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Seit Donnerstag besitzt Leipzig einen „Willkommens-Stadtplan“

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    Wie findet man sich eigentlich als Neuankömmling in Leipzig zurecht? Wenn man aus einem fernen Land kommt, die Sprache nicht versteht, aber trotzdem hundert Wege zu laufen hat? Seit Donnerstag, 23. Juli, gibt es ein neues Hilfsangebot: den ersten Leipziger "Willkommens-Stadtplan". Dass so etwas fehlte, hatte Nuria Silvestre Fernández vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V. schon seit Jahren in ihrer täglichen Arbeit erfahren.

    Menschen, die in ihre Beratungsstelle kamen, erfuhren zwar, wo sie überall noch hinmussten. Manches ist ja gebündelt wie die ganze Anmelderei in den Leipziger Bürgerämtern. Aber wie findet man sich zur Ausländerbehörde durch? Zum Finanzamt, wenn man sich sogar niederlassen und eine Firma aufmachen will? Wo ist die Stelle, wo man sein Gewerbe anmelden muss, wo das Jugendamt, die Arbeitsagentur?

    Der Leipziger, der schon seit Kindesbeinen hier lebt, hat die meisten Wege alle schon gemacht (und ist trotzdem oft mit dem Behördenmarathon überfordert). Doch wer neu ist in der Stadt, der muss sie alle noch gehen. Deswegen betont zwar Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller, dass der „Willkommens-Stadtplan“ jetzt endlich auch ein Angebot für Neuankömmlinge und Leipziger ist, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Doch natürlich ist der große Faltplan, den man auf Hosentaschen-Größe falten kann, auch ein echter Helfer für Neuankömmlinge aus Thüringen, Bayern, Berlin oder wo immer sie her kommen.

    Denn auf der Karte, die das Amt für Geoinformation und Bodenordnung der Stadt hergestellt hat, sind rund hundert Anlaufstellen in der Stadt verzeichnet, die vor allem für Migrantinnen und Migranten wichtig sind. Aber nicht nur.

    Denen freilich bietet die Karte jetzt in fünf Sprachen eine mit farbigen Punkten markierte Übersicht, wo in der Stadt sich welche gesuchte Einrichtung befindet. Gegliedert ist sie in sechs thematische Blöcke. Die Erläuterungen sind in Deutsch, Russisch, Englisch, Spanisch und Arabisch gehalten.

    „Der Ausbau der von uns angestrebten Willkommenskultur ist keine einfache, aber dennoch lohnende Herausforderung, die viele Aspekte umfasst. Ein kleiner Baustein ist dabei der Stadtplan, den Sie in den Händen halten“, betont Oberbürgermeister Jung im Vorwort zu der neuen Publikation.

    Andreas Müller: “Er ist ein hervorragendes Beispiel für gute Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung, denn in den Stadtplan ist das jeweilige Fachwissen vom Amt für Geoinformation und Bodenordnung und vom Referat für Migration und Integration eingeflossen. Und die Beteiligung an den Druckkosten vom Hauptamt, Referat Internationale Zusammenarbeit und Ordnungsamt haben erst die Auflage von 12.000 Exemplaren ermöglicht.“

    Sie haben nicht nur Gelder aus ihren Budgets zusammengeschmissen, um das Projekt, das der Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V. an die Stadt herangetragen hat, zu ermöglichen. Die beteiligten Institutionen haben auch die hohe Auflage von 12.000 Stück realisiert, von denen am Donnerstag schon ein großer Schwung in die Bürgerämter und in die Ausländerbehörde gegangen ist. „In den nächsten Tagen werden wir auch alle Beratungsstellen beliefern, die uns Bedarf gemeldet haben“, sagt Müller. Den Stückpreis konnten die beteiligten Ämter durch die hohe Auflage auf rund 21 Cent drücken.

    „Aber die Stadtpläne werden trotzdem kostenlos abgegeben“, sagt Andreas Müller. Es könnte also sein, dass es trotz der hohen Auflage da und dort schon zu Engpässen kommt. „Einige Bürgerämter haben schon signalisiert, dass es möglicherweise nicht reichen könnte“, sagt Müller. „Aber in der nächsten Zeit haben wir keine Möglichkeit, noch einmal nachzudrucken.“

    Man sollte die Faltpläne also doch lieber mit Sorgfalt behandeln.

