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Geplanter Kohleausstieg: Leipzig braucht auch 2023 und 2024 noch Fernwärme aus Lippendorf

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    Wie nennt man das? Einen sauren Apfel? Ein Unglück? Eine tragische Entwicklung? Die Leipziger Stadtwerke werden es zwar schaffen, ihr neues gasbetriebenes Kraftwerk im Leipziger Süden bis Ende 2022 fertigzustellen. Aber um auch gleichzeitig alle Fernwärmelieferungen aus dem Kohlekraftwerk Lippendorf zu beenden, fehlen zwei wichtige Bausteine. Die Grünen im Stadtrat wollten das unbedingt wissen.

    „In der Ratsversammlung vom 30.10.2019, in welcher auch der Leipziger Klimanotstand ausgerufen wurde, wurde der Beschluss zum ,Ausstieg aus dem Fernwärmebezug aus Lippendorf‘ verabschiedet. Der Beschluss besagte, dass ein frühestmöglicher vollständiger Ersatz der bisher aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf gelieferten Fernwärme möglichst schon bis 2023, jedoch bei unvorhergesehenen Verzögerungen bis spätestens 2025 umzusetzen ist“, stellten die Grünen in ihrer Stadtrats-Anfrage fest.Nun wollten sie wissen, ob es bei dieser Aussage bleibt und wenn ja, weshalb eine Lieferung bis 2025 notwendig wird?

    Und die Verzögerung kommt tatsächlich, wie Oberbürgermeister Burkhard Jung jetzt mitteilt: „Die Leipziger Stadtwerke arbeiten intensiv und mit Hochdruck an der Umsetzung der von den Gremien beschlossenen Gesamtwärmeerzeugungskonzeption. Im Zuge dessen kommt es zu Verzögerungen hinsichtlich des Zeitplanes zur Realisierung damit verbundener strategischer Schlüsselinvestitionen. Die so nicht vorhersehbaren Ursachen dafür liegen weit überwiegend außerhalb des Einflussbereiches von Unternehmen, LVV und Stadt.“

    „Zu den Hintergründen wird auf die einschlägige Stellungnahme der Stadtwerke in der Anlage, sowie die ausführlichen Erläuterungen in den einschlägigen Gremien in 2021 verwiesen. Dessen ungeachtet erscheint nach gegenwärtigem Stand eine Umsetzung der Konzeption, unter Berücksichtigung des Vorranges der Versorgungssicherheit auch und gerade in Krisenzeiten wie diesen, immer noch innerhalb des von den Gremien dafür im Falle unvorhersehbarer Entwicklungen gesetzten zeitlichen Rahmens bis 2025 realistisch.“

    „Die Transformation der Fernwärme darf die Versorgungssicherheit der Leipziger Bürger unter keinen Umständen gefährden. Eine ausreichende Versorgungssicherheit besteht jedoch nur dann, wenn das Gesamtportfolio auch den Ausfall der größten Erzeugungsanlage (Absicherung möglicher Störfälle, als (n-1) bezeichnet) abdeckt“, teilen die Stadtwerke selbst in ihrer Stellungnahme mit, die der OBM-Antwort beigefügt ist.

    „Wie bereits im Rahmen des Aufsichtsratsbeschlusses vom 20.06.2019 dargelegt, kann dies, technisch und wirtschaftlich sinnvoll, nur bei einem über das Jahr 2023 hinausgehenden Abschluss eines verminderten Liefervertrages mit der LEAG sichergestellt werden. Mit Blick auf die Versorgungssicherheit Leipzigs war es daher unerlässlich, bereits frühzeitig einen entsprechenden Sicherheitskorridor mit Versorgungsalternativen auszuprägen.“

    Der Aufsichtsrat der Stadtwerke und der Verwaltungsausschuss des Stadtrates seien im Januar und Februar schon informiert worden, teilen die Stadtwerke mit. Und mittlerweile haben sie mit der LEAG, der der entsprechende Kraftwerksblock in Lippendorf gehört, auch schon Absprachen für einen verminderten Folgevertrag getroffen: „Nach erfolgter Abwägung technischer Alternativen hat sich gezeigt, dass sich einzig ein (verminderter und zeitlich beschränkter) Weiterbezug der Fernwärmelieferung seitens LEAG empfiehlt. Eine anderweitige Kompensation durch zusätzliche Investitionen in Erdgas- und/oder Elektrodenkessel ist aufgrund deren beschränkter Verwendungsfähigkeit weder technisch, ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll.“

    Und weiter: „Im Rahmen der mit LEAG laufenden Gespräche konnte nun erreicht werden, dass die aus der Verzögerung des Biomassekraftwerkes resultierende zusätzliche Lücke von rd. 30 MWth sowie die erwartete verspätete Inbetriebnahme der iKWK mit 13 MWth Energieerzeugungskapazitäten im Winter, nun bedarfsgerecht und zu akzeptablen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus dem Kraftwerk Lippendorf bezogen werden können. Die genauen Liefermengen sind letztendlich abhängig von der zukünftigen Entwicklung der Strom-, Gas- und CO2-Preise, aus aktueller Sicht wird ein Absinken der bisher bezogenen Mengen auf ca. ein Viertel erwartet. Eine Verkürzung der Bezugsfrist auf 2023 ist nicht mehr leistbar.“

    Zwei wichtige Bausteine fehlen nämlich noch, die eine komplette Unabhängigkeit von Lippendorf erst möglich machen. Und die Sache klemmte vor allem, weil man das benötigte Personal nicht so schnell binden konnte.

    In der Antwort der Stadtwerke liest man dazu: „Mit Ausnahme der Stellen Projektleitung ,HKW Leipzig Süd‘, der Stelle für die Teilprojektleitung Technik ,HKW Leipzig Süd‘ sowie einiger Stellen im sehr fachspezifischen Gebiet der Biomasse, konnten die im Wesentlichen befristet ausgeschriebenen Positionen nahezu planmäßig besetzt werden. Die Suche nach qualifiziertem und technologiebedingt hoch spezialisiertem Personal für das ,Biomasseprojekt‘ war auch mit externer Unterstützung leider nicht erfolgreich. So musste das Projekt ,Biomasse‘ im 4. Quartal 2019 pausiert werden, auch da das HKW Leipzig Süd die höchste Priorität im Portfolio hat. Die Arbeiten am Biomassekraftwerk konnten letztendlich erst Ende September 2020 wiederaufgenommen werden.“

    „Erst nach Wiederaufnahme der Arbeiten konnte die Grundstückssituation geklärt werden. Ein daraufhin in Auftrag gegebenes Gutachten ergab nun das Erfordernis der Durchführung eines Bebauungsplanverfahrens für den sondierten Standort, was zu einer Verzögerung um weitere 18 Monate führt. Aufgrund benannter Verzögerungen befindet sich das Biomassekraftwerk derzeit noch in der Entwurfsplanung. Das Genehmigungsverfahren (B-Plan und BImschG Antrag) wird voraussichtlich in 2021gestartet. Eine Inbetriebnahme kann damit frühestmöglich Ende 2024 erfolgen.“

    Aber auch ein zweiter Baustein wurde coronabedingt verzögert: „Auch im Projekt innovative KWK-Anlage sind Verzögerungen zu verzeichnen. In den Ausschreibungsrunden vom Dezember 2019 und Juni 2020 wurde der Zuschlag knapp verpasst und konnte erst im Dezember 2020 erlangt werden. Darüber hinaus gibt es coronabedingt aktuell Verzögerungen im Bebauungsplanverfahren, sodass die iKWK-Anlage voraussichtlich erst im Jahr 2023 in Betrieb gehen kann.“

    Was ja bedeutet, dass Leipzig 2023 und 2024 noch auf (reduzierte) Fernwärmelieferungen aus Lippendorf angewiesen ist, auch wenn die Stadtwerke betonen, dass mit Inbetriebnahme des neuen Heizkraftwerks der Kohleausstieg für Leipzig begonnen wird.

