanden dann auch das Brauhaus und eine Gartenwirtschaft „Zur kleinen Funkenburg“. 2005 wurde die Kleine Funkenburg im Zusammenhang mit der Verlegung des Elstermühlgrabens abgerissen – gegen den deutlichen Protest auch der Einwohner des Waldstraßenviertels.

    In den letzten Monaten fanden an der Brücke vor allem Leitungsverlegungen statt. Die vielen Medien, die auch künftig wieder unter der Brücke verlaufen sollen, wurden auf einen Behelfssteg östlich der Brücke verlegt.

    In der nächsten Woche folgt nun der nächste Schritt, kündigte das Amt für Stadtgrün und Gewässer am Donnerstag, 6. Oktober, an: Zwei Wochen sind für die erforderlichen Baumfällungen vorgesehen, damit dann ab November der eigentliche Grabenausbau einschließlich der Errichtung der Funkenburgbrücke im Zuge der Thomasiusstraße beginnen kann.

    Wasser- und Brückenbau sollen 2017 beendet sein. Mit den daran anschließenden Arbeiten zur Wiederherstellung des Quartiersplatzes in der Thomasiusstraße ist für 2018 das Ende der Arbeiten im Teilbauabschnitt 3.1 geplant. Dieser kleine Quartiersplatz ist eigentlich ein ehemaliges Hausgrundstück. Die Stadt hat sich im Vorfeld um den Ankauf dieses dreieckigen Geländes bemüht, auf dem dann nach Fertigstellung des Grabens auch wieder Bäume gepflanzt und die existierenden Spielmöglichkeiten zugänglich gemacht werden sollen.

    Die rustikal gepflasterte Stichstraße an der Brücke wird verschwinden, weil praktisch die ganze Breite für die Anlage des Kanalbetts gebraucht wird, das auch deshalb einen breiten Zuschnitt bekommt, um künftig als Hochwasserableiter funktionieren zu können. Ein deutlich schmalerer Fuß- und Radweg wird dann auf der Nordseite des neuen Kanalstücks verlaufen, der dann kurz vor der Lessingstraße in einen vorkragenden Steg übergeht.

    Das Kanalstück mitsamt Neubau der Funkenburgbrücke ist mit 5 Millionen Euro kalkuliert, 1,1 Millionen Euro davon kommen aus dem Programm „Brücken in die Zukunft“. Nicht nur die Brücke wird dabei vom Freistaat Sachsen mit 75 Prozent gefördert, sondern auch der Wasserbau. Die Mittel aus dem dafür verfügbaren Programm „Förderprogramm Gewässer/Hochwasserschutz“ wurden schon 2014 beantragt.

    Und wenn dieses 85 Meter lange Stück Kanal 2017/2018 fertig wird, ist die große Frage: Wann kann die Stadt das noch fehlende Teilstück zwischen Lessingstraße und Elsterstraße freilegen? Fertig sein wollte man mit dem Elstermühlgraben eigentlich 2019. Das wird ziemlich knapp. Immerhin ist auch das letzte Teilstück mit zwei neu zu bauenden Brücken noch einmal mit 5 Millionen Euro anzusetzen.

    Und danach rückt ein ganz anderes Mega-Projekt in den Fokus: Bis zum Jahr 2030 soll ja auch der komplette Pleißemühlgraben wieder freigelegt werden mit einem kalkulierten Kostenstock von mindestens 30 Millionen Euro. Und dazu gehören auch einige stadtbildprägende Teile direkt am Dittrichring und am Martin-Luther-Ring. Auch das ein Thema für die große Diskussion um die künftige Gestaltung des Ringes.

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