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Ein besorgter Brief zur Rücksichtslosigkeit des Leipziger Wasserfestes

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    Die Berichterstattung zum seit 2001 in Leipzig stattfindenden Wasserfest haben wir schon vor geraumer Zeit eingestellt. Den ursprünglichen Zweck, das Leipziger Gewässersystem wieder in die Aufmerksamkeit der Leipziger zu rücken, hat es längst erfüllt. Aber in den letzten Jahren ist es zu einem reinen Volksfest geworden, bei dem die tatsächlichen Probleme des sensiblen Wasserknotens einfach ausgeblendet werden. Auch die Folgen des wasserarmen Sommers 2018. Dafür gibt’s jetzt einen besorgen Brief.

    Eigentlich hätte es schon in den Vorjahren solche Warnungen geben müssen. Wann, wenn nicht zu diesem Ereignis sollten die Leipziger mitbekommen, dass der Gewässerknoten seine Belastungsgrenzen hat und wo die einzigartige Natur durch Überlastung beschädigt wird?

    Nur einmal hat das Wasserfest darauf reagieren müssen, dass das Gewässersystem auch natürliche Grenzen hat – das war während der Flut von 2002, als es verschoben werden musste. Seitdem werden immer neue Spaß-Orte ins Programm integriert.

    Aber dass es 2018 nicht wegen der für alle sichtbaren Wetterfolgen mit extrem niedrigem Wasseraufgebot einfach unterlassen wird, verblüfft auf jeden Fall einige MitstreiterInnen des NABU Leipzig, so wie Kirsten Craß. Sie kann einfach nicht verstehen, dass so ein Fest sogar dann durchgezogen wird, wenn die LBMV sogar extra Wasser aus dem Störmthaler See einspeisen muss, um den Wasserstand der Pleiße zu heben, und auch die Connewitzer Schleuse deshalb geschlossen ist.

    Aber der Umweltschutz kommt im Anliegen des Wasserfestes nicht vor. Dort liest man: „Der Leipziger Gewässerverbund bietet als zukunftsträchtigstes Thema in unserer Region ein hohes wirtschaftliches und touristisches Potential. Die Vision findet große Akzeptanz und Unterstützung in breiten Teilen der Bevölkerung und in der Wirtschaft. Die Präsenz der Vision ‚Wasserstadt Leipzig‘ in den Köpfen der Menschen beruht auch auf der enormen Öffentlichkeitswirksamkeit des Leipziger Wasserfestes.“

    Das ist zumindest die Selbstsicht der Leute, die dieses Fest für den „Wassertourismus“ jedes Jahr veranstalten – unter Schirmherrschaft der Stadt.

    Da scheint schlicht kein Platz zu sein für die Rücksicht auf die natürlichen Rahmenbedingungen und die Tatsache, dass seit 2006 die Konflikte der „touristischen“ Nutzung mit den Naturschutzbelangen massiv zugenommen haben.

    Aber dass selbst bei Wassermangel gefeiert wird, möchte Kirsten Craß, die diesen Leserbrief geschrieben hat, nicht akzeptieren. Es ist allerhöchste Zeit zum Umdenken.

    Der Offene Brief:

    Während die Menschen feiern riskieren sie Fischsterben

    An diesem Wochenende soll wieder das Wasserfest der Stadt Leipzig begangen werden. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit ist es wieder schwierig, alle Events erfolgreich durchzuführen. Die Flüsse Pleiße und Weiße Elster und Luppe führen einfach zu wenig Wasser mit sich. Aber wir haben ja ein technisches System, mit dem sich prima das Wasserdargebot regulieren lässt und den Feiernden glauben lässt, alles wäre super.

    Darum wurde seit Tagen das Wasser am Luppewehr vor dem Einleiter aus der Kläranlage extrem gedrosselt. Nur ein geringer Durchfluss stellt sicher, dass der Fluss nicht gänzlich trocken fällt. Zumindest bis zum oben erwähnten Einlass. Hier strömt das aus technischen Gründen nicht vollständig gereinigte Wasser in die Luppe. Bei normalem Wasserstand wird dieses Klärwasser entsprechend verdünnt, sodass durch den natürlichen Reinigungsprozess des Flusses nur noch in geringem Ausmaß die Wasserqualität leidet.

    Nicht jedoch bei diesem niedrigen Durchfluss. Vielleicht gibt es ja einen Grenzwert, wie viel Wasser durchlaufen muss, um den geforderten Verdünnungseffekt zu erzielen. Der NABU RV Leipzig bezweifelt das in diesem Fall und vor allem ist es moralisch bedenklich. Die Fischfauna ist in diesem Sommer besonders unter Stress, das Wasser ist zu warm und der Sauerstoffgehalt deshalb sehr gering. Kommen dazu noch Verschmutzungen aus Kläranlagen ist sicher die Grenze der Leidensfähigkeit der Fische erreicht.

    Hauptsache es gibt was zu feiern, für die Fische und Menschen mit Empathie ist es einfach nur traurig.

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    3 KOMMENTARE

    1. Menschen mit Empathie?

      Die haben gerade zusammen gesessen und an der Fortschreibung des sogenannten WTNK geschrieben. Darunter natürlich auch die Veranstalter des „Wasser“festes. Die alles Erdenkliche unternehmen, auch noch den letzten Wassertropfen auszupressen für ihren Lebensinhalt – Event, Krawall, Kommerz. Die in der zweiten Veranstaltung dieses „Runden Tisches“ sich (kurz vor diesem Wasser“ fest“ durchgeführt) nicht entblödeten dem geäußerten Wunsch (!) nach Schutz eines Schutzgebietes mit geschützten Tieren entgegen traten, man könne das nicht verbieten. Sekundiert von IHK und Bergmann (Amtsleiter Umweltamt LK Leipzig – kein Witz).
      In dieser Lebensweise kommt Natur, kommt die Grundlage allen Lebens – Wasser – nur als Wirtschaftsgut vor. Das Leben darin und daran dient lediglich dem eigenen Spaß und dem Geldbeutel einiger weniger. Und wenn dieser „Spaß“ erloschen ist, wird der nächste Grashalm gesucht, den diese „Spaß“gesellschaft ausreißen kann.
      Dabei wird nicht vor Rechtsbruch und Verdummung zurück geschreckt. Wobei hierzu immer zwei gehören. Die Benutzung des eigenen Kopfes, besser das unterlassen dieses, wurde hier schon mehrfach staunend beschrieben.
      Brot und Spiele sind Lebensinhalt Vieler und Arbeitsinhalt der Behörden.

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