Die wichtigsten Brücken über das Elsterbecken kommen fast gleichzeitig an das Ende ihrer Haltbarkeit. Die Klingerbrücke muss in den nächsten Jahren dringend erneuert werden. Und der Zeppelinbrücke hätte 2030 der Komplettneubau gedroht. Aber der lässt sich verhindern, teilt das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) in einer Stadtratsvorlage mit – wenn sie ab 2023 für 7 Millionen Euro saniert wird.

Dass die Brücke schon über 100 Jahre auf dem Buckel hat, ist nicht zu übersehen. Gebaut wurde sie 1914 bis 1918. 1935/1936 bekam sie dann noch ein zusätzliches Feld auf der Ostseite, die sogenannte Uferwegbrücke mit dem Tunnel darunter, mit dem damals der Zugang zum Richard-Wagner-Nationaldenkmal geschaffen werden sollte. Heute geht hier der am häufigsten frequentierte Radweg der Stadt hindurch.

Aber der Beton bröckelt. Es zeigen sich Risse im Mauerwerk, die Stirnwände sind besonders verschlissen.

„Im Zuge der Bauwerksprüfung und einer Schadensanalyse wurde festgestellt, dass die Stirnwände der Zeppelinbrücke gravierende Schäden aufweisen und zeitnah instandgesetzt werden müssen“, stellt das VTA in seine Vorlage für den Stadtrat fest. „Zeitgleich wurde von der LVB Baubedarf für die Aufweitung der Gleisanlage angemeldet.“

Platz für breitere Straßenbahnen

Auf der Brücke befindet sich eines der Teilstücke im Gleisnetz der Straßenbahn, auf dem die neuen Bahnen, die die LVB ab 2026 einsetzen wollen, nicht aneinander vorbeipassen würden. Die Gleise müssen also noch – wie im größten Teil des Gleisnetzes schon passiert – auseinander gelegt werden. Und mit der Brückensanierung ergibt sich jetzt die Möglichkeit, das tatsächlich vor dem Eintreffen der neuen Fahrzeuge noch hinzubekommen.

„In Abstimmung mit der LVB ist es möglich, die Bauleistungen gemeinsam mit vielen Synergieeffekten auszuschreiben und zu realisieren“, stellt das VTA fest. „Zudem kann die Brücke mit der zeitnahen Instandsetzung vor dem weiteren Verfall geschützt und der für 2030 geplante Ersatzneubau (Kostenschätzung 30 Mio. € brutto) umgangen werden. Die weitere Nutzungsdauer erhöht sich durch die Maßnahme um ca. 50 Jahre.“

Und bei der Gelegenheit soll der Verkehrsraum auch grundsätzlich neu aufgeteilt werden: „Aus der Anforderung einer auf 6,20 m zu verbreiternden Gleistrasse der LVB sowie aufgrund der im Bestand vorhandenen geringen Breite des kombinierten Geh- und Radweges und dem daraus resultierenden erheblichen Konfliktpotential wird der Querschnitt in Anlehnung an die aktuelle Verkehrsraumaufteilung (markierter Radweg im Fahrbahnbereich) zugunsten des Fuß- und Radverkehrs neu aufgeteilt. Dabei werden die Fußwege von 2,62 m auf 2,80 m und die Radfahrstreifen von 1,50 m auf 2,15 m verbreitert.“

Da hört man schon die Wehklagen aus den Automobilen der Stadt. Aber im VTA scheint man verstanden zu haben, dass man die Mobilitätswende in Leipzig tatsächlich nur bekommt, wenn man den Verkehrsraum umweltverträglich umverteilt. Das macht Autofahren unbequemer. Und es ist überfällig.

Stadtrat muss schnell beschließen

Gerade die Radverbindung von Lindenau in die Innenstadt ist seit Jahren in der Diskussion und die Stadt zögert und zaudert, die Radwege konsequent von der Angerbrücke bis zum Ranstädter Steinweg durchzuziehen. Immer wieder wird über noch fehlende Ampelschaltungen oder gar Umleitungen für die Radfahrenden diskutiert, obwohl jeder, der mit dem Rad wirklich seine täglichen Wege fährt, weiß, dass nur der direkte Weg Sinn ergibt und dass es eine Ausrede ist, dem Radverkehr diese Selbstverständlichkeit nicht zuzugestehen.

Aber jetzt ist Eile angesagt, wie das VTA in der Vorlage feststellt: „Mit der Instandsetzung der Zeppelinbrücke soll im Mai 2023 begonnen werden. Das gemeinsame Ausschreibungsverfahren (offenes Verfahren) von LVB, LWW und Netz Leipzig bedarf eines Vorlaufes von 6 Monaten, mit dessen Beginn auch die Baurechtsfragen geklärt sein müssen. Somit muss der Beschluss der Ratsversammlung spätestens im Oktober 2022 vorliegen.“

Die Vorlage sollte also Sommerlektüre für alle Fraktionen sein.

Verkompliziert wird das Baugeschehen sowieso durch die Fußball-EM 2024, zu der genug Straßenbahnen auf der Strecke Jahnallee fahren müssen, um das Fußballpublikum zu transportieren. Gebaut werden soll von 2023 bis 2025.

Und ein bisschen Bammel hat das Baudezernat natürlich, dass es im Oktober die Zustimmung des Stadtrates nicht bekommt: „Bei Nichtbeschluss kann das Bauwerk nicht instandgesetzt werden. Im Zuge des Schadenfortschritts müssen bei Gefahr in Verzug die Gehwege gesperrt werden. Des Weiteren würde die LVB allein mit Einschränkungen für MIV und Fuß- und Radverkehr bauen und die Synergieeffekte für beide Baumaßnahmen würden verloren gehen. In dessen Folge ergeben sich Mehrkosten und längere sowie sich wiederholende Verkehrsraumeinschränkungen.“

Und die 7 Millionen Euro müssen natürlich auch noch in den Doppelhaushalt 2023/2024, über den der Stadtrat gleich nach der Sommerpause emsig diskutieren wird.

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Es gibt 3 Kommentare

Sehr schön!

Es zeigt, dass mit pragmatischen Lösungen und einer Verkehrswende viel Geld gespart werden kann. Und für den Autoverkehr ist diese Spurreduzierung überhaupt nicht schmerzhaft, weil sich die Kapazität einer Straße an den Ampelkreuzungen entscheidet, die es hier nicht gibt. Was an den Georg-Schwarz-Brücken für so immense Kosten sorgt, hilft hier, Kosten zu reduzieren.

Die geplante Lösung für den geschützten Radstreifen gefällt mir auch überaus gut (Schade, dass diese hier im Artikel nicht gezeigt wird!). Da ist das VTA wieder über den eigenen Schatten gesprungen. Das macht Mut, dass es in Leipzig doch noch Bewegung in der Verwaltung gibt.

Ich würde mir auch wünschen, mit dem Fahrrad von der Capastraße aus schneller in Richtung Zentrum zu kommen. (Als Laie) vermute ich, dass die für die Überquerung der Jahnallee und der Bowmanstraße relevanten Ampelschaltungen dahingehend etwas optimiert werden könnten:
* An der Jahnallee könnte m.A.n. die Grünphase für Fußgänger und Radfahrer deutlich ausgeweitet werden – hier gibt es oft kaum Verkehr quer zum Überweg.
* An der Bowmanstraße sollte die Ampelschaltung an den durch die umgebenden Ampelschaltungen auf der Jahnallee und Bowmanstraße regulierten Verkehrsfluss angepasst werden. Die aktuelle Schaltung lädt direkt zum Über-Rot-Fahren ein, weil die Straße regelmäßig trotz roter Ampel in beide Richtungen weit sichtbar frei ist. Ggf. könnte die Schaltung auch so angepasst werden, dass die Verkehrsinsel stärker genutzt wird.

Ein ungelöstes Problem im Zusammenhang mit der Radverkehrsführung von (Alt)Lindenau in Richtung Zentrum ist der Übergang von Capastraße und Cottaweg. Wegen der Unmöglichkeit, die Jahnallee zu überqueren, fahren viele Radfahrer auf der falschen Straßenseite und – um Begegnungen mit entgegenkommendem Rad- und Autoverkehr zu vermeiden – auf dem Fußweg.
Wenn dafür keine Lösung gefunden wird, wird sich daran vermutlich nichts ändern, aller meiner bösen Blicke zum Trotz 😉
Auf eine neue Brücke für den Radverkehr in Richtung Innenstadt (etwa von Erich-Köhn-Straße über den Cottaweg und die Festwiese Richtung Fregestraße) zu warten, dauert zu lange (wenn sowas überhaupt jemals kommt).
An der Capastraße sollte eine Linksabbiegemöglichkeit (nur für Fahrräder!) in Richtung Jahnallee geschaffen werden. Über diese könnte auch abgehender Verkehr von der Kleinmesse geleitet werden. Dazu müsste allerdings ein Teil des Fußweges vor der Tankbar zum Radweg werden…
Eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke (oder Tunnel) am Cottaweg Richtung Palmengarten wäre sicher mit zu großen Eingriffen in den Baumbestand verbunden…

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