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Zählung der Gartenvögel verrät nicht, warum im Winter die Meisen ausblieben

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    Vielleicht war es wirklich nur ein schlechtes Jahr zur Brut und der drastische Rückgang der Wintervögel im Winter 2016/2017 diesmal nur ein einmaliges Phänomen. Immerhin waren die Befürchtungen mancher Umweltschützer recht deutlich, als es im Winter in deutschen Landschaften so verdammt ruhig wurde. Ein wenig gibt sich der NABU Sachsen zumindest nach der „Stunde der Gartenvögel“ beruhigt.

    Deutschlandweit wurden durchschnittlich 35,22 Vögel pro Garten – 4,1 Prozent weniger Vögel als im Mai 2016 – gezählt, allerdings immer noch etwas mehr als im langjährigen Mittel von 35 Vogelindividuen pro Garten, teilt der Naturschutzbund jetzt die endgültigen Zahlen zur jüngsten Zählung mit. Dieses Ergebnis bewege sich innerhalb der normalen Schwankungen der bisherigen Zählergebnisse und ist eine willkommene Entwarnung nach dem bei der vergangenen Stunde der Wintervögel festgestellten auffälligen Fehlen von Vögeln am Futterhäuschen.

    Die Winterzahlen lagen damals satte 16 Prozent unter dem Vorjahr bzw. 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

    Die erhoffte eindeutige Erklärung für das Fehlen der Wintervögel konnte die Mai-Zählung nicht liefern, gesteht der NABU freilich auch zu. Waren die Winterzahlen der Meisenarten noch um 30 bis 60 Prozent niedriger als im Vorjahr, sind es nun zur Brutzeit lediglich zehn bis zwanzig Prozent. Dies passe dann sowohl zur Theorie, dass ein Großteil des Fehlens durch geringen Winterzuzug aus dem Norden und Osten verursacht wurde, als auch dazu, dass ein schlechter Bruterfolg 2016 die Ursache gewesen sein könnte. Insgesamt zeige das Ergebnis, dass von den Zahlen eines Jahres nicht sofort auf langjährige Bestandszu- oder -abnahmen geschlossen werden könne.

    In Sachsen hatten sich 3.600 Vogelfreunde am zweiten Maiwochenende an der Zählung der Vögel in 2.300 sächsischen Gärten und Parkanlagen beteiligt und meldeten ihre Beobachtungen – mehr als 90.000 Vögel – dem NABU. Der Haussperling wurde 11.000 Mal gezählt und damit erneut Sieger der Mitmachaktion. In ganz Deutschland zählten 60.000 Vogelfreunde mehr als 1.400.000 Vögel in fast 40.000 Gärten.

    Dem Spatz folgen in Sachsen Star, Amsel, Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise, Mauersegler und Elster. Mehl- und Rauchschwalben landen unter den Top 20 in Sachsen. Die Reihenfolge der Platzierten erlaubt jedoch keine präzise Aussage über die tatsächliche Häufigkeit einer Art.

    Nicht überall in Sachsen steht der Spatz an vorderster Stelle. In Chemnitz, Görlitz und Zwickau sowie im Erzgebirgs- und Vogtlandkreis erklimmt der Star das Siegertreppchen. In den Städten Leipzig und Dresden nimmt der Mauersegler den 2. Platz ein. Er ist ein ehemaliger Felsenbrüter. Als echter Kulturfolger hat er sich unter den Dächern in Städten und Dörfern angesiedelt, doch damit bekommt der Mauersegler auch Probleme.

    Seine neue Heimat wird ziemlich gründlich wegsaniert.

    Die Zahl der beobachteten Mauersegler und Mehlschwalben in Sachsen hat im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht zugenommen. Leider reiche dieses Hoffnungszeichen noch nicht, um den langjährig abnehmenden Trend umzukehren, betont der NABU Sachsen. Und nicht nur der Verlust von Nistmöglichkeiten macht sich bemerkbar.

    „Der Verlust von Nistplätzen an Gebäuden und ein starker Rückgang ihrer Fluginsektennahrung macht ihnen zu schaffen“, erklärt Karsten Peterlein, der in Leipzig mit dem NABU das 2016 von NABU Sachsen und Sächsischer Landesstiftung Natur und Umwelt gestartete sächsische Projekt „Schwalben willkommen“ sowie Maßnahmen zum Schutz der Mauersegler umsetzt.

    Das Thema Fluginsekten aber lenkt den Blick über die Gärten hinaus – in die sogenannte freie Natur, die so frei nicht mehr ist, sondern von Menschen intensiv beackert und kultiviert wird. Auch mit dem Ergebnis, dass wichtige Biotope verschwinden und damit die Artenvielfalt unter Druck gerät. Auf eine Anfrage der Grünen im Bund musste die Regierung jüngst erst zugestehen, dass der massive Verlust von Vogelpopulationen auch mit der intensivierten Landwirtschaft zu tun hat – und mit dem massiven Verschwinden von Insekten.

    Und genau das stellt auch der NABU mahnend fest: Während sich bei den Vögeln unserer Dörfer und Städte über die Jahre Zu- und Abnahmen unter den Vögeln die Waage halten, gibt es auf den Wiesen und Feldern fast nur Verlierer. In den vergangenen 25 Jahren brechen dort die Bestände typischer Vogelarten der Agrarlandschaft wie Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn regelrecht zusammen.

    Mit den Zählungen in den Gärten bekommt man nur einen Teilausschnitt zu sehen. Aber der hilft dem NABU zumindest, Trends zu beobachte.

    „Der NABU freut sich nicht nur über den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn dieser Mitmachaktion. Die Daten zeigen auch, dass die wiederholte Teilnahme an der ‚Stunde der Gartenvögel‘ zu besserer Kenntnis der Vogelwelt führt. Das lässt darauf hoffen, dass sich immer mehr Menschen für eine besonders vogel- und naturfreundliche Gartengestaltung entschließen“, sagte Karsten Peterlein von der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig.

    Die im Rahmen der „Stunde der Gartenvögel“ ermittelten Bestandsdaten werden vor allem durch die jährliche Wiederholung wertvoll. Nur langjährige Datenreihen können über wetterbedingte Ausschläge einzelner Jahre hinaus zuverlässige Bestandstrends anzeigen. Die kontinuierlichen Abnahmen bei Amsel, Grünfink und Hausrotschwanz setzen sich fort. Die ursprünglichen Waldvogelarten Ringeltaube und Buntspecht werden häufiger in Gärten gezählt, während die bisher beobachtete starke Bevölkerungszunahme beim Feldsperling zum Stillstand gekommen ist.

    Die nächste „Stunde der Wintervögel“ findet vom 5. bis 7. Januar 2018 statt.

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