-1.3 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Bauprojekte verteuern sich in Sachsen binnen fünf Jahren um 20 Prozent

Mehr zum Thema

Mehr

    Da hat das Statistische Landesamt wohl ein bisschen tief gestapelt, als es am 21. Dezember meldete: "Preissteigerungen am Bau in Sachsen 2015 weiterhin ein Thema". Denn dass Bauen in Sachsen aufgrund steigender Rohstoffpreise immer teurer wird, macht vor allem den Kommunen zu schaffen. Dem so investitionsfreudigen Freistaat natürlich auch. Bis zu 20 Prozent Preissteigerungen in fünf Jahren sind kein Pappenstiel.

    Denn damit werden aus 5-Millionen-Euro-Projekten eben 6-Millionen-Euro-Projekte – gerade weil Planzeiten immer öfter eher fünf Jahre betragen als nur zwei oder drei. Wer dann gar mit der Antragstellung und Finanzierung ins Hintertreffen gerät, der läuft regelrecht hinein in eine Kostensteigerung, die mit den üblichen eingeplanten Kostenpuffern nicht mehr aufgefangen werden kann.

    Und damit sind keineswegs so völlig aus dem Ruder gelaufene Großprojekte wie der Flughafen BER oder die Hamburgische Elbphilharmonie gemeint, sondern ganz normale Schul- und Hausbauprojekte, die mit den aktuellen Rohstoffpreisen von Planungsbeginn sachlich durchkalkuliert wurden – und dann doch in den üblichen Verzögerungsschleifen landeten.

    Der Neubau eines „Wohngebäudes“ kostete so in diesem Jahr in Sachsen durchschnittlich 2,8 Prozent mehr als 2014. Im Vergleich 2014 und 2015 schwächte sich folglich die Teuerung nur um 0,1 Prozentpunkt ab, melden die Landesstatistiker. Es soll wohl fixe Investoren geben, die in der Lage sind, in Jahresfrist nicht nur zu planen, sondern auch den Rohbau hinzustellen. Aber für Kommunen in Sachsen sind solche Zeiträume utopisch. Die begannen 2015 in der Regel eher Bauprojekte, die 2010 mal durchgerechnet wurden. Und wo das so ist, muss nicht nur mit läppischen 3,1 Prozent Kostensteigerung gegenüber den Planansätzen gerechnet werden, sondern mit 18 Prozent.

    Die Prozentzahlen unterscheiden sich bei Wohn-, Büro- und Gewerblichen Betriebsgebäuden nicht allzu sehr. Die Preissteigerungen resultieren ja vor allem aus den Kostensteigerungen bei den Rohstoffen, zum kleineren Teil auch mal durch steigende Lohnkosten. Aber ein Schulgebäude, das vor fünf Jahren mit 16 Millionen Euro durchgerechnet wurde (was für Grundschulen ein normaler Preis ist), geht dann schnell mal mit 18 bis 19 Millionen Euro in die Endabrechnung. Und da darf es zu keinen unerwarteten Überraschungen kommen – etwa instabiler Baugrund, kontaminierter Boden oder neue gesetzliche Bauvorschriften.

    Ein Gymnasium, das man mit 25 Millionen Euro geplant hat, landet dann schon mal im Bereich der 30 Millionen.

    Man versteht schon, dass da einige Leipziger Stadträte sehr zappelig werden, Anträge zu schnellerem Bauen stellen und gleich mal stadteigene Unternehmen wie die LESG oder gar private Bauherren anbieten als Retter in der Not – stets in der Vermutung, die könnten schneller planen und bauen. Doch die eigentlichen Hemmnisse beim kommunalen Bauen sind die langwierigen Genehmigungsverfahren und erst recht die noch viel zäheren Verhandlungen um Gelder und Förderung. Und zumeist sind es dieselben Parteien, die im Leipziger Stadtrat schnelleres Bauen fordern, die auf Landesebene auf der Bremse stehen und nicht recht wahr haben wollen, dass die Fördergelder für kommunale Investitionen zeitnah, schnell und bedarfsgerecht fließen müssen.

