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Der Stadtrat tagte: Endlich Schluss mit den Olympia-Illusionen von 2003 + Video

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    Etwas kurz fassten sich die Herren Haase und Nietzke, als sie in ihre Petition an den Leipziger Stadtrat schrieben: „Unser gemeinsames Anliegen ist es, deshalb eine erneute Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele. Nach gemeinsamen Beratungen kamen wir zum Schluss: mit Halle zusammen gibt es Synergie.“ Mit der Petition beschäftigte sich natürlich erst einmal das Sportdezernat, bevor der Petitionsausschuss sein Urteil fällte.

    Aber schon die kurze Einschätzung des Amtes für Sport spricht Bände, so kurz und knapp sie auch formuliert ist: „Die Stadt Leipzig und auch die Region Mitteldeutschland verfügen in Bezug auf Sportstätten und komplementäre Infrastruktur nicht über die erforderlichen Kapazitäten zur Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele. Das wurde bereits im Bewerbungsverfahren der Stadt Leipzig und ihrer Partnerstädte um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 deutlich.“

    Der Petitionsausschuss übernahm diese Einschätzung.Das hat bislang keine städtische Behörde bislang so klar gesagt. Was einer der Gründe dafür ist, dass immer wieder allerlei Ideen aufploppen, dass Leipzig sich ja (mit Partnern) doch noch einmal um Olympia bewerben könnte. 2001 aber hatte der Leipziger Stadtrat im Grunde nur deshalb seine Zustimmung zur Bewerbung gegeben, weil das IOC die falschen Signale gesendet hatte.

    Eigentlich die richtigen Signale: Man wollte endlich wieder kleiner werden, smarter, nachhaltiger, umweltfreundlicher. Denn seit den 1980er Jahren waren die Olympischen Spiele immer bombastischer geworden, hatten immer mehr Geld gefressen und die austragenden Städte zu immer gigantischeren Investitionen in Sportbauten und Infrastrukturen gezwungen.

    Gleichzeitig waren die Umweltschäden, die diese Mega-Investitionen auslösten, nicht mehr zu übersehen. Die Zeichen der Zeit standen tatsächlich wieder auf Spielen, in denen der Sport im Mittelpunkt stehen sollte und die den Menschen in den Austragungsländern wieder näher wären.

    Selbst „smart“ wäre Leipzig zur Riesenbaustelle geworden

    Leipzig ließ sich ja deshalb ein Konzept schneidern, das auch damals schon die Nachbarstädte mit einschloss und in der Stadt Sportanlagen vorsah, die auch wieder zurückgebaut werden konnten. Wobei man an einem Punkt auch schon 2003 in die Bredouille kam: ausreichend Unterkünfte für Sportler und Gäste zu finden. Aber als das NOK 2003 entschied, überzeugte das Leipziger Konzept und machte ein cellospielender OBM Wolfgang Tiefensee gewaltigen Eindruck.

    Eine Stadt, die sich so emotional bewarb, musste den Zuschlag bekommen. Die Kritiker daheim verstummten (fast), die oberflächliche Presse jubelte mit größtem Orchester. Und gleich wurden die nächsten Werbeclips zusammengeschnitten, die bei der Entscheidung des IOC 2004 noch einmal genauso die Underdog-Rolle betonen sollten: Hier bewarb sich mal eine kleine Halbmillionenstadt ohne großes wirtschaftliches Hinterland, aber mit jeder Menge Zukunft um die gewaltigsten Sportwettkämpfe auf Erden.

    Und wurde gleich in der Vorrunde aussortiert als nette Nummer 6. Das Rennen machten wie in den Vorjahren die Millionenstädte unter sich aus, die mehr Geld einsetzen konnten und vor allem schon mehr Infrastruktur haben. London machte am Ende das Rennen. Kann sich noch jemand an die Spiele in London erinnern?

