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Am Freitag wurde der Grundstein für das neue Heizkraftwerk Süd der Stadtwerke Leipzig gelegt

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    Leipzig meint es ernst mit dem Kohleausstieg. 2018 beschloss die Stadt, ab 2023 auf Fernwärmelieferungen aus dem Kohlekraftwerk Lippendorf zu verzichten und die Fernwärme in einem eigenen, neuen Gaskraftwerk selbst zu produzieren. Am Freitag, 4. Dezember, wurde im Leipziger Süden nun der Grundstein für das neue Kraftwerk gelegt.

    Im August hatte die Landedirektion Sachsen ihre Zustimmung zum Bau gegeben. Für die Leipziger Stadtwerke ist ein Meilenstein im Rahmen ihres Zukunftskonzepts Fernwärme erreicht. Für das neue Heizkraftwerk an der Bornaischen Straße wurde nun der Grundstein gelegt – aufgrund der aktuellen Hygienevorschriften allerdings leider nur im kleinen Kreis.

    „Mit dem Neubau des HKW Leipzig Süd sichern die Leipziger Stadtwerke die Energieversorgung und liefern zugleich einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele unserer Stadt“, sagte dazu Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Aufsichtsratsvorsitzender der Leipziger Gruppe, am Freitag.

    „Deutschland will den Kohleausstieg 2038 beendet haben. Wir in Leipzig wollen die Transformation schneller schaffen. Dabei ist Erdgas nur eine Übergangstechnologie. Das HKW Süd ist grundsätzlich auch in der Lage, mit nicht-fossilen Energieträgern Strom und Wärme zu erzeugen. Das neue HKW Leipzig Süd soll Ende 2022 am Netz sein.“

    Der nicht-fossile Energieträger soll künftig grüner Wasserstoff sein, der aus Überschussstrom aus alternativen Energieanlagen gewonnen werden soll.

    Leipzig hat am 30. Oktober 2019 den sogenannten Klimanotstand für die Stadt ausgerufen. Demnach ist den Aspekten des Klimaschutzes und des Schutzes vor den Folgen des Klimawandels künftig eine deutlich höhere Priorität einzuräumen, betonen die Stadtwerke Leipzig.

    „Der Beschluss geht einher mit konkreten Schritten, wie eben der Entscheidung zum Ausstieg der Stadt Leipzig aus dem Bezug von Fernwärme, die durch Braunkohleverfeuerung entsteht“, so Jung weiter. „Die Grundsteinlegung vom heutigen Tag heißt also auch: Leipzig macht weiter Tempo auf seinem eingeschlagenen Weg zur nachhaltigen Stadt von Morgen.“

    Die Stadtwerke investieren im Rahmen ihres Zukunftskonzepts Fernwärme – mit dem Herzstück HKW – in den nächsten Jahren mehr als 300 Millionen Euro in den Bau neuer Anlagen, betont Karsten Rogall, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke. „Langfristiges Ziel ist es, ohne fossile Energieträger auszukommen und trotzdem günstige Energiepreise anbieten zu können.“

    Ab Ende 2022 sei das Unternehmen in einem ersten Schritt nicht mehr von der Wärme abhängig, die im Kraftwerk Lippendorf aus Braunkohle erzeugt wird.

    „Wir sichern im Rahmen eines Portfolios aus verschiedenen Erzeugungstechnologien selbst unsere Energie-Lieferung ab“, unterstreicht Rogall. „Und wir unterstützen die Klimaziele Leipzigs, weil wir die Energiewende vor Ort mit einem Gaskraftwerk voranbringen, welches die spezifischen CO2-Emissionen im Vergleich zur Lieferung aus Lippendorf signifikant reduzieren wird.“

