Leipzig will das Sellerhäuser Viadukt jetzt für 3,5 Milionen Euro sanieren

Für alle LeserIm April war es endlich so weit: Die Stadt Leipzig konnte den Sellerhäuser Bahnbogen, auf dem schon seit Jahren keine Züge mehr fahren, von der Deutschen Bahn kaufen. Damit wurde ein Traum greifbar, der 2011 begann, als die Verkaufspläne der Bahn bekannt wurden. 2013 begann der Traum von einem Fahrradweg hoch oben über den östlichen Ortsteilen auf dem schon von weitem sichtbaren Viadukt. Aber bevor da geradelt werden kann, muss das Bauwerk erst einmal saniert werden.

Die Instandsetzung des Sellerhäuser Viadukts ist ein Baustein des „Masterplans Parkbogen Ost“. Es handelt sich hierbei um ein groß angelegtes Stadtteilentwicklungsprogramm für den Leipziger Osten, nach dem die frei gewordene Bahntrasse in ein grünes Aktivband umgewandelt werden soll, heißt es jetzt in der Stadtratsvorlage, in der es um die Bewilligung der dafür notwendigen 3,5 Millionen Euro (davon 2,4 Millionen Euro Fördermittel) geht. Nur erst einmal zur Instandsetzung des Bauwerks und dem Bau des Radweges. Die notwendigen Rampen, um am einen Ende rauf- und am anderen wieder runterfahren zu können, sind noch Zukunftsmusik. Das Sanierungsprojekt dauert sowieso bis 2021.

„Die Stadt Leipzig plant eine Komplettinstandsetzung des Bauwerkes. Neben der zwingend erforderlichen Erneuerung verschlissener Entwässerungs- und Ausstattungselemente auf dem Brückendeck werden auch die Hinterfüllbereiche funktional ertüchtigt und die Natursteinoberflächen instandgesetzt. Es entsteht ein nachhaltiges Bauwerk. Als Aufenthaltsfläche dauerhaft nutzbar wird das Bauwerk nach der Gestaltung, als Geh-/Radweg mit der Realisierung der weiteren Bauabschnitte“, heißt es jetzt in der Vorlage.

„Mit der Instandsetzung der Kappen und der Abdichtung sowie einem neuen Geländer und Berührungsschutz über der LVB-Oberleitung, der Herstellung der Widerlagerentwässerung, der Sanierung der Oberflächen und dem Vernageln der Verblendschalen werden Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt, die für die Verkehrssicherheit, die Standsicherheit und die Dauerhaftigkeit des Bauwerks unabdingbar sind.“

Für die Baufirmen, die jetzt beauftragt werden sollen, wird es eine ziemlich kleinteilige Reparaturarbeit: „Die Dichtung der Fahrbahn ist schadhaft und die Fugendichtungen fehlen oder sind verschlissen. Die Kappen weisen Risse auf, teilweise liegt die Bewehrung frei. Das Geländer entspricht nicht den Anforderungen der ZTV-ING. Die Gründungsbereiche sind teilweise stark vernässt. Die Abdeckplatten auf den Flügeln sind schadhaft. In den Bereichen der Widerlager, Flügel und Gewölbe wurden Steinausbrüche, Steinverwitterungen, Risse und Fugenausbrüche festgestellt. Der Verbund zwischen den Verblendschalen an den Widerlagerecken und dem dahinterliegenden Mauerwerk ist unzureichend.“

Warum das so penibel instandgesetzt werden soll, hat einen simplen Grund: „Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.“ Immerhin erzählt es noch original aus jener Zeit, als vor 110 Jahren die ganze Leipziger Eisenbahninfrastruktur neu gebaut und auf den neuen Hauptbahnhof zugeschnitten wurde. Seitdem verschönern einige dieser prächtigen Viadukte das Stadtgebiet. Und sie wurde auch zur Heimat einiger seltener Tiere: „Auch die Belange des Naturschutzes fanden Berücksichtigung. Es wird ein Landschaftspflegerischer Begleitplan mit Angaben über das Einbinden weiterer landschaftsplanerischer Fachbeiträge wie z. B. faunistische Kartierungen, Artenschutzbeitrag, FFH-Verträglichkeitsprüfung erstellt.“

Wie es oben auf dem Viadukt aussehen wird, ist noch nicht fertig durchgeplant. Dafür soll es noch einen „nichtoffenen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil für den 1,5 km langen Abschnitt der ehemaligen Bahntrasse zwischen den nicht mehr genutzten Haltepunkten Sellerhausen (nahe Eisenbahnstraße) sowie Anger-Crottendorf (Zweinaundorfer Straße) geben, der die Oberflächengestaltung einschließt.“

Das Ergebnis des Wettbewerbs soll am 11. November 2019 feststehen. Auch das Geländer und der Berührungsschutz für die Leitungen der Straßenbahn werden Inhalt des Planungswettbewerbes sein. „Das Bauwerk erhält beidseitig ein Geländer mit einer Höhe von 1,30 m. Mit der Montage des Geländers und der perspektivisch vorgesehenen barrierefreien Auf- und Abgänge werden die verkehrlichen Bedingungen für alle Fußgänger und Radfahrer, insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen, Personen mit Kinderwagen und Kleinkindern, Schulkinder usw. verbessert. Die Sicherheit erhöht sich“, teilt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau mit.

Aber für die Auffahrten an der Strecke braucht es noch einen weiteren Beschluss.

Leipzig kann den Sellerhäuser Bahnbogen endlich für 238.700 Euro kaufen

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