    Leipzig hätten die Spiele vielleicht einen nötigen Impuls bei der Rückkehr zum Aufschwung gebracht. Geldzusagen von der Bundesregierung gab es ja. Aber wer sich die damaligen Olympia-Pläne anschaut, sieht auch, dass damals massiv in die städtischen Strukturen eingegriffen worden wäre. Die Stadt hätte sich für acht Jahre in eine Riesenbaustelle verwandelt und niemand konnte sagen, ob Leipzig am Ende nicht dasselbe Schicksal ereilen würde wie Athen 2004, das den Olympiatraum mit einem gewaltigen Schuldenberg beendete.

    Aber die Aussage des Amtes für Sport ist erstmals ehrlich, so ehrlich, wie damals im Olympia-Taumel niemand war: All die benötigten Sportanlagen hätten erst einmal für Milliarden Euro aus dem Boden gestampft werden müssen. Und fast keine davon hätte danach weitergenutzt werden können, weil dafür schlicht in der Region die leistungsfähigen Sportvereine fehlen.

    Und der Leipziger City-Tunnel, der ja ursprünglich bis zu den Olympischen Spielen 2012 fertig sein sollte, zeigt ja, dass Leipzig auch bei der „komplementären Infrastruktur“ gescheitert wäre. Der Tunnel wurde erst 2014 richtig in Betrieb genommen. Das Straßenbahnnetz ist aber bis heute auf dem Stand von 2001 und man kann nur vage schätzen, wie viele Milliarden die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) binnen weniger Jahre hätten investieren müssen, um das Netz für die Abwicklung der Besucherströme zu den Olympischen Wettkämpfen fit zu machen.

    Späte Ernüchterung

    Die Jubelnden von 2003 dürften spätestens nach den bitteren Erfahrungen in Athen 2004 und den bombastischen Inszenierungen in Peking 2008 zumindest nachdenklich geworden sein. Nicht nur darüber, ob Leipzig die Spiele finanziell überhaupt überlebt hätte, sondern auch über den Kurs der Olympischen Spiele, der eben nicht zu „kleiner und smarter“ ging, sondern immer mehr zu „noch größer und noch bombastischer“.

    Mittlerweile ist klar, dass nur noch große Millionenstädte überhaupt eine Chance haben, den Zuschlag zu bekommen. Und dass es für Städte, die wirklich nachhaltig sein wollen, besser ist, sich um solche Mega-Ereignisse gar nicht erst zu bewerben. Sie sind weder nachhaltig noch umweltgerecht. Und die Klimabilanz dürfte katastrophal sein.

    Und dem widersprach dann auch in der Ratsversammlung am 15. September niemand. Die Petition wurde von der Ratsversammlung einstimmig abgelehnt.

    Video: Livestream der Stadt Leipzig

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      1 KOMMENTAR

      1. >Das Straßenbahnnetz ist aber bis heute auf dem Stand von 2001

        Nein, im Schienennetz ist danach sogar noch abgebaut worden. Markant: die Strecke nach Markkleeberg. Aber nicht nur das. Und im Liniennetz ist auch noch gewütet worden,

        > und man kann nur vage schätzen, wie viele Milliarden die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) binnen weniger Jahre hätten investieren müssen, um das Netz für die Abwicklung der Besucherströme zu den Olympischen Wettkämpfen fit zu machen.

        Das geht auch mit Geld nicht in neun Jahren. Die LVB sind mental auch nicht in der Lage, einen Metropolverkehr aufzustellen. Ihr Scheitern hat man direkt in den Jahren zuvor bei Großveranstaltungen wie Turnfesten und Kirchentagen sehr eindrücklich gesehen. Für Olympia war ganz banal geplant, das innere Stadtgebiet komplett autofrei zu machen und mit einem Busnetz zu überziehen.

        M. Rogge(+) hatte völlig recht: Die Stadt ist zu klein. Auch vom Denken her. Olympia ist nicht einfach eine Leipziger Messe, nur etwas größer…

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