Weitere Radfahrerin schwer verletzt

Mal wieder die innere Jahnallee: Das immergleiche Problem + Update

Für alle LeserEs ist offenbar ein Rufen im Wind, über die innere Jahnallee zu klagen und die jeweilig Schuldigen der vielen Unfälle auszumachen, solang die Fahrbahnränder einfach weiter als Haltemöglichkeiten für Pkws ausgewiesen sind. Die beiden verbleibenden Fahrspuren sind zu eng für das Verkehrsaufkommen, Rad, Bahn und Auto haben schlicht zu wenig Platz. Und so bleibt aufgrund des unterlassenen Verbots seitens der Stadtverwaltung Leipzig weiterhin nur, die Unfälle zu zählen. So wie den vom heutigen Tag.

Am 13. Mai traf es nun erneut eine Radfahrerin. Gegen 19 Uhr waren nur noch Schmerzensschreie zu hören, der Verkehr kam zum Erliegen. Die Frau war gegen 19 Uhr offenbar stadteinwärts unterwegs, als sie in einem noch unbekannten Hergang stürzte und sich schwer am Kopf verletzte. So jedenfalls die Situation nach dem Unfall, als Passanten ihr in der Mitte der Fahrbahn zu Hilfe eilten. Kurz darauf trafen die Rettungskräfte ein, die Sanitäter bargen die verletzte Frau. Zurück blieben rings um die Unfallstelle verstreute erste Hilfe-Utensilien, die Polizeibeamten, welche die Ermittlungen zum Hergang aufnahmen, umstehende Beobachter und Besucher der Freisitze auf den Gehwegen.

Und die immergleiche Frage blieb auch: Warum ist das Parken und die damit einhergehende Fahrbahnverengung auf einem mit täglichen 15.500 Pkws, 800 Bahnen und unzähligen Radfahrern stark befahrenen inneren Jahnallee noch immer erlaubt?

Weil die Unfallkommission der Stadt keine Veranlassung sieht, hier einen Unfallschwerpunkt auszumachen und ein Halteverbot auszusprechen (L-IZ.de berichtete mehrfach 2017, seit 2015 ist das Problem öffentlich bekannt). Man argumentiert für die Beibehaltung der Halte- und Parkmöglichkeiten seitens der Stadt unter Anderem mit dem Lieferverkehr für die anliegenden Geschäfte. Eine Art der Verkehrsbehinderung, die unter den geparkten Autos einen Anteil von unter einem Prozent gemessen an der Haltezeit ausmachen dürfte. Und das am Morgen, ganz sicher jedoch nicht an einem Sonntag. Weiteres Argument: es geschähen nicht genügend Unfälle, um hier einen Unfallschwerpunkt zu definieren.

An dieser Haltung der Stadtverwaltung änderten bislang auch nicht ein vom Lkw überfahrener Senior, eine von der Bahn erfasste junge Radfahrerin und diverse Unfälle dank der unübersichtlichen Verkehrslage bereits im vergangenen Jahr. Der stetig steigende Radverkehr in Leipzig trug ebenfalls nicht zum Umdenken bei.

Und auch das Wissen, dass es keinem Autofahrer oder der Bahn laut StVO möglich ist, auf diesem Teilstück der Jahnallee ein Rad regelkonform mit einem Mindestabstand von mindestens 1,50 Metern zu überholen, scheint nicht durchzudringen.

Nimmt man es ganz genau, ist dieser Abstand auch für die Radfahrer vorgeschrieben – hier gegenüber den nahezu ständig am Fahrbahnrand parkenden Autos.

Über 20:30 Uhr hinaus stellte die Polizei den Unfallhergang nach und ermittelte vor Ort. Foto: L-IZ.de

Über 20:30 Uhr hinaus stellte die Polizei den Unfallhergang nach und ermittelte vor Ort. Foto: L-IZ.de

Eine Gesamtbreite von 3 Metern also, plus Rad und Auto – man findet sich so automatisch auf der Mitte der Gegenfahrbahn wieder, will man die innere Jahnallee mit dem Auto durchqueren und gesetzeskonform ein Rad überholen. Zwischen all dem noch Schienen, in welche womöglich auch die Radfahrerin heute mangels Platz am Fahrbahnrand geraten sein könnte. Oder es war mal wieder eine geöffnete Tür eines parkenden Autos oder eine kleine Schrecksekunde, die sie ausweichen ließ oder, oder. Alles jedoch Varianten, welche am Fahrbahnrand unmöglich wären, also das Erlebnis der Radfahrerin und der anderen Opfer der immergleichen „Versuchsanordnung“ vor ihr unterbinden würde.

Auf den Gehwegen ist unterdessen Freisitzsaison und zusätzliche Passanten gibt es bei jedem Fußballspiel oder einem der vielen Sport- und Kulturevents in der Arena. Und längst fahren die Bahnen nach den bereits geschehenen Unfällen oft in Schrittgeschwindigkeit durch diesen für Radler letztlich vollständig ungeeigneten, weil brandgefährlichen Streckenabschnitt zwischen Leibnizstraße und Waldplatz.

Da bleibt es eine müßige Frage, wer von den Verkehrsteilnehmern jeweils schuld am einzelnen Unfall sein soll. Es ist das Verschulden durch Unterlassen seitens der Stadt Leipzig, wenn nun erneut eine Frau mit einer Kopfverletzung ihren Sonntag im Krankenhaus beendete. Noch gegen 20:30 Uhr stellte die Polizei den Hergang nach und befragte Augenzeugen. Der Rest der Geschichte dürfte sich mal wieder in der Polizeimitteilung vom Montag finden lassen.

Am Mittwoch, den 16. Mai findet um 19 Uhr eine Gedenkveranstaltung für getötete RadfahrerInnen namens „Ride of Silence“ auch in Leipzig statt. Treffpunkt ist der Wilhelm-Leuschner-Platz.

Die Straßenbahn der Linie 4 um 19:10 Uhr. Foto: L-IZ.de

Die Straßenbahn der Linie 4 um 19:10 Uhr. Foto: L-IZ.de

Update um 23 Uhr: Nach ersten Informationen der Polizei ist die Radfahrerin nicht nur – wie erahnt – in das Schienengleis geraten, sondern kollidierte auch noch mit einer entgegenkommenden Straßenbahn. Es dürfte sich demnach um die Bahn der Linie 4 handeln, welche nach dem Unfall an der Kreuzung Lessingstraße stand.

Was die aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen nur noch dringlicher macht. Die Verunglückte ist nun in ärztlicher Behandlung.

Zum Bericht vom 27. November 2017

Am Meer: Ein Versuchsaufbau an der Jahnallee + Bildergalerie

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