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Ökolöwe: Im Leipziger Forstwirtschaftsplan fehlen verbindliche naturschutzfachliche Auflagen

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    Gerade wurde der neue Forstwirtschaftsplan der Stadt Leipzig zur Diskussion im Stadtrat freigegeben. Der in großen Teilen doch wieder dem alten von 2018 ähnelt. Das größte Problem an diesem Plan benennt jetzt der Leipziger Ökolöwe: „Im Leipziger Auwald gehören Natur- und Artenschutz an erste Stelle – das gilt auch für forstliche Eingriffe.“

    Im neuen Forstwirtschaftsplan der Stadt fehlen jedoch verbindliche naturschutzfachliche Auflagen, stellt der Ökolöwe fest, der nun seit Jahren versucht, solche Standards im Forstwirtschaftsplan verankert zu bekommen. Doch das ist noch immer schwierig. 2018 setzten die Leipziger Naturschutzverbände wenigstens durch, dass alle von den Stadtförstern zur Fällung vorgesehenen Bäume noch einmal von fachlich kompetenten Naturschützern begutachtet wurden.

    Denn gerade die alten Bäume im Leipziger Auenwald sind Heimstätte genau jener geschützten Tier- und Insektenarten, die im FFH-Schutzgebiet „Leipziger Auensystem“ als Zeigerarten gelten. Ihre Bedrohung zeigt, wie ein kompletter Lebensraum ins Rutschen kommt.

    Also dürfen genau diese Bäume, auf denen Fledermäuse, Raubvögel und Käfer wie der Eremit vorgefunden werden, nicht angerührt werden.

    Aber eine Grundlage für diese zwingende Beteiligung von Fachleuten gibt es auch im vorgelegten Forstwirtschaftsplan 2019/2020 nicht.

    Das geht so nicht, findet der Ökolöwe und fordert: „Ohne diese darf der Plan im Dezember nicht vom Stadtrat beschlossen werden! Bis dahin dürfen keine Fällungen erfolgen und auch nicht vorbereitet werden.“

    Und der Umweltverbund lässt auch die ewigen Ausreden zur Nicht-Öffnung der Leipziger Aue so nicht gelten. Leipzigs Verwaltung hat ja gerade erst durchblicken lasen, dass man erst um das Jahr 2050 damit rechnet, die Elsteraue endlich entdeichen und dem Auwald wieder Wasser geben zu können.

    „Um eine intakte Aue in Leipzig wieder vorzufinden, braucht die Auenlandschaft dringend Wasser. Der Auwald kann nur gerettet werden, wenn er an natürliche Fließgewässer angeschlossen wird. Forstliche Maßnahmen ersetzen keinesfalls natürliche Prozesse. Sie können lediglich dabei helfen, eine Artenzusammensetzung zu fördern, die typisch für einen Auwald ist. In ihrer Wirkung sind Forstmaßnahmen jedoch begrenzt“, betont der Ökolöwe.

    Im Paußnitz-Gebiet. Foto: Ralf Julke
    Im Paußnitz-Gebiet. Foto: Ralf Julke

    Er weiß aber auch: Viele Akteure in Leipzigs Stadtgesellschaft haben gegensätzliche Interessen, wenn es um die Entwicklung der Leipziger Auenlandschaft geht. Da der Leipziger Auwald Natura 2000-Gebiet ist, müssen aber immer die Belange des Natur- und Artenschutzes an erster Stelle stehen. Und dies gelte auch bei den forstlichen Eingriffen im Auwald.

    Das ist eine direkte Mahnung an die Verwaltung, endlich die Prioritäten zu ändern. Denn im Forstwirtschaftsplan stehen nun einmal Baumfällungen im Vordergrund, Forstbewirtschaftung eben, nicht der Schutz der eigentlich FFH-geschützten Güter.

    Aus Sicht des Ökolöwen sind deshalb naturschutzfachliche Auflagen für den Forstwirtschaftsplan nötig.

    „Wir Ökolöwen sprechen uns grundsätzlich für eine sensible und kleinräumigere Umsetzung von forstlichen Maßnahmen aus. Vor allem in der Nonne sind die Eingriffe in einem deutlich ausgedehnteren Zeitraum zu realisieren“, spricht der Ökolöwe konkret die geplanten Eingriffe im stadtnahen Waldgebiet Nonne an, wo allein über 2.000 Festmeter Holz ausgeschlagen werden sollen.

    Aber gerade hier liegen mittlerweile eine Menge Nachweise für geschützte Arten vor – für den seltenen Eremiten genauso wie für unterschiedlichste geschützte Fledermausarten, allen voran die Mopsfledermaus.

    Einen kleinen Erfolg konnte der Ökolöwe schon verbuchen: „Wir Ökolöwen konnten bereits erreichen, dass geplante Fällungen im FFH-Gebiet ,Bienitz- und Moormergelgebiet‘ nicht mehr Teil des aktuellen Forstwirtschaftsplans sind. Jetzt muss der Forstwirtschaftsplan noch mit verbindlichen naturschutzfachlichen Auflagen versehen werden. Ohne diese darf der Plan nicht beschlossen werden.“

    Und dazu gehört aus Sicht des Ökolöwen: „Zu allen Maßnahmen hat eine ökologische Forstbegleitung zu erfolgen. Hierbei kontrollieren Sachverständige die Bäume direkt vor der Fällung. So wird das Risiko verringert, unentdeckte Lebensstätten zu zerstören oder Tiere zu verletzen bzw. zu töten. Die ökologische Forstbegleitung stellt sicher, dass die Umsetzung den naturschutzfachlichen Anforderungen entspricht.“

    Und die nächste Forderung wird noch deutlicher: „Stark- und Biotopbäume sind von der Fällung ausgeschlossen (Ausnahme nur bei akuter Verkehrssicherung). Zudem werden generell keine Stieleichen entnommen. Als Grundlage hierfür dient die Starkbaumkartierung. Diese muss dem Forstwirtschaftsplan als verbindliche Grundlage angefügt werden.“

    Mit der „Entnahme von Stieleichen“ glänzte ja bekanntlich im letzten Winter der Staatsbetrieb Sachsenforst im westlichen Teil des Leipziger Auengebietes.

    Aber auch die geplanten „Altdurchforstungen“ und „Schirmhiebe“, die die Leipziger Abteilung Stadtforsten im Forstwirtschaftsplan plant, dürften mit dieser Forderung des Ökolöwen deutlich minimiert werden.

    Die letzte Forderung ist dann schon logisch: „Alle Forstarbeiten im Auwald müssen umgehend eingestellt werden, solange der neue Forstwirtschaftsplan noch nicht durch die Gremien angehört und durch den Stadtrat beschlossen wurde.“

    Jetzt kann man gespannt sein, ob es der Stadtrat schafft, den Forstwirtschaftsplan endlich mit verbindlichen naturschutzfachlichen Auflagen zu versehen. Oder ob er gar den Mumm hat, für die Leipziger Naturschutzgebiete die Prioritäten tatsächlich endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen.

    Die vom Ökolöwen geforderten Maßnahmen.

    Das Grundproblem des Auwaldes ist das fehlende Wasser

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    27 KOMMENTARE

    1. Liebe Sonne,
      da wir hier ja auch anfangs fachlich durchaus interessant diskutiert hatten – ich hatte dann längere Zeit die weitere Diskussion nicht mehr verfolgt, erst jetzt wieder – hiemit ebenfalls mein Abschiedsgruß unter diesem Artikel.

      Ich habe jetzt auch die langen und wie ich finde hervorragenden Kommentare von J. gelesen, denen ich mich nur zu 100% anschließen kann. Mit welcher Engelsgeduld J. die ökosystemaren Zusammenhänge Ihnen versucht hat zu erläutern, wirklich bewundernswert.

      Ich denke, Sie sind etwas in die Defensive geraten und meinen jetzt zu abwertenden Begrifflichkeiten gegenüber J. greifen zu müssen wie „Nebelmaschine anwerfen“, „sie eher im gefühlten Modus unterwegs sind“, „wie Sie auch selbst poetisch einräumen“, usw. usf….
      Schade, dass Sie das Niveau der zwischenzeitlich spannenden Diskussion zum Ende hin derart gesenkt haben!

      Ihren letzten Satz kann man gerne so stehen lassen. Tatsächlich ist Erhalt und Förderung der Hartholzaue essentiell. Und daher darf man sie durch Femelungen und Mittelwaldumwandlung auch nicht mit Kettensäge und Harvester zerstören. Eigentlich gar nicht so kompliziert.

    2. Hallo J.

      ich werde unsere schöne Diskussion nun beenden, weil ich finde, dass sie eher im gefühlten Modus unterwegs sind. Hier ist die Mühe einer Argumentation wohl nicht sehr zielführend.
      Ich sprach an keine Stelle von einem „reinen“ Eichenwald! Wie viele Baumarten habe ich denn weiter oben schon genannt. Haben Sie dies vergessen? Das Kriterium – Eichenwald – wurde zur Vereinfachung eingeführt, um den Buchenwaldvergleich – Lübecker Modell und anderes – sauber abzugrenzen.
      Der Begriff „Eichenwald“ findet sich im Übrigen auch schon in den Namen der beiden beiden vorhandenen Lebensraumtypen Steinmieren-Eichen- Hainbuchenwald und Eichen-Ulmen-Hartholzauwald.
      Es kommt mit so vor als würden Sie immer wieder neue Kaninchen aus dem Hut zaubern. Diese möchte ich nun nicht mehr einzeln einfangen.
      Wenn wir in die Sachdiskussion gehen, stellen Sie permanent neue Thesen auf, zitieren unsauber oder gar nicht.
      Auf die vorgetragene Argumentation mit dem aktuellen Wissenschaftstand – unterlegt mit Literaturzitaten – scheint es mir so als picken Sie sich Einzelpunkte heraus, interpretieren diese um und stellen daran die Grundsatzfrage. Werden Sie bei dieser Technik erneut mit dem Wissenschaftsstand im Einzelfall wiederlegt, wechseln sie schlicht das Thema.
      Zeitgleich habe ich das Gefühl, dass dabei ein ständiges Weiten und Zusammenziehen des Betrachtungsrahmens stattfindet. Bei Wiederlegung Ihrer Eingangsthese stellen Sie die Nebelmaschine an und wechseln unauffällig komplett den Bezugsrahmen.
      Ich finde Sie sind in eine Sackgassegeraten und produzieren nun ein nicht stattfindendes Missverständnis.
      Die Eichwaldfrage wurde bereits sehr ausführlich oben geklärt. Der Auwald besteht – wie Sie auch selbst sehr poetisch einräumten aus Hart- und Weichholzaue.
      Die Hartholzaue – um die es im Auwald in der Fläche geht, ist sehr wohl ein Eichenwald (Wald mit zahlreichen Eichen)und zwar in der Fläche! Die anderen denkbaren Gesellschaften mit anderen dominanten Baumartenvorkommen der Hartholzaue stellen eher Saumbiotope dar, passen in der Krautschicht nicht (also abweichende Standortverhältnisse) oder sind an Kalkvorkommen gebunden. Gehen Sie in Schubert die Gesellschaften des Kapitels 4 „Wälder, Forste, Gehölze“ einmal durch. Dann bleiben dominante Hauptarten des Eichen-Ulmen-Hartholzauwaldes (Querco-Ulmetum-minoris) also bei Esche, Ulmen und Steileiche übrig.
      Ähnliches gilt auch für den großflächig vorhandenen LRT Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (LRT 9160). Dort kommen allerdings die Winterlinde und die Hainbuche dazu. Die erste ist aber nur wenig Nässetolerant – die zweite wächst nicht dauerhaft in die obere Baumschicht.
      Die Überlebenswahrscheinlichkeiten der einzelnen Baumarten wurden bereits oben erörtert. Nehmen Sie also keinen Nebenausgang. Dort waren wir schon einmal….
      Quelle: Schubert; Hilbig; Klotz; Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands. Heidelberg: 2010; S. 46 ff.
      Dass es bei diesen pflanzensoziologischen Zuordnungen um dynamische Systeme mit wechselnden Übergangsverzahnungen und unterschiedlichen Altersklassenausprägungen handelt, versteht sich dabei von selbst.
      Eines der vorrangigen Erhaltungsziele im europäischen Schutzgebiet (FFH) „ Leipziger Auwald“ ist die Erhaltung und Förderung der Hartholzaue einem vom Aussterben bedrohten Lebensraumtyp!

      Ein abschließender Gruß von Sonne

    3. An Alma
      Was haben Sie nur an Herrn Stoiber auszusetzen. Ich war gestern bei der FFF Demo unterwegs und sah was Herr Stoiber auf die Beine stellt, das finden viele großartig. Die Frage ist doch eher warum Herr Stoiber von den anderen Verbänden alleine gelassen wird. Und was die 50 € angeht, schauen Sie mal in diesen Link

      https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Miese-Tricks-Mitgliederfang-bei-DRK-Co,mitgliederfang101.html

      ,der Inhalt ist Ihnen wahrscheinlich bekannt, würden die großen Verbände nicht so drückermässig um Leute werben , hätten sie auch nicht so viele Mitglider, der Link ist im Übrigen eher für die anderen Kommentatoren gedacht. Und nur am Rande, die wenigsten der Kommentatoren haben Stress mit Herrn Stoiber oder NuKLA, ich jedenfalls habe deren Website gefunden, dass es bei NuKLA sehr viel Fachkenntnis gibt, welche aber alle nicht ans Leipziger System angekoppelt sind.
      Schönen !. Advent

    4. Liebe Sonne – nein, sie sind auf dem komplett falschen Dampfer. Sie reden auch von Eichenwald. Die Begrifflichkeit, die sie wählen, deutet darauf hin, dass sie mich bisher in allen Kommentaren nicht das kleinste bisschen verstanden haben. Nicht mal ansatzweise. Ein Auwald ist mitnichten ein reiner Eichenwald! Nur so – als Beispiel. Ich muss nun arbeiten gehen, es hilft nichts. Später gern mehr.

