Straßenverkehrsbehörde kann sich nicht mehr rausreden

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt die Entschärfung des Unfallschwerpunktes innere Jahnallee

Für alle LeserAuch wenn es die Leipziger Straßenverkehrsbehörde immer wieder abstreitet: die innere Jahnallee zwischen Leibnizstraße und Waldplatz ist ein Unfallschwerpunkt. Rechts und links zugeparkt, sorgt der enge Straßenraum dafür, dass sich alle Verkehrsarten in einem engen Schlauch ballen. Die Unübersichtlichkeit sorgt dafür, dass immer wieder schwächere Verkehrsteilnehmer Opfer der Unaufmerksamkeit werden. Das muss aufhören, beantragen jetzt die Grünen.

Die innere Jahnallee ist ein Unfallschwerpunkt. Alle Verkehrsarten drängen hier durch, die Straßenbahn kommt nicht voran, parkende Pkw und Lieferfahrzeuge machen die Straße beim Queren unübersichtlich, Abbiegevorgänge bremsen alle aus, wonach dann doch noch schnell mit unangemessener Geschwindigkeit die nächste Grünphase versucht wird zu erreichen.

Die vielen, oft auch dramatischen Unfälle sind hier der verkehrlichen Überforderung dieses Straßen-Nadelöhrs geschuldet, betont die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Die Ursache liegt in der in den frühen 1990ern geplanten und im Rahmen der Olympiabewerbung schnell gebauten Straße, die keine Rücksicht auf die damals schon deutliche Entwicklung im Fuß- und Radverkehr nahm. Erschwerend wirkt die Fördermittelbindung, bis auf weiteres lasse sich baulich nichts verändern.

Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende, begründet den eingereichten Antrag „Unfallschwerpunkt Jahnallee entschärfen“ so: „Die besondere Gefahrenlage ist der Verwaltung seit langem bekannt, dennoch tut sich nichts. Die Häufung von Unfällen in diesem Straßenabschnitt kann auf keinen Fall länger akzeptiert werden. Besonders gefährdet, und häufig Unfallopfer, sind die sogenannten ‚schwachen‘ Verkehrsteilnehmer, die keinen Blechschutz um sich herum haben. Deswegen sind die Folgen sehr gravierend.

Und sie müssen geschützt werden. Die zuständige Straßenverkehrsbehörde arbeitet zwar weisungsunabhängig, hat aber unstrittig für die Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Wir können die Verwaltung vielleicht nicht anweisen, aber wir können auch nicht mehr länger warten. Deswegen und um zu vermeiden, dass wieder Menschen in der inneren Jahnallee Opfer von Verkehrsunfällen werden, haben wir jetzt diesen Antrag eingereicht.“

Das Problem der inneren Jahnallee ist nicht nur ein bauliches. Denn ursprünglich war in diesem Nadelöhr der Bundesstraße 87 auch kein Parken erlaubt. Auch nicht 2006 zur Fußball-WM, als die umgebaute Straße in Betrieb ging. Doch erst wurde einseitig – auf der Südseite – „testweise“ von der Straßenbehörde das Parken zugelassen, wenig später folgte auch die Freigabe auf der Nordseite. Damit war der Ausweichraum für Radfahrer verschwunden und nicht nur im Waldstraßenviertel rätselte man darüber, wem die städtischen Behörden da wieder eifrigst zu Diensten waren.

So eifrig, dass sie selbst Jahre später noch abstreiten, dass der Straßenabschnitt überhaupt ein Unfallschwerpunkt wäre.

Ist er aber. Die Polizeiberichte sprechen eine eindeutige Sprache. Der Wunsch einiger Bürger nach einem Stellplatz genau in diesem Nadelöhr hat augenscheinlich mehr Gewicht als der Wunsch nach einer sicheren Straße.

Katharina Krefft: „Die Anlieger in der Straße haben ein gesteigertes Interesse daran, dass die Situation vor ihren Haustüren sicherer und geordneter wird. Auch der Bürgerverein Waldstraßenviertel macht die Situation in der Jahnallee immer wieder zu seinem Thema. Sie alle haben die beste Ortskenntnis und sicher auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Für den Anlieferverkehr haben die Geschäftstreibenden schon heute teilweise Alternativen gefunden, wo noch nicht, muss danach mit ihnen gesucht werden. Im Sinne des fließenden und zugleich sicheren Verkehrsflusses für alle muss man sich jetzt hinsetzen und Entscheidungen treffen.“

Augenscheinlich regiert gerade hier das alte Auto-Denken, das in Leipzig immer wieder sonderbare Blüten treibt. Nicht nur RadfahrerInnen und FußgängerInnen werden extrem gefährdet, auch die Straßenbahn wird ausgebremst. Oder wie es im Antrag der Grünen heißt: „Die Straße ist auch für den ÖPNV sehr ungünstig, durch die Enge wird die Straßenbahn immer über Gebühr behindert. Ungünstig beeinflusst wird die Situation durch die Parkplätze entlang beider Straßenseiten. Anliegende Gewerbetreibende und Anwohner*innen erleben die Situation vor Ort täglich als belastend.“

Die Linksfraktion begrüßt den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion, Franziska Riekewald, erklärt dazu: „Als Anwohnerin der Jahnallee und als Linke-Stadträtin bin ich seit Monaten mit dem Bürgerverein und der Stadtverwaltung im Gespräch, um eine schnelle Lösung zur Entschärfung der Verkehrssituation zu erreichen. Die Linken sind an tatsächlichen Lösungen interessiert.“

Man setzte nun jedoch auf ein zeitnahes Agieren der Stadtverwaltung. „Mit Einführung des Anwohnerparkens im Waldstraßenviertel noch in diesem Jahr sehen wir eine gute Gelegenheit, die Parkraumsituation im Viertel insgesamt zu verbessern. Diese Chance sollte genutzt werden, um auch die Situation der Jahnallee zu entschärfen. Dazu kann ich mir sehr gut eine Begrenzung der Parkplätze in der Jahn-allee auf die Nachtstunden vorstellen. Denkbar wäre auch – wie vom Bürgerverein gefordert – die Beschränkung der Geschwindigkeit auf 30 km/h.“

Fakt ist aus ihrer Sicht: „Die derzeitige Situation ist lebensgefährlich. Nicht nur für Erwachsene, sondern insbesondere für Kinder ab 10 Jahren, welche sich deshalb in der Jahnallee oft auf dem Fußweg regelwidrig mit dem Fahrrad bewegen.“

Der Antrag der Grünen-Fraktion.

Mal wieder die innere Jahnallee: Das immergleiche Problem + Update

Jahnallee
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