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Nuit Debout Leipzig lädt zur Solidaritäts-Demo auf die Karl-Liebknecht-Straße ein

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    Wohin bewegt sich „Nuit Debout“ in Leipzig. Schon zwei Mal trafen sich rund hundert Leipziger am Sonntagabend auf der Sachsenbrücke und diskutierten - so wie beim Pariser Vorbild- über die eigentlichen Probleme der Zeit. Nein: Flüchtlinge und Islamismus sind nicht die wirklich Probleme der Gegenwart, egal, wie sehr ein paar Leute glauben, hier die neuen Sündenböcke ausmachen zu können. Natürlich geht es am Tag der Arbeit auch um Arbeit.

    Genauso wie am 17. und 24. April auf der Sachsenbrücke. Noch ist die Leipziger Bewegung stark von Studierenden geprägt, die sich mit den „Nuit Debout“-Aktionen in Paris solidarisieren und natürlich manchmal auch hochphilosophisch mit der Frage beschäftigen, ob die französischen Verhältnisse so auch auf Deutschland übertragbar sind.

    In vielen Fällen sind sie es, auch wenn die Auswirkungen manchmal verschieden aussehen. Aber auch die Bundesrepublik kennt die Prekarisierung weiter Teile der Bevölkerung, die Ungleichverteilung des Wohlstands, die steigende Verschuldung verarmter Bevölkerungsschichten und mittlerweile die Folgephänomene mit steigenden Mieten und Wohnungsnot. Für viele Hochschulabsolventen gehören prekäre Arbeitsverhältnisse zur Lebenserfahrung. Sie begegnen aber auch all den Folgen einer kaputt gesparten Bildungslandschaft.

    Und wenn dann wirklich mal auf demokratischen Bühnen über Regeln, Steuern und Projekte gestritten wird, steht immer öfter ein Warnschild im Raum, geht es um (zu schützende) private Interessen, die (geheimen) Verträge mit großen Konzernen, den Verkauf öffentlicher Güter an private „Investoren“. Da muss man nicht erst nach Frankreich schauen, wie dieser zunehmende Ausverkauf demokratischer Freiräume an „Wirtschaftsinteressen“ die Gesellschaft untergräbt, Frust und Hoffnungslosigkeit verbreitet und den bislang großen Parteien das Vertrauen entzieht.

    Nuit-Debout-Veranstaltung auf der Sachsenbrücke. Foto: Michael Freitag
    Nuit-Debout-Veranstaltung auf der Sachsenbrücke. Foto: Michael Freitag

    Und so suchen auch die Leipziger „Nuit Debout“-Veranstalter ihre Verbündeten vorerst in all den Initiativen, die in der Vergangenheit schon jenseits der etablierten Parteien versucht haben, Protest zu artikulieren – gegen das Agieren der Finanzkonzerne bis hin zum Unbehagen mit TTIP. Und so sucht man auch bei „Nuit Debout“ Leipzig erst einmal nicht den Kontakt mit „der Politik“, sondern will die Freiräume nutzen zum Diskutieren und Träumen. Und um das Üben des aufrechten Ganges, denn darum geht es ja: Dieses sich wieder bewusst werden, dass der Bürger in einer Demokratie nicht nur Stimmvieh ist, sondern das Recht hat, sich selbst ein Bild zu verschaffen von dem, was richtig und was falsch läuft – und am Ende vielleicht (die Töne tauchen schon auf) auch eine Veränderung der Gesellschaft zu fordern. Denn wenn eine Gesellschaft so verkrustet ist, dass die wichtigsten Zukunftsentscheidungen völlig außerhalb demokratisch legitimierter Gremien passieren, dann ist gewaltig etwas schiefgelaufen.

    Deswegen lädt „Nuit Debout“ Leipzig am heutigen 1. Mai auch nicht zur Teilnahme an der Kundgebung des DGB auf, auch wenn dort scheinbar dieselben Träume geträumt werden. Um einmal SPD-Frau Irena Rudolph-Kokot zu zitieren: „Der Kampf um eine soziale gerechte Gesellschaft kennt kein Wochenende und es bleibt, dass der Kampf um Teilhabe für alle am Wohlstand und um Arbeitnehmerrechte immer weitergeht. Viele Menschen treibt die Sorge um ihre eigene soziale Sicherheit um, die Schere zwischen Arm und Reich nimmt stetig zu und vor allem in Deutschland existiert das altbundesrepublikanische Aufstiegsversprechen schon lange nicht mehr.“

    Doch so recht scheinen die Gewerkschaften für viele junge Menschen nicht mehr der richtige Partner zu sein, mit dem man gemeinsam um diese Versprechen kämpfen kann. Die SPD irgendwie auch nicht, deren Lösungsvorschläge oft genug nur zaghaft wirken, wenn nicht gar schon zutiefst vom Kompromiss gezeichnet. Einen großen Traum haben die deutschen Sozialdemokraten schon lange nicht mehr geträumt. Was ihr Problem ist in einer Gegenwart, in der nichts drängender ist als die Frage: Gibt es denn keine Alternativen zu dieser rund gelutschten Marktkonformität, unter der immer mehr Menschen leiden? Eben weil sie immer weiter abgehängt werden und statt teilzuhaben, regelrecht in unbezahlbaren Schuldenbergen ersaufen?

    Vielleicht muss man wirklich wieder ganz von vorn anfangen und lernen, neue Träume zu zeichnen für eine Welt, die in fatalen Schleifen gefangen scheint.

    Und so lädt „Nuit Debout“ am heutigen 1. Mai zu einer Demonstration „für eine transnationale Solidarität mit Nuit Debout!“ um 10 Uhr auf der Karl-Liebknecht-Straße vor der Feinkost (Nr. 36) ein. Ein Häuflein von 30 Interessierten hat sich schon gemeldet.

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