Leipzigerin setzt sich in Gambia für Kinder ein

„Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“ Das wusste schon der Schriftsteller und Journalist Erich Kästner. Wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die sich selbstlos für andere Menschen, besonders für die Schwachen auf dieser Welt einsetzten, sähe es auf unserem Planeten noch düsterer aus als ohnehin schon. Zu den Menschen, die sich für andere Bedürftige einsetzen, gehört auch die Leipzigerin Kerstin Tenschert-Fuge. Sie ist Mitglied im Verein Socialis for The Gambia e.V., der sich dafür einsetzt, dass Kinder in Gambia eine Schule besuchen können, um ihnen eine Chance für die berufliche Zukunft zu sichern.
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Erst vor kurzem ist sie von einer Reise ins westafrikanische Gambia zurückgekehrt, wo sie sich mit sechs weiteren Mitgliedern einen Eindruck von den Projekt-Fortschritten machen konnte. Schon immer hatte sie überlegt, wie man sich sinnvoll für Menschen einsetzen könnte, die wirklich Hilfe brauchen: „Hier geht es uns doch gut verglichen mit dem, was in anderen Ländern für Verhältnisse herrschen. Deshalb wollte ich mich sinnvoll für Leute einsetzen, die Unterstützung brauchen, um ein Leben in Würde zu führen.“

Angefangen hatte alles vor 13 Jahren, als sie mit dem bescheidenen Beitrag von fünf Mark monatlich eine Schule unterstützte, um den Kindern den Schulbesuch sowie das Essen zu ermöglichen. Das weckte den Wunsch nach mehr. Zu wissen, dass das Geld und die Unterstützung auch da ankommen, wo sie wirklich benötigt werden, war Motivation genug. Mit dem Verein Socials for The Gambia e.V. fand Kerstin Tenschert-Fuge 2004 das Projekt, das ihren Vorstellungen entsprach. „Der Verein ist gemeinnützig und wurde 1999 in Amberg gegründet.“

Ausschließlich ehrenamtliche Mitglieder

Der Vorstand sowie die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Die Leipzigerin: „Unser Ziel ist es, die schulische und berufliche Ausbildung der Kinder und Jugendlichen in Gambia zu unterstützen. Wer besser gebildet ist, hat auch später mehr Chancen, sein Leben auskömmlich zu gestalten, indem er eine gute Arbeit findet.“ Die Mitglieder ermöglichen mit ihren Spenden und Beiträgen (8 Euro im Monat) Kindern aus armen und kinderreichen Familien eine schulische und berufliche Ausbildung. Engagiert veranstalten sie Diavorträge und Ausstellungen und sind bei Basaren und Festivals mit eigenem Stand präsent.

Stromversorgung, Verpflegung bis hin zur Bezahlung von Lehrern

Unterstützt werden unter anderem der Bau von Schul- und Ausbildungsgebäuden in den Orten Brufut und Sintet, die Bezahlung der Lehrkräfte, des Direktors, des Hausmeisters, der Nachtwächter und der Köchinnen. Auch die Mittagsverpflegung der Kinder, Gesundheitsvorsorge für die Schüler und Lehrer, die Weiterbildung der Lehrkräfte, die Stromversorgung, die Errichtung sanitärer Einrichtungen sowie die Ausbildung für Jugendliche wird gewährleistet.

Eine Reise in eine andere Welt

Wenn man sich für ein solch komplexes Projekt einsetzt, will man sich natürlich auch ein Bild von den Fortschritten machen. Sieben der zehn Leipziger Vereinsmitglieder (insgesamt 400 Mitglieder deutschlandweit) entschlossen sich zur Reise an die Küste Westafrikas. Kerstin Tenschert-Fuge ist immer noch voll von den Eindrücken, die sie dort sammelte und ist beeindruckt: „Afrika ist einfach eine andere Welt. Besonders, wenn man in die weniger entwickelten und ärmeren Länder kommt. Gambia ist zweifelsohne eines von diesen.“

Von Frankfurt ging es also über Brüssel via Dakar nach Banjul, der Hauptstadt Gambias. Da von einem gut ausgebauten Straßennetz nicht die Rede sein kann, ging es über Holperstrecken nach Brufut. Dort werden 600 Kinder in dem Schulprojekt betreut. „Die Schule wird ausschließlich durch den Verein finanziert. Unterstützung durch den Staat Gambia selber haben wir keine.“

