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Stadtrat entscheidet im nächsten Doppelhaushalt, ob der Paternoster im Neuen Rathaus eine Generalkur bekommen kann

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    Er ist ein Relikt, ein geradezu museales Teil: der Paternoster im Neuen Rathaus, 1986 in seiner jetzigen Form gebaut und zuletzt besonders durch allerlei Wehwehchen in der Presse. Im Frühjahr 2019 musste er über Wochen stillgelegt werden, weil Teile völlig verschlissen waren. Damals wurde er noch relativ preiswert repariert. Aber das sichert nicht seine Zukunft. Im Februar wandte sich deshalb die Linksfraktion mit dem Alarmruf an die Welt: „Rettet den Paternoster!“

    Ein zumindest erstaunlicher Ausruf aus einer zumeist atheistischen Partei. Aber der Fraktion ging es wirklich um den zunehmend ruckelnden und ächzenden Paternoster im Neuen Rathaus: „Der Paternosteraufzug im Leipziger Rathaus ist einer der letzten öffentlich zugänglichen und potenziell funktionstüchtigen Paternoster in Deutschland. Er ist hierbei sowohl Besuchermagnet im Leipziger Rathaus als auch historisches Relikt in einem. Es ist daher unsäglich, wenn dieser historisch wertvolle Aufzug öfter länger nicht genutzt werden kann.

    Kurzzeitige Reparaturen werden den erhöhten Investitionsbedarf sicherlich nur kurzzeitig lösen. Daher muss geprüft werden, inwiefern eine Instandsetzung notwendig ist. Der Erhalt dieses Aufzugs ist auch ein Erhalt von Geschichte und zugleich die Förderung von Tourismus. Da es sich hierbei auch um ein Projekt der Tourismusförderung handeln könnte, ist zu prüfen, inwiefern die Gästetaxe hierfür verwendet werden kann.“

    Die anderen Paternoster, die es in Leipzig gab, sind in den letzten Jahren alle verschwunden. Aus Sicherheitsgründen dürfen auch keine neuen gebaut werden. Da konzentriert sich die Hoffnung der Paternoster-Freunde natürlich auf den im Neuen Rathaus, der im Juni des vergangenen Jahres noch relativ schnell repariert werden konnte.

    „Die Verwaltung hat bereits auf die Anfrage VII-F-00836 im Stadtrat geantwortet, dass aufgrund der zuletzt aufgetretenen Störung eine Generalreparatur des Paternosters beauftragt wurde. Diese ist abgeschlossen und der Paternoster wieder in Betrieb“, schreibt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau als Stellungnahme zum Antrag der Linksfraktion aus dem Februar. Bei der Reparatur wurde dann sichtbar, wie der Paternoster unter paternostertypischen Verschleißerscheinungen leidet.

    „Bei der Generalreparatur wurde festgestellt, dass für eine langfristig verkehrssichere Nutzung weitaus mehr Maßnahmen erforderlich sind, als die jetzt bereits instandgesetzten Komponenten. Viele technische Teile des Paternosters sind nach 34 Jahren Dauerbetrieb seit der letzten Generalinstandsetzung verschlissen und bedürfen einer Erneuerung. Hiervon betroffen sind u. a. die Kette, die Polygonräder, die Antriebswellen, die Kabinenaufhängung, die Kabinenführung, der Motor und das Getriebe“, schreibt das Planungsdezernat.

    „Ein Weiterbetrieb im aktuellen Zustand ist derzeit möglich, eine neuerliche Generalinstandsetzung aber notwendig, um den letzten funktionierenden Paternoster in Leipzig auch auf längere Sicht zu erhalten. Ein detailliertes Angebot hierfür liegt dem AGM bereits vor. Das AGM hat zudem den Wartungsvertrag bereits auf vier Jahreswartungen über eine Dauer von fünf Jahren erweitert.“

    Das AGM ist das Amt für Gebäudemanagement.

    Und das sieht schon im nächsten Jahr die Möglichkeit, die Generalinstandsetzung in die Tat umzusetzen: „Eine Generalinstandsetzung des Paternosters wird bis Ende 2021 angestrebt, steht aber unter dem Vorbehalt der Möglichkeit, die dafür notwendigen Mittel im kommenden Haushalt bereitzustellen.“

    Denn noch ist ja die Beschlussfassung des nächsten Leipziger Doppelhaushalts 2021/2022 völlig offen. Noch kann auch niemand abschätzen, wie stark die Corona-Belastungen auf diesen Haushalt durchschlagen werden.

    Andererseits wäre die Instandsetzung des Paternosters ein durchaus überschaubarer Posten. Das Planungsdezernat rechnet mit einem Aufwand von 460.000 Euro. „Zu prüfen ist noch, ob eine Vorhaltung von Verschleißteilen als Ersatzteile sinnvoll ist. Hierfür sind dann zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von ca. 40.000 € erforderlich, sodass sich eine Gesamtsumme von 500.000 € ergibt.“

    Aber ein Finanztopf, den die Linksfraktion vorgeschlagen hatte, steht für diese Maßnahme nicht zur Verfügung: „Eine Finanzierung über Einnahmen der Gästetaxe ist nicht möglich, da der Paternoster nicht überwiegend der touristischen Nutzung, sondern den Beschäftigten im Neuen Rathaus dient. Ob die Mittel im kommenden Haushalt bereitgestellt werden können, muss im Kontext der finanziellen Auswirkungen der Pandemie auf den Haushalt entschieden werden. Eine Nicht-Bereitstellung kann, so der Paternoster wieder ausfallen sollte, ggf. auch zu einer zeitweiligen Stilllegung führen.“

    Montag, der 22. Juni 2020: Tödliche Unfälle überschatten den Tag

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