5.499 Euro für das Kapital

Karl Marx: Spendenziel für die neue Gedenktafel fürs „Kapital“ wurde vorzeitig erreicht

Für alle LeserSo schnell kann es gehen, da sind die 5.000 Euro für eine Erinnerungstafel beisammen. Die Leipziger Linkspartei hatte dazu aufgerufen, Geld für eine zweite Erinnerungstafel zu spenden, die an den Erstdruck von Karl Marx' "Das Kapital, Band 1" 1867 in Leipzig erinnert. Eine Tafel befindet sich ja schon am Rossmarkt. Und irgendwie sollte Leipzig ja den 200. Geburtstag von Karl Marx in diesem Jahr würdigen.

Am 5. Mai 2018 jährt sich der 200. Geburtstag von Karl Marx. Die Erstausgabe seines Hauptwerkes „Das Kapital“ wurde in Leipzig gedruckt und erschien vor 150 Jahren. Aus diesem Anlass beantragte die Fraktion Die Linke im Stadtrat zu Leipzig, eine Haus- und Gedenktafel anzufertigen. Der Leipziger Stadtrat beschied diesen Antrag positiv. Die Bedingung dafür war, dass das Geld nicht aus dem städtischen Haushalt kommt.

So sammelte Die Linke Leipzig neben Anderen in den letzten Wochen Geld für die Gedenktafel. Nach Informationen der Stadtverwaltung ist die Spendenaktion ein voller Erfolg und das Spendenziel ist nunmehr bereits übererfüllt.

Dazu erklärt Marco Götze, Mitglied des Stadtvorstandes der Linkspartei und Stadtrat: „Karl Marx gilt als einer der weltweit einflussreichsten politischen Denker des 19. und 20. Jahrhunderts. Er pflegte vielfältige Kontakte nach Leipzig: Beispielsweise besuchte er hier im Jahr 1874 Wilhelm Liebknecht und die Erstausgaben der drei Bände seines Hauptwerkes ‚Das Kapital‘ wurden hier gedruckt.

Das schnelle Erreichen des Spendenziels zeigt, dass die Leipziger Bevölkerung die enge Beziehung des Großdenkers zu unserer Stadt als ein lebendiges Erbe begreift, das es in Gegenwart und Zukunft sorgsam zu pflegen gilt. Wir freuen uns über dieses zivilgesellschaftliche Handeln der Leipzigerinnen und Leipziger, das es ermöglicht, die Gedenkplatte rechtzeitig zum 200. Geburtstag einzuweihen.“

Etliche Verlage werden in diesem Jahr das Wirken von Karl Marx würdigen und in etlichen Titeln fragen: Was hat der Mann bewirkt? Und wie aktuell ist er noch?

Es sieht ganz so aus, als würde der Bursche wieder aktueller, nachdem der Neoliberalismus auch im Ökonomie-Verständnis der regierenden Parteien so viel Schaden angerichtet hat. Dabei ist nicht einmal Band 1 des Kapitals der Wichtigere, auch wenn er der einzige ist, den Marx wirklich noch beendet hat. Die wichtigsten Ideen, die das Phänomen Kapitalismus mit all seinen fast religiösen Zügen versuchen zu erfassen, stecken eigentlich in Band 2 und 3.

Die von Friedrich Engels mehr oder weniger zusammengesammelt wurden, weil Marx über diese Dinge zwar in etlichen Einzelaufsätzen schrieb – aber dann wohl entmutigt die Finger davon ließ, dieses Kolossalwerk zu schreiben.

Dazu hätte er eigentlich einen ganzen Mitarbeiterstab gebraucht, der sich auch mit Soziologie und Psychologie des Kapitals beschäftigt hätte. Wer die Motivation von „Investoren“ und „Anlegern“ nicht begreift, nicht weiß, wie sie ticken und mit welcher Macht sie versuchen, jeden, wirklich jeden Bereich der Gesellschaft zu einem Geschäftsfeld (gern auch „Markt“ genannt) zu machen, der versteht die Probleme unserer Zeit nicht – und die Machtlosigkeit unserer ökonomisch zumeist völlig unterbelichteten Parteien, deren „Wirtschaftsexperten“ zumeist des festen Glaubens sind, „der Markt“ würde die Dinge schon regeln und man könne ihm die meisten gesellschaftlichen Probleme zur renditeträchtigen Lösung überlassen.

Was natürlich gründlich schiefgeht, egal, ob man die Zerstörung unserer Umwelt, das Verschleudern unserer Ressourcen oder die Destabilisierung der westlichen Demokratien betrachtet.

Im Grunde steckt im späten Marx ein Stück Verzweiflung, weil er – je mehr Stoff er für sein Riesenwerk sammelte – umso mehr mitbekam, mit welcher Urgewalt „das Kapital“ agiert – und mit welcher Rücksichtslosigkeit. Was der Entwicklung der menschlichen Zivilisation enormen Auftrieb gegeben hat – andererseits aber auch eine Frage blieb, die Marx nicht gelöst hat.

Wer soll das richten?

Denn „die Proletarier“ sind ja nun einmal nicht der Rettungsengel der Welt – die wählen lieber Großmäuler wie Donald Trump, lassen sich lieber führen – und verführen. Was ein gewisser Lenin nur zu konsequent auszunutzen verstand.

Thomas Piketty hat mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ daran erinnert, dass der Ansatz von Marx, Ökonomie, Soziologie und Politik zusammen zu denken, der richtige war und ist. Wenn Politik nicht versteht, wie Wirtschaft funktioniert, macht sie sich machtlos. Und lässt auch zu, dass die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft zerstört wird. Logische Folge: Ahnungslose Wirtschaftspolitik ist eine Katastrophe.

Karl Marx
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