Die Schule ist oft die einzige Chance auf eine Ausbildung. Foto: privat

Die Schule ist oft die einzige Chance auf eine Ausbildung. Foto: privat

Schulprojekt oft die einzige Chance auf eine Ausbildung

Es gibt kaum Arbeit und viele Familien sind zu arm, um sich eine Schulausbildung für ihre Kinder leisten zu können. Das Projekt ist die einzige Chance, an eine Ausbildung zu kommen. Der Unterricht in der Schule kann den Kindern die Möglichkeit eröffnen, zum Beispiel eine höhere Schule zu besuchen. Dazu kommen handwerkliche Ausbildungsstätten wie eine Schreinerei, eine Schneiderei und eine Ausbildung zum Friseur. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hilfe zur Selbsthilfe ist also auch hier das entscheidende Stichwort. Denn einfach nur Geld geben und dann warten, was passiert, wäre eine schlechte Lösung. So gibt es außerdem einen eigenen Schulgarten, wo Obst und Gemüse angebaut werden, die dann in der schuleigenen Küche die ohnehin karge Schulkost bereichern.

Seit etwa 2006 war man auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für ein Ausbildungscenter. 2008 kaufte man nur gut einen Kilometer entfernt von der Schule das passende Grundstück. Im Januar 2010 begann schließlich der Bau des Praktikantenhauses und der Schneiderwerkstatt. Zurzeit absolvieren 19 Jugendliche eine Ausbildung zum Schneider. Ebenso ist im vorderen Bereich des Gebäudes ein kleiner Shop integriert. Hier können die Schüler ihre selbst geschneiderte Kleidung verkaufen. Den Lehrlingen soll darüber hinaus der Weg in eine Selbständigkeit erleichtert werden.

Die Disziplin sorgt für Eindruck

Begeistert zeigt sich die Leipzigerin von der Disziplin in der Schule: „Als wir hereinkamen, standen alle Schüler auf und begrüßten uns herzlich im Chor. Auch wenn der Lehrer morgens in den Klassenraum kommt, stehen alle auf und begrüßen den Lehrer oder die Lehrerin. Rumlümmeln oder Respektlosigkeit sind dort Fremdworte. Das war ein beeindruckendes Erlebnis.“

Doch noch mehr war Tenschert-Fuge von der Herzlichkeit berührt, mit der sie und ihre Mitreisenden empfangen wurden: „Die Menschen sind sehr warmherzig, offen und gastfreundlich.“

Gerührt war sie auch von der Bescheidenheit der Menschen. „Sie leben wirklich unter sehr beschränkten Bedingungen und sind doch glücklich und zufrieden. Hier herrscht auch ein großer Zusammenhalt. Wenn ich an den Konsum in unserer Gesellschaft denke, was jeder Einzelne hat und dennoch viele Leute nicht zufrieden sind mit ihrem Leben, kann man sich an den Menschen hier wirklich ein Beispiel nehmen. Man lernt da eine neue Bescheidenheit. Gegenüber diesen Menschen sind wir materiell unendlich reich. Dafür sind die Leute hier reicher an Herzensbildung. Da war ich doch sehr gerührt.“

Eine Rückkehr nach Gambia steht schon im Terminplan

Nach all den bewegenden Eindrücken steht für Kerstin Tenschert-Fuge auf jeden Fall eines schon fest: Es wird eine weitere Reise in den Westen Afrikas geben. Nach dem Besuch ist sie mehr denn je davon überzeugt, dass ihr Engagement sinnvoll ist: „Die Menschen müssen mit dieser Hilfe lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Und das in einem Land, in dem es kaum Industrie gibt und auch die Landwirtschaft nicht wirklich entwickelt ist. Schauen wir uns doch die vielen Menschen an, die im Mittelmeer ums Leben kommen. Sie würden ihre Heimat nicht verlassen, wenn sie ihre Familie ernähren könnten und Arbeit hätten. Also sind Hilfsprojekte vor Ort sinnvoller. Nur dazu fehlt leider das Geld.“

Kontaktadresse für Leipzig:
Kerstin Tenschert-Fuge
kerstintenschert@hotmail.de


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