    5. Hallo J,
      ich verstehe Sie sehr genau.

      Wo wollen Sie die größere Fläche im Auwald hernehmen? Kleinere Teile könnten dan noch gewonnen werden. Das wird aber sehr anspruchsvol!

      Die Literatur von Jedicke und Hakes (2005) und der anderen von mit genannten Autoren bildet den realen Leipziger Fall – Eichenwald in der Aue ab. Das bedeutet die größte bekannte Annährung. Sie sind deshalb praktisch anwendbar.

      Die Quercusgdanken dienen einem Blick in die Zukunft und beleuchten ganz grundsätzlich Aspekte, die man einmal näher erforschen und bedenken sollte. Eine gute und sehr sympatische Anregung!

      Verallgemeinerungen zu unterschiedlichen Eichenarten funktionieren aber nur sehr selten, da deren ökologische Potenzen nach Ellenberg sehr unterscheidlich sind!

      Die hier geäußerte verschiedenschichtige Betrachtungsweise versuchte der realen Gegebenheit und den vielfältigen Interessen zu entsprechen.

      Der ganz große Wurf wird uns bei der Erhaltung des Eichenwaldes nicht gelingen. Wir arbeiten aus dem derzeitigen Bestand heraus. Im Siedlungsnahen Gebiet ist die kleinflächige Femelung erfolgversprechend.

      Mittelfristig sind noch andere Prozesse anzustreben.

      Außerhalb des Auwaldes entstehen gerade im Südraum neue Vernetzungsprojekte solcher Art mit Tierbeweidung. Dabei ist der Stadtforst Leipzig sehr engagiert – dass sollte man auch einmal positiv anerkennen.

      Beste Grüße
      Sonne

    6. Liebe Sonne, ich werde demnächst noch detailliert antworten, muss nur leider – arbeiten.

      Zum nachdenken für Sie. Sie fragen: „Wo ist aber Ihr belastbares Zitat für den Spezialfall – Leipziger Auwald mit allen seinen örtlichen Rahmenbedingungen?“

      Ja wo soll das denn herkommen?

      Es forscht ja niemand daran und ergo gibt es keine Veröffentlichungen (abgesehen davon, dass man Flussdynamik braucht!).

      Möglicherweise ein großes Manko! Schade!

      Ansonsten nochmal: Eichen verjüngen und wachsen selten in der Natur flächig, wie sie es kennen. Ich fordere durchaus die, ja man kann schon sagen, flächige Verjüngung der Eiche, aber v.a. auch über das Gebiet dessen, was wir Wald nennen, hinaus.

      Einfach nur anders verteilt und auf größerer Fläche! Verstehen sie es jetzt?

      Dies mag sie als Eichenliebhaberin hoffentlich etwas beruhigen.

      Sie denken alles in kleinen Gebieten und Schächtelchen, denken sie über diese Begrenzungen hinweg. Dann verstehen sie, wie ich manches meine.

    7. Hallo J.
      Danke für die Entgegnung!
      Wenn ich Sie recht verstehe – wollen Sie die flächenhafte Verbreitung der Eiche im Leipziger Auwald aufgeben. Damit würden wir einen kulturhistorisch gewachsenen und naturschutzfachlich wertvollen Lebensraumtyp verlieren. Die Hartholz-Auenwälder in Leipzig sind in Ihrem aktuellen Zustand von bundesweiter Bedeutung und sollen in ihrem Zustand auch verbessert werden!
      Außerhalb der seltenen Eichenwälder in Auen stimme ich Ihnen auch grundsätzlich zu. Biotopzustände sollten nicht überall eingefroren werden.

      Schade – sie zitieren leider sehr unklar und verwenden allgemeine Literatur zur Eiche. Nach Karl Popper (Wissenschaftstheorie I) müssen Sie der Deduktion zur Aufstellung einer These auch eine Überprüfung im Einzelfall folgen lassen. Dort unterbrechen Sie Ihre logische Kette und holen auf Leipziger Auwaldebene eine angeblich funktionierende Lösung hervor. Wenn eine allgemeine Theorie im Spezialfall nicht anwendbar ist – funktioniert sie nicht oder muss eingegrenzt werden.
      Aus welcher Studie stammt denn Ihr Zitat? – Sie haben vergessen den Autor dieser allgemeinen Sammelquelle zu nennen? (meinten Sie immer noch Quercusgedanken?) Nach meiner Erinnerung haben Sie beim zitieren allgemeine Zwischenstände zusammengefügt. Alle mir bekannten Literatur-Sammelstudien (siehe vorherigen Kommentare) mit Anwendungsbezug betonen zusammenfassend andere Schwerpunkte und benennen in der Zusammenfassung aktuell die Femelung als einzige sichere Möglichkeit zum flächenhaften Erhalt der Eichenwälder in Auen.
      Im Übrigen sagt Ihr Zitat, dass es Schwierigkeiten bei der natürlichen Eichenverjüngung auch teilweise im Flutungsfall gibt (stimmt!) und das im Einzelfall Beweidungsprojekte eine Rolle spielen (stimmt auch) und die Gatterpflanzung von Jungeichen als Heistern (Lichtverhältnisse?) untersucht wird. Wo ist aber Ihr belastbares Zitat für den Spezialfall – Leipziger Auwald mit allen seinen örtlichen Rahmenbedingungen?
      Die Standorteigenschaften in Leipzig sind anders als in Ihrer allgemeinen Literatur zu Eichen: Wir befinden uns in einem feucht-nassen Auenlandschaft mit der Stieleiche. Die Bedingungen genau für diesen Fall wurden bei Kühne und zahlreichen anderen Autoren untersucht. So entstand der Hinweis zur Femelung. Dies können Sie in den empfohlenen Studien (siehe oben) alles nachlesen – auch die hohe Lichtbedürftigkeit der Stieleiche!
      Zur Förderung der aktuellen Standorte mit Eichenverjüngung auf Lichtungen und Randlagen: Diese nur sehr kleinflächig möglichen Maßnahmen wären wahrscheinlich sinnvoll. Sie retten aber nicht das Gesamtsystem Eichenwald in der Fläche. Wir müssen aber auch Flächen für Offenlandarten sichern. Da kann man nur wenige derzeit noch offene Strukturen mit Gehölzen schließen. Ich fand die natürliche Eichen-Verjüngung an ganz wenigen Randlagen und auf Spielplätzen. Die letzteren würde ich ungern zur Eichenförderung absperren lassen.
      Sie wissen ganz sicher auch wie eine Waldweide in einem jetzt aktuellen Hochwald zwischendurch über Jahrzehnte hinweg aussieht. Als Zwischenstand müssen Sie sich dabei u. a. mit einem teilweise offenen, waldsteppenartigen Zustand abfinden – das wird mit dem Verbiss und den Trittschäden ganz schön ruppig aussehen! Die LeipzigerInnen werden diese Auflösung ihres gewohnten Waldbildes wahrscheinlich noch weniger akzeptieren als eine kleinflächige Femelung.
      Noch einmal: In der Fläche gibt es keine Eichenverjüngung. Sie brauchen zur Eichenvermehrung sehr viel Licht und müssten überall forstlich den Oberstand stark freistellen. Da sind Sie praktisch jedes Mal bei einer kleinen Femelungsfläche angekommen! Nach Ellenberg – Zeigerwerte von Pflanzen Mitteleuropas – hat die Stieleiche als Lichtzahl (7= Halblichtpflanze) zum groben Vergleich die Konkurrenz – (Spitzahorn hat 4 = also zwischen Schattenpflanze und Halbschattenpflanze – Bergahorn genauso). Wenn also angrenzend Hochwald steht, muss die Einstrahlungsfläche entsprechend so sein, dass unten bei den Eichensämlingen und Jungpflanzen genügend Licht ankommt.
      Zum Eremiten: Ich schrieb von einer hohen – nicht alleinigen – Bindung des Eremiten an die Eichen. Die für den Käfer geeigneten Mulmhöhlen sind in Alteichen besonders langlebig, groß und somit überall und auch speziell im Auwald nicht ersetzbar. In der Praxis (in allen Gehölz-Flächentypen) überwiegen die Eremiten-Nachweise in der Eiche. … nahe gefolgt von schon anbrüchigen Linden in Parks / Alleen und sehr alten Hochstämmen auf Streuobstwiesen.
      200 m Ausbreitungsfähigkeit des Eremiten sind der vorsorgende aktuelle Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse und ja es gab dazu auch schon Versuchsreihen mit Markierungen. Ich könnte dazu wieder einen Literaturüberblick zusammenstellen. Kennen sie den wissenschaftlichen Sachstand zum Eremiten? Die Art ist auch nur ein wichtiger Aspekt und wird von sehr zahlreichen anderen Arten mit reiner Eichenbindung (und auch Alteichenbindung mit Sonderstrukturen) begleitet…
      Zur Femelfläche in der Nonne: Ja – dort sind 2017 teilweise leider auch stärkere Eschen gefallen. (Der Forst argumentiert hier, dass diese jetzt wieder neue Staunässe!!! die wenig toleranten Eschen relativ bald hätte umfallen lassen.) Stimmt wahrscheinlich – wir erinnern uns: Standort war seit Jahrzehnten trocken und die alten Eschen sind an die wieder neue Nässe nicht angepasst – Nässetoleranz Esche 4 – neu gepflanzte Eichensämlinge 5 – also besser angepasst!) Viele umgestürzte alte Bäume fallen übrigens aktuell durch Schäden am Wurzelansatz auf– sehen Sie sich dies einmal genau an! Ich persönlich hätte die starken Eschen dort auch – unter Beachtung des notwendigen Lichts für die Sämlinge – wenigsten für die Restlebenszeit erhalten!
      Hier greift zukünftig übrigens der Kompromiss des Ökolöwen: Die alten Starkbäume werden im Leipziger Auwald einfach nicht mehr gefällt. Dazu kommt dann noch ein neues Totholzkonzept und vieles mehr!
      Hier hat der Leipziger Forst übrigens sehr positiv mitgewirkt und ist auf manche Idee von ganz allein gekommen!
      Also Nachricht an den NuKla: Hört bitte auf die Förster in der Öffentlichkeit persönlich zu diffamieren! Das ist richtig ungerecht.
      Zur genetischen Kontinuität der Eiche: Der Forst zieht eigenes Saatgut für die Jungeichen aus Eicheln, die aus dem Leipziger Auwald stammen. Daran ist also gedacht. Die ästhetische Zuspitzung Baumschule = böse versus Natur = gut – funktioniert in der täglichen Leipziger Praxis also nicht. Reden Sie einmal mit dem Förster.
      Eschen und Ulmen werden doch auch beachtet. Man kann aber eben nicht allein auf Ihre ungewisse (siehe Beschreibungen oben) Entwicklung setzen. Deshalb muss die Eiche jetzt gefördert werden!
      Im Rahmen der europäischen Vorgaben zu den Zielen im FFH-Gebiet gibt es in Leipzig zusätzlich auch keine Wahl! Wer Eichenwälder erhalten will, muss jetzt etwas unternehmen. Im FFH-Managementplan ist dies auch eindeutig durch eine sehr arbeitsintensive Femelwirtschaft geregelt.
      Die-Taube-auf-dem- Dach-Argumentation mancher Akteure bringt den Auwald dabei nicht weiter.
      Damit wir uns nicht Missverstehen! Nichts wäre mir lieber als eine natürliche Selbstheilung der Aue. Sie ist aber gerade einfach nicht in Sicht! Also können wir lediglich bei einer Tasse Tee spekulieren wie es eventuell sein könnte!
      Es gilt jetzt jetzt einen guten Kompromiss für den Auwald aushandeln und natürlich die großflächige Wiedervernässung ankurbeln.
      Zusätzliche Ansätze wie gestufte Waldränder zur Eichenvermehrung, der Mittelwaldversuch, Auwald-Kran und Beweidungsexperimente können uns neue Erkenntnisse vermitteln.

      Ich bedanke mich noch einmal sehr bei ihnen über den angenehmen Ton! Eine zukünftig freundliche und persönlich wertschätzende Diskussion zum Thema Auwald finde ich ausdrücklich sehr wünschenswert.

      Beste Grüße- Sonne

    8. Hallo, Alma, was war das denn: der Versuch, bei einer, zugegeben fachlich recht anspruchsvollen Diskussion auch mal mitreden zu wollen und dafür aus der hintersten Po-Tasche den Superjoker zu ziehen? Wie ich hörte, bezahlen andere Vereine Geschäftsführer, Sprecher und weiß der Kuckuck was noch. Und Hilfskräften für Stillstehen im Kalten und Schweigen hinter einer Maske eine Entschädigung für den Aufwand zu geben, ist so bedeutsam, dass man dafür hier den fachlichen Disput unterbrechen muss – wie ein kleines Kind, das endlich auch mal wieder gehört werden will?

    9. Liebe Sonne, ja, Standorte müssen immer individuell betrachtet werden, und was für den einen gilt, muss bei einem anderen nicht zwingend auch so sein (dies kann sogar schon auf einem Kilometer unterschiedlich sein in einem Wald). Aus dem Zitat können Sie aber erkennen, dass es sich mitnichten nur um Erfahrungen von mesophilen Standorten handelt, sondern auch eutrophen. Nun, nährstoffreich ist die Aue durchaus.

      Der Autor schreibt zudem nicht speziell über eine Eichenart, ihm geht es um Quercus als Gattung generell. Auch zu den Urwäldern sind keine konkreten Arten genannt in dem Artikel. Es ist ja auch stark zu vermuten, dass eng miteinander verwandte Untergattungen durchaus ähnliche Verbreitungsmechanismen haben.

      Quercus ist eine sehr alte Gattung, und auch unsere Stieleiche ist theoretisch hier einst eingewandert (nach den Eiszeiten). Es gab schon vor den Eiszeiten hier Eichen, aber wie genau die aussahen und welche Art genau, weiß man meines Wissens nach nicht konkret.Der Verdacht liegt also nahe, dass unsere Stieleiche und andere südeuropäische Eichenarten miteinander verwandt sind und ähnliche uralte Verbreitungsstrategien gemeinsam haben.

      Und diese, wenn man sich diese in den noch halbwegs ungestörten Urwäldern in den Karpaten anschaut, scheinen eben darauf ausgerichtet zu sein, dass Eichen, die ja bekanntlichermaßen sehr alt werden, sich quasi auch sehr viel Zeit lassen, um sich zu reproduzieren.

      Nur lassen wir Menschen den Eichen doch nirgendwo die Zeit, und wir Menschen sind auch sehr ungeduldig.

      Kommen wir aber zu explizit den Auen zurück. Zu Auen schreibt der Autor auch etwas:

      „Hartholzauewälder sind das natürliche, langlebige Endstadium der Sukzession in den großen Flussauen, die sich selbstständig verjüngen. Periodischen Überflutungen stören und initiieren auf unterschiedlichen Größenskalen im wieder Sukzessionsprozesse.“ … „Die besondere Schwierigkeit der künstlichen und natürlichen Stieleichenverjüngung in Bereichen mit sehr großer Hochwasserdynamik wurde aktuell für den Oberrhein dargestellt (UHL, A., REIF, A., GÄRTNER. S. 2008, Neophytou C., 2012 und 2013, Makkonen-Spiecker K. & Neophytou C., 2012). Einzelne Hartholzauewälder liegen in Hutelandschaften und werden extensiv beweidet (z. B.im Borkener Paradies an der Ems). Dort ist vorgesehen die Verjüngung der typischen Baumarten (v.a. der Stieleiche) durch Pflanzung von Heistern in Kleingattern oder mit Einzelschutz sicherzustellen, sofern nicht (z. B. innerhalb von Dorngebüschen) eine ausreichende Naturverjüngung erfolgt.“

      Auch andere Autoren weisen darauf hin, dass Eichen in Auen – grob gesagt – wahrscheinlich v.a. a) Flussdynamik und b) Weidetiere brauchen.

      Darum denke ich, kommen wir, wenn wir die Eichennaturverjüngung im großen Maßstab fördern wollen, nicht um Wasser und Tiere herum.

      Und warum sollten wir die Eichennaturverjüngung mehr fördern und warum sind flächige Aufforstungen NICHT von Vorteil? Auch darauf hat der Autor eine Antwort:

      „Anderseits zeigt sich sowohl in der konventionellen Waldwirtschaft mit Eiche als auch beim Schutzgebietsmanagment, dass der Versuch einzelne, als besonders vorteilhaft oder als besonders typisch empfundener Lebensraumausprägungen dauerhaft konstant zu erhalten, gewissermaßen einzufrieren, zu zahlreichen Problemen führt und meist nicht gelingt. Zu den Problemen zählt die Entwicklung von Dominanzbeständen in der Bodenvegetation (u.a. Landreitgras, Brombeerarten, Adlerfarn), schwere Kalamitäten (u.a. Eichenkomplexerkrankung, Gradationen der Eichenfraßgesellschaft, Prachtkäferbefall), Etablierung einer flächigen Vorverjüngung von Schatt- und insbesondere von Intermediärbaumarten sowie ausbleibende Eichenverjüngung.“

      Ja, Sonne, „flächigen Vorverjüngung von Schatt- und insbesondere von Intermediärbaumarten sowie ausbleibende Eichenverjüngung“ – genau dies ist doch Thema hier in der Leipziger Aue!

      Direkt im Stadtraum, genauer gesagt der Nonne mag es schwierig sein mit Beweidung, aber warum nicht, müsste man prüfen (es gibt auch kleinere Weidetiere und die Schleußiger Kinder würden es sicher fantastisch finden). Und selbst die Nonne wurde vor hundert Jahren noch regelmäßig über die Rödel überflutet. Ja, ich bin vielleicht sehr optmistisch, aber ich bin sehr für die Wiederherstellung der Rödel. Es gibt keine größeren Bauwerke auf ihrem früheren Flussbett und es würde die Nonne extrem aufwerten. Der Gewässerknoten muss sowieso ingesamt überdacht werden. Stadtklimatisch wäre die Rödel auch von Vorteil, ebenso als Hochwasserschutz für Schleußig (wenn Hochwasser käme, könnte es dann ja in die Nonne rein, wo es doch auch hin gehört).

      Beweidungsprojekte gibt es zahlreich in In- wie Ausland, auch bezüglich Eichennaturverjüngung und Artenvielfalt sind sie überzeugend.

      Aber – ich habe, wie schon mehrfach geschrieben – auch nichts dagegen, dass man Eichen auch mal pflanzt. Für mich gilt nur: wo pflanzen wir sie wie und wie können wir sie so pflanzen, ohne unter Umständen Schaden zu verursachen.

      Und: ich bin fest davon überzeugt, dass wir präziser und gezielter anpflanzen sollten anstatt flächig: Qualität statt Quantität!

      Ich hörte, man arbeitet seitens der Stadt defizitär in diesem Bereich, nun, dann sollten andere Wege geprüft werden.

      Zum Eremiten: laut Literatur ist er mitnichten fest an die Eiche gebunden. Schauen Sie, laut BfN und Literatur geht er in alle möglichen Bäume sofern die Habitatstrukturen vorhanden sind. Ein paar Kilometer östlich sind die Eremiten auf alten Streuobstwiesen in Obstbäumen zu finden. Weiter nördlich geht der Eremit in alte Buchen rein (so diese Buchen alt werden dürfen, leider werden Buchen oft vorher gefällt, ehe sie ökologisch wertvoll sind). Dies bedeutet: der Eremit ist v.a. an alte Bäume mit geeigneten Habitatstrukturen gebunden.

      Wenn er hier in Leipzig v.a. in Eichen zu finden ist, kann dies mehrere Gründe haben, aber der Hauptgrund dürfte doch sein, dass v.a. die Eichen hier besonders stark vertreten und besonders alt werden (zur Zeit).

      Ob der Eremit wirklich regelmäßig nur bis 200 Meter fliegt? Nun, ich frage mich, wie man das herausgefunden hat. Man müsste ja genügend Exemplare quasi markiert haben und auch wieder gefunden haben, um dies so genau herauszufinden. Ich würde eher sagen, wir haben die Vermutung, dass er nur so weit fliegt, aber konkret wissen tun wir es nicht. Bedenken Sie auch, ein Käfer mag mal Rückenwind haben! Nur wie soll man solches feststellen und daraus ein regelmäßig machen? Dies soll nur anreißen, wie schwierig es ist, zu sagen „das ist so“ – wir glauben nur, es ist so, aber ob es so ist, wissen wir schlicht nicht.

      (ich habe noch mehr Thesen dazu, aber später dazu)

      Im Auwald haben wir in den Eremitengegenden sehr viele Eichen, mir macht hier eher Sorge, dass die Verbreitungsschwerpunkte (von denen es mehrere gibt), tlw. weit über 200 Meter keine Biotopverbundstrukturen haben – außerhalb der Waldflächen. Und wenn man den Tieren was gutes tun will, damit sie sich ausbreiten und nicht genetisch voneinander isoliert sind, sollten gern auch Eichen dazwischen gepflanzt werden. Nicht flächig, sondern als linienförmige und truppweise Struktur. Diese kann man dann auch gezielt pflegen, falls wieder trockene Sommer kommen.

      Zu Sedimenteintrag: sagen wir lieber Umlagerungsprozesse. Die wir auch für uns brauchen wegen der besseren Wasserqualität in Flüssen, Grundwasser, perspektivisch auch Trinkwasser.

      Zur Staunässe in der Nonne: auf alten Karten sind diese Flächen teilweise schon als vernässt eingezeichnet. Es war absehbar, dass hier wieder mit steigendem Grundwasser Staunässe wiederkehrt. Zudem ist auch die Nonne ein alter Auenstandort, sicher nicht der dynamischste (deswegen hat sich hier ja auch Hartholzaue ausgebildet), aber doch mit regelmäßig flach durchströmenden Wasser, welches in Senken auch stehen bleibt. Neben den noch recht jungen Eschen, die nicht mehr gut aussahen, gab es auf den Femellöchern auch alte Starkeschen mit gesundem Stumpf und Schaft. Sie können ihre Stümpfe heute noch finden, diese Bäume zu fällen war schade! Denn sie kannten noch Hochwasser und waren, grob gesagt, auch an höhere Grundwasserstände angepasst.

      Beginnende Naturverjüngung der Stieleiche kann man übrigens auch durchaus fördern, etwas, was ich ebenfalls vermisse auf Seiten der Stadt. Die von Ihnen entdeckte Naturverjüngung (und auch andere, die ich hin und wieder sehe), sollte sorgsam freigestellt und ggf. auch mit kleinen Gattern vor Wildverbiss geschützt werden. Passiert dies? Nein. Dabei ist doch davon auszugehen, dass diese Jungeichen, gerade die, die man dann durchbringt, genetisch bestens an die heutigen Bedingungen der Leipziger Aue angepasst sind – und an den Klimawandel! Jede naturverjüngte Eiche, die groß wird, hat in Zukunft eventuell genetische Informationen und Überlebensfähigkeiten, welche Gold wert sind in Zukunft.

      Gleiches gilt auch für Eschen- und Ulmennaturverjüngung.

      Sie nicht zu beachten, bedeutet, uns und die Aue um wertvolle genetische Information zu betrügen.

      Bedenken Sie: die Naturverjüngung wird u.U. besser an zukünftige Umweltbedingungen angepasst sein, resistenter sein gegen Krankheiten etc.!

      Können da flächig aufgeforstete Eichen aus einer Baumschule mithalten? Ich denke nicht.

      Deswegen halte ich es für sehr wichtig, gemachte Pläne, auch wenn sie viel Arbeit bedeutet haben, zu überdenken.

    10. Liebe Alma, ich finde diese Aktion auch seltsam und das mit dem Bezahlen, wie sagt man, mindestens unsympathisch. Vom Prinzip her aber ist das nichts außergewöhnliches bei Natur- und Umweltschutzvereinen. Schauen Sie, alle größeren Vereine, NABU, BUND, WWF, Greenpeace, bezahlen Firmen, die dann entsprechend geschulte Eventmitarbeiter losschicken, um entweder Mitglieder zu werben und/oder auch Protestaktionen zu planen und auszuführen. Gerade die Mitgliederwerbung läuft ab wie bei üblen Drückerkolonnen, selbst im Supermarkt wurde ich schon angequatscht. Bei Greenpeace habe ich tatsächlich schon Stellenanzeigen gesehen, wo bspw. direkt nach Camapaignern gesucht wird. Das C der CDU, was gerade durch Deutschland läuft, lebt auch nicht von Luft und Liebe.

      Doch auch wenn ich das nicht gut finde, ist dennoch nicht alles falsch, was Greenpeace tut, und ich denke, genauso wenig wird dies hier der Fall sein.

    11. Liebe Kommentatoren, liebe Leser,
      bei all der Diskussion sollten sich alle Unterstützer von Nukla mal fragen, ob ein solcher Verein wirklich eine breite Unterstützung mit seinen Thesen besitzt, wenn Herr Stoiber es nötig hat, andere Leute zu bezahlen um für ihn und seine Interessen zu protestieren (Aufruf von Nukla sich für 50 Euro mit Plakaten vor ein Gericht zu stellen und dann zur Demo zu gehen): https://www.dsble.de/774656
      Wer so agiert und die Friday for Future Bewegung derartig missbraucht, dem glaube ich auch keine anderen sogenannten wissenschaftlich fundierten Argumente!
      Sorry, aber diese Aktion zeigt deutlich, dass Herr Stoiber und seine paar Unterstützer zwar viel Wind machen, aber nichts dahinter steht!!!

      MfG, Alma

    12. Hallo J.
      danke für die Mühe…die zeitliche Abfolge der Beiträge hat sich verwirrt, deshalb die kleinen Missverständnisse…Und die Prozesse in einer intakten Aue haben Sie direkt poetisch dargestellt. Eine Gesundung der Auen wäre wirklich wichtig!

