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Um Brunnen-Spender soll künftig auf leipzig.de geworben werden – nur die Würdigung ist nicht so gewollt

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    Es war ziemlich ernüchternd, als zur letzten Ratsversammlung am 17. Juni Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal mitteilte, dass für die Brunnenanlage auf dem Richard-Wagner-Platz bis heute kein Sponsor gefunden werden konnte. Auch die Gespräche mit dem Centermanagement der "Höfe am Brühl" hatten kein Ergebnis gebracht. Muss Leipzig seine sprudelnden Brunnen doch alle allein finanzieren?

    Das geht ins Geld. Für die sprudelnden Wasser und die Instandhaltung der Brunnen kommen im Jahr schnell fünfstellige Beträge zusammen. Die Brunnen sind beliebt. Sie werten Plätze und Straßen auf. Und sie sorgen auch für Aufenthaltsqualität, die auch wieder den umliegenden Händlern zugute kommt. Aber wenn die Einzelverhandlungen mit potenten Anliegern so zäh sind, warum macht die Stadt dann die Brunnen nicht – genauso wie Bäume und Sitzbänke – einfach zu einer Sache der Bürger? Echtes Bürgerengagement, an dem jeder sich beteiligen kann?

    Im Mai schrieb die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat deshalb ihren Antrag: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, auf ihrer Internetseite dauerhaft und in ansprechender Form über die Möglichkeit von Sponsoring, Spenden und die Übernahme von Patenschaften hinsichtlich Leipziger Brunnen zu informieren. Sponsoren, Spender und Paten erhalten auf Wunsch die Möglichkeit der Namensnennung. Diese Möglichkeit des Engagements und der Darstellung wird schrittweise auch auf andere Bereiche ausgeweitet.“

    So müsste doch eine Bürgerstadt wirklich ticken. Wer kann, spendet – und wird dafür auch als Spender benannt, so, wie es sich gehört.

    Und wie reagiert vor allem das Umweltdezernat auf diesen Vorschlag?

    Am Dienstag, 23. Juni, meldete es sich zu Wort und verkündet: Die Idee ist prima. Das machen wir.

    "Kein Trinkwasser": "Ausschank" von  Peter Schremmer an der Karli. Foto: Ralf Julke
    „Kein Trinkwasser“: „Ausschank“ von Peter Schremmer an der Karli. Foto: Ralf Julke

    Natürlich nicht ganz so euphorisch. Sondern mit amtlicher Würde und mit amtlichen Bedenken. Nicht auszudenken, wenn die Spender vielleicht gar ein Werbebanner am Brunnen würden haben wollen:

    „Die Einrichtung einer dauerhaften Möglichkeit für Spenden oder Patenschaften für Springbrunnen und Fontänen auf www.leipzig.de wird vom Eigenbetrieb Stadtreinigung und vom Amt für Stadtgrün und Gewässer befürwortet und als sehr sinnvoll angesehen.

    Allerdings sollte Sponsoring in diesem Zusammenhang nicht als Angebot auftreten, da in der Folge die Springbrunnen für Werbezwecke eines Sponsors herangezogen werden könnten. Dies ist jedoch nicht gewünscht.“

    Dafür erfährt die Öffentlichkeit, wer sich in Leipzig derzeit für sprudelnde Brunnen engagiert: „Bisher wurden Spenden bzw. Patenschaften für die Springbrunnenanlagen meist auf direkte Ansprache von Anliegern durch den Eigenbetrieb Stadtreinigung bzw. das ASG eingeworben, z. B. wird der Betrieb des Springbrunnens am Georgiring von der benachbarten Jackpot GmbH, des Villersbrunnens vom benachbarten Hotel ‚Fürstenhof‘ und des Trinkbrunnens ‚Ausschank‘ von der benachbarten Wohnungsbaugesellschaft UNITAS e. G. unterstützt.“

    Nicht wirklich viel. 2011 waren es schon einmal mehr. Da sponserte die ALL auch noch den Märchenbrunnen am Dittrichring, Sachsenbank und Sparkasse sponserten den Brunnen auf dem Humboldtplatz und der Mägdebrunnen auf dem Rosplatz und der Brunnen auf dem Eutritzscher Markt hatten kleine Privatspender.

    „Ausschank“ – das sind die beiden bronzenen Wirtsleute an der Ecke Karli / Richard-Lehmann-Straße, geschaffen von Bildhauer Peter Schremmer und seit 1986 an der Karli zu Hause. Den Villersbrunnen sieht derzeit niemand. Er ist eingehaust, weil dahinter das ehemalige Ringmessehaus zum Hotel umgebaut wird. Und mit dem Springbrunnen am Georgiring sind die Schwäne gemeint, die in der Nähe des Wintergartenhochhauses für Wasserstimmung sorgen.

    Ansonsten könne jeder spenden, der nur wolle, findet das Amt: „Spenden für Springbrunnen sind jedoch auch auf das Spendenkonto der Stadt Leipzig unter Angabe des Verwendungszweckes 5.0935.000006.2 möglich.

    Unter http://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/parks-waelder-und-friedhoefe/  sind ‚Spenden und Patenschaften‘ für ‚Grabmalpatenschaften‘ sowie für die ‚Aktion Baumstarke Stadt‘ möglich. Die Einrichtung einer weiteren dritten Spendenoption für Springbrunnen und Fontänen ist technisch problemlos möglich und kann am Aufbau der bereits vorhandenen Spendenangebote auf www.leipzig.de angelehnt werden.“

    Ein bisschen verkniffen gedacht ist es trotzdem. Denn wer für starke Bäume spendet, bekommt in der Regel eine Plakette mit seinem Namen direkt am gespendeten Baum. Der Vorschlag der Grünen ging auch dahin, das Spender-Engagement irgendwo zu würdigen. Wobei ein paar kleine Schilder, die den Brunnenbesuchern erklären, wer hier hilft, das Wasser zum sprudeln zu bringen, ganz bestimmt nicht anstößig wirken würden. Im Gegenteil – es würde auch den Besuchern der Brunnen deutlich machen, dass ohne Engagement in Leipzig Vieles gar nicht möglich wäre. Und dass es die Stadt der Bürger ist, um die sich auch Bürger kümmern, wenn sie das Geld dazu haben. Das wäre nur fair.

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