Seit dem 16. April macht die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder Furore mit ihrem Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber: Abschied vom Diktat der Rollenbilder". Geschrieben hat sie's nicht allein. Auch das sorgt für Furore. Denn mitgeschrieben hat ihre Referatsleiterin Caroline Waldeck. Dass die Thesen eher in die Klamottenkiste gehören, kritisiert auch Eva Brackelmann, sächsische Landesvorsitzende der SPD Frauen.

“Pünktlich zum Welttag des Buches, regt sich geschlechter- und generationenübergreifend lauter Unmut über eine Autorin, die als Ministerin im Bundeskabinett sitzt”, kommentiert sie die aktuellen Diskussionen über die Buchpublikation von Bundesfrauenministerin Kristina Schröder.

“Die Beiträge der mutmaßlichen Fachministerin zum Betreuungsgeld, zu Quotenregelungen in Aufsichtsräten, zu Fragen des Feminismus zeugen von solcher Unkenntnis der gesellschaftlichen Realitäten, dass einem der Schauer über den Rücken läuft”, so Brackelmann weiter, “Deshalb unterstütze ich den Offenen Brief ?Kristina Schröder? Nicht meine Ministerin!?.”
In diesem Brief, den Frauen aus vielen gesellschaftlichen Schichten und Strömungen unterzeichnet haben, heißt es zum Beispiel: “Tun Sie endlich, wofür Sie bezahlt werden – von unseren Steuergeldern! Machen Sie Politik für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die echte Wahlfreiheit ermöglichen! Machen Sie den Weg frei für die Quote in Vorständen und Aufsichtsräten, denn ja: Auch angeblich symbolische Politik hilft uns als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern tatsächlich weiter! Setzen Sie sich für eine bessere Verteilung von Arbeit und Chancen zwischen den Geschlechtern ein und kämpfen Sie gegen die skandalöse Lohnlücke von 23 Prozent!”

Erstunterzeichnerin ist auch die Leipziger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Monika Lazar. Mit Datum vom 21. April haben mittlerweile 9.257 Frauen und Männer den Brief unterzeichnet. Denn auch das wird oft vergessen: Die Verhinderung einer echten Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen und Berufsleben sorgt auch dafür, dass auch unter den Männern nur jene bevorteilt sind, die die alten Rollenmuster bedienen. Wer in diese Raster auch als Mann nicht passen will – etwa weil auch er auf eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie drängt – hat genauso schlechte Karriere-Karten wie eine Frau.

Das Ergebnis ist unter anderem die heute deutlich spürbare Lethargie in weiten Bevölkerungsschichten und der Überdruss der klassischen Macho-Politik gegenüber, was sich – etwas irrational – auch im Wählerzulauf der Piratenpartei manifestiert.

“Es ist alles steigerungsfähig. Ich stelle mir sogar die Frage, ob die mutmaßliche Fachministerin als Comedy-Falle der Bundesregierung arbeitet”, wundert sich Eva Brackelmann. Die 44-Jährige ist selbst berufstätige Mutter. “Es geht in dem Ministerium offensichtlich nicht um fachliche Arbeit, sondern um das Wiederholen antiquierter Rollen- und Familienbilder, die im neuen Designer-Outfit auch nicht besser werden!”

“Insbesondere die Frauen, Mütter und Großmütter in unserem Land wehren sich völlig zu Recht lautstark gegen diesen plakativen Unfug – damit muss Schluss sein! Wenn nicht jetzt, dann zur nächsten Bundestagswahl!”, meint die Leipziger SPD-Frau.

Der Offene Brief an Ministerin Kristina Schröder:
http://nichtmeineministerin.de

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar