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Raus aus der Kohle: Der Chemnitzer Abschied von der Braunkohle könnte der Anfang vom Ende der Meiler in Sachsen sein

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    Der Kohleausstieg in Sachsen ist längst im Gang. Nur hat sich bislang kaum einer getraut, öffentlich zu sagen, dass er deutlich vor dem Jahr 2030 stattfinden muss – und wohl auch stattfindet. Und das sogar aus simplen ökonomischen Gründen. Denn mit den steigenden Preisen für CO2-Zertifikate wird Kohleverstromung schon lange vor 2030 unrentabel. Was Sachsens Umweltminister jetzt erst einmal der dpa erklärte und der „Spiegel“ griff es staunend auf.

    „Es ist davon auszugehen, dass der Braunkohleausstieg marktgetrieben sehr viel schneller vonstattengehen wird als das gesetzlich fixierte Ausstiegsdatum“, zitieren die beiden Umweltminister Wolfram Günther (Grüne), der als Beispiel auf den Chemnitzer Energieversorger Eins verwies, der am 4. Juni gemeldet hatte, dass man aus simplen ökonomischen Gründen („in der Verantwortung für unsere Kunden/-innen und Mitarbeiter/-innen sowie in wirtschaftlichen Erwägungen“) früher aus der Kohlenutzung aussteigt als selbst noch beim Kohleausstieg geplant.Im Grunde wählt Eins dabei denselben Weg, den auch die Leipziger Stadtwerke gehen, auch wenn die Stadtwerke Leipzig schon lange selbst keine Kohle mehr verfeuern. Aber die Fernwärme wird noch bis 2023/2024 aus dem Kohlekraftwerk Lippendorf bezogen.

    Um sich davon unabhängig zu machen, hat erst der Stadtrat den OBM beauftragt, die Stadtwerke auf den Ausstiegspfad zu bringen, und dann stellten Stadtwerke und OBM gemeinsam den Bau des neuen Gaskraftwerks im Leipziger Süden vor, das ab 2023 die Wärmeleistungen aus Lippendorf kompensieren soll.

    Mit eigentlich 20 Jahren Verspätung werden die Gaskraftwerke jetzt tatsächlich zur Übergangstechnologie, auch wenn sie nur rund ein Drittel der CO2-Emissionen gegenüber Kohlekraftwerken einsparen. Aber sie sind auch leicht hoch und runter zu regeln, können auch komplett vom Netz gehen, wenn es draußen warm ist und alternative Anlagen auch genug Strom produzieren, eine Regelbarkeit, die Kohlekraftwerke nie hatten.

    Und ganz ähnlich hat auch Eins in Chemnitz den Ausstieg geplant, nur dass der jetzt noch schneller kommen wird als zuvor gedacht.

    „Laut ursprünglichem Konzept hat sich Eins für den Ausstieg aus der Braunkohle in folgenden zwei Schritten entschieden: Im ersten Schritt wird der Block B im Jahr 2023 außer Betrieb genommen und im 2. Schritt Ende 2029 der Block C. Damit ist dann der Kohleausstieg vollzogen“, beschreibt das Unternehmen den Stand zu Anfang 2020, als sämtliche Kohlekraftwerksbetreiber noch sicher waren, dass sie ihre Meiler noch 15 Jahre laufen lassen könnten. Aber mit langer Verspätung zeigen die CO2-Preise jetzt endlich eine lenkende Wirkung, was den Betrieb der Kohleöfen in Chemnitz schon jetzt unrentabel macht.

    Das Energieunternehmen Eins dazu: „Seit November vorigen Jahres hat sich jedoch eine dramatische Entwicklung bei den CO2-Preisen eingestellt, die in dieser Schärfe nicht vorhersehbar war. So stiegen die CO2-Preise im Emissionshandel von 27 € / t CO2 auf jetzt 58 €/ t. Diese massive Steigerung wirkt sich auf die Vermarktung des Stromes aus dem Heizkraftwerk massiv aus. Für dieses und die Folgejahre erwartet Eins aus diesen Gründen massive Verluste im zweistelligen Millionenbereich für den Betrieb des Kraftwerks.

    Die wirtschaftliche Belastung für das Unternehmen wird dabei so schwer werden, dass Eins bereits für das Jahr 2023 den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bzw. -verbrennung prüft und bei Bestätigung der Annahmen auch umsetzen wird. Dies führt wiederum zu wirtschaftlichen Verlusten im zweistelligen Millionenbereich, welche jedoch geringer ausfallen als in der ursprünglich geplanten Variante.“

    Und es gibt keine Gründe dafür anzunehmen, dass es Unternehmen wie der LEAG, die ja den einen Kraftwerksblock in Lippendorf betreibt, anders gehen wird. Wenn Leipzig ab 2024 dann auch noch keine Fernwärme mehr kauft, dürfte sich der Betrieb des Kraftwerks Lippendorf nicht mehr wirklich lohnen. Dann ist auch das Jahr 2035 Makulatur, bis zu dem – laut Kohleausstiegsplan – das Kraftwerk noch weiterlaufen dürfte.

    Und auch Günther vermutet, dass noch mehr Braunkohlekraftwerke früher vom Netz gehen werden, als im Kohlekompromiss verhandelt. Da werden die Kraftwerksbesitzer mit sehr spitzen Rotstiften sitzen und rechnen, ob es sich lohnt, die Kraftwerke bis 2035 bzw. 2038 laufen zu lassen und damit jedes Jahr Millionen Euro Verluste zu machen, oder ob man die Chance nutzt, die Kraftwerke früher beim Bund zum Ausstieg anzumelden und die Ausstiegssumme zu kassieren.

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      1 KOMMENTAR

      1. Dass die CO2-Preise steigen werden, kommt aber nicht überraschend, sondern mit (locker) einem Jahrzehnt Ansage.

        Man hat wohl gedacht, Sachsen bleibt eine Kohleinsel der Seligen, und nicht bedacht, warum Fattenknall ausstieg und den seinerzeitigen Ministerpräsidenten etwas alt aussehen ließ.

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