      Diese von Ihnen im letzten Beitrag benannten Quellen kenne ich. Diese sind leider nicht auf unseren Fall anwendbar.
      Ihr Zitat bezieht sich eben auf Urwälder in den Karpaten und auf mesophile Standorte (S. 4 – also natürliche Buchenwaldstandorte?) und hilft uns im Leipziger Auwald unter feuchten oder nassen Standortbedingungen nicht weiter. In der Original-Quelle ist nach meiner Erinnerung auch nicht von der Stieleiche sondern von einer südlichen Eichenart die Rede. Schauen Sie dort einmal weiter oben im Text. (Ich verstehe aber ihre an zyklischen Prozessen ausgerichtete Argumentation…passt woanders eventuell und klingt auch für mich sehr interessant!)
      Aber Schade – dann gibt es wohl doch keine neuen Erkenntnisse zur Eichenverjüngung in Auwald-Verhältnissen!
      Erfolgreiche Tierbeweidungsexperimente im Wald und auch im Offenland gibt es ja schon angrenzend zum Cospudener See. Ich glaube da führt der Leipziger Stadtforst die Regie. (Schönes Projekt!)
      Das lässt sich aber kaum im direkten Leipziger Stadtraum umsetzen. Denken Sie an die Zugänglichkeit und die Zäunung für nur gering mögliche Tier-Bestandszahlen und den notwendigen häufigen Flächenwechsel. Ob da Eichenförderung einfach so funktioniert ist auch offen.
      Da wir im Auwald den sehr flugfaulen Eremit mit hoher Eichenbindung (also den Käfer der regelmäßig nur bis 200 m fliegt) als prioritäres Schutzziel fördern wollen und beachten müssen (FFH-RL), brauchen wir einen flächenhaften und zeitlich ununterbrochenen alten Eichenbestand mit besonnten Mulmhöhlen – der ja aktuell durch die Grundwasseranhebung (Tagebauspätfolge) wegbricht. Warten wir jetzt ab, ist die zeitliche Kontinuität unterbrochen und die Tiere sterben dann wohl aus…
      Zur Eichenverjüngung in aktiven Auen mit Überflutungsdynamik gab es schon Experimente. Diese verliefen aber nicht richtig günstig. Hoffnungsvoll wäre eventuell der flächenhafte Sedimenteintrag….dabei muss aber auch recht groß auflichten….und mit Heistern arbeiten ??? Dort sind wir aber noch lange nicht…
      Soviel ich weiß, werden solche Dinge wie das große Femelloch in der Nonne zukünftig nicht mehr vorkommen. (Dort sind die fast gleichalten – genetisch homogenen – Eschen-Bestände übrigens praktisch umgefallen, da dort monatelang extreme Staunässe zu verzeichnen war. Diese Staunässe war dort neu!) Im Altbestand des Auwaldes habe ich auf Lichtungen mit Wiesen (aktuell als Spielplätze genutzt) schon ab um 0,3 ha Auflichtung eine beginnende Selbstreproduktion der Stieleiche angetroffen. Ob diese dann im weiteren Entwicklungsverlauf durchhält, ist aber offen! Die Literatur bringt verschieden Flächen um 0,5 ha Femelgröße ins Spiel.
      Die Naturschutzverbände in der AG Stadtwald arbeiten daran die Femellöcher so klein wie möglich zu halten und die Leipziger Forstbehörde ist da übrigens aufgeschlossen….
      Literaturhinweis zu den Eichenverjüngungsexperimenten in aktiven Auen:
      Kocher, Daniel; Die Verjüngung der Stieleiche im mitteleuropäischen Auwald. Uni Freiburg: 2018 (?)

      Dankeschön für die angenehme Kommunikation! Ich schlage vor wir tauschen uns dann gern wieder zu einem neuen Auwald-Thema aus.

      Beste Grüße von Sonne

    13. PS: ich schlage keine Eichentruppverjüngung vor, die Eichen verjüngen sich oft einfach auf diese Weise von selbst. Es wäre interessant, zu erfahren, wie sich alles entwickelt, wenn es ansatzweise wieder eine Flussdynamik in der Aue gibt. Was ich vorschlug, war, in das FFH-Gebiet, v.a. zwischen den Waldgebieten, Eichen zu pflanzen, bspw. in Parks, an Wege, an Ufer, als Alleen etc., streng genommen, Biotopverbundstrukturen. Meinetwegen kann man auch in der Nonne entlang der Wege, wo man viele Eschen entnommen hat wegen der Wegesicherung, gezielt Eichen an den Rand pflanzen. Diese Bäume kann man dann auch intensiv pflegen, anders als bei Massenanpflanzungen auf diesen riesigen Femelöchern. Ich bin also v.a. für mehr Klasse statt Masse, für andere, weniger invasive Lösungen. Ich selbst hätte nicht einmal was gegen sehr kleine Lichtschläge, auf denen man Eichen pflanzt, nur diese riesigen Femellöcher – viel zu groß, viel zu ineffizient, viel zu belastend für den Boden, erst Recht in trockenen Zeiten wie diesen. Und wenn die Eichen sich halt auf den Wiesen und Weiden und den Hecken verjüngen wollen, ja vielleicht hat es seinen Grund, dass sie dort aufkommen und woanders nicht? Vielleicht, weil sie da zur Zeit die besten Wachstumsbedingungen haben? Nun ja, warum nutzen wir das nicht aus? Ich sehe im Auwald jedenfalls keinen Grund zur Panik, wir haben so viele, noch gesunde Eichen, die noch viel Zeit haben, sich fortzupflanzen, und wenn an diesen Standorten eines Tages die Zeit gekommen ist und die Umweltbedingungen gegeben sind, werden sich auch da dann Eichen verjüngen.

      Ich zitiere aus einer u.g. Quelle:
      „Für das Verständnis der Naturlandschaft außerordentlich bedeutsam sind die Resultate aus über 50 Jahre Eichenurwaldforschung von Stefan Korpel (Die Urwälder der Westkarpaten, 1994). Sie belegen, dass sich die Eichen sich in der Slowakei auf mesophilen und eutrophen Standorten seit
      Jahrhunderten in den Urwaldresten nur in Zeitspannen bis 70 Jahre verjüngen und sich später durch
      Ausdifferenzierung trotz des Altersunterschiedes dem Aspekt nach fast altersklassenartig ausformen.
      Diese vermeintlichen „Altersklassenbestände“ nehmen aber jeweils nur kleine Mosaikflächen ein. In der Phase des geschlossenen Unter- und Zwischenstandes aus Schattbaumarten gibt es im mesophilen Urwald oft über 150 Jahre keine Eichenverjüngung. Die Überlebensstrategie der Eiche ist dabei ihre höhere Lebensdauer, die bei zeitlichem Zusammentreffen von Vollmast und Bestandsteilen mit Zusammenbruchsphase der Schattbaumarten eine Eichen-Verjüngung in den Flächenanteilen mit der ermöglicht.“
      „Quercusgedanken – Zum Management von Eichenwäldern“ von Dr. Carsten B. Böhm

      150 Jahre warten sie u.U. auf eine Gelegenheit, ehe die Eichen sich verjüngen, aber dann tun sie es offenbar.

      Auch Tiere spielen eine große Rolle, nicht vergessen! Meinetwegen können wir auch sehr gern eine stadteigene Sauherde aufbauen, die regelmäßig experimentell irgendwo im Auwald unterwegs ist. Oder eine stadteigene Wisentherde. Ich bin sicher, die Tiere würden der Hit werden bei den Kindern. Vielleicht sogar Anziehungspunkt für Touristen.

      Ich lese gerade Dr. Carsten B. Böhms Quercusgedanken. Ich glaube, er ist von den Niedersächsischen Landesforsten. Sie finden seine Schriften schnell im Internet.

      In seinen Literaturverzeichnissen finden sie dann noch mehr.

      Zu den Tieren empfehle ich Frans Vera, sie finden von ihm auch was auf Zobodat.

      Reicht das erstmal?

    14. Liebe Sonne, ich gehöre zu keinem abgesprochenen Autorenkollektiv, und zugegeben verwirrt mich ihr Kommentar. Bei ihrem letzten Eintrag ist hier doch gar kein Literaturhinweis zu sehen?

      Oder meinen sie jemand anderen aus den Kommentaren über mir?

      Falls sie mich doch meinen sollten, antworte ich dennoch.

      Wir reden hier von Auenwälder – nicht von reinen Eichenwäldern. Ich denke, man sollte hier unterscheiden.

      Auenwald: der Name setzt sich zusammen aus „Au“ und „Wald“. Die Vorsilbe „Au“ kommt vom mittelhochdeutschen „ouwe“ und lässt sich wohl bis ins germanische verfolgen „awiz“. Die Bedeutung hängt stets mit Fluss“ bzw. „Wasser“ zu tun. Vereinfacht gesagt, bedeutet also Auwald nichts anderes als Wald am Fluß.

      Unseren europäischen Flüssen geht es schon länger nicht gut, dies ist bekannt. Vielerorts können sie nicht mehr frei fließen, es gibt kaum noch Flussdynamik. Flussdynamik bedeutet: bei höheren Mengen an Niederschlägen ist der Fluss breiter, in trockenen Zeiten schmaler. Durch den Wechsel der Wasserstände gestaltet der Fluss die Landschaft, er gräbt regelrechte Flusstäler und mit dem Wasser werden Sand, Kies, Steine, ja sogar ganze Baumstämme transportiert.

      Dementsprechend sind auch die Baumarten einer Aue ganz unterschiedlich. So gibt es sehr feuchte Gebiete in einer Aue, die Areale, die dem Fluss am nächsten liegen. Dort entwickelt sich bspw. die lichte Weichholzaue (Weiden, Erlen, Pappeln). Dort entstehen auch Feuchtwiesen usw. usf. Alles wichtige Biotope, die es nur noch selten gibt.

      Je weiter weg vom Fluss man geht, geht alles dann langsam über in die Hartholzaue. Die Hartholzaue ist aber auch nicht überall gleich, es gibt auch hier noch nassere und trockenere Stellen. An den Stellen, die noch regelmäßig überflutet werden, wachsen Eichen, aber auch Eschen und Ulmen. An den trockeneren Stellen wachsen Hainbuchen und Linden, und an ganz trockenen Stellen (bspw. eine hoch gelegene Insel) mag auch mal eine Rotbuche existieren können.

      Ansonsten gibt es noch Traubenkirschen, Wildäpfel, Feldahorn und jede Menge Sträucher, die noch in einer Aue wachsen – so, wie es die Umweltbedingungen, v.a. das Wasser oder auch das Nicht-Wasser, erlauben.

      Ein funktionierender Fluss wechselt unter Umständen auch sein Bett, er mäandriert, dies ist sicher bekannt. Und auch wie stark die Wasserstände steigen oder nicht, wechselt: es gab in der Geschichte Epochen mit viel Regen, auch Epochen mit wenig Regen.

      Dies ist also eine sehr dynamische Angelegenheit, und dementsprechend müssen sich die Bäume auch anpassen. Sind wir in einer Epoche mit viel Niederschlag, gibt es mehr Weichholzaue, mehr Eichen, weniger Bergahorn (der ja kaum Überflutung verträgt, soviel ich weiß). Sind wir in einer Epoche mit wenig Niederschlag, ist die Weichholzaue schmaler, es gibt u.U. weniger Eichen und mehr Bergahorn usw. usf.

      Gibt es besonders viele Niederschläge und der Fluss mäandriert, kann es auch sein, dass durch das Wasser auf einmal ganze Hartholzauengebiete plötzlich so nass sind, dass sie langsam zu einer Weichholzaue werden.

      Gibt es viele Niederschläge und das Hochwasser gefriert, und dann rutschen plötzlich Eisschollen über Land, sterben dadurch viele Gehölze – Eichen halten das aber aus.

      Gibt es in der Aue viele Pflanzenfresser (Rehe, Hirsche, Schafe, Kühe, Wisente usw. usf.) beeinflussen diese Tiere ebenso die Baumartenzusammenseztung in einer Aue. Manche Leute sagen übrigens, die besten Eichenwälder entstehen durch Schweine (Eichelmast). Soll ich nun ihnen die Literatur raussuchen? Es gibt sehr viel dazu. Links kann man hier aber nicht posten, oder?

      Gibt es in der Aue mal weniger größere Pflanzenfresser, sieht es dann eben auch anders aus – die Bedingungen sind wieder ganz anders und so ist die Baumartenzusammensetzung wieder anders.

      Gibt es in der Aue viele Biber, wird es besonders interessant: Biber legen ganze Feuchtgebiete an und können durchaus auch die Baumartenzusammensetzung so verändern. Manche sagen, auch Biber fördern die Eichen (die Eichen halten ja die höheren Wasserstände aus und die Biber halten unter den Eichen alles licht, indem sie andere Gehölze fressen).

      Sie sehen also, so eine Aue ist eine sehr dynamische Angelegenheit, und natürlich schwanken jedesmal bei Veränderung eines der vielen Einflüsse auch die Baumartenzusammensetzungen.

      In Leipzig schwankt aber nichts, weil wir überregulierte Flüsse haben. Das ist ein Problem, was aber gelöst werden muss (WRRL). Nicht ohne Grund, wir alle brauchen sauberes, gesundes Wasser.