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    5 KOMMENTARE

    1. Hallo Stefan, regenerativ ist Biomasse ja schon (da theoretisch nachwachsend und sich erneuernd). Und reine Holzasche aus unbehandeltem Holz muss theoretisch auch nicht entsorgt werden, zumindestens kleinere Mengen werden schon im Boden mehr oder weniger assimiliert. Früher galt Holzasche sogar als Dünger und in alten Gartenbaubüchern vom Anfang des 20. Jahrhunderts stehen sogar Anleitungen dazu drin. Aber Vorsicht, Holzasche ist nicht gleich Holzasche. Das mit der Unbedenklichkeit gilt natürlich nur für unbehandeltes Holz (Grillkohle ist bspw. u.U. ganz übles Zeug wegen Grillanzünder usw.). Und bei Holz aus dubiosen Quellen sollte man auch vorsichtig sein. Generell schreibe ich auch bewusst von kleinen Mengen, weil Holzasche einen hohen PH-Wert hat. Und wer untersucht schon seine Holzasche auf den PH-Wert und eventuell auf Schadstoffe, um sie mit der Erde, wo man die Holzasche hinkippt, vom PH-Wert etc. her abzugleichen (Erde kann ja auch kleinflächig unterschiedliche Werte haben, bspw. weil jemand Anfang des 20. Jahrhunderts meinte, dort mit Asche zu düngen oder sonst was ausgekippt hat – gerade im Siedlungsbereich hat man früher oft üble Reste von Baumaterialien und Dinge, die wir lieber nicht wissen wollen, vielfach einfach hinterm Haus vergraben).

      Nun, die Dosis macht das Gift – und wie man mit den Dingen eben mal umgegangen ist und noch umgeht. Aber die Asche ist nur eine Sache, die zu bedenken ist und wo Sie durchaus Recht haben, sie anzusprechen.

      Zu bedenken sei nämlich auch, ob Energie aus Biomasse wirklich CO2-neutral ist.

      Bleiben wir mal bei Holz… nun, man geht davon aus, dass in einer bestimmten Menge Holz eine bestimmte Menge CO2 vorhanden ist. Und dann gehen manche Fachleute davon aus, dass bei der Verrottung eben diese Menge CO2 wieder in die Luft geht und dass dies die gleiche Menge CO2 wäre, wie wenn man das Holz verbrennt. Nun, und dann sagen einige Fachleute, klar kann man Holz verbrennen, es ist ja klimatisch dann egal, ob das Holz im Wald verrottet oder zuhause verbrannt wird. Und wenn man genug Bäume nachpflanzt oder von selbst wachsen lässt, wird ja wieder CO2 gebunden, so sagen manche.

      Aber ist das nicht zu einfach, geradezu eine Milchmädchenrechnung?

      Zu einem fliegt das Holz ja nicht von allein aus dem Wald in den Ofen. Da werden Autos bewegt, Motorsägen, schwere Forstmaschinen, LKWs usw… nun, bei denen kommt ja auch nicht gerade nur Veilchenduft aus dem Auspuff, sondern eben CO2, was beim Holzmachen mit anfällt!

      Zum anderen verrottet Holz langsam, übt dabei viele ökologische Funktionen aus und bietet Lebensraum für eine Vielzahl ebenso wichtiger Organismen.

      Das ist ganz klar was ganz anderes als das Holz frisch aus dem Wald zu nehmen und sofort zu verbrennen.

      Es gibt unheimlich viele Studien usw. darüber, die berechnen wollen, wo wieviel CO2 im Wald wie gespeichert und freigesetzt wird – wieder eine Wissenschaft für sich – ich frag mich aber, Waldboden an sich, der ja auch aus verrottetem Holz besteht, bindet auch wieder CO2, gilt sogar als CO2-Senke – das spricht dafür, auch aus diesem Grunde Holz im Wald verrotten zu lassen anstatt es für irgendeinen Strom zu verbrennen.

      Da kann man sich also schon fragen, ob diese Rechnung, Holz zu verbrennen, sei CO2-neutral, wirklich so aufgeht.

      Hier ein netter Artikel zum Thema:

      https://www.zdf.de/nachrichten/politik/energie-brennstoff-holzheizung-100.html

      (Von anderen Biomassepflanzen mag ich hier gar nicht reden, das ist ein richtig düsteres Thema, ich sag nur, intensive industrielle Landwirtschaft)

    2. Vielen Dank, J., für die schöne Aufklärung.

      Energie aus Biomasse ist zwar wohl (halbwegs) CO2-neutral, aber nicht regenerativ. Die Rückstände (vulgo: Asche) müssten außerdem entsorgt werden.