    Blick in den Willkommens-Standplan. Foto: Ralf Julke
    Blick in den Willkommens-Standplan. Foto: Ralf Julke

    Der Integrationsbeauftragte der Stadt, Stojan Gugutschkow, lobte die Mitarbeiter vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V., die die Idee für eine solche Veröffentlichung hatten. „Ich bin überzeugt, dass der Willkommens-Stadtplan in Bürgerämtern, Behörden und Beratungsstellen eine gute Arbeits- und Verständigungshilfe, vor allem aber den neu Zugewanderten – egal ob Flüchtlinge oder EU-Bürger, Fachkräfte oder Studenten – eine willkommene Orientierungshilfe sein wird.“

    Der „Willkommens-Stadtplan“ ist aus seiner Sicht eine wichtige Ergänzung der Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund, gerade angesichts des Bevölkerungswachstums. Von den 13.000 Einwohnern, um die Leipzig im vergangenen Jahr wuchs, hatten knapp 6.000 einen solchen Hintergrund. Gerade Zuwandernden aber, die ihr Leben in der Stadt neu organisieren und deshalb vielfach mit unterschiedlichsten Behörden, Einrichtungen und Abläufen konfrontiert sind, fehlt das Wissen über die jeweiligen Anlaufstellen mit ihren Zuständigkeiten und Dienstleistungen. Und auch wenn eine Beratungsstelle an die richtige Adresse verweist, fehlt oft die Ortskenntnis, um diese schnell zu finden. Hier kann der Willkommensstadtplan eine wichtige Hilfestellung leisten.

    Das zeigt nun die detaillierte Karte, auf der die 94 Punkte sich sogar fast zu verlieren scheinen. „Aber irgendwo mussten wir eine Grenze ziehen“, sagt Jana Dietrich, Abteilungsleiterin im Amt für Geoinformation und Bodenordnung, „sonst wäre es unübersichtlich geworden.“

    Acht Verbände und Vereine sind im Stadtplan versammelt, bei denen Leipziger Neuankömmlinge Hilfe und Beratung finden. Rund 50 Ämter und Behörden sind als farbige Punkte zu finden. Aber auch andere Einrichtungen, die durchaus auch für Leipziger Neuankömmlinge interessant sind – wie die Handwerkskammer, die Stadtbibliothek oder die Volkshochschule. Und ganz wichtig, so Stojan Gugutschkow, war auch die Verortung der wichtigsten Treffpunkte für Glaubensgemeinschaften.

    Und, ist alles drin? - Bürgermeister Andreas Müller und Migrationsbeauftragter Stojan Gugutschkow. Foto: Ralf Julke
    Und, ist alles drin? – Bürgermeister Andreas Müller und Migrationsbeauftragter Stojan Gugutschkow. Foto: Ralf Julke

    „Viele Neuankömmlinge suchen ziemlich schnell nach einem Anschluss an ihre Glaubensgemeinschaft“, weiß Nuria Silvestre Fernández aus ihrer Arbeit. Also findet man auch die Gaubenseinrichtungen der Buddhisten, Hindus, Muslime, aber auch die christlichen Anlaufstellen, denn viele Ankömmlinge – gerade aus den aktuellen Krisengebieten – sind christlichen Glaubens. In einer Übersicht werden auch die Haltestellen und LVB-Linien benannt, mit denen sich die Suchenden im doch gar nicht so kleinen Stadtgebiet auf die Fahrt machen können. Ein LVB-Netzplan ergänzt das Ganze und OBM Burkhard Jungs Begrüßung gibt es zumindest in Deutsch, Englisch und Russisch.

    Was natürlich die Frage aufwirft: Wer hat das alles übersetzt? – „Dazu haben wir vier Dolmetscher aus unserer Beratungsstelle gewinnen können“, sagt Nuria Silvestre Fernández. Am Ende war es also eine richtige Team-Arbeit, die auch schon außerhalb Leipzigs für Staunen sorgte: Die Firma, die gerade für die Landeshauptstadt Dresden eine Willkommens-App programmiert, war über das professionelle Kartenmaterial schon erstaunt. Im Grunde ist schon alles da, um auch für Leipzig eine entsprechende App zu programmieren. „Aber das wird wohl erst im Herbst nächsten Jahres“, sagt Andreas Müller, betont aber: „Es ist in Planung.“

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