      Der Artenreichtum einer Aue kommt durch diese Dynamik zustande. Jedes Mal, wenn der Wasserstand schwankt, der Fluss leicht mäandriert, feuchte Senken nach einem Hochwasser nass zurück bleiben, vielleicht sogar eine Sandbank neu angelegt wird durch Sedimentverlagerung, oder ein Ufer abrutscht und ein Steilufer entsteht: dieses sind all die Biotope, Nischen, Gelegenheiten für zahllose Arten.

      Im Endeffekt ist der Artenreichtum einer Aue begründet im Mosaik aus zahlreichen, vom Fluss (oder den Flüssen) geschaffenen Biotopen – die Eiche trägt ihren Teil dazu bei, ist aber nicht (!) das Schlüsselelement einer Aue und nicht zwingend die Hauptbaumart einer Aue.

    15. Hier noch ein einleitender Hinweis: Bei meinem Literaturhinweis vom letzten Eintrag hatte ich einen „nächtlichen“ Bock geschossen. Die empfohlene Veröffentlichung gibt zwar den allgemeinen Wissenstand zur Eichenliteratur sehr gut wieder – Verschweigt aber die tatsächlichen vertretbaren Femelgrößen. Je nach Eichenwaldtyp und Standortverhältnissen kann die Angabe auch nach Bundesland sehr stark schwanken. Ich habe jetzt für Auwälder auch in Europäischen Schutzgebieten ganz unterschiedliche Vorgaben gefunden und stelle demnächst hier einmal eine Liste zu den Fundstellen ein.

      Sie bewegen sich gerade wieder auf Ihre Ausgangsposition. Wenn Sie widerlegt werden, benennen Sie einen Sonderfall und erklären diesen zum allgemein Gültigen! Wollen sie sich wirklich nicht mit dem Forschungsstand auseinandersetzen? Deutschland hat nach der FFH-RL eine Verpflichtung zum Erhalt der historisch gewachsen Eichenwälder – das gilt auch in der Fläche und ist zum Artenschutz auch sinnvoll! Dazu hat Deutschland auch seine Schutzgebiete gemeldet und entsprechende Managementpläne zu Zielarten abgestimmt! Bei uns im Leipziger Auwald ist das flächenhaft die Stieleiche! Das wissen Sie!
      Die fast überall nicht stattfindenden natürlichen Eichenverjüngungsprozesse sind absolut eindeutig erforscht und in der Fachliteratur umfassend belegt! In Leipzig gibt es dazu auch ganz eindeutige Zählungen! Die meisten Eichenwälder sind auch menschlichen Ursprungs und bedürfen der weiteren (teilweise Intensiven) Pflege.
      Siehe hierzu: Zollner , Alois; Expertenworkshop zur Eichen-Lebensraumtypen 2015 (2018) dort brauner Kasten auf Seite 23
      Die von Ihnen vorgeschlagenen Eichentrupp-Verjüngungen funktionieren nicht im Auwald sondern nur unter dem lichten Schirm von Kiefern z. B. auf den trockenen Sandböden Brandenburgs. Die feuchten und stickstoffreichen Bodenverhältnisse im Leipziger Auwald bedingen ganz andere Maßnahmen! Nach Stand des Wissens werden speziell in Auwäldern kleinere Femellöcher zum Erhalt von Eichen empfohlen.
      Zu den Eichenbeständen (Eichenwaldtypen) in Auwäldern – also den Leipziger Verhältnissen – äußerten sich schon vor 15 Jahren Jedicke und Hakes (2005 S. 44) und sehen genau in diesem Lebensraum die Femelung als besonders erfolgversprechend an. Quelle: Jedicke und Hakes; Naturschutz und Landschaftsplanung Jg. 37(2) 2005; darin: Management von Eichenwälden im Rahmen der FFH-Richtlinie. S. 44
      Weiterhin regen diese Autoren dabei weitere forstliche Experimente zum Erkenntnisgewinn bezüglich der Eichenförderung an. (Wenn es diese schon gäbe, wäre das ganz hervorragend!)
      Mit der Mittewaldbewirtschaftung finden solche Studien derzeit im Leipziger Auwald statt und werden aktuell durch die wenig erfolgversprechende Klage des NuKLA massiv behindert, da die wissenschaftliche Zeitschiene bei der Versuchsbewirtschaftung aus prozessualen und nicht aus inhaltlichen Erwägungen nun unterbrochen werden muss!
      Der Leipziger Stadtforst, die AG Stadtwald und die Naturschutzverbände machen sich mit der stattfindenden umfangreichen Eichenförderung bzw. Eichenbewahrung im Auwald sehr viel Mehrarbeit und es entstehen zu Gunsten der Biodiversität durchaus auch Mehrkosten.
      Siehe dazu: Müller – Kroeling, Stefan; Eichenwälder und der Leitfanden „Natura 2000 und Wald“.
      An das NuKLA –befreundete Autorenkollektiv: Ich werde jetzt öfter an Ihren Kommentaren dranbleiben und Sie hier mit der wissenschaftlichen Literatur konfrontieren.
      Beste Grüße – Sonne
      Da die Verlinkungen vom Administrator nicht freigegeben werden konnten – stelle ich noch einmal eine einfach Version mit vereinfachten Literaturangaben ein. (Entschuldigung bei eventuell späterer Doppelung)

    16. Vom Prinzip her ist der Ansatz falsch, von Eichen flächige Naturverjüngung zu erwarten. Eichen verjüngen sich eher in kleinen Trupps, aber nie flächig. Das ist zumindestens vom Thüringer Wald bis an Nord- und Ostsee zu beobachten und vermutlich auch anderswo.

      Möglicherweise ist dies Teil der Verbreitungsstrategie der Eiche, welche sie sicher nicht ohne Grund entwickelt hat.

      Es würde sich sicher lohnen, hier noch mehr zu (er)forschen!

      Bei Ulmen würde ich die Hoffnung nicht aufgeben, hier heißt es wohl, weiter zu beobachten und sich in Geduld zu üben. Was ich weiß, ist, dass ich außerhalb Leipzigs nirgends eine so schöne und vitale Naturverjüngung durch Ulmen gesehen habe. Und auch solch große und starke Ulmen findet man nur noch selten. Dies ist schon was Besonderes.

      Die Femelungen sind nicht nur eine ästhetische Belastungsprobe. Auf so großer Fläche sind sie auch eine Belastungsprobe für die gesamte Auengemeinschaft, v.a. den Boden, respektive der Mykkorhiza. Es gibt Schweizer Forscher, die vor Jahren nachgewiesen haben, dass die Mykkorhizapilze fast komplett verschwinden auf solchen Flächen. Sie bleiben noch an den wenigen, noch stehenden Bäumen, solange diese leben, dort sind sie noch recht aktiv, aber es ist dennoch ein jahrzehntelanger Prozess mit ungewissem Ausgang, bis sich diese Pilze eventuell wieder regeneriert haben. Es gibt auch Studien, wie sich der Boden physikalisch verändert und so auch die Bodenlebewesen (Bakterien etc.). Der Boden ist aber das wichtigste für eine Waldlebensgemeinschaft. Nein, ich finde es nicht gut, ihn derart zu belasten, das hat nichts mit Ästhetik zu tun, sondern Sorge.

      Der Erfolg der Femelflächen ist auch ungewiss – sieht bisher nicht überzeugend aus.

      Ergo sehe ich keinen Sinn, weder diese Maßnahme zu bejubeln, noch sie als notwendig hinzunehmen.

      Ich sehe diese Maßnahme schlicht nicht als sinnvoll für eine Aue.

      Da flächige Eichenverjüngung nicht natürlich ist (Eichen würden doch nie von Natur aus so wachsen), sehe ich auch eine Erweiterung des Auwaldes nicht als unmöglich. Von Natur aus ist die Grenze zwischen Wald und Offenland eine weiche und ich bin sicher, es passen sehr viele Eichen in umliegende Parks, an Wege und Straßen. Wenn man wollte, wäre hier sicher so einiges möglich, aber dann müsste man auch das FFH-Gebiet als Ganzes betrachten und nicht segmentiert in Einzelteile. Was sowieso besser wäre.

      Ansonsten ja, Wasser, aber nicht pauschale Flutung oder Wiedervernässung: Der Wechsel der Wasserstände, das dynamische Fließen eines Flusses macht hier viel aus, inklusive Sedimentumlagerungen wo es möglich ist.

      Dies wieder herzustellen ist eigentlich das Wichtigste, ist Sachsen nicht sowieso verpflichtet zu solchen Maßnahmen durch die WRRL?

      Und so viele FFH-Arten würden davon profitieren: Biber, Fischotter, Kamm-Molch, Rotbauchunke, Bitterling, Rapfen, Schlammpeitzger, Grüne Keiljungfer. Selbst beim Kleinen Maivogel ist die Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Faktor.

      Und von diesem Wechsel des Wassers profitiert letztendlich auch die Eiche.

      Aber es macht in meinen Augen keinen Sinn, eine solche Aue mit einer Motorsäge abzubilden – ohne schwankende Wasserstände. Viel zu groß ist die Gefahr, dass wir dabei die Lebensgemeinschaft Aue (zer)stören könnten.

      Was mit den forstlichen Maßnahmen kreiert wird, ist keine lebendige Aue, sondern ein Kunstwald, der Aue sein soll und einem Großteil der FFH-Arten, die dann doch irgendwie Wasser benötigen, überhaupt nicht hilft.

      Grob gesagt: jetzt zu sägen und forstlich umzubauen bedeutet ja nur, das arme Pferd von hinten aufzuzäumen. Obwohl man doch weiß, dass man die Flüsse revitalisieren muss langfristig.

      Nö. Ich sehe es als logischer an, das Pferd richtig rum aufzuzäumen.

      Es gäbe noch mehr zu sagen, aber dies soll erstmal ausreichen.

    17. Hallo J.
      danke für die Zeilen.
      Ich stimme Ihnen zu, dass sich im Auwald die Eichen an besonders günstigen Randlagen und auf Lichtungen teilweise verjüngen. In der Gesamtfläche aber leider fast nicht. Bei Ulmen gibt es nur noch ganz wenige alte Starkbäume und die Verjüngungen sterben beim Erreichen der Handspannenstärke ab. Es gibt mehrere junge Ulmengruppen denen ich seit 20 Jahren die Daumen drücke – in der Regel ohne Erfolg.
      Mit den Femelungen ist für uns menschliche Spaziergänger eine ästhetische Belastungsprobe entstanden. Leider gibt es nach meinen Recherchen keine bessere Methode der Eichen-Verjüngung in der Fläche. Also müssen wir die Maßnahmen wohl nicht bejubeln – aber zur Erhaltung der heimischen Fauna und Flora als notwendig hinnehmen.
      Schön wäre auch eine zusätzliche Erweiterung des Auwaldes zur Eichenmehrung – aber bei den derzeitigen Besitzverhältnissen ist dies leider nicht durchsetzbar.
      Ja – bei einer Flutung von Teilen der Aue würden sich bestimmt an den lang anhaltenden Nasstellen auch sehr wertvolle Weiden (Weichholzauen) ansiedeln – sehr schön!
      Das Ziel Wiedervernässung ist – glaube ich – bei allen Naturschutzverbänden sehr dringend gewünscht.
      Beste Grüße – Sonne

    18. Guten Morgen Sonne,
      nun ja, schauen sie, direkt in manch dichtem Waldgebiet des Leipziger Auwaldes verjüngt sich die Eiche nicht sehr stark, das ist korrekt. Aber das ist auch logisch, denn die Eiche braucht zur Verjüngung spezielle Bedingungen, gerade was Licht angeht. Im FFH-Gebiet verjüngt sie sich aber dennoch, nur eben außerhalb des dichten Waldes, weil sie dort die besseren Bedingungen vorfindet. Wenn sie bspw. entlang von Wiesen am Ufer der Weißen Elster oder der Parthe langgehen, werden sie durchaus aus Hecken und Gebüsch zahlreiche Eichenverjüngung vorfinden. Dabei sind alle Größen vorhanden, es stehen auch schon mehrjährige Jungeichen, welche fast über zwei Meter hoch sind und so aus dem gröbsten raus ist. Die Tragik dieser naturverjüngten Eichen sind Rasenmäher und Mähmaschinen auf dem Grünland. Das ist bedauerlich. Im Wald verjüngen sich Eichen auch, brauchen aber Lichtungen, wie sie bspw. durch Sturm entstehen. Ein Förster (nicht aus Leipzig) erklärte mir, dass hierbei wichtig ist, dass die vom Sturm entwurzelten Altbäume liegen bleiben. Aus den Zweigen und größeren Ästen hinaus wachsen dann später, wenn es passt, Eichen. Die Zweige und Äste schützen sie, solange sie noch klein sind, vor Verbiss und bieten auch ein günstiges Mikroklima. Und ja, ich habe sowas schon gesehen, nur im Leipziger Auwald selten, hier wird Windbruch (gerade wenn er etwas großflächiger ist) oft weggeräumt.

      Momentan stehen aber bspw. in der Nonne noch derart viele Eichen im besten Alter, die bleiben da auch noch hundert Jahre und länger stehen (sicher wird auch hier und da mal eine sterben, aber nicht alle). Das bedeutet, momentan ist es gar nicht so bedenklich, dass dort keine zahlreichen Eichen neu wachsen, weil dort auf lange Frist alles mit Eichen förmlich gesättigt ist.