      So gesehen ist Energieproduktion aus Biomasse nur die Zeitrafferversion (mit Faktor 10 Millionen oder so) der ordinären Verfeuerung von Kohle.

      Es sei denn, in den Wäldern „entsteht“ mehr Totholz, als die Wälder brauchen; dann könnte man das überschüssige Totholz „entnehmen“. Das wird natürlich nicht genug sein.

      Nun wundert es mich nicht mehr, warum man zu „Energie aus Biomasse“ so wenig beiläufig zu lesen bekommt. Es ist also auch eine – naja – dunkle Sache, wo viel Geld verdient wird. Da hängt man es nicht so an die große Glocke, sondern verlässt sich auf die Wirkung der schönen Vorsilbe „Bio-„.

      Das Ganze erinnert mich daran, dass die Bevölkerung Europas ja schon 2/3 des ursprünglichen Waldbestands des Kontinents abgeholzt hat…

    3. Es sei auch klarzustellen, dass Biomasse nicht heißt, dass hier etwa besonders umweltfreundlich Energie produziert wird. Ich zitiere mal Wikipedia: „Als Biomasse wird die Stoffmasse von Lebewesen oder deren Körperteilen bezeichnet. Diese Stoffgemische werden mithilfe ihrer Masse quantifiziert.“

      Welche Biomasse wird in den beiden bisherigen Biomassekraftwerken verfeuert?

      Zitat von der Website der Stadtwerke:

      „Unsere Biomasse-Kraftwerke gehören zu den modernsten in Deutschland. Sie werden ausschließlich mit naturbelassenem Holz betrieben, das bei der Waldpflege bzw. Durchforstung oder der Landschaftspflege anfällt.“

      Erscheint mir nicht besonders umweltfreundlich – natürlich fällt da Holz an, aber in den von Dürre geplagten Wäldern ist jedes Stück Holz, was am Boden liegt und verrottet, ein Baustein, diese Wälder vor der nächsten Dürre zu schützen. Größere Äste und Stämmen am Boden werfen noch Schatten und speichern Wasser, das Zwischenstadium des Streus speichert Wasser und schützt den Boden, der Humus, der final aus dem verrottetem Holz entsteht, speichert wieder Wasser und schützt den Boden.

      Mir deucht, die vermeintlich so ökologische Abkehr von der Braunkohle ist keine Verbesserung für die Umwelt.

      Bei besenreinen Parks und Wäldern, wo der Boden mehr oder weniger schutzlos offenliegt, ist es klar, dass Mensch zu einer Spirale des Todes in den Wäldern und Parks beiträgt. Ein Verschwinden mancher Wälder ist bei solchem Verhalten in naher Zukunft absehbar und machen wir uns nichts vor: von so einigen neu aufgeforsteten Kulturen wird auch u.U. einiges nicht hochkommen, wenn das Klima sich weiter so wandelt, wie prognostiziert. Und wir verschlimmern die Lage.

      Es ist nachvollziehbar, dass verzweifelte Waldbesitzer in der derzeitigen Lage nach jedem finanziellem Strohhalm greifen, aber es ist tragisch, dass diese vermeintlich rettenden Strohhalme dazu beitragen werden, dass die Waldbesitzer in Zukunft Teile ihres Waldbesitzes oder den ganzen Wald verlieren werden in ein paar Jahrzehnten, so die Klimaprognosen eintreten. Und es ist tragisch für die Menschheit, weil durch den Verlust der Wälder weltweit die komplette Unbewohnbarkeit des Planeten in einigen Jahrzehnten/Jahrhunderten u.U. mit eingeleitet wird.

      Und es ist tragisch, dass eine menschliche Gesellschaft sich in die Tasche lügt und sich zwar von schädlichen Methoden der Energieerzeugung abwendet, aber nur um sich vermeintlich ökologischeren Lösungen zuzuwenden, welche aber die Probleme nur verlagern.

