Wovon wir heute träumen …

Für alle LeserGesellschaftliche Fragen zu stellen und diese in einen persönlichen Bezug zu setzen, bestimmt die soziokulturelle Arbeit der Frauenkultur Leipzig seit Gründung 1990. Unser Wunschziel ist es: Mitzuwirken an einem Gemeinwesen, in welchem alle Menschen die gleichen Chancen haben auf Bildung, auf Selbstbestimmung und auf Teilhabe am öffentlichen Leben. Das setzt voraus, dass kein Mensch unter anderem nur wegen des Geschlechtes oder der Herkunft benachteiligt wird – also die vollständige Umsetzung des Artikels 3 unseres Grundgesetzes.

Das Wahljahr 2019 war für uns die Zeit sehr vieler Straßenaktionen, der Begegnungen und Gespräche mit Menschen unterschiedlichster Altersgruppen zum Thema: Wer ist (mit)verantwortlich für das, was in unserer Gesellschaft gerade passiert? Und was und wie wollen wir leben?

Und all das, was wir gehört, gesehen, gefühlt haben, begründet unseren Traum, unseren Wunsch von Menschen, die weiterdenken wollen. Auch um grundlegende Zusammenhänge des eigenen wie auch des gesellschaftlichen So-Geworden-Seins begreifen zu können. Das bedeutet auch, Fragen zu stellen, unter anderem: Welche Konsequenzen hat das eine oder das andere… für mein Leben, für das Leben meiner Familie, meiner Kinder, meiner Enkelkinder, meiner Freund*innen?

In unseren oben genannten Gesprächen behaupteten manche Menschen unter anderem: Es gibt keinen Klimawandel, das Wetter hat schon immer geschwankt! Dass dieser Behauptung anerkannte Studien gegenüberstehen sowie die Tatsache, dass die Erwärmung der gesamten Erde (in tausenden Messungen bestätigt) eine Veränderung aller Klimazonen bereits heute zur Folge hat, wird ignoriert. Ebenso ignoriert wird von einigen die Zunahme rechter Sichtweisen.

„Das wird man doch mal sagen dürfen! Ich bin kein Nazi, aber die von dort… die leben auf unsere Kosten und wo bleiben wir?“

Unsere Sicht: Wenn zum Beispiel eine Arbeitskollegin oder ein Arbeitskollege sich vor bestimmten Arbeiten immer verdrückt – nach dem Motto, die anderen machen das schon – dann ist hier jemand, „der auf Kosten von anderen“ handelt. Für Menschen, die aus einer tiefen Not heraus (Krieg, existentielle Hungersnot) fliehen beziehungsweise auswandern müssen, um (über-)leben zu können, ist all das, was sie in Leipzig, in Sachsen, in Deutschland, in Europa an „Leistungen“ erhalten, Menschlichkeit.

Menschen helfen einander! Jeder Mensch braucht in seinem Leben Hilfe von anderen. Das ist ein Sachverhalt. Hilfsbereitschaft hat ebenso wie Not/Hilfsbedürftigkeit keine Nationalität, keine Hautfarbe, kein Geschlecht! Das wissen alle Menschen, aber…

Häufig wird in Medien oder Politik von „den Ängsten der Menschen“ gesprochen.

Das Titelblatt der letzten LZ für 2019. Leipziger Träume zum Jahresschluss. Foto: Screen LZ

Das Titelblatt der letzten LZ für 2019. Leipziger Träume zum Jahresschluss. Foto: Screen LZ

Aber um welche Ängste geht es?

Was bedeutet es denn zum Beispiel den real existierenden Klimawandel als Wirklichkeit anzuerkennen: Ja, es muss sich etwas ändern! Weniger Autos, weniger Konsum, weniger Wegwerfen, wenig Fliegen, sorgsameres Verbrauchen von Wasser und Energie… Genau das will ein Teil der Menschen nicht.

Und genau an diesem „Widerwillen vor Änderungen“ docken bestimmte Politiker*innen an, buhlen um die Wähler*innen, versprechen Kohlekraftwerke ohne Verfallsdatum und natürlich auch an erster Stelle dem „eigenen Volke Gutes tun zu wollen“.

Was die bestimmten Politiker*innen nicht sagen: Wie kann man den Wohlstand denn genießen, wenn die Luft ohne Atemschutz nicht mehr geatmet werden kann, wenn das Wasser zu verpestet ist, um Leben zu erhalten? Wer wird zuerst die Folgen des zunehmenden, wahrhaftig existierenden Klimawandels zu spüren bekommen? Es sind schon heute besonders ältere Menschen und Kinder.

Dass 2019 bei den Wahlen ein Teil der älteren Menschen bei der klimawandel-leugnenden Partei ein Kreuz gesetzt hat, irritiert schon: Ein Kreuzchen für mehr körperliches Unwohlsein, aber dafür mehr sozialen Nationalismus. Was „Nationalsozialismus“ vermag, das hat die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre gezeigt.

Deshalb träumen wir von Menschen, die weiterdenken wollen, die Folgen von gesellschaftlichen Entscheidungen hinterfragen, die wissen wollen, die sich verantwortlich einmischen und gestalten wollen. Wir träumen noch… Ein Glück, wir kennen welche, die weiterdenken wollen.

Wir wünschen uns sehr, es mögen mehr werden. Das Vermögen dazu haben alle Menschen in Leipzig, in Sachsen, in Europa… überall.

Gut ist immer: Gemeinsames Tun. Und soziokulturelle Orte in Leipzig wie zum Beispiel die Frauenkultur Leipzig sind mit ihren Angeboten für Menschen aller Altersgruppen ideal geeignet.

Einfach auf unseren Online-Seiten stöbern oder/und vorbeikommen.

Die neue Leipziger Zeitung ist da: Wenn Leipziger/-innen träumen

Wenn Leipziger träumen
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Foto: Ralf Julke

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Nadine Stitterich. Foto: Alexander Sens

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