      Auch die Eschen werden nicht alle sterben. Es gibt noch viele Exemplare, die sehen gut aus. Ja, manche sterben ab, gerade wo es so trocken war, aber wir haben auch viele, die wirklich überraschend gesund aussehen, und das nach all den Jahren des Eschentriebsterbens. Es ist ja auch bekannt, dass nicht alle Eschen davon befallen werden. Manche sind von Anfang an resistent, andere überstehen diesen Pilzbefall und werden wieder gesund. Ich sehe die Esche definitiv nicht im Wegbrechen im Auwald und ich gehe davon aus, dass wir diese Baumart auch noch lange im Auwald haben werden. Vielleicht mögen sich die Baumartenzusammensetzungen im Verhältnis zueinander ändern, aber das ist ja letztlich Natur, die sowieso nie still stehen bleibt.

      Die Ulme als lange Zeit immer bedeutungslos werdende Baumart sehe ich sogar im Comeback. Wir haben zahlreiche schöne Starkulmen im Auwald. Am Teilungswehr bei Großzschocher steht eine (Richtung Brückenstraße), ein riesiger, dicker gesunder Baum. Im Clara-Zetkin-Park steht auch eine sehr dicke, und an der Weißen Elster bei Modelwitz gibt es eine ganze Gruppe alter Ulmen am Ufer. Es gibt noch mehr, die immer noch nicht gestorben sind und es auch nicht tun werden – sie haben überlebt und pflanzen sich auch fort, nur besteht hier das Problem, dass die Naturverjüngung selten berücksichtigt wird. Im Gegenteil wird sie weggemäht oder durch Forstarbeiten entfernt, um bspw. Eichen zu pflanzen. Schade! Ja, es gibt auch immer wieder Ulmen, die noch in jungen Jahren wegen des Pilzes sterben, doch es wäre auch an der Zeit, zu schauen, ob man die offenbar gesunden und widerstandsfähigen Ulmen, die schon Starkbäume sind, sich nicht weiter vermehren lassen könnte. Ich denke, wir lassen uns hier große Chancen entgehen (übrigens fällt mir gerade ein, an der Sixtuswiese steht auch eine riesige Ulme).

      Und ja, der Spitzahorn ist nicht überflutungstolerant. Das wichtigste in der Aue ist die Anbindung an die Dynamik der Flüsse: wechselnde Wasserstände, über Land ziehendes Hochwasser, auch mal Niedrigwasser. Wenn diese Dynamik wieder gegeben ist (und sie muss, denn wir haben viele bedrohte Arten, die für ihr Überleben auf diesen Umstand angewiesen sind), wird auch der Spitzahorn in seinen Beständen zurück gehen. Ich denke aber, da wird niemand was dagegen haben, der Spitzahorn gilt ja sogar als unerwünscht in der Aue.

      Vom Prinzip her aber hätte ich nichts gegen Eichenanpflanzungen, nur finde ich die Art dieser nicht gut. Ich denke auch, den bedrohten Lebewesen würden die Eichen weit mehr nutzen, wenn man sie nicht in den Wald direkt pflanzt, wo doch schon teilweise viele alte Eichen stehen, sondern zwischen die Waldstücken als – Biotopverbundstuktur, welche elementar wichtig ist für zahlreiche Arten. Und genau da verjüngen sich die Eichen ja auch teilweise jetzt schon, man müsste sie nur mehr fördern.

      Und wenn die Aue hoffentlich bald wieder redynamisiert ist, brauchen wir uns gar keine Sorgen mehr um die Eichen zu machen. Es kann aber sein, dass wir dann auch mehr Weiden usw. haben, aber das ist sehr gut, denn davon profitieren dann wieder zahlreiche bedrohte Arten.

    19. Hallo J.
      vielen Dank für den etwas krampffreien und sachlichen Kommentar. Ungüstigerweise muss ich nun aber doch eine wenig mosern. Der Auwald hat nahezu keine natürlich Eichenverjüngung, die Ulme stribt durch den Splintkäfer jung und die Esche bricht auch weg. Damit wären die Haupfbaumarten des Eichen-Ulmenwaldes sehr stark im Rückgang. Wir haben nur noch ganz wenig Fläche von diesem Lebensraum in Deutschland. (das ist ja deshalb auch Hauptschutzgebietsziel) Vernässung wäre prima – wird sich aber nur auf begrenzten Flächen durchsetzen lassen. Was passiert aber mit dem Spitahorn bei der Flutung und auf den mitteltfeuchten Standorten? Er ist ja nicht überflutungstolerant und wird ertrinken – das Argument wird für die Überflutungsgegner eine Rolle spielen. ….Ich bin jetzt durch und kann nicht mehr weiter antworten – vielleicht die Tage einmal…Beste Grüße – Sonne

    20. Hallo Robin W. – sind Sie auch beim NuKLA?
      Ich kenne die Positionen von Prof. Gerkens. Bei zahlreichen Aspekten bin ich mit Ihm einer Meinung und wir bewegen uns dabei wohl auf einem ähnlichen Literaturstand. Beim Eichen-Thema und was daraus resultiert, sind wir aber sehr unterschiedlich aufgestellt.
      Vielleicht kommen wir hier auf dieser Kommentarseite dennoch ins Gespräch. Die Quercus-Literatur (Sie meinen also Literatur zu Eichenarten) ist mir durchaus bekannt. Sonst hätte den Literaturhinweis des BFN nicht ins Netz gestellt…darin wird die These einer notwendigen forstlichen Bewirtschaftung mit kleinen Femelungen vertreten.
      Die Meinung des NuKLA bildet derzeit nicht die Erkenntnisse zur Eichenwaldforschung ab. Sie können sich sicher noch an die einhellige Absage zahlreicher Forscher an die NuKLA-Position erinnern. Diese Absage teile ich und wundere mich, dass der Verband – ohne Schlagendes vorzutragen – auf seiner Position verharrt. Ihr Hinweis – dass jeder mit gesundem Menschenverstand besser Bescheid weiß als ein Forscher (der nicht die NuKLA- Meinung teilt) finde ich wenig zielführend – da so jede Meinung plötzlich Wissenschaft ersetzt. Wenn Sie mich mit bewiesenen Argumenten und konkreten Forschungsergebnissen überzeugen, nehme ich diese Darstellung jederzeit zurück!
      Ich bin übrigens seit 30 Jahren beruflich in verschiedenen Wald-LRT unterwegs und kenne so den natürlichen Verlauf von Femelflächen. Es sieht erst wirklich schlimm aus. Spätestens nach der Auflichtung kommt sehr schnell eine gute Strukturvielfalt auf, die dann auch unterschiedliche Schichten bildet. Insofern verstehe ich kurzfristig gesehen Ihre waldästhetischen Bedenken.
      Wenn wir hier reden wollen, sollten Sie sich bitte den von mit (oben) vorgestellten Literaturhinweis des Bundesamtes für Naturschutz bezüglich der Eichenförderung in Wäldern innerhalb von Natura 2000-Schutzgebieten besorgen. Mich würde dann nach der Lektüre Ihre Meinung interessieren: Was soll denn auf Auwaldflächen passieren, die nicht zukünftig zur Flutung geeignet sind? Vielleicht können Sie dabei bitte auch einmal auf die Konkurrenzschwäche (Licht) der Eiche außerhalb von Sonderstandorten eingehen! Dabei ist die Rolle des Nährstoffangebotes und dessen Verfügbarkeit sicher interessant…
      Da sind wir auch bei der Beantwortung Ihrer Frage: Ich weiß nicht was der Ökolöwe (meinen Sie die Mitglieder) genau zu den Mittelwaldversuchsflächen meint: Ich selbst finde diesen universitär begleiteten Versuch interessant, da er die historische Nutzungsform simuliert, aus der der heute vorhandene Auwald großflächig hervorgegangen ist. Dabei gibt es jedoch bisher Schwierigkeiten mit dem Ahornaufwuchs – der ja auf den anderen Flächen auch die natürliche Auwaldverjüngung von Lichtbaumarten nahezu verhindert.
      Auf den Versuchsflächen könnte genau das passieren was sie in Ihrem Kommentar anregen. Es könnten u. U. Erkenntnisse zur größtmöglichen Waldschonung und gleichzeitiger Eichenverjüngung entstehen. Dies erscheint mir eine positive Rechtfertigung zu sein…Ich war diese Vegetationsperiode nur randlich dort und kann deshalb nicht weiter vertiefen… Schauen Sie sich auch einmal den überschaubaren Flächenumfang des Versuches an.
      Zu Herr Wohlleben- den ich sehr schätze! War er tatsächlich überall im Auwald unterwegs oder hat er nur die viel zu große Femelfläche in der Nonne gesehen? Entsprechend meinen Informationen hat der Forst in der Nonne selbst geerntetes Saatgut direkt aus dem Auwald zur Vermehrung der Eiche verwendet.
      Die Natura 2000 – Richtlinen haben sich nicht verändert – wohl aber die Rechtsprechung und die Deutung von unbestimmten Rechtsbegriffen. Die historische Fassung der Schutzgebietsordnungen zu den Natura 2000-Gebieten im Leipziger Auwald finden Sie nicht mehr bei Revosax. Sie können mir die Veränderung aber glauben. So wird auch der die Anwendung der guten fachlichen Praxis in der Forstwirtschaft langsam fortgeschrieben. Seit 2018 gibt es – was ich sehr begrüße – das Bialowieza -Urteil. Dies eröffnet zahlreiche juristische Möglichkeiten für Naturschutzverbände. Es wird aber beim anhängigen Verfahren des NuKLA keine Rolle spielen, da der Grundsachverhalt ganz deutlich anders liegt. (Schauen Sie doch mal in das Urteil hinein!) Auf diese Diskussion bin ich sehr gespannt…
      Es stimmt, dass der NuKLA den direkten Vollzug des Forstwirtschaftsplanes als schwebendes Verfahren ausgesetzt hat. Was passiert wenn er nun aber verliert? Dann ist es wohl recht gut wenn die anderen Verbände wie der Ökolöwe etwas ausgehandelt haben….Der Auwald ist der Sieger – und kein Verband!
      Beste Grüße von Sonne

    21. Also, niemand muss hier Panik vor der totaaaaalen Verahornung haben.

      Ich wüsste noch mehr zu vielem aus den Kommentaren über diesem hier zu sagen, aber bevor hier Frau Sonne nicht mehr in den Schlaf kommt vor Ahornangst, werde ich kurz lediglich dazu was sagen.

      Der Bergahorn ist sogar laut Literatur typisch im Leipziger Auwald – und zwar an trockenen Standorten. Wenn ein richtiges entsprechendes mehrwöchiges Hochwasser kommt und flächig langsam zieht, ist der Bergahorn dann auch ganz schnell wieder weg an den betreffenden Stellen. Weil er eben kaum Überflutungen verträgt (im Gegensatz zu manch anderer Baumart). Wenn irgendwo im Auwald also mal mehr oder weniger Bergahörner stehen, liegt das jetzt nur mal an einer trockenen Phase oder eben weil es trockene Stellen im Auwald sind, wo es völlig normal ist, dass da mal ein Bergahorn steht. Selbst jetzt ist der „Verbergahornung“ eine Grenze gesetzt, denn wir haben bspw. gerade die Ahornrußrindenkrankheit. Werte Frau Sonne, fahren oder gehen sie doch mal durch das Rosental oder die Burgaue oder die Nonne, sie werden staunen, wieviele Bergahörner gerade gestorben oder kurz davor sind. Und wenn mal ein Bergahorn überlebt: ist er ein wertvoller Habitatbaum für u.a. eine größere Anzahl von Insekten. Einige findet man auch im Wikipedia-Artikel zum Bergahorn, da können sie das in Windeseile nachlesen und brauchen nicht mal in eine Bibliothek. Wir haben ja Insektensterben usw.: viele Wildbienenarten mögen Bergahorn.

      Der Spitzahorn ist auch kein Grund, sich Nachts zu gruseln und gleich mit Kettensägen durch die Aue zu laufen. Warum? Auch er verträgt kein Wasser, was aber hoffentlich bald wieder kommt. Und wenn nicht… Erstmal ist der Nektar auch des Spitzahorns für viele Insekten wichtig. Zweitens wird der Spitzahorn sowieso nicht groß, egal, wieviele Keimlinge im Wald herumstehen. Warum? Ich zitiere die Universität Göttingen: „Der Spitzahorn ist im Wald eine eher seltenere Baumart, was an ihrem begrenzten Höhenwachstum und dem hohen Lichtbedarf liegen mag. Man findet ihn in Buchen- und Laubmischwäldern, vor allem in Linden-Ahorn- und Eschen-Ahorn-Wäldern.
      Seltener findet man ihn in Braunmull-Buchenwäldern, Kalkbuchenwäldern und Trockenhang-Buchenwäldern. Mit seiner im Vergleich zu anderen Baumarten geringeren Höhe ist der Spitzahorn so gut wie nie vorherrschend. Seine Konkurrenzfähigkeit ist in der Gesamtheit eher als mittelmäßig einzustufen.“

      Also Frau Sonne: der wird gar nicht flächendeckend so hoch im dichten Bestand, und er wird auch wahrscheinlich nie bestandsprägend.

      Zudem erkrankt auch der Spitzahorn an der Ahornrußrindenkrankheit und stirbt hier und da mal ab.

      Es sei denn, gewissen Menschen rennen in die Hartholzaue und lichten alles auf, wie man es auf den Mittelwaldflächen so gut beobachten können. Sowas fördert die Ahörner geradezu in der derzeitigen Phase der menschengemachten Trockenheit der Aue.