      Prinzipiell, ich kann es nur immer wieder vorbeten und werde es solange tun, bis ich ins Grab sinke, hilft nur ein sorgsamerer Umgang mit Energie. Natürlich muss man hierzulande im Winter heizen, aber man muss, nur um zwei Beispiele zu nennen, keine Energie verschwenden für Elektroroller oder LED-Lichterketten in irgendwelchen Vorgärten. Jegliche Elektromobiliät wird die Krise verschärfen und ist auch keine Lösung. Theoretisch muss grundlegend umgedacht werden, weltweit, gesamtgesellschaftlich. Da es klar ist, dass man dafür auf Reichtum verzichten müsste, ist es aber sehr wahrscheinlich dass dies nie passieren wird. Und so wird die Menschheit wahrscheinlich aus reiner Gier und Unfähigkeit, Verhaltensweisen grundlegend zu ändern, ihre Lebensgrundlagen in Zukunft komplett vernichtet haben.

      Dies erklärt aber auch, warum im FWP 21 im Totholzkonzept Niederwald empfohlen wird. Niederwald ist eigentlich auch nur eine Art Kurzumtriebsplantage – und bei Niederwald entsteht nie stärkeres Totholz, sondern eben nur dünne Äste, die dann geschreddert und in Biomassekraftwerken verheizt werden können. Manche Kommunen in Deutschland haben hierzu schon Überlegungen angestellt, allerdings offen und nicht unter dem grünen Deckmäntelchen des guten Försters, der angeblich die Natur schützen will (aber ein guter Trick, auf den immer wieder Menschen hereinfallen, funktioniert auch in anderen Ländern gut, siehe Schweden).

      Natürlich werden unsere Wälder rund um die Stadt den Biomassebedarf diverser Biomassekraftwerke nicht allein decken können, aber das Holz wird ja generell aus der Region bezogen und v.a. aus den von der Dürre besonders stark betroffenen Wäldern, Piesteritz holt es sich z.B. aus der Dübener Heide, welche von solchen sich entwickelnden Dynamiken nochmals zusätzlich zur Dürre geschädigt wird. Und man holt sich notfalls Holz aus anderen Ländern.

      Ich denke mir sowas auch nicht aus und verweise exemplarisch auf solche Presseberichte:

      „Die Bestandsaufnahme zur Holznutzung in Europa zeigt erschreckende Fakten. Ein Großteil des Holzes wird verbrannt, darunter auch wertvolles Stammholz. Hinzu kommt, dass die Herkunft größerer Holzmengen nicht zurückverfolgt werden kann.“

      „Die Analyse zeigt, dass die Holzentnahmen in der EU zwischen 2009 und 2015 jährlich gestiegen sind. Die Forscher schätzen, dass das Verhältnis von Holzeinschlag zu Holzzuwachs 2015 zwischen 75 und 85 Prozent lag. Es wurde mehr geerntet als neu heranwuchs. Seit 2014 kommen jährlich große Mengen an geschädigtem Holz hinzu, das Stürmen oder Insekten zum Opfer fiel. Insgesamt hat die Holznutzung in den letzten zwei Jahrzehnten um etwa 20 Prozent zugenommen.“

      „Die holzbasierte Bioenergieproduktion ist ebenfalls gestiegen und macht mittlerweile den Löwenanteil in der Holznutzung aus. 2015 wanderten 63 Prozent des Holzes in die Bioenergieproduktion. Der Großteil – 49 Prozent – stammte aus Sekundärholz, aber immerhin 37 Prozent aus Primärquellen, 20 Prozent davon aus Stammholz, ein Anteil von 17 Prozent aus Baumkronen und Ästen. Die verbleibenden 14 Prozent sind in der Statistik nicht kategorisiert, werden also keiner der beiden Kategorien zugeordnet. Die Forscher vermuten aber, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um wertvolles Primärholz handelt.“

      Hier werden für die Bioenergieproduktion unglaubliche Massen an Holz verfeuert, und es gibt hier auch unglaubliche dunkle wirtschaftliche Verstrickungen.

      Und ökologisch ist all dies nicht, auch wenn man sich das einzureden versucht.

      https://www.energiezukunft.eu/umweltschutz/grossteil-des-holzes-in-europa-wird-verbrannt/

    4. @LIZ-Redaktion:
      Die Stadtwerke betreiben seit über zehn Jahren zwei Biomassekraftwerke in Bischofferode (Thüringen) und Piesteritz (Sachsen-Anhalt). Wo soll denn das erwähnte neue Biomassekraftwerk entstehen? Auch so weit entfernt oder näher an Leipzig dran?

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