Der Winter hat mit Minusgraden seit ein paar Wochen die Stadt im Griff. Aber nicht nur das trieb im Januar die Leipziger Arbeitslosenzahlen nach oben. Wie gewöhnlich, muss man sagen. Denn nicht nur die Bauwirtschaft setzt im Winter Arbeitskräfte frei. Auch das Weihnachtsgeschäft endet in der Regel mit der Freisetzung von Arbeitskräften. Und so sagt auch Elke Griese, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig: "Der deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar ist saisonal bedingt und kommt nicht überraschend."

“Zum Jahresende laufen etliche befristete Arbeitsverträge aus und in den witterungsabhängigen Branchen kommt es zu winterbedingten Entlassungen. Diese Entwicklung ist typisch für den Monat Januar. Trotz des deutlichen Anstiegs der Arbeitslosigkeit gibt es im Vergleich zum Januar des Vorjahres 1.475 arbeitslose Menschen weniger in der Stadt Leipzig”, erklärt sie dazu.

Insgesamt waren 30.535 (Vormonat 28.085) Männer und Frauen in der Stadt Leipzig arbeitslos. Der Anstieg im Vergleich zum Dezember 2013 betrug 2.450 Personen. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen um 1.475 zurückgegangen.

In allen Altersgruppen war ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Bei den jungen Menschen bis 25 Jahren stieg die Zahl der Arbeitslosen um 333 auf 2.840 (Vorjahr: 2.908). Bei den Lebensälteren in der Altersgruppe ab 50 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit um 629 auf 9.365 Personen an (Vorjahr: 9.644).

Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im zurückliegenden Monat in Leipzig angestiegen. Gegenüber dem Vormonat wuchs sie um 428 auf 9.481. Im Vergleich zum Januar 2013 gab es 564 Langzeitarbeitslose weniger.

Beim Zugang an offenen Arbeitsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur Leipzig im Januar einen Anstieg gegenüber dem Vormonat. Die Wirtschaft und die Verwaltung haben in den letzten vier Wochen 1.297 freie Stellen, das waren 153 mehr als im davor liegenden Monat (1.144) und 98 mehr als vor einem Jahr (1.199), zur Besetzung gemeldet.

Zum statistischen Zähltag im Januar betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 11,2 Prozent (Vormonat: 10,3 Prozent). Im Januar 2013 lag sie noch bei 12,0 Prozent.

Dass sich dabei zwei Phänomene überlagern, zeigt der Vergleich zwischen Rechtskreisen SGB II und SGB III.
Im Januar waren 7.423 Menschen im Rechtskreis SGB III in der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet. Das waren 1.406 mehr als im Vormonat und 88 weniger als im Januar 2013. Im Rechtskreis SGB II waren 23.112 Menschen im Jobcenter Leipzig arbeitslos registriert. Das waren 1.044 mehr als im Dezember 2013 und 1.387 weniger als vor einem Jahr. 75,7 Prozent aller arbeitslosen Leipziger wurden vom Jobcenter und 24,3 Prozent von der Arbeitsagentur Leipzig betreut.

Aber hinter dieser Betreuung im Jobcenter steckt nach wie vor der hohe Sockel an Bedürftigkeit, der sich auch 2013 nicht aufgelöst hat, sondern sogar sehr stabil ist.

In Leipzig gab es im Januar 42.845 Bedarfsgemeinschaften. Das sind nur 10 weniger als im Vormonat, aber 88 mehr als im Januar des Vorjahres. Außerdem betreut das Jobcenter aktuell 53.394 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Anstieg 69. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um 246 Personen.

Hinter der Zahl von 53.394 erwerbsfähiger Leistungsberechtigten stecken auch die Leipziger Aufstocker, die zwar einen Job haben oder auch teilweise selbstständig sind, mit dem Erwerbserlös aber nicht über die Runden kommen.

Für Februar sieht Griese einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. “Der Anstieg wird wahrscheinlich geringer ausfallen als im Januar”, sagt sie.

Hinter dem saisonalen Kurvenverlauf verbirgt sich natürlich auch die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarktes: all jene Arbeitsplätze und Wirtschaftsfelder, die tatsächlich langfristig entstehen und jenen stabilen Sockel an Beschäftigung bilden, der keineswegs saisonale Arbeitskräfte bucht oder entlässt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 255.000 auf 42,06 Millionen gestiegen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit im November gegenüber dem Vorjahr um 335.000 auf 29,76 Millionen Personen zugenommen. Das heißt, der Beschäftigungsgrad in der ganzen Bundesrepublik steigt. Nicht überall gleichermaßen.

Einen leichten Rückgang gab es im Saarland und in Sachsen-Anhalt. Der Vorjahresvergleich aber ist interessant, denn er zeigt, welche Branchen tatsächlich zum Zuwachs an Arbeitsplätzen beitragen. Das größte Plus gab es bei den Wirtschaftlichen Dienstleistungen (ohne Zeitarbeit) mit 101.000 neuen Beschäftigungsverhältnissen deutschlandweit und – ein Thema das auch in Leipzig eine wichtige Rolle spielt – im Gesundheits- und Sozialwesen mit 89.000 neuen Arbeitsplätzen. Verkehr und Lagerei legte mit 30.000 neuen Jobs zu, genauso wie das Produzierende Gewerbe.

Und während Sachsen bei “Erziehung und Unterricht” massiv abbaut, stellen andere Bundesländer verstärkt Lehrer, Erzieher und Dozenten ein – 20.000 im vergangenen Jahr. Was für Sachsen mit seiner vom Sparen besessenen Scheuklappenpolitik auch bedeutet, dass es bald sehr große Probleme bekommen wird, überhaupt noch Lehrer zu finden, weil andere Bundesländer den Generationenwechsel jetzt schon auffangen.

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