      Ja, schauen sie… was sie fordern, wird also logischerweise dazu führen, dass es dann noch mehr Ahorn geben wird, und dass er u.U bei soviel Licht auch groß werden wird.

      Wäre irgendwie blöd, wenn man was tut, um angeblich den Ahorn (sei es Spitz- oder Bergahorn) zu entfernen und dann hinterher feststellen muss, dass man dadurch beste Bedingungen für genau den Ahorn geschaffen hat.

      Also – ich hab es ihnen gesagt.

    22. Hallo M. K. –
      sind Sie eigentlich Mitglied oder Förderer des NUKLA? Ich bin in drei Naturschutzverbänden Mitglied….
      Jetzt haben Sie viele Themen neu eröffnet und Wahrheit mit Interpretationen gemischt. Ihre Unterstellungen gegen andere Verbände kommentiere ich hier nicht. Das ist in meinen Augen kein guter Stil und verdirbt nur die sachliche Auseinandersetzung.

      Zum Inhalt ihres Kommentars:
      Behalten Sie doch einmal die zeitliche Entwicklung des rechtlichen Voranschreitens im Auge. (Ich verweise auf noch einmal auf die Rechtslage zur Genehmigung der Forsteinrichtung! Siehe mein Kommentar oben!)
      Sie haben aber natürlich Recht, dass es im Auwald nach FFH-RL ein Verschlechterungsverbot gibt. Deshalb besteht im Auwald auch forstlicher Handlungsbedarf! Der sich aktuell überall ausbreitende Spitzahorn gehört nämlich nicht zu den charakteristischen Hauptarten bzw. Schutzzielen im Auwald (LRT 91E0 Hartholzaue und 9160 Stermieren-Eichen-Hainbuchenwald). Ich kann nicht glauben, dass der NuKLA eine Ausbreitung der unpassenden Arten und den Rückgang der Biodiversität tolerieren möchte!
      Unter den aktuellen Gegebenheiten ist die Aue trocken! Insofern kann man im Bestand nur mit forstlichen Maßnahmen arbeiten, da es praktisch keine Naturverjüngung der angestrebten Zielart Eiche gibt. Durch die historisch gewachsene Nutzung erscheint es mir derzeit sehr unwahrscheinlich, dass z. B. in der Nonne zukünftig großflächige Überflutungen stattfinden werden.
      Nehmen Sie doch bitte hier nun endlich einmal fachlich Stellung zur Förderung der Lichtbaumart Eiche. Und was passiert denn, wenn der sich ausbreitende Ahornwald bald länger geflutet werden sollte? Die neuen Eichen werden bei Überflutungstoleranz (5) überleben …
      Es wird zukünftig auch leider nur in ausgesuchten Bereichen Überflutungen geben können. Was wird aber zukünftig mit dem restlichen Auwald. Ich freue mich dort keinesfalls auf einen gleichaltrigen und relativ artenarmen Ahornbestand! Und Sie?
      Wie wollen Sie denn persönlich mit dem Eschentriebsterben verfahren? Einfach wegsehen und warten? Das Ergebnis wird Ihnen wohl kaum gefallen und den LeipzigerInnen vermutlich auch nicht! Die mittelalten Eschenbestände fallen großflächig komplett aus! Die Ulme stirbt auch schon jung …Es ist zum Verzweifeln!
      Sie wissen sehr gut, dass alle Verbände seit Jahren für die Wiedervernässung der Aue arbeiteten und auch schon direkte Klagen gegen die Deichausbauten in Leipzig (gegen Stadt und Freistaat) anstrengten.
      Lassen Sie die Klage des NUKLA doch bitte in Netz stellen, damit sich die BürgerInnen und Spender die sehr interessante rechtliche Konstruktion durchlesen können. Der NUKLA hat bei seiner Klage schlicht keine Antragsbefugnis und steht auch inhaltlich auf sehr wackeligen Beinen. Deshalb ist das Bedrohungspotential auch ziemlich harmlos.
      Auf diesen stehenden Zug muss also niemand aufspringen! Der Neuling NuKLA probiert nun auch einmal eine Klage – warum nicht?! Die Verbände machen Ihre Arbeit und versuchen jeder auf seine Weise das Beste für den Naturschutz herauszuholen. Stellen Sie sich einmal vor wie die verschiedenen Rollen der einzelnen Verbände harmonieren könnten!
      Zur Arbeit der Naturschutzverbände: Schauen Sie einmal auf die Homepage des Ökolöwen. Dort sind seit 2018 die aktuellen und damit belastbaren Kartierungen der Mopsfledermaus als Karte dargelegt. Diese hat der Ökolöwe selbst erhoben. Der NABU hat im Übrigen ähnliche Nachweise vorliegen. Zeigen Sie doch bitte Vergleichbares vom NuKLA – bitte mit Rufauswertung der Ultraschallaufnahmen! Zu den anderen Arten lieferten alle anderen Verbände auch stichprobenartige Artenuntersuchungen – im Übrigen vor den Gehölzfällungen! Man wollte also nicht die Forstbehörde vorführen – sondern den wertgebenden Arten tatsächlich helfen! Na sowas!
      Hier sind wir bei der einstimmigen Trennung der Naturschutzverbände vom NUKLA angekommen: Eine leitende Person des Verbandes hat sich im Umgang mit den anderen Verbänden schlicht nicht an die Absprachen gehalten und ist regelmäßig verfrüht und im Alleingang an die Presse gegangen. Dazu kamen die dokumentierten Beleidigungen gegen Menschen aus der Stadtverwaltung. Wie soll da eine Zusammenarbeit möglich sein, wenn der Stil nicht stimmt? Ihre hier dargelegte Opferkonstruktion glauben Sie doch selbst nicht. Der NuKLA wird von den anderen Naturschutzverbänden gemieden, weil er so viel für den Auwald tut? Was ist das für eine Logik?
      Im Übrigen wundert mich (vielleicht wirklich blauäugig), dass sich Ihr Lieblingsverband von Frau RA Hess (Landesvorstand des BUND Sachsen) anwaltlich vertreten lässt, wenn es doch so eine harte Konkurrenz zwischen den Verbänden gibt! Oder weiß Frau RA Hess am Ende, dass diese Klage zahnlos ist? (Sonst hätte ja auch Ihr eigener Verband erfolgreich klagen können? Oder?)
      Schauen Sie doch mal ganz genau ins sogenannte Lübecker Modell hinein und arbeiten Sie wirklich alle Regelungen umfassend und vergleichend ab. Im Lübecker Stadtwald bleiben jedenfalls nicht alle Starkbäume stehen. Sie werden forstlich verwertet und verkauft. Dort muss auch nicht gefemelt werden, weil es sich überwiegend um einen Buchenwaldtyp (schattenverträglich bei der Naturverjüngung) handelt! Also differenzieren Sie bitte!
      Vergleichen Sie einmal (bitte ohne Polemik) den Kern des Lübecker Modells mit dem Kompromiss des Ökolöwen. Bitte stellen Sie keine Unfälle bei den Forstarbeiten als absolutes Standardhandeln dar! Der Stadtwald Leipzig hat einen FSC – Standard!
      Es gibt verschiedene Wege die nach Rom führen!
      Wenn die Klage des NUKLA wahrscheinlich scheitert, haben die anderen Leipziger Naturschutzverbände und der politisch clevere Ökolöwe doch ein ordentliches Ergebnis für den Auwald herausgehandelt. (Oder darf nur der NuKLA erfolgreich sein?)
      Wenn es für den Naturschutz besser wird, finde ich das prima. (Deshalb auch die Mitgliedschaft in drei Verbänden. ) Also: Danke Ökolöwe – das Ergebnis zählt!
      Beste Grüße – Sonne

    23. Liebe Sonne,

      immer wieder das gleiche, gegenüber NuKla wird mit pauschalen Unterstellungen gearbeitet (Zitat hier: „Es fehlt bei diesem Verein regelmäßig die Anerkennung der naturschutzfachlichen Grundlagen zur Waldentwicklung.“). Vielleicht einfach mal lesen, was dieser Verein so alles schreibt, mit viel fachlichem Know-How. Waren Sie, liebe Sonne, z.B. beim Auwaldsymposium, da hätten Sie sogar mit Experten wie Knut Sturm, Dr. Lutz Fähser und Prof. B. Gerken diskutieren können. Wohl nicht…
      Wer verprellt hier bitte wen??

      Vielleicht auch mal die vielfältige Quercus-Literatur lesen, die ist sehr spannend und da zeigt sich z.B. , dass die Eiche gar nicht so lichtgierig ist, dass auch kleine Lichtschächte zur Naturverjüngung ausreichen usw. usf.. Dann kann mal sicherlich trefflich diskutieren. Vieles weiß man auch noch gar nicht, was v.a. daran liegt, dass die Forstwirtschaft fast immer und überall die natürliche Waldentwicklung unterbricht (durch Holzernten) und somit dann die natürliche Sukzessionsabfolge (v.a. die spannende nach natürlicher Zerfallsphase) gar nicht ablaufen kann (die sicherlich auch Eiche selbst in einer trockenen Aue beinhalten würde).
      Aber einfach immer in das Jagdhorn der Förster blasen, das ist echt etwas mager.

      Bei Ihren Diskursen über die vorbildlichen Vereinbarungen des Ökolöwen mit Stadtforsten (still war sie tatsächlich… im stillen Kämmerlein ausgekungelt und das Ergebnis in der Schublade versteckt…und noch ein paar Seiten gelöscht auf der eigenen homepage…, der Fällstopp 2018 wurde durch NuKla erreicht!), die angeblich über das Lübecker Modell hinausgehen, bleibt mir nur die Spucke weg. Solche Behauptungen sind einfach nur infam. Da kann ich m.k. nur völlig anschließen. Aber vielleicht wissen Sie auch gar nicht, was das Lübecker Modell überhaupt ist?

      Aha, 2017 ist einiges schiefgelaufen, da ist die Kettensäge entglitten und plötzlich waren 0,8 ha Wald niedergerodet. Und in dem Femelloch an der Friesenstraße stand auch kein einziger Biotopbaum auf der Femelfläche, aha, immerhin mal eine Einlenkung, denn bislang wurde selbst das immer verteidigt (so weit ich weiß auch vom Ökolöwen).

      Mit der Rechtslage scheinen Sie ja auch nicht so ganz vertraut zu sein, oder was sollte sich da verändert haben (keine Panik, brauchen Sie nicht zu suchen, es hat sich nichts verändert). Vielleicht soll ja die tolle Vereinbarung zwischen Ökolöwe und Stadtförsterei eine solche sein….

      Aber es geht ja auch um viel mehr. Diese plantagenartigen Kunstverjüngungen, die Sie ja anscheinend immer noch propagieren, für die FFH-Lebensraumtyp mit gutem Erhaltungszustand gerodet werden, können sich nie zu einem strukturreichen Wald entwickeln. Ein Auwald oder Eichen-Hainbuchenwald besteht aus viel mehr als einer Altersklassenmonokultur, auch wenn dies Stieleiche ist. Jeder, dem ich das gezeigt habe und der ein bißchen Verständnis für Natur hat, hat das sofort verstanden; dazu braucht man gar nicht mal zu studieren (ich habe allerdings). Wie Peter Wohlleben so schön sagt (den versucht man ja auch immer zu verunglimpfen mit falschen Unterstellungen, was dann immer voll nach hinten losgeht, echt lustig!): Gesunder Menschenverstand kann ein ganzes Forstwirtschaftsstudium ersetzen (in Hinsicht auf Verständnis ökologischer Zusammenhänge).

      Und hat sich der Ökolöwe eingentlich mal zur Mittelwaldumwandlungsfläche geäußert, sich das überhaupt mal angesehen? Kritik an dieser Ahornkatastrophe habe ich vom Ökolöwen indes noch nicht dazu gehört. Also bitte mal eine Position dazu!!!

    24. Sehr geehrteR Frau/Herr Sonne, danke für Ihren Kommentar! Der mir Gelegenheit gibt zu präzisieren.
      Zu allererst meine Frage: wo genau haben Sie „Hass“ entnommen? Bitte glauben Sie mir, ich bin eher fassungslos als irgendetwas anderes. Ein solch gravierender Affekt wie Hass bedarf einer emotionalen Ladung, die nur bei sehr inniger (und ent-täuschter) Verbindung entsteht, und ist mit einem Energieaufwand verbunden, den ich dafür nicht aufbringe. Ich habe Fakten aufgezählt. Vielleicht jedoch nicht ganz ohne Ärger, da gäbe ich Ihne recht, denn es ist schon etwas merkwürdig, wenn ein Verein, der seit Jahren kritiklos den FWPs zustimmt, noch dazu im Rahmen einer Geschlossen Veranstaltung (der AG Stadtwald), der auf seiner Webseite und in Newslettern immer mal wieder die Richtigkeit der Baumfällungen bestätigt, letzthin auf besagten Schildern in der Nonnen (also ganz genau da, wo lt. Ihrer Aussage Stadtforsten ein bedauerlicher Fehler unterlaufen sein soll!? – den dann Ökolöwe, NABU und BUND zusammen mit dem Oberförster und Herrn Rosenthal den BürgerInnen feierlich als richtig verkaufen??) ganz plötzlich und rein zufällig zeitlich korellierend mit einer neuen Qualität der öffentlichen Aufmerksamkeit bezogen auf das Thema, eine 180 Grad-Wende aufs Parkett legt – was ich ausdrücklich begrüße!, dabei aber so tut, als hätte er niemals etwas anderes gesagt – was nicht stimmt. Ist das Hass? ´
      Die rechtlichen Vorgaben sind, auch ohne Urteile, klar und vom Gesetzgeber geregelt: es gibt ein Verschlechterungsverbot für EU-geschützte Gebiete. Und das (wirtschaftlich) sinnlose Einschlagen von Biotopbäumen ist eine Verschlechterung. Dafür bräuchte es keine Urteile – außer anscheinend in Leipzig. Dass 2018 (also nachdem sich „die Verbände“, welche?, „nachsteuernd“ eingeschaltet haben!) im FFH- und SPA-Gebiet Burgaue erneut Biotopbäume gefällt werden sollten, kann man tatsächlich heute noch sehen: mit §-Zeichen markierte Bäume wurden vom Förster mit dem Fäll-Querstrich markiert. Dabei ist die Reihenfolge der Markierungen relativ egal: Tatsache ist, dass Bäume, die Biotopbäume sind, nach den von Ihnen beschriebenen Aktivitäten vor allem des Ökolöwen zum Fällen markiert wurden! Diese Bäume stehen heute nur noch, weil ein Verein (nicht Ökolöwe) via Einstweilige Anordnung verhindert hat, dass durch diese Fläche mit höchstem Schutzstatus die Harvester fahren dürfen. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.
      Wenn Sie meinen, dass „seit 2018 … nun eventuell auch rechtlich etwas anderes möglich“ sei, darf ich doch fragen: wieso seit 2018? Da hat sich nach meiner Kenntnis an der Rechtslage absolut nichts geändert – außer der Klage von NuKLA. Deren Scheitern Sie (etwas voreilig) als endgültig definieren. Gescheitert ist NuKLA in der 1. Instanz – in Leipzig. Es hat sich doch herumgesprochen, dass die weitergehen werden bis zum Ende. DANN kann gesagt werden, wer „gescheitert“ ist. Also an der Stelle, finde ich zumindest, ist etwas Zurückhaltung durchaus angemessen.

      Da Sie es erwähnen: wieso wird denn nicht geflutet? Potential dafür ist vorhanden. Allerdings will die Stadtverwaltung darüber „in 50 Jahren nachdenken“ – obwohl doch das als erforderliche Maßnahme schlechthin von allen immer wieder ins Feld geführt wird. Wo es dann wieder merkwürdig wird: die Brückeneubauten in der Nordwestaue (für eine Wiederherstellung von Auendynamik prädestiniert), die bekanntermaßen so angelegt sind, dass sie potentielle Flutungen noch mehr verhindern werden als die abgerissenen Brücken, wurden von der Stadtverwaltung so durchgewinkt. ?? Aber das ist ein anderes Thema.

      Die Vereinbarung zwischen Ökolöwen und der Stadt Leipzig (die übrigens Geldgeber des unabhängigen Ökolöwen ist) sei einzigartig? Und gehe über das Lübecker Modell hinaus? Diese Behauptung veschlägt (sogar) mir die Sprache. Bitte zeigen Sie mir, an welchen Stellen genau das so ist! Und wenn diese großartige, einmalige und richtungsweisende Vereinbarung seit 2018 existiert, wieso muss sie dann jetzt, Ende 2019, „nur noch an den aktuellen Forstwirtschaftsplan 2019 angehangen werden“? Obwohl der in seiner jetzigen Fassung, ohne diese wundervolle, alles rettende Vereinbarung, bereits dem Stadtrat zur Zustimmung vorgelegt wurde?
      Abgesehen davon, dass das alles nichts nützt, weil Papier geduldig ist und in Leipzig keiner kontrolliert, was tatsächlich im Wald passiert, wo dann, wer auch immer, Bäume mit gleich 4 §-Zeichen trotzdem fällt, das ist dokumentiert. In Lübeck, da Sie es ansprechen, steht der Förster höchstselbst neben JEDEM (auch neben jedem der lediglich 5 namentlich bekannten Selbstwerber übrigens, in Leipzig sind das weit über 100), der dann einen (in Zahlen: wirklich nur 1) Baum fällen darf.

      Das vergaß ich: die Verbände stehen selbstverständlich im Wettbewerb: um Mitglieder, Spenden und Fördermittel. So zu tun, als ob das nicht so wäre, ist etwas blauäugig. Und: die Leipziger Verbände haben jeder sein eigenes Profil und eigene Schwerpunkt und trotzdem sehr wohl zusammengearbeitet und fachlich fundierte gemeinsame Positionspapiere zum Floßgraben, zur Burgaue und zum WTNK erarbeitet und der Stadtverwaltung vorgelegt (ohne beachtenswerte Ergebnisse leider). Diese Zusammenarbeit wurde abrupt beendet, als ein Verein anfing, entgegen den Leipziger Gepflogenheiten die Altbaumbestände im geschützten Auwald schützen zu wollen…

      Sie können nun gern widersprechen.

    25. Ja Sonne, sehr gut herausgearbeitet. Sicherlich wollt ihr das, was NuKLA möchte „irgendwie“ auch. Leider aber verhalten sich die, die das angeblich auch wollen nicht entsprechend. Sitzen sie doch allesamt an des Försters Katzentisch (AG Stadtwald) und miezen im den Förster rum..
      Nach dem Motto, retten was zu retten ist. Oder schnell noch auf den fahrenden Zug aufspringen, so liest sich der Sonnentext…

    26. Hallo M.K.,
      was ist Ihnen eigentlich mit Ihnen los? So viel Hass und Unterstellung gegen den Ökolöwen? Stehen die Verbände im Wettbewerb – wer war zuerst da? Wer hat das alleinige Kommunikationsrecht zum Auwald!
      Der NUKLA hat zweifelsohne auch Verdienste… Sein Führungspersonal verhält sich aber im politischen Raum – milde ausgedrückt – recht ungeschickt und hat nach anfänglichen Jahren der Zusammenarbeit die anderen Naturschutzverbände verprellt. Es fehlt bei diesem Verein regelmäßig die Anerkennung der naturschutzfachlichen Grundlagen zur Waldentwicklung. So verweigert der NUKLA seit Jahren, dass die Lichtbaumart Stieleiche zur Verjüngung Femellöcher von 0,1 bis 0,3 ha Größe braucht. (siehe dazu: Schriftenreihe des Bundeamtes für Naturschutz Nr. 131 – Natura 2000 im Wald. S. 199 ff. ) – Noch besser wären natürlich zyklische Überflutungen….
      Die meisten Leipziger Naturschutzverbände wie NABU, BUND und Ökolöwe gehen übrigens seit vielen Jahren ehrenamtlich durch den Leipziger Auwald und stimmen mit der Forstbehörde ökologische Maßnahmen bei der Bewirtschaftung ab und machen dabei weit weniger Lärm!
      Das die Leipziger Naturschutzverbände sich nun seit 2018 kritischer zum Thema Forstwirtschaft aufstellen, liegt vermutlich an folgenden Sachverhalten:
      Im Jahr 2017 ist bei der Bewirtschaftung einiges schiefgegangen. Entstanden ist u. a. ein zu großes Femelloch in der Nonne. Auch wurden Bäume entnommen, die erhaltenswert waren. Also steuerten die Naturschutzverbände inhaltlich nach.
      Besonders beachtenswert ist, dass zum Zeitpunkt der Genehmigung der Forsteinrichtung (dem relevanten Verwaltungsakt) die Forstwirtschaft pauschal selbst in den Schutzgebietsverordnungen (alt) von fast allen Soll-Maßnahmen des Naturschutzes freigestellt war! Es gab auch noch keine verwendbaren europäischen Urteile, die das (sicher falsche) nationale Recht eingeschränkt hätten. So hat man in Leipzig auf lautlose Absprachen zwischen den Naturschutzverbänden und dem Forst gesetzt und ein überwiegend nach bestem Wissen recht gutes Ergebnis für den Naturschutz erzielt.
      Seit 2018 ist nun eventuell auch rechtlich etwas anderes möglich. Mit diesem Hintergrund können die Naturschutzverbände nun aktuell und in der Zukunft weitere fachlich sinnvolle Maßnahmen durchsetzen.
      Die NUKLA-Klage gegen die Leipziger Forstwirtschaftsplanung 2018 war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der relevante Verwaltungsakt – Forsteinrichtung – wurde vor Jahren noch nach alter Rechtslage erlassen und besitzt jetzt seit Jahren Bestandskraft und damit Vertrauensschutz! Hier ist nichts zu gewinnen – außer vielleicht viel öffentlicher Aufmerksamkeit!
      Schauen Sie einmal auf die Homepage des Ökolöwen. Dort ist mit Datum 2018 zwischen Ökolöwe und Forstbehörde auf der Arbeitsebene eine Einigung entstanden, die in Deutschland einzigartig ist. Sie geht teilweise auch über das Lübecker Modell (z. B. Starkbäume können einfach bis zum Absterben stehen bleiben!) hinaus und passt gut zu dem nach FSC-Standard zertifiziertem Leipziger Auwald! Jetzt müssen die Ergebnisse und Einigungen nur noch an den aktuellen Forstwirtschaftsplan 2019 angehangen werden. So kann die inhaltlich-rechtliche Lücke zwischen Forsteinrichtung (alt) und Forstwirtschaftsplan (2019) vom Leipziger Stadtrat auch ohne Klage geschlossen werden.
      Es würde mich freuen, wenn Sie hier in Zukunft mit gutem Willen unterwegs sind. Es gibt noch andere Wege als die unmittelbare Konfrontation ….
      Ich vermute auch wir wollen im Grunde im Grunde das Gleiche für den Naturschutz!
      Viele Grüße – Sonne

    27. Liebe Autor dieses Beitrages, was ist denn hier dem erfahrenen Rethoriker für ein Freudsches Fehlerchen unterlaufen: „nun seit Jahren versucht der Ökolöwe“ naturschutzfachliche Standarts in den FWP zu bekommen. Was denn nun: „nun“ (also jetzt, jetzt endlich!) oder „seit Jahren“ (also schon quasi immer, was eine schlichte Lüge wäre – ob vom Autor oder vom Ökolöwe, das erkennt man nicht – da auch der Ökolöwe in der AG Stadtwald IMMER den Forstwirtschaftsplänen zugestimmt hat!)??
      Die Forstwirtschaftpläne werden überhaupt erst seit 2017 dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt, seit NuKLA aufgedeckt und veröffentlich hat, dass bis 2017 alle FWPs gesetzeswidrig nur in der AG Stadtwald „abgestimmt“ wurden (unter Beteiligung und mit Zustimmung des Ökolöwen!). Jetzt, wo die Luft knapp wird, NuKLAs Klage in der 2. Instanz ist (und auch weiter geführt werden wird) und auch die breite Öffentlichkeit sich besorgt zeigt und deren Mailfluten an Verwaltung, OBM und Umwelt-BM in der letzten Woche deren Postfächer zum Explodieren brachten, JETZT kommt der Ökolöwe aus dem Busch, hinter dem er sich, gern die leisen Töne im Umgang mit der Stadtverwaltung pflegend (wie andere übrigens auch), gemütlich eingerichtet hatte??
      Lieber Ökolöwe: der Leipziger Auwald braucht keine Forstwirtschaftspläne, sondern wenn überhaupt, ausschließlich naturschutzfachliche Pflege; eigentlich braucht er nur Wasser (da seid Ihr ja endlich auch etwas nachdrücklicher dabei) und seine Ruhe.
      Und „naturschutzfachliche Auflagen“ fehlen nicht etwa nur in diesem FWP (so klingt es nämlich im Artikel): sie fehlten in ALLEN bisherigen – denen Ihr IMMER zugestimmt habt!
      Die „Menge artenschutzfachlicher Nachweise“, die nunmehr für die Nonne vorliegen, wer hat die denn erbracht?? Da sind Leute von NuKLA wochenlang ehrenamtlich durch die Flächen gelaufen und haben die Arten nachgewiesen und das gemeldet. Alle diejenigen, die von anderen Verbänden (?) dort vorher naturschutzfachlich (im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Stadt bzw. dessen Förster) zu Gange waren, haben anscheinend nichts gefunden – sonst hätten sie es niemals zu den massiven Fällungen (denen sie zugestimmt haben – man kann es nicht oft genug wiederholen!) dort kommen lassen dürfen.
      Und, das ist nun der Hammer, JETZT, wo die Klage und die bundesweit, auch fachlich unterstützten Aktivitäten von NuKLA dafür sorgen, dass eine Zustimmung a la DDR wie 2018 (100% – bis auf die Enthaltungen der AfD) für den FWP im Stadtrat in diesem Jahr nicht mehr so sicher ist, JETZT stolziert der Ökolöwe auf den Plan und rettet die Welt. Denn bis dato klangen die Statements zum Thema immer völlig anders. Man erinnere sich nur an die Schilder, die an der Nonne im Namen „aller anerkannten Verbände“ aufgestellt und unter persönlicher Anwesenheit von Umwelt-BM und GF des Ökollöwen feierlich mit Pressefoto enthüllt wurden, um die Bürger, die entsetzt waren über die Fällungen dort, zu beruhigen – stehen die eigentlich noch??
      Ganz großes Kino, lieber Ökolöwe.

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