Verwaltung hält an möglicher Bebauung des Johannisplatzes fest

Für alle LeserEigentlich hatte Ute Elisabeth Gabelmann, als sie noch Stadträtin war, nur beantragt: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, den Bebauungsplan des Johannisplatzes dauerhaft so zu gestalten, dass eine Bebauung mit einem aufragenden Gebäude und insbesondere die Abholzung der Kirschbäume ausgeschlossen ist.“ Aber ihr Anliegen wollte das Dezernat Stadtentwicklung und Bau nur zu gern ein bisschen missverstehen: Hilfe, ein Bebauungsplan!
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„Mit dem vorliegenden Antrag soll die Aufstellung eines Bebauungsplanes veranlasst werden, der eine Bebauung des Johannisplatzes dauerhaft ausschließt und die vorhandenen Baumstandorte planungsrechtlich sichert. Begründet wird dies mit der Beliebtheit des Grünraumes und der Sichtbarkeit des Grassimuseums, die aus Sicht der Antragstellerin schwerer wiegen als der Wunsch nach einer Wiederherstellung kriegszerstörter Stadtstrukturen“, fasst das Dezernat für sich zusammen, was es aus dem Antrag herausgelesen hat.

Aber man möchte doch gern an dem festhalten, was man den Stadtrat vor 17 Jahren dazu hat beschließen lassen, und empfiehlt die Ablehnung des Antrags.

„Sowohl die Platzfläche als Teil des Flurstücks 3996/1 und das Flurstück 1494 der ehemaligen Johanniskirche befinden sich im Eigentum der Stadt Leipzig. Ob und wie weit die Platzfläche überbaut wird, liegt also allein im Ermessen der Stadt Leipzig und kann durch einen Beschluss des Stadtrates entschieden werden. Das Verfahren zur Erstellung eines Bebauungsplans wäre mit einem hohen Aufwand verbunden und bindet über mehrere Jahre personelle Ressourcen, ist aber für diese Grundsatzentscheidung nicht erforderlich“, erläutert das Dezernat, warum man hier lieber keine B-Plan-Entwicklung anschieben möchte.

Und zur Bebauung des Platzes verweist man auf einen Beschluss aus uralten Zeiten:

„Zur Entwicklung des Johannisplatzes hat die Ratsversammlung bereits im Oktober 2002 mit RB III-1136/02 folgenden Beschluss gefasst:

Bis zum Jubiläum ,600 Jahre Universität Leipzig‘ im Jahre 2009 erfolgt eine würdige Gestaltung der Achse Universität/Augustusplatz-Johannisplatz-Grassimuseum mit dem Schwerpunkt einer Neugestaltung des Johannisplatzes.

Die Gestaltung des Johannisplatzes soll sich an der ursprünglichen baulichen Situation orientieren, das bedeutet Bebauung mit einer vertikalen Dominanten,

– vorzugsweise in Form des Wiederaufbaus des Johanniskirchturmes,

– alternativ in Form einer architektonisch modernen Nachempfindung dieser baulichen Situation.

Das so entstehende Gebäude soll den Charakter einer öffentlichen Ausstellungs- und Begegnungsstätte erhalten und u. a. dazu dienen, Objekte aus den Sammlungen des Grassimuseums, geborgenen Kunstschätze der Johanniskirche und ggf. der Paulinerkirche zu präsentieren.

Für die Realisierung des Vorhabens sind Sponsoren zu gewinnen.“

Das ist so nicht gekommen. Kein Sponsor hat sich gefunden und auch kein Planer zum Wiederaufbau des Johannisturmes. Aber Verwaltungen geben niemals auf. Auch nicht die Leipziger.

„Aus Sicht der Verwaltung gibt es derzeit keinen Anlass, diesen Ratsbeschluss zu ändern“, meint das Baudezernat. „Die 2002 beschlossene bauliche Perspektive ist städtebaulich weiterhin wünschenswert. Eine Diskussion zur konkreten Ausgestaltung des Beschlusses ist erst dann sinnvoll zu führen, wenn es ernsthafte Nutzungsüberlegungen gibt. Der vorhandene Baumbestand kann zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt werden. Ein Bebauungsplan ist nur erforderlich, wenn die Genehmigungsfähigkeit einer von der Stadt Leipzig angestrebten Bebauung nach § 34 BauGB nicht gegeben ist.“

Zuletzt wurde ja schon emsig überlegt, auf dem Platz zusätzliche Baulichkeiten für das Grassi-Museum zu schaffen. Sichtlich versucht sich die Verwaltung hier einen Raum für eigene Entscheidungen zu sichern, ohne sich vom Stadtrat binden zu lassen. Ein Beschluss, die Grünfläche nicht zu bebauen, würde solche Überlegungen natürlich beenden.

Piraten-Stadträtin beantragt die Bewahrung des kirschbaumgesäumten Johannisplatzes

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