2018 wurden erstmals fast zwei Drittel des Klärschlamms in Sachsen thermisch entsorgt

Für alle LeserVor einigen Jahren war das noch normal: Da wurde der Klärschlamm aus den Klärwerken einfach aufs Feld gekippt. Ist ja nährstoffreich, die Pampe, beinah ein idealer Dünger. Wären da nicht die ganzen Beimengungen, die nicht aufs Feld gehören, weil sie hochgiftig sind und gesundheitsschädlich: diverse Chemikalien, Antibiotika, Medikamentenreste, Plastikpartikel. Deswegen arbeiten auch in Sachsen die Wasserwerke daran, für diese Restmasse eine Entsorgung abseits der Felder zu finden.

Am 13. Januar veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die jüngsten Zahlen zur Klärschlammentsorgung in Sachsen. Da fiel natürlich wieder eine Menge an. Aber gleichzeitig sank die Menge. Eine sinkende Bevölkerungszahl bedingt eben auch weniger Schlamm aus dem Abwasser.

In 666 öffentlichen biologischen Abwasserbehandlungsanlagen in Sachsen fielen im Jahr 2018 knapp 70.000 Tonnen Trockenmasse Klärschlamm an, meldete das Statistische Landesamt. Damit wurden gegenüber 2017 rund drei Prozent weniger Klärschlamm eigenerzeugt. Der größte Teil des Klärschlamms (97,0 Prozent bzw. 67.750 Tonnen Trockenmasse Klärschlamm) wurde einer direkten Entsorgung, also der stofflichen Verwertung oder thermischen Entsorgung, zugeführt.

Knapp zwei Drittel der in Sachsen eigenerzeugten Klärschlammmenge (45.061 Tonnen Trockenmasse) wurden verbrannt. Dies erfolgte zum Großteil in Kohlekraftwerken, Zementwerken oder ausgewählten Abfallverbrennungsanlagen. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre zur verstärkten thermischen Entsorgung des Klärschlamms fort. Ein knappes Drittel der Menge des eigenerzeugten Klärschlamms (22689 Tonnen Trockenmasse) wurde zuletzt stofflich verwertet, beispielsweise in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau. Dieser Anteil verringerte sich von 49,9 Prozent im Jahr 2017 auf 32,5 Prozent im Jahr 2018 spürbar.

So weit die amtliche Meldung.

Die konkrete Entwicklung von 2017 zu 2018: Die in Sachsen erzeugten Klärschlammmengen reduzierten sich von 72.077 auf 69.846 Tonnen. Auch von 2016 zu 2017 hatte es schon eine Verringerung dieser Mengen gegeben von 74.970 auf 72.077 Tonnen.

Parallel dazu aber wird sichtbar, wie die Wasserwerke alle nach einem Absatz für den belasteten Schlamm aus den Kläranlagen suchen.

Wurden 2016 noch 34.663 Tonnen thermisch entsorgt, also verbrannt, so waren es 2018 mit 45.061 Tonnen schon deutlich mehr. Leipzig fällt in der Statistik natürlich auf, weil es seine Klärschlämme schon komplett verbrennen lässt. Ein Drittel der in Leipzig 2018 angefallenen 6.361 Tonnen wurden zur Verbrennung in Anlagen in Sachsen-Anhalt verbracht, die restlichen zwei Drittel werden im Kohlekraftwerk Lippendorf mitverbrannt.

Insgesamt fielen in Leipzig sogar 8.225 Tonnen Klärschlamm an. Doch die kommen in der Regel immer erst in ein Zwischenlager und werden nicht im laufenden Prozess weitergefahren. Sodass 2018 eine Diskrepanz zwischen erzeugter und verwerteter Schlammmenge auftrat.

2017 zum Beispiel fielen in Leipzig 8.481 Tonnen Klärschlamm an, thermisch entsorgt wurden 8.976 Tonnen. Man ahnt so ein bisschen, wie sich die Manager im Klärwerk jedes Mal freuen, wenn sie wieder eine größere Menge zur Verbrennung an ein Kraftwerk loswerden.

Doch auch künftig steht die Frage: Wohin mit dem Rest? Das ist durchaus eine Frage, die beim Ausstieg Leipzigs aus der Fernwärmeversorgung aus Lippendorf 2023 geklärt sein muss. Wo kann Leipzig seine getrockneten Klärschlämme künftig (mit)verbrennen? Denn der Wettbewerb um Verbrennungskapazitäten ist scharf.

Alle Wasserwerke suchen Abnehmer für ihre Schlämme. Als Idee hat Leipzigs OBM Burkhard Jung zumindest ins Spiel gebracht, in Lippendorf eine eigene zentrale Verbrennungsanlage für die Klärschlämme aus der Region aufzubauen, den Standort also weiter zu nutzen, nur halt nicht mehr für Kohleverbrennung.

Alle Wasserwerke suchen mittlerweile nach Abnehmern für ihre Klärschlämme, um diese zu verbrennen. Die Grafik aus dem Statistischen Bericht zur Klärschlammentsorgung zeigt, wie stark der Anteil der stofflich verwerteten Schlämme seit 2008 gesunken ist.

Wurden 2008 noch 80 Prozent der Schlämme in irgendeiner Art weiterverwertet, sank dieser Anteil 2018 auf 33 Prozent, der Anteil der verbrannten Trockenschlämme stieg hingegen von 20 auf 67 Prozent. Etwa 7 Prozent werden noch in der Landwirtschaft ausgebracht, etwa 15 Prozent werden kompostiert oder bei landschaftsbaulichen Vorhaben eingesetzt. 11 Prozent werden noch als Baufüllmasse eingesetzt. Aber alle diese Verwertungen sind begrenzt oder unterliegen mittlerweile strengen Umweltvorschriften, denen gerade großstädtische Klärschlämme mit all ihren giftigen Rückständen nicht mehr genügen.

Die Leipziger Wasserwerke müssen jetzt also eine Lösung finden, wo sie künftig die getrockneten Schlämme (mit)verbrennen können. Eine technisch moderne Anlage, an der sich dann auch die Landkreise beteiligen, wäre zumindest eine zukunftsfähige Lösung.

Das Jahr 2018 jedenfalls hat gezeigt, wohin die Reise geht, denn der Sprung war unübersehbar: 2017 wurde nur die Hälfte der Klärschlämme in Sachsen verbrannt. 2018 waren es zwei Drittel.

Lesungstipp – Schwarz Rot Müll: Wie die Müllmafia in Deutschland arbeitet und wie die staatlichen Kontrollen systematisch versagen

Ein Ausstieg mit Folgen: Wird Leipzig 2023 wirklich kohlefrei?

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