Die Protected Bikelane auf der Zeppelinbrücke hat die Situation für Radfahrer/-innen nur noch verschärft

Für alle LeserKnapp zwei Wochen gibt es nun auf der Zeppelinbrücke das, was Leipzigs Verkehrsplaner eine Protected Bikelane nennen. Was aber Radfahrer vor noch mehr Rätsel stellt. Als hätte hier wieder nur ein Autofahrer lauter Versatzteile aus dem Katalog in die Straße gesetzt ohne auch nur ein Gefühl für das Erleben des Verkehrs aus Radfahrer-Perspektive. Ein L-IZ-Leser hat sich das neue Werk einmal angetan und in einer Bildershow sichtbar gemacht, was alles ungeklärt ist und damit wahrscheinlicher macht, dass hier bald das zweite Weiße Fahrrad steht.
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„Die seit Monaten angekündigte Fahrradspur, die den schmalen Fußweg auf der Zeppelinbrücke entlasten soll, wurde endlich gebaut und ich bin froh, dass es seitens der L-IZ kein vorschnelles, überschwängliches Statement dazu gab“, schreibt er uns dazu.

„Meine täglichen Beobachtungen als Radfahrer zeigen eher, dass vor allem das offene Ende des Radweges (stadtauswärts) äußerst gefährlich gestaltet ist, und der Palmengarten für nicht-lebensmüde und weniger geübte Radfahrer/-innen jetzt noch schlechter zu erreichen ist als zuvor. Ebenso wird dem Autofahrer im Cottaweg immer noch nicht geholfen, die Stopp-Situation frühzeitig zu erkennen – aber sehen Sie selbst.“

Seine Bildershow im PDF kann man hier öffnen.

„Ich würde mir große Vorwürfe machen, wenn ich Ihnen die im Anhang befindliche Präsentation nicht gesendet hätte und das nächste weiße Fahrrad aufgestellt werden muss. Das ganze Vorhaben wirkt vom Waldplatz bis zum Capa-Haus wie ein vergiftetes Geschenk, das an alle gerichtet ist, die gerne Rad fahren oder den Radverkehr für eine breitere Zielgruppe attraktiv machen möchten“, schreibt er dazu. Und fragt: „Ist denn bezüglich des Radverkehrplanes 2020 oder wie das Ding heißt, ein Format geplant, bei dem man sich als ,normaler‘ Radfahrer in die Planungen einbringen kann?“

Normalerweise ja, könnten wir da schreiben. Nur ist der neue Radverkehrsentwicklungsplan seit mindestens einem Jahr überfällig. Der alte (2010–2020) läuft aus. Und gleichzeitig scheint auch noch ausgerechnet die Stelle auszulaufen, die die Stadt zur Erarbeitung des neuen Radverkehrsentwicklungsplans befristet eingerichtet hat. Das thematisiert gerade die Linksfraktion im Stadtrat mit einer Anfrage, auf die die Antwort noch aussteht.

Radverkehrsentwicklkungsplan 2010 - 2020: Die Führungsmängel im Hauptnetz Radverkehr. Die Jahnallee gilt hier (grün) als vorbildlich. Karte: Stadt Leipzig

Radverkehrsentwicklungsplan 2010–2020: Die Führungsmängel im Hauptnetz Radverkehr. Die Jahnallee gilt hier (grün) als vorbildlich. Karte: Stadt Leipzig

Und wer in den gültigen Radverkehrsentwicklungsplan schaut, sieht, warum die städtischen Verkehrsplaner glauben, dass an der Jahnallee von der Angerbrücke bis zum Waldplatz alles in Ordnung ist. Sie haben die Strecke grün eingemalt in ihr Straßennetz mit „Führungsmängeln“.

Nur die Innere Jahnallee haben sie lila gemalt, was bedeutet, dass diese Strecke um drei Stufen von den Empfehlungen für sichere Radwege abweicht. Da der Plan 2012 beschlossen wurde, weiß die Stadtverwaltung mindestens seit acht Jahren, dass sie hier handeln muss.

Und fragwürdig ist natürlich auch die grüne Linie im Ranstädter Steinweg, wo jeder Radfahrende weiß, dass die ganze Strecke mitsamt der Überfahrt über den Goerdelerring ein einziger Führungsmangel ist. Von der Stecke am Cottaweg muss man da gar nicht reden. Die seit Jahren gehäuften Unfälle mit Radfahrer/-innen erzählen von einem riesigen Führungsmangel.

Aber dazu muss man wahrscheinlich wirklich Radfahrer/-in und Fußgänger/-in sein, um das überhaupt zu sehen.

Hinweis d. Red. (19. August 2020): Beim Radweg an der Zeppelinbrücke handelt es sich nicht um eine „Protected Bikelane“ im engeren Sinne, sondern nur um einen aufgemalten Radstreifen ohne physische Abgrenzung zur Autospur.

Was stimmt an den Wegebeziehungen rund um den Cottaweg nicht?

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