    Auch aus ökonomischer Sicht sei das sinnvoll, „weil wir mit Investitionen in die Fernwärme einen Bereich stärken, der wesentlich für unsere Wirtschaftlichkeit ist“, ergänzt sein Kollege Maik Piehler. „Wohnquartiere, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen vertrauen auf unsere Fernwärme. Unsere Investitionen bewirken, dass unser Einfluss auf den Preis steigt und wir unseren Kunden auch in Zukunft eine sichere und bezahlbare Wärmeversorgung zur Verfügung stellen können.“

    Durch die Investition in umweltfreundliche und innovative Anlagen erzielen die Stadtwerke bessere Wirkungsgrade und weniger CO2-Emissionen. Die neuen Anlagen können deshalb wirtschaftlicher betrieben werden. Und: Es fallen deutlich geringere CO2-Kosten an, die in den nächsten Jahren auch noch steigen werden.

    „Die Errichtung hocheffizienter Kraftwärmekopplungsanlagen wird per Gesetz in Deutschland gefördert“, so Rogall. „So gewährleisten wir, dass das Plus an Klimafreundlichkeit auch positive Auswirkungen auf das Preisniveau der Leipziger Fernwärme hat.“

    Momentan arbeiten die Bauleute an der Ausführung der Fundamente. Diese werden mittels schallreduzierter Bohrpfahltechnik errichtet. Auch der Rohbau erfolgt vorrangig unter Einsatz von Stahlbeton-Fertigteilen möglichst geräuscharm.

    „Und dank umfangreicher Schallschutzmaßnahmen wird die Anlage auch später ein ruhiger Nachbar sein“, verspricht Projektleiter Thomas Brandenburg.

    Ende 2022 sollen auf dem Gelände neben dem Kraftwerksgebäude ein Versorgungsgebäude, eine Pumpenhalle und ein Wärmespeicher stehen.

    „Das Herzstück der Anlage bilden zwei Gasturbinen mit jeweils 62,5 MW elektrischer Leistung. Der Abgasstrom der Turbinen wird in den nachgeschalteten Heißwassererzeugern genutzt, um jeweils 81,5 MW thermische Leistung für die Wärmeversorgung der Leipziger Bürger bereitzustellen. Die Anlage weist in diesem gekoppelten Kraft-Wärme-Prozess einen Brutto-Gesamtwirkungsgrad von mehr als 93 Prozent auf“, erklärt Brandenburg.

    „Durch modernste Gasturbinentechnologie und den Einsatz von Katalysatoren werden die Stickoxid- und Kohlenmonoxid-Emissionen weit unter die gesetzlich zulässigen Werte reduziert.“

    Im Wärmespeicher wird die im Kraftwerk produzierte, aber nicht sofort im Wärmenetz benötigte thermische Energie gespeichert und bei Bedarf ins Netz eingespeist. Somit können die Stadtwerke jederzeit flexibel reagieren und dadurch die Versorgung der wachsenden Stadt gewährleisten.

    Zudem wird in Zukunft auch erneuerbare Wärme aus anderen Anlagen in dem neuen Speicher gesammelt sowie die Wärme-Besicherung der Stadt bei sehr kaltem Wetter über den Speicher gewährleistet. Das Heizkraftwerk ist Teil eines Technologie-Mixes, mit dem das Unternehmen auch verstärkt auf erneuerbare Energien (z. B. Solarenergie) setzt.

    „Weil die Menschen aber auch Wärme brauchen, wenn die Sonne nicht scheint, wird das neue HKW das zentrale Element der Leipziger Wärmezukunft bilden. Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und ökologische Verträglichkeit bilden hier das Zieldreieck für unsere Entscheidungen“, betont Brandenburg.

    Und ergänzt: „Wichtig ist uns zudem, dass wir die Beeinträchtigungen, die eine Baustelle nun einmal mit sich bringt, für Anwohner so gering wie möglich halten. Deshalb haben wir unter anderem eine fast 150 Meter lange temporäre Schallschutzwand zur benachbarten Schule und Kita errichtet.“

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