Es klemmt in Lindenau

Den wirklich wirksamen Umbau des Lindenauer Marktes soll es erst ab 2020 geben

Für alle LeserEigentlich sollte am Lindenauer Markt in Teilen schon 2017 umgestaltet und umgebaut werden, um die Aufenthaltsqualität und die Verkehrssituation dort zu verbessern. 550.000 Euro standen für das Programm, das die Stadtplaner vorgelegt hatten, zur Verfügung. Einstimmig hatte der Stadtrat dem zugestimmt. Und dann ist doch nichts passiert. Deshalb fragten die Grünen besorgt an bei der Stadt.

Und die hat nun geantwortet. Vor über einem Jahr, am 8. März 2017, hatte der Leipziger Stadtrat einstimmig den Umbau des Lindenauer Marktes zu einer Fußgängerzone sowie weiterer Maßnahmen zur Belebung und Umgestaltung des Platzes beschlossen.

Die Antwort der Stadtplaner sorgt zumindest für etwas Erleichterung bei den Grünen.

„Wir können uns freuen, dass ab Mai 2018 die Planungen für die Umgestaltung des Lindenauer Marktes weiter vorangetrieben werden“, fasst Daniel von der Heide, verkehrspolitischer Sprecher der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, die gute Nachricht zusammen. „Es ist allerdings bedauerlich, wie lange es dauert, bis aus der Vorstellung eines Verkehrskonzeptes und der Durchführung eines Bürger-Workshops tatsächlich greifbare Ergebnisse werden.“

Immerhin hatte der Stadtbezirksbeirat Leipzig-Altwest die Verkehrskonflikte am Lindenauer Markt schon 2015 thematisiert und deutlichen Zuspruch aus dem Stadtrat bekommen. Eigentlich ein gutes Beispiel dafür, dass sich Arbeit auf Stadtbezirksebene lohnt.

Nur wirkt das Ganze sehr demotivierend, wenn dann selbst Stadtratsbeschlüsse ein Jahr lang unerledigt in der Pipeline hängen.

„Die mangelhafte derzeitige Verkehrsführung für Fußgängerinnen und Fußgänger am Lindenauer Markt wurde bereits seit der Jahrhundertwende unter Federführung des Lindenauer Stadtteilvereins mit der Verwaltung diskutiert. 2015 gelang dann endlich eine umfassende Untersuchung der Verkehrssituation Altlindenaus an die Öffentlichkeit und war Grundlage für den Bürger-Workshop im Herbst 2016, der endlich den Weg für die menschenfreundliche Umgestaltung des Lindenauer Marktes legte“, erläutert Volker Holzendorf, Stadtbezirksbeirat für die Grünen in Leipzig Altwest, den bisherigen Zeitverlauf.

In der Verwaltungsvorlage „VI-DS-03256: Umsetzung des Maßnahmenplans im integrierten Verkehrskonzept Altlindenau“ zum einstimmigen Beschluss vom 8. März 2017 hatte die Stadtverwaltung detailliert einzelne Maßnahmen besprochen und mit einem Zeitplan untersetzt. Unter kurzfristige Maßnahmen findet sich u. a. dies: „Schließung Durchfahrt und Aufwertung Platzbereich Einmündungsbereich Götzstraße“.

Lindenauer Markt mit Marktständen. Foto: Ralf Julke

Lindenauer Markt mit Marktständen. Foto: Ralf Julke

„Dies würde bei wenig Aufwand einen großen Effekt für die Mehrheit der Menschen, die den Lindenauer Markt täglich nutzen, bringen: den Fußgängern“, findet Volker Holzendorf. „Kurzfristige Maßnahmen sollten nach der Stadtratsvorlage bereits ab 2017 bis spätestens 2018 umgesetzt sein“, schiebt Holzendorf nach.

Wirklich umgesetzt hat die Stadt eher marginale Veränderungen, die für den Platz keine wirklich sichtbaren Auswirkungen hatten:

Die kurze Liste:

  1. a) Zwecks Gewährleistung der Wegebeziehung im Haltestellenbereich während des Wochenmarktbetriebes wurden die Marktstände in einem ersten Schritt um ca. 0,60 m in Richtung Süden versetzt. Die vorhandene Situation konnte so optimiert werden. Weitere Verbesserungen können erst mit den ab 2019/2020 geplanten baulichen Aufwertungsmaßnahmen der Innenfläche des Lindenauer Marktes umgesetzt werden.
  2. b) Für die Maßnahme bauliche Umgestaltung der Marktinnenfläche (städtebauliche Aufwertung, Entfernung der Hochbeete, Verbesserung des Wochenmarktbetriebes) liegt ein Entwurf der Aufgabenstellung vor. Im Ergebnis der noch erforderlichen Abstimmung in der Stadtverwaltung, wird eine zeitnahe Beauftragung der Vorplanung angestrebt.
  3. c) In Umsetzung der Maßnahme Förderung von Parken in bisher nicht genutzten/ nicht ausgelasteten Parkhäusern, hat die Stadtverwaltung Kontakt mit den Grundstücksver­waltungen der leerstehenden Parkhäuser in der Gemeindeamtsstraße und des „Neuen Kaufhaus Held in der Lützner Straße / Merseburger Straße aufgenommen. Die Parkgaragen sind aufgrund von Vandalismus und Diebstählen an Gebäudeausrüstungen zur Zeit nicht nutz- bzw. vermietbar. Die hohen Kosten für die notwendigen Instandsetzungs­arbeiten werden von den privaten Eigentümern nicht getragen.

Wirklich wirksame Maßnahmen sind jetzt erst für 2018 geplant. Das Planungsdezernat dazu:

„Als Grundlage für belastbare Planungen ist ab Mai 2018 die Erarbeitung der Aufgabenstellungen für folgende Umbaumaßnahmen vorgesehen:

– Marktnordseite (Henricistraße bis Demmeringstraße) einschließlich Kreuzungsbereich vor dem Theater der Jungen Welt

– Aufwertung Kuhturmstraße/ Unterbindung Falschfahrer (Bäume und Fahrradbügel in vorhandener Flucht ergänzen)

– Querungsmöglichkeit in Höhe Schlippe für Schüler der Nachbarschaftsschule verbessern

– Schließung Durchfahrt und Aufwertung Platzfläche im Einmündungsbereich Götzstraße

Aufgrund der Komplexität der Maßnahmen bedarf der Inhalt der Aufgabenstellungen eine intensive Abstimmung mit allen relevanten städtischen Fachämtern. Auf dieser Grundlage ist eine Beauftragung der Vorplanungen nicht vor dem III. Quartal 2018 realistisch.

Im Rahmen dieser Planungen wird auch die mögliche Erweiterung von Fahrradabstellanlagen geprüft.“

Das klingt dann schon ganz anders als vor einem Jahr. Eher nach: keine Leute, keine Zeit, es wird noch viel länger dauern.

Und das sind erst die kurzfristigen Maßnahmen. Bei den mittelfristigen wird es noch viel länger dauern, erfuhren die Grünen nun: „Bei den mittelfristigen Maßnahmen handelt es sich vor allem um die bauliche Umsetzung der Maßnahmen, die entsprechend Beschluss zur Umsetzung des Maßnahmenplanes integriertes Verkehrskonzept kurzfristig, in den Jahren 2017/2018, planerisch vorzubereiten sind.

Entsprechend dem aktuellen Planungsstand (Beauftragung der Vorplanungen ab III. Quartal 2018) ist ein Baubeginn für die überwiegende Anzahl der mittelfristigen Maßnahmen ab 2020 realistisch.“

Also fünf Jahre, nachdem das Thema so furios auf die Tagesordnung kam. Darauf gehen die Grünen gar nicht erst ein. Sie würden sich schon freuen, wenn überhaupt erst einmal etwas passieren würde.

„Wir fordern die Verwaltung auf, noch einmal genau zu prüfen, ob sich die kurzfristigen Maßnahmen, die für die Umsetzung 2017/18 vorgeschlagen und einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurden, noch dieses Jahr umsetzen lassen“, erklärt Daniel von der Heide.

Erste Maßnahmen am Lindenauer Markt sollen noch 2017 umgesetzt werden

 

Lindenauer Markt
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