    Oder – um es mal so zu sagen: Das ganz bestimmt nicht bei den Schwaben abgeschaute Knausern im Freistaat Sachsen ist der wesentlichste Faktor, der kommunales Bauen sinnlos verteuert. Die Rechnung zahlt ja der Steuerzahler, nicht der Minister, der die Gelder verwaltet.

    Die Statistiker haben dann auch noch ausgerechnet, was der pure Rohbau kostet im Unterschied zum Innenausbau. Wobei der Innenausbau in der Regel sowieso schon den größeren Batzen der Baukosten ausmacht, denn hier geht es meist auch um hochwertige Technik, was dann durchaus den Effekt begründen könnte, dass Rohbauarbeiten mit 2,0 Prozent weniger heftig von Preissteigerungen betroffen waren als das Ausbaugewerk mit 3,4 Prozent.

    Nur die Planer, die sich mit Straßen, Brücken und Kanalbauten beschäftigen, haben es mit nicht ganz so hohen Preisaufwüchsen zu tun.

    Hier gab es – so die Statistiker – „eine deutlichere Abschwächung des Preisauftriebes. Straßen wurden im Jahresverlauf nur um 1,3 Prozent teurer, Brücken um 1,7 Prozent sowie Ortskanäle ebenfalls um 1,7 Prozent.

    Sogar aufs Quartal genau beobachten die Statistiker die Preisentwicklung: „Gegenüber August stiegen die Preise für den Neubau eines ‚Wohn-‚, ‚Büro-‚ bzw. ‚gewerblichen Betriebsgebäudes‘ im Schnitt um jeweils 0,4 Prozent. Andererseits verbilligte sich die Errichtung einer ‚Brücke‘ um 0,3 Prozent infolge günstigerer Konditionen bei ‚Gerüst-‚ (-1,4 Prozent) ‚Beton-‚(-0,5 Prozent) als auch ‚Stahlbauarbeiten‘ (-0,2 Prozent). Für eine neue ‚Straße‘ musste die öffentliche  Hand  indes 0,3 Prozent mehr an Finanzmitteln einplanen, bei ‚Ortskanälen‘ sogar 0,4 Prozent. Als entscheidend erwiesen  sich diesbezüglich u.a. die Preisfestlegungen bei ‚Erdarbeiten‘ (0,5 Prozent).“

    Aber man kauft ja Straßen und Brücken nicht einfach im November, weil da ein paar wichtige Arbeiten billiger zu haben sind. Die Bauherren sind sogar in der Regel gezwungen, die Arbeiten mitten in der Hochsaison zu beauftragen, weil sie vor Frosteinbruch fertig sein müssen. Wobei das sicher eine schöne Idee wäre: Einfach im billigsten Baumonat des Jahres online durch die Angebote klicken zu können und sich das fertige Teil einfach mal bringen zu lassen – von Ebay oder Amazon. Da kommen die bestimmt noch drauf, wenn die kommunalen Planer mal Druck machen.

    Ansonsten wird es wohl so bleiben wie gehabt: Die Baupreise steigen jedes Jahr um 1,5 bis 2 Prozent. Und wirklich drücken kann man die Endabrechnung nur, wenn man den Zeitpunkt zwischen Planung und Baubeginn drastisch reduzieren kann.

    Was wohl nicht passieren wird, denn der eigentliche Fördergeldgeber, der Freistaat Sachsen, operiert lieber mit starren Fördertöpfen und gedeckelten Fördersummen. Und passt hübsch auf, dass die Kommunen sich ja nicht neu verschulden.

    Die Meldung des Statistischen Landesamtes.

    Topthemen

    1 KOMMENTAR

    1. Was man heute tun könnte, sollte nicht auf morgen verschoben werden, denn billiger wird es nicht.

      Will mir einer erzählen, dass das die Damen und Herren im Rathaus nicht wissen?

      Wenn dem so ist, haben sie dort nichts verloren und wenn nicht, dann erst